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SIVERT HØYEM – JONAS ALASKA

Ort: Hamburg – Uebel & Gefährlich

Datum: 12.03.2016

Auf dem Heiligengeistfeld stand zwar der Frühlingsdom in den Startlöchern und auch St. Pauli lockte an diesem Wochenende mit einem Heimspiel, aber deshalb hatte es mich nicht an die Hamburger Feldstraße gezogen. Mein Ziel war der Hochbunker, der u.a. das Uebel & Gefährlich beherbergt, das an diesem Samstagabend fest in norwegischer Hand war. Nicht nur, dass die Bühne mit SIVERT HØYEM und Band sowie dem Support JONAS ALASKA mit Norwegern besetzt war, auch im Publikum fanden sich Landsleute, die vermutlich die Gelegenheit nutzen, den Ex-Sänger und Fronter der legendären MADRUGADA in etwas intimerer Umgebung zu sehen, als dies daheim möglich ist. Nun war der Club, der rund 1000 Leuten Platz bietet, jedoch durchaus gut besucht, sodass der Gig nur noch bedingt das Prädikat „intim“ bekommen konnte, aber das tat dem Umstand, dass Sivert und seine Mannen mal wieder eine bravouröse Show abgeliefert haben, keinen Abbruch.

Bevor es so weit war, dass Høyem, Cato Salsa (Gitarre), Børge Fjordheim (Drums), Rudi Nikolaisen (Bass) und Christer Knutsen (Gitarre & Keys) die Stage enterten, war es jedoch an JONAS ALASKA, die Anwesenden „vorzuwärmen“. Der 28-jährige versprach zu diesem Zweck „sad and depressive songs“, ehe der Hauptact des Abends noch mehr Lieder dieser Ausprägung zu Gehör bringen würde. Bewaffnet mit Akustikgitarre und Mundharmonika legte der Blondschopf um 19.50 Uhr mit „October“ vom letztjährigen Longplayer „Tonight“ los und zweifellos machte er mit dieser Nummer seinem Ruf als schwermütiger Singer-Songwriter alle Ehre. Im Laufe seiner halben Stunde wurde er jedoch durchaus lebhafter, etwa mit „How Could I Forget“ und auch „In The Backseat“ nahm nach einem ruhigen Start erneut Fahrt auf. Bereits im Vorfeld entschuldigte sich Jonas bei seinen Zuhörern für das Gitarrensolo von „Paper Plane“. Natürlich war das Fishing for Compliments und tatsächlich war der Track vom Anfang April erscheinenden Album „Younger“ gar nicht so melancholisch. Den Part „sad & depressive“ übernahm stattdessen das nachfolgende „If Only As A Ghost“, bevor’s zum Abschluss einen „Bob-Dylan-Hip-Hop-Song“ auf die Ohren gab. Die Rede ist vom „Talking Swine Flue Blues“ – wie es scheint, ist Herr Alaska ein kleiner Hypochonder, aber wie würde meine Mutter sagen: Der Junge hat ja auch nichts zuzusetzen! Auf jeden Fall wurde er mit freundlichem und verdientem Applaus bedacht, auch wenn die aus den hinteren Reihen nach vorn dringende Geräuschkulisse gelegentlich grenzwertig war.

Setlist JONAS ALASKA
October
?
I’m Sorry
How Could I Forget
In The Backseat
Paper Plane
If Only As A Ghost
Talking Swine Flue Blues

Als um 20.45 Uhr ein Intro den Beginn des SIVERT-HØYEM-Gigs ankündigte, wurden die Gespräche jedoch ganz schnell eingestellt und bereits mit dem Titeltrack des aktuellen Silberlings „Lioness“ hatte der Skandinavier seine Fans an der Angel. Christer sorgte an den Tasten für die passende Untermalung, während der Bandleader in die Gitarrensaiten griff und seine unvergleichliche Stimme erklingen ließ. Für „Black & Gold“ wechselte Christer kurzfristig an die Langaxt und für die beiden wunderbaren Stücke „Empty House“ und „Lost At Sea“ vom 2009er „Moon Landing“ konzentrierte sich der charmante Glatzkopf vollends auf den Gesang. Mit dem ersten MADRUGADA-Track „What’s On Your Mind“ war natürlich ebenfalls ein gerüttelt Maß an Melancholie und Dramatik verbunden. Und natürlich ein Begeisterungssturm des Auditoriums, das überwiegend in einem Alter war, das darauf schließen ließ, dass man es hier mit altgedienten Fans zu tun hatte. „Where Is My Moon“ schloss sich mit ruhigeren Klängen an, ehe sich „Honey Bee“ auf der Setlist wiederfand. Das Lied von der selbstbetitelten letzten MADRUGADA-Langrille ist nach eigenem Bekunden Siverts Lieblingsstück der Platte und ohne Zweifel hatten wir es hier mit einem gewohnt eindringlichen Song zu tun, der mit einem prägnanten Schlagwerk und mit einem fetten Finale sowie abschließendem Akustikgitarren-Solo vom bärtigen Cato Salsa gefiel. Für das überwältigende „Prisoner of The Road“ wurde die Bühne, auf der nur noch Sivert und Christer agierten, in rotes Licht getaucht, ehe zu „Into The Sea“ wieder die gesamte Mannschaft versammelt war und es mit viel Wumms groovte. Es durfte ebenso wie zum druckvollen „V-O-I-D“ getanzt werden und auch mit „The Boss Bossa Nova“ standen treibende Tonfolgen auf dem Programm, wenngleich es an dieser Stelle etwas frickeliger zur Sache ging. In diesem Sinne schloss sich „Görlitzer Park“ von der Vorgänger-LP „Endless Love“ aus 2014 an, um schließlich mit „Give It A Whirl“ (2011 auf „Long Slow Distance“ erschienen) ein echtes Grummelmonster entstehen zu lassen. Zur Belohnung spendierten die Hanseaten kräftigen Beifall, mit dem auch „Majesty“ bedacht wurde. Dieser Song vom 2002er „Grit“ war, ist und bleibt ein Highlight der MADRUGADA-Diskografie und unverzichtbar bei jedem Konzert! Die aktuelle Singleauskopplung „Sleepwalking Man“ schaffte es dabei in der Folge mühelos, die großartige Stimmung aufzunehmen, markierte aber leider nach 75 Minuten auch schon das Ende des regulären Sets.

Dank „Electric“ gab’s jedoch einen rhythmusbetonten Nachschlag fürs Herz und mit „The Kids Are On High Street“ und „Moon Landing“ gingen die Herrschaften noch mal in die Vollen und lieferten einen hochenergetischen Abschluss einen Konzertabends, der keine Wünsche offen gelassen hatte. Da hatte sich jeder Cent für den Babysitter gelohnt oder wie in meinem Fall: jeder Tropfen Diesel. SIVERT HØYEM versteht es einfach, eine unglaublich intensive Stimmung aufzubauen und begeistert mit neuen und alten Songs in gleichem Maße und immer wieder aufs Neue.

Setlist SIVERT HØYEM
Lioness
Black & Gold
Empty House
Lost At Sea
What’s On Your Mind? (MADRUGADA-Song)
Where Is My Moon
Honey Bee (MADRUGADA-Song)
Prisoner of The Road
Into The Sea
V-O-I-D
The Boss Bossa Nova
Görlitzer Park
Give It A Whirl
Majesty (MADRUGADA-Song)
Sleepwalking Man

Electric (MADRUGADA-Song)
The Kids Are On High Street (MADRUGADA-Song)
Moon Landing

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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