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SIVERT HØYEM – CHRISTER KNUTSEN

Ort: Hamburg - Uebel & Gefährlich

Datum: 09.04.2010

SIVERT HØYEM war Sänger und Frontmann der hochgeschätzten norwegischen Band MADRUGADA, die nach dem plötzlichen Tod von Gitarrist Robert Buras im Juli 2007 zwar noch das fünfte Album „Madrugada“ (was übrigens in der spanischen und portugiesischen Sprache „Morgengrauen“ heißt) fertig gestellt und 2008 auch veröffentlicht hat; seit Ende des gleichen Jahres liegt MADRUGADA jedoch auf unbestimmte Zeit auf Eis, weshalb SIVERT HØYEM wieder mehr Zeit für seine Soloprojekte hatte und uns Anfang 2010 mit seiner dritten Platte „Moon Landing“ beglückte. Stilistisch bewegt sich Sivert auch im Alleingang nahe am kraftvoll-melancholischen Indie-Rock, für den MADRUGADA bekannt waren und sind, woran zweifelsohne insbesondere die eindringliche Stimme des glatzköpfigen Norwegers entscheidenden Anteil hat.

Bevor es die im gut gefüllten Uebel & Gefährlich zu hören gab, trat jedoch zunächst um 20.15 Uhr Landsmann CHRISTER KNUTSEN mit seiner Gitarre ans Mikro und stimmte das Publikum mit vier eigenen Singer-/ Songwriter-Nummern auf den gefühlvollen Abend ein, der den Anwesenden bevorstand. Ein gelungener Einstand, der allerdings nur ganze 15 Minuten dauerte. Nach einer ebenso langen Umbaupause war der dunkelhaarige Schlacks dann aber auch schon wieder mitsamt Sechssaiter auf der Stage, da er auch zu Siverts vierköpfiger Band gehört und die erste Hälfe des wunderbaren „Beldorado“ vom aktuellen Longplayer auf der Gitarre begleitete. Bei „High Society“ sah man ihn dann am E-Piano, wo er den Großteil des Gigs absolvierte, wenngleich er zwischendurch immer mal wieder zur Langaxt zurückkehrte. Auch der bärtige Bassist auf der Linken wechselte zwischendurch bei „What You Doin’ With Him?“ kurzfristig an die akustischen sechs Saiten, um dem als „Hamburg Boogie“ angekündigten Song den richtigen Kick zu verpassen, blieb ansonsten jedoch seinem Stahlsaiter treu und half auf diese Weise „Lost At Sea“ besonders mitreißend zu gestalten. Beim getragenen „Going For Gold“ verzichtete Sivert auf sein Instrument und widmete sich ganz seinem Gänsehaut-Gesang, wodurch Christers Tastenspiel mehr in den Vordergrund rückte. Ein hinreißendes Stück, das vom leicht countryesken „The Light That Falls Among The Trees” abgelöst wurde, für das Herr Høyem zur Akustikklampfe griff. Mit „Honey Bee“ gab’s dann einen MADRUGADA-Song der selbstbetitelten letzten Langrille und jede Menge Emotionen. Auch Siverts Solo ging nicht minder unter die Haut und wurde entsprechend begeistert vom aufmerksam lauschenden Auditorium aufgenommen. Für „Into The Sea“ vom 2006er „Exiles“ kehrten die Bandkollegen wieder auf die Bühne zurück und ließen es dann wie beim psychedelisch angehauchten „Shadows/ High Metesa“ ordentlich krachen. Es wurde ausgiebig gegniedelt, ehe es bei „Exiles“ unter Lichtgewittern zu fliegenden Gitarrenwechseln mit viel Rhythmus und Drive kam. Sivert betörte mit seiner ausdrucksstarken Stimme und erntete verdient massig Applaus, um mit „The Kids Are On High Street“ vom 2005er MADRUGADA-Silberling „The Deep End“ einen weiteren Hammer nachzulegen, der umgehend in Herz und Bein ging. Zu „Arcadian Wives“ schalteten die Herrschaften einen Gang zurück ohne dabei Intensität einzubüßen. Der Bass grummelte auf das Feinste und auch der mit einem Zylinder gut behütete zauselige Gitarrist auf der rechten Seite gab an Mikro und Instrument alles. Machte in Gänze ein fulminantes Finale, das um 22.10 Uhr das Ende des regulären Sets markierte.

Natürlich konnte das noch nicht alles gewesen sein und so fand sich das Quintett unter begeisterten Zugaberufen erneut auf der Stage ein und heizte der Menge mit dem gitarrendominierten „Sister Sonic Blues“ kräftig ein. Hier stellte sich abermals eine psychedelische Note ein und als SIVERT HØYEM begann, auf dem Boden kniend aus einem Buch vorzulesen, weckte dies Erinnerungen an die DOORS und Jim Morrison bei „The End“. Das coole „What’s On Your Mind?” stammte ebenfalls vom letzten MADRUGADA-Album und präsentierte sich ruhiger, ehe mit „Moon Landing“ nochmals Druck gemacht wurde. Bevor es mit „Don’t Pass By Me” auf die Zielgerade ging, stellte der charismatische Fronter seine Band vor, bedankte sich beim Publikum fürs Kommen und bat darum, beim nächsten Mal doch auch Mum und Dad mitzubringen. Dabei war das Publikum keineswegs so jugendlich, vielmehr waren wohl eher größtenteils MADRUGADA-Fans da, die Norwegens erfolgreichste Rockkapelle möglicherweise bereits seit ihren Anfangstagen Mitte der Neunziger begleiten und langsam besser ihre eigenen Kinder denn ihre Eltern mitbringen könnten. Auf jeden Fall wurde es noch einmal sehr melodramatisch und weil die Hamburger ohne eine weitere Zugabe nicht gehen wollten, gab es mit „The Cool Song“ um 22.45 Uhr noch ein Lied einer norwegischen Supergroup auf die Ohren, das mit großartigen Gitarrenriffs gefiel.

So muss Rockmusik sein: Voller Intensität, Sehnsucht und Kraft! SIVERT HØYEM und seine Mannen haben über zwei Stunden eine grandiose Show abgeliefert und mit Sicherheit allen Anwesenden einen wunderbaren Abend beschert. Mehr kann man von einem Konzert nicht erwarten und wir dürfen nur hoffen, dass die Skandinavier uns bald wieder beehren.

Setlist SIVERT HØYEM
Belorado
High Society
What You Doin’ With Him?
Lost At Sea
Going For Gold
The Light That Falls Among The Trees
Honey Bee
Sivert solo
Into The Sea
Shadows/High Metesa
Exiles
The Kids Are On High Street
Arcadian Wives

Sister Sonic Blues
What’s On Your Mind?
Moon Landing
Don’t Pass By Me

The Cool Song

Copyright Fotos: Ulrike Meyer Potthoff

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