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SKI-KING & BAND

Ort: Osnabrück – Bastard Club

Datum: 26.12.2015

Wer nach den besinnlichen Weihnachtstagen ein wenig Bewegung brauchte, war am Samstagabend genau richtig im gut gefüllten Bastard Club. Dort gastierte zum dritten Mal am zweiten Weihnachtstag der großflächig tätowierte SKI-KING mit seiner Band – fast könnte man schon von einer liebgewonnenen Tradition sprechen, hätte der Bandleader nicht ziemlich früh während des Gigs verkündet, dass es der letzte Auftritt für die SKI-KING BAND gewesen sein sollte. Doch keine Angst, 2016 wird aus der Kapelle die REVEREND ANDREW JAMES GANG, die verspricht, „finest countrified music“ zu machen. Dieses Motto galt auch bereits in der Vergangenheit – in Kombination mit harten Klängen und jeder Menge Rock’n’ Roll und Rockabilly und zur Weihnachtszeit eben auch ganz nach dem Sinnspruch: „Süßer die Glocken nie klingen“ war gestern, jetzt läuten die „Hells Bells“!“

Davon konnte man sich bereits kurz nach 20.00 Uhr mit dem ersten temperamentvollen Song „Have You Ever Seen The Rain” überzeugen und der Ex-US-Army-Soldat, der in Nürnberg hängengeblieben ist, hatte so manches Schmankerl auf die Setlist geschrieben, die an Qualität und Quantität kaum einen Wunsch offen ließ. Gleich mit dem äußerst gelungenen BILLY-OCEAN-Cover „Red Light“ legten die Herren um Kontrabassistin Lea Randella knackig nach und auch die JOHNNY-CASH-Interpretationen wussten restlos zu gefallen. Drummer Dog Kessler war als ehemaliger H-BLOCKX-Schlagzeuger natürlich prädestiniert, bei „Little Girl“ für den korrekten Rhythmus zu sorgen, auch wenn er 1995, als der Song der Münsteraner veröffentlicht wurde, nicht mit von der Partie war. Überhaupt hatte man es auf der kleinen Bastard-Bühne mit absoluten Vollprofis zu tun, die im Falle von Miss Randella nicht nur ihr Instrument beherrschten, sondern auch darauf balancieren und allerlei fast schon artistische Kunststückchen vollführten. G.G. Rock’n’Roll und Daniel an den Sechssaitern blieben da dann doch eher beim Wesentlichen – in Summe ein absolut sehens- und hörenswertes Unterfangen. Als Beispiele seien hier das extrem groovende „Still Counting“ oder auch „Stayin’ Alive“ im High-Speed-Modus genannt. Eine volle Rockabilly-Breitseite gab’s währenddessen mit „Stand By Me“, dem das straighte „Don’t Stop Believing“ folgte. Ein Fan meinte es mit SKI-KING besonders gut und spendierte wenig später ein Gläschen Jack Daniels, doch Andrew hat seinen Whiskey-Konsum wohl deutlich reduziert (was auch am Bauchumfang ablesbar ist) und fährt stattdessen seit dem Sommer leidenschaftlich gern Motorrad. „Turn The Page“ ist seine persönliche Biker-Hymne, die auch an der Buerschen Straße gern gehört wurde, bevor abermals JOHNNY CASH die Ehre gegeben wurde und die erste Konzerthälfte nach rund 75 Minuten mit dem schmachtenden „Hallelujah“ von LEONARD COHEN endete.

Wohlgemerkt, die erste hälfte, nicht das gesamte Konzert! Wo andere Künstler die Verstärker ausstellen, machte SKI-KING mit seiner Combo nur eine halbstündige Pause, mischte sich unters Volk und drehte dann nochmals richtig auf. Dafür war DIOs „Holy Diver“ dann auch ein wirklich geeigneter Einstand und auch „Symphony of Destruction“ ließ es ebenso wie „Run To The Hills“ nicht am nötigen Schmackes mangeln. So in Fahrt gekommen, war zunächst eine etwas härtere Spielart gefragt, die im Übrigen bestens mit dem Geigenspiel des bärtigen Joe harmonierte. Die Fiedel sorgte bei den Liedern für den ganz besonderen Kick und befeuerte den Hexenkessel zusätzlich. „Gotta Go“ war natürlich nicht minder bekannt wie die vorherigen Tracks und wurde lauthals mitgesungen und beim „Blitzkrieg Bop“ wurde gar ein Crowdsurfer gesichtet, der es bis auf die Stage schaffte. Dank „Blue Suede Shoes” und „Johnny Be Goode” gab’s Rockabilly at it’s best – inklusive feiner Instrumental-Soli und für „Jackson” griff schließlich auch Lea zum Mikro, um mit Mr. Witzke ein schmissiges Duett hinzulegen. Wer glaubte, mit „Thank God For Jack Daniels” würde eine kleine Verschnaufpause eingelegt, wurde nach wenigen Takten eines besseren belehrt und auch der „Ring of Fire” machte keine Gefangenen. „Personal Jesus“ und der „Folsom Prison Blues“ waren zwei weitere Stücke, die des unübertroffenen JOHNNY CASH gedachten, auch wenn der erstgenannte Track natürlich von DEPECHE MODE stammte, jedoch von der Country-Legende einst sehr erfolgreich gecovert wurde. Der stimmgewaltige SKI-KING präsentierte bei dieser Gelegenheit gleich auch seinen breiten Brustkorb mit seinen zahlreichen Tattoos und bei AC/DCs „Highway To Hell“ hatten alle Beteiligten noch einmal Gelegenheit, im Alleingang ihr Können zu beweisen. So brachte Mr. Rock’n’Roll beispielsweise kurzfristig „Honky Tonk Woman“ zu Gehör, während Dog „Erbarme, die Hesse komme“ skandierte und damit wohl auf seine Frankfurter Herkunft anspielte. Daniel hatte sich angeblich nicht vorbereitet, performte dafür aber sehr überzeugend „Mein Ding“ seines aktuellen Chefs UDO LINDENBERG, ehe mit „Ace of Spades“ ein wirklicher Totalabriss auf dem Programm stand (im Nachhinein kommt hier natürlich Wehmut auf…). Auch hier muss ich unbedingt die Fiedel hervorheben, die dem Ganzen den letzten Schliff verliehen hat und auch bei „Ghostriders In The Sky“ noch einmal zum Einsatz kam. Das finale „Hurt“ spielten Daniel und Andrew hingegen allein und bei dieser Gelegenheit wäre es schön gewesen, wenn der Geräuschpegel im Kellergewölbe nicht ganz so hoch gewesen wäre. So oder so verabschiedete sich SKI-KING mit dieser Nummer kurz nach 23.00 Uhr vom Auditorium, versprach jedoch später am Merch und an der Bar vorbeizugucken.

Und im kommenden Jahr sorgt dann hoffentlich die REVEREND ANDREW JAMES GANG am zweiten Weihnachtstag dafür, dass überzählige Kalorien abgetanzt und von Weihnachtsliedern zugekleisterte Gehörgänge wieder frei geblasen werden können. Mit lieb gewonnenen Traditionen soll man doch nicht brechen! In diesem Sinne: Einen guten Rutsch und bis zum nächsten Jahr!

Setlist
Intro
Have You Ever Seen The Rain (CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL)
Red Light (BILLY OCEAN)
Get Rhythm (JOHNNY CASH)
One Piece At A Time (JOHNNY CASH)
I Got Stripes (JOHNNY CASH)
Unknown Stuntman (LEE MAJORS)
Thunder Rolls (GARTH BROOKS)
Little Girl (H-BLOCKX)
Still Counting (VOLBEAT)
Stayin’ Alive (THE BEEGEES)
Stand By Me (BEN E. KING)
Don’t Stop Believing (JOURNEY)
Turn The Page (BOB SEGER)
John The Revelator (Traditional)
Cocaine Blues (JOHNNY CASH)
Walk The Line (JOHNNY CASH)
Hallelujah (LEONARD COHEN)

Holy Diver (DIO)
Symphony of Destruction (MEGADEATH)
Run To The Hills (IRON MAIDEN)
Breaking The Law (JUDAS PRIEST)
Gotta Go (AGNOSTIC FRONT)
Blitzkrieg Bop (THE RAMONES)
Blue Suede Shoes (CARL PERKINS)
Johnny Be Goode (CHUCK BERRY)
Jackson (JOHNNY CASH & JUNE CARTER JACKSON)
Thank God For Jack Daniels (SEX SLAVES)
Ring of Fire (JOHNNY CASH)
Personal Jesus (DEPECHE MODE)
Folsom Prison Blues (JOHNNY CASH)
Highway To Hell (AC/DC)
Ace of Spades (MOTÖRHEAD)
Ghostriders In The Sky (BURL IVES)
Hurt (JOHNNY CASH)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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