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SIVERT HØYEM – MARK LOTTERMAN

Ort: Groningen – De Oosterpoort

Datum: 06.06.2014

Freitag vor Pfingsten, 17.00 Uhr. Beim Rock im Park stehen ALTER BRIDGE in den Startlöchern. Hm, die 500 km von Osnabrück nach Nürnberg werde ich wohl auch zum heutigen Headliner METALLICA nicht mehr schaffen. Aber die Straßen gen Süden sind eh alle viel zu voll und Staus nerven bekanntlich nur. Die Strecke auf der A30/A31 Richtung Niederlande ist da deutlich angenehmer zu fahren und wenn dann auch noch ein Konzert mit SIVERT HØYEM als Ziel lockt… Der Norweger machte an diesem Abend nämlich Station im schönen Groningen und spielte zusammen mit seiner Band im dortigen Oosterpoort.

Den Support übernahm derweil MARK LOTTERMAN aus Rotterdam, der seine Landsleute nicht nur mit seiner Musik, sondern auch mit seinen Sprüchen zwischen seinen im Alleingang mitsamt Akustikklampfe vorgetragenen Liedern unterhielt. War der Gesang auf Englisch, verlegte er sich zwischendrin wenig überraschend auf das muttersprachliche Idiom, weshalb ich überhaupt keine Ahnung habe, was er da erzählt hat. Stilistisch ist der Mann mit der Reibeisenstimme dem Singer-/ Songwriter-Fach zuzuordnen, wobei der Herr durchaus auch mit Verstärkung unterwegs ist und dann soll es auf der Stage richtig rundgehen. Heuer wirkte Mark auf der Bühne ein wenig verloren, was allerdings nur an der besonderen Venue lag, die nicht nur bestuhlt war, sondern wie in einem Amphi-Theater über aufsteigende Ränge verfügte. Das Parkett direkt vor Marks Arbeitsplatz blieb zu dieser frühen Stunde noch leer und weil der Raum fast komplett im Dunklen lag, schien der Mann am Mikro fast ein bisschen gegen die Dunkelheit anzusingen. Auf jeden Fall hat MARK LOTTERMAN seine rund 40 Minuten hervorragend genutzt und durfte sich außerdem sicher sein, dass sein Auditorium ihm aufmerksam zugehört hat. Überwiegend waren die Lieder wie „I Miss You“ nämlich genau dafür gedacht, auch wenn beispielsweise „Indie“ durchaus zum Tanzen animierte. Für mich war’s nach knapp zwei Stunden Autofahrt zweifellos der beste Weg, um runter- und anzukommen. Ich war bereit für den Hauptact!

Lange mussten die etwa 400 Fans nicht warten und um kurz nach 21.00 Uhr ließ eine Stimme aus dem Off ahnen, dass die Show beginnen sollte. Für den Anfang hatte der Sänger, der seit dem Tod von Gitarrist Robert S. Burås im Sommer 2007 bereits seit 2008 auf unbestimmte Zeit auf Eis liegenden Indie-Kapelle MADRUGADA den eindringlichen Song „Shadows“ seines 2009er Solo-Albums „Moon Landing“ ausgewählt. Ein schöner Einstieg, auf den das Publikum mit dem geheimnisvollen „Long Slow Distance“ vom gleichnamigen Longplayer aus 2011 verwöhnt wurde. Vom gleichen Silberling stammte auch „Give It A Whirl“, das mit viel Druck durch und durch ging, ehe der Titeltrack der aktuellen Langrille „Endless Love“ auf seine ganz spezielle Art und Weise krachte. Seine fünfköpfige Begleitband unterstützte ihn dabei nicht nur an den Instrumenten, sondern auch gesanglich, während Sivert für die MADRUGADA-Nummer „What’s On Your Mind?“ auch wieder selbst zum Sechssaiter griff. Die versponnenen Rhythmen mit Tiefgang wurden begeistert aufgenommen – keine Frage, dass sich im kleinen Saal des Groninger Konzertgebäudes insbesondere die alten Anhänger der Norweger versammelt hatten. Die Zuschauer kamen aber auch bei den Stücken, die Sivert solo veröffentlicht hat, voll auf ihre Kosten und durften sich beispielsweise über „Blown Away“ freuen, das auch für einen David-Lynch-Soundtrack taugen würde. Zu diesem Zeitpunkt lag die Bühne in einer Art blauen Düsternis, während bei anderen Gelegenheiten reichlich Farbe und Licht ins Spiel kam. „Ride On Sister“ wurde wie der Vorgänger in reduzierter Besetzung performt und ging zu Herzen, bevor „Honey Bee“ erneut mit der ganzen Mannschaft gespielt und für den intensiven Vortrag mit viel Applaus belohnt wurde. „Into The Sea“ vom 2006er „Exiles“ ging direkt ins Bein und animierte zum Mitklatschen, während „Görlitzer Park“ mit dezenten Quertreibern stetig Spannung aufbaute und vergleichsweise brachial rüberkam. Dem Auditorium gefiel’s genauso wie das treibende „Wat Tyler“, das den ehrwürdigen Saal mit rhythmusbetonten Melodien in einen kleinen Hexenkessel verwandelte. Dank „Look Away Luzifer“ ging es abermals ans Eingemachte, wofür ebenfalls heftige Akklamationen fällig wurden. Ein weiteres Highlight war zweifellos „Majesty“, das zunächst entschleunigt für Gänsehaut sorgte und dann abermals ordentlich Gas gab. „Inner Vision“ baute stattdessen mit dem Piano eine gehörige Dramatik auf – der Drummer hatte an dieser Stelle übrigens Pause – und die Lightshow ließ den charismatischen Fronter im Gegenlicht geradezu strahlen.

Damit war um 22.30 Uhr das reguläre Set auch schon beendet, doch nachdem die Truppe sich ein bisschen hatte bitten lassen, kehrten die Skandinavier an ihre Arbeitsplätze zurück. Zunächst einmal allerdings nur der Chef mit seiner Akustikgitarre, der das minimalistisch-tiefgründige „Prisoner of The Road“ zum Besten gab und dabei im Laufe des Vortrages auch von seinem Mann an den Tasten unterstützt wurde. „At Our Evening Table“ war dann erneut ein Gemeinschaftsprojekt, auf das mit „The Kids Are On High Street“ ein weiterer MADRUGADA-Output folgte, der sehr straight in Herz und Bein ging. Nicht nur auf dem gut gefüllten Parkett wurde zu diesem Anlass getanzt, auch auf den Rängen hatte man sich vielfach erhoben, weil man sich schlicht dem Reiz der Musik nicht mehr entziehen konnte. Ein weiterer kleiner Break sollte noch folgen, doch der Applaus der Niederländer holte SIVERT HØYEM und Kapelle ein letztes Mal auf die Stage zurück, wo das gitarrendominierte „Moon Landing“ kurz vor 23.00 Uhr einen wunderbaren Schlusspunkt setzte.

Ein toller Abend war’s und ohne James Hetfield & Co. zu nahe treten zu wollen: Diese Emotionen hätten METALLICA auf der großen Festivalbühne nicht rüberbringen können. Kurz kam mir deshalb der Gedanke, einfach am nächsten Abend den SIVERT HØYEM-Gig in Rotterdam zu besuchen und bei der Gelegenheit am Pfingstsonntag auch noch mal in Antwerpen nach dem Rechten zu sehen, aber wir wollen es natürlich nicht übertreiben und Nürnberg lockte ja auch noch mit so manchem Schmankerln. Doch davon mehr an anderer Stelle…

Setlist SIVERT HØYEM
Intro
Shadows
Long Slow Distance
Give It A Whirl
Endless Love
What’s On Your Mind? (MADRUGADA)
Blown Away
Ride On Sister
Honey Bee (MADRUGADA)
Into The Sea
Görlitzer Park
Wat Tyler
Look Away Luzifer (MADRUGADA)
Majesty (MADRUGADA)
Inner Vision

Prisoner of The Road
At Our Evening Table
The Kids Are On High Street (MADRUGADA)

Moon Landing

1 Kommentar

  1. Maren Kumpe sagt:

    Achtung! Das Konzert in Berlin wurde vom Lido in den Heimathafen Neukölln verlegt.
    Album VÖ ist jetzt der 23. Mai.

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