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SKI-KING

Ort: Hamburg – Rock Café

Datum: 25.06.2015

Weil das letzte Konzert von SKI-KING im Hamburger Rock Café ausverkauft war und Leute sogar abgewiesen werden mussten, gab sich der Franke mit amerikanischen Wurzeln am Vorabend seines Headliner-Auftritts (mit Bandbegleitung!) im Rahmen der Harley Days erneut die Ehre und spielte abermals in der Silbersackstraße 27 auf. Ganz so voll wie beim Gig im April war’s heuer nicht, aber ein Abend mit Andrew Witzke wird üblicherweise ziemlich spät und da bietet sich ein Freitag einfach besser an als ein Donnerstag, wenn am nächsten Tag wieder die Arbeit ruft. Trotzdem waren viele Wiederholungstäter im Publikum und eine Dame erklärte, sie habe sogar extra Urlaub genommen. Da ließ sich SKI-KING natürlich nicht lumpen und sorgte abermals für ausgelassene Stimmung in dem mit Totenköpfen aller Art dekorierten Laden auf dem Kiez.

Zu hören gab es die aktuelle Setlist, die zwar somit einigen schon bekannt war, aber nichts von ihrer Energie verloren hatte. Dass es wieder technische Probleme mit dem Computer gab, war dem Hauptprotagonisten des Abends deutlich unangenehm, aber die Fans nahmen es mit Humor und wurden gleich darauf mit einem coolen „Unknown Stuntman“ belohnt. Mit „Thunder Rolls“ und „Red Light“ folgten zwei Granaten auf dem Fuße und auch „Little Girl“ groovte wie der Teufel. „Creep“ gab’s in einer flotten Hillbilly-Version und spätestens mit „The Devil’s Right Hand“ kam Bewegung ins Auditorium. Das änderte sich auch nicht bei der Country-/Rock’n’Roll-Variante von „Ace of Spades“ und weiteren Evergreens wie „Overkill“, „Holy Diver“ und „Breaking The Law“. Zwischenzeitlich hatte ein Gast dem bekennenden Jack-Daniels-Fan ein Glas mit der goldenen Flüssigkeit auf die Stage gereicht, denn SKI-KING war ohne die prägnante Whiskey-Flasche aus Lynchburg/Tennessee am Start und nahm stattdessen immer mal wieder einen Schluck aus der Wasserflasche. Ein ungewohntes Bild, das er jedoch zu erklären wusste. Nach seinem Bekunden hat ein Glas Jackie nämlich 5.000 Kalorien und bis er die wieder abtrainiert hat, vergehen Monate. Aus dem Publikum kam darauf der kluge Rat, er möge doch das Glas einfach weglassen und schon schmeckte der Hochprozenter wieder! Weiter ging’s mit ordentlich Schmackes und gereckten Armen bei „Warriors of The Word United“, ehe der „Highway To Hell“ zunächst akustisch eröffnet wurde und sich dann zur Hochgeschwindigkeitspiste entwickelte. Dabei durfte auch ein Angus-Young-Gedächtnistänzchen nicht fehlen, ehe „Amigos Para Siempre“ ein wenig Reeperbahn-Ballermann-Feeling versprühte. Hanseatisches Flair brachte „Auf großer Fahrt“ nicht nur ob der seemännischen Inhalte mit, sondern auch, weil diese Nummer im Original von der Hamburger Kapelle ROTZ & WASSER stammt. Da die Video-Präsentation ihren Geist aufgegeben hatte, mussten die Anwesenden heute auf SKI-KINGs Urlaubsimpressionen aus Lynchburg verzichten, aber das Wichtigste war ja auch, dass „Thank God For Jack Daniels“ gespielt wurde und auf diese Weise kam sogar ein bisschen Südstaaten-Feeling nach St. Pauli. Für den emotionalen Ausklang des ersten Drittels sorgte derweil „Halleluja“, dann war nach 80 Minuten zunächst einmal die erste gewerkschaftlich verordnete Pause an der Reihe.

Eine halbe Stunde später wurde mit voller Kraft weitergerockt und so manches weitere Schmankerl fand in die Gehörgänge der Anwesenden. „So lockte „The Number of The Beast“ die Leute zuverlässig zurück in die Konzertvenue und auch „Run To The Hills“ und „Turn The Page“ waren Klassiker, die auch in der SKI-KING-Bearbeitung mal wieder einen absoluten Hörgenuss darstellten. „Paradise City“ hatte derweil eine aparte Country-Aufmachung bekommen und „Psycho-Dad“ regte ebenso wie das blitzschnelle „Gotta Go“ zum Mitgrölen an. „Blitzkrieg Bob“ hielt das Tempo, während „John The Revelator“ ein bisschen Louisana-Schwüle suggerierte und „Bad Things“ es rockabillymäßig krachen ließ. Beschwingt und mit Fidel und Mundharmonika ausgestattet, übernahm „Built My Hate Around You“ und der „Gravedigger“ hatte wahrlich Rhythmus im Blut! „Better Run“ war ausnahmsweise kein Cover, sondern ein Song der BARROOM PHROPHETS – in weiteres Projekt des Herrn Witzke. In „Stand By Me“ steckte jede Menge Leben und auch zu „Personal Jesus“ durfte getanzt werden. Eine präsente Rhytm-Guitar bestimmte den Sound der Hillbilly-Adaption von „Don’t Sop Believing“, ehe mit „Stayin’ Alive“ und Highspeed der großen Disco-Ära gedacht wurde, wohingegen „51st State of America“ ziemlich nah am Original blieb. Ein weiterer Track aus der SKI-KING-Feder beendete den zweiten Teil: „Join Me“ ist ein Lied der COUNTRY TRASHer, das etwas ruhiger daherkam – quasi schon mal als Vorbereitung auf den letzten Akt.

Denn nach einem 15-minütigen Break gestaltete sich der JOHNNY-CASH-Block mit Songs wie „Cry, Cry, Cry“ und „So Doggone Lonesome“ zunächst etwas getragener, bevor „Get Rhythm“ zum Motto für den restlichen Vortrag erkoren wurde. Es groovte amtlich und dass Highlights wie der „Folsom Prison Blues“ und „Ring of Fire“ abgefeiert wurden, versteht sich von selbst, auch wenn die Publikumsgesänge zwischenzeitlich ein wenig dünn klangen, weil der eine oder andere zwischenzeitlich doch den Heimweg angetreten hatte. unterdessen war es allerdings auch schon annähernd 1.00 Uhr, was aber kein Hindernis war, um mit „Ghostriders In The Sky“ ein letztes Mal in die Vollen zu gehen und mit dem finalen „Hurt“ den Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Macht in Summe 3 ½ Stunden Konzert abzgl. 45 Minuten Pause = 2 ¾ Stunden allerbeste Unterhaltung mit Rock’N’Roll, Country, Rockabilly und grandiosen Klassikern, die man im Wesentlichen in dieser Form noch nicht von ihren Urhebern gehört hat; die sich jedoch uneingeschränkt hören lassen können. Gern hätte ich dem Ganzen noch einen ELVIS-PRESLEY-Part hinzugefügt, aber wahrscheinlich musste der 47-jährige sein Kräfte schonen, denn an diesem Wochenende standen ja noch zwei Gigs in Hamburg an. Ich hatte das Vergnügen, am Freitag bei dem Auftritt bei den Harley Days dabei zu sein und muss sagen, dass der Sound mit Band noch mehr Wumms hat und – wenig überraschend – noch organischer rüberkommt. Als neues stilistisches Element war eine Geige mit von der Partie, die bestens mit Kontrabass, Schlagzeug, Akustik- und E-Gitarre und natürlich dem sonoren SKI-KING-Gesang harmonierte. Mal ganz davon abgesehen, dass Andrew eine extrem spielfreudige Truppe um sich geschart hatte, die man gern häufiger mit ihm auf der Stage sehen würde.

Setlist SKI-KING (ohne Gewähr auf Richtigkeit und Anspruch auf Vollständigkeit)
Have You Ever Seen The Rain (CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL)
Unknown Stuntman (LEE MAJORS)
Thunder Rolls (GARTH BROOKS)
Red Light (BILLY OCEAN)
Little Girl (H-BLOCKX)
Still Counting (VOLBEAT)
Creep (RADIOHEAD)
The Devil’s Right Hand (JOHNNY CASH)
Ace of Spades (MOTÖRHEAD)
Overkill (MOTÖRHEAD)
Holy Diver (DIO)
Breaking The Law (JUDAS PRIEST)
Symphony of Destruction (MEGADEATH)
Warriors of The World United (MANOWAR)
Highway To Hell (AC/DC)
Amigos Para Siempre (9 MM)
Auf großer Fahrt (ROTZ & WASSER)
Thank God For Jack Daniels (SEX SLAVES)
Hallelujah (LEONARD COHEN)

The Number of The Beast (IRON MAIDEN)
Run To The Hills (IRON MAIDEN)
Turn The Page (BOB SEGER)
Paradise City (GUNS’N’ROSES)
Psycho Dad (THE BONES)
Gotta Go (AGNOSTIC FRONT)
Blitzkrieg Bop (THE RAMONES)
John The Revelator (Traditional)
Bad Things (JACE EVERETT)
Built My Hate Around You (HEARTBREAK ENGINES)
Gravedigger (WILLIE NELSON)
Better Tun (BARROOM PROPHETS)
Stand By Me (BEN E. KING)
Personal Jesus (DEPECHE MODE)
Don’t Stop Believing (JOURNEY)
Stayin’ Alive (THE BEEGEES)
51th State of America (NEW MODEL ARMY)
Join Me (SKI’S COUNTRY TRASH)

Cry, Cry, Cry (JOHNNY CASH)
So Doggone Lonesome (JOHNNY CASH)
Get Rhythm (JOHNNY CASH)
Folsom Prison Blues (JOHNNY CASH)
Ring of Fire (JOHNNY CASH)
Walk The Line (JOHNNY CASH)
Ghostriders In The Sky (BURL IVES)
Hurt (JOHNNY CASH)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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