Terrorverlag > Blog > SKI-KING > SKI-KING

Konzert Filter

SKI-KING

150509-Ski-King-0

Ort: Bielefeld – Extra-Blues-Bar

Datum: 09.05.2015

Wenn ein Musiker solo auftritt, der üblicherweise mit einer kompletten Rock-Kapelle in Verbindung gebracht wird, vermutet man zunächst einmal, dass er wahrscheinlich seine Songs in einer reduzierten Akustikform zum Besten gibt und deshalb die Wanderklampfe ins Gepäck gehört. Dann handelt es sich allerdings nicht um einen Gig von SKI-KING, der bespielt nämlich der Einfachheit halber einfach seinen Mikrofonständer und lässt die Musik vom Band kommen. Das spart die Kosten für die Kollegen an den Instrumenten und zu trinken bleibt so im Zweifel auch mehr für den Wahl-Franken mit amerikanischen Wurzeln übrig. Wer unter diesen Umständen in Bielefeld der Meinung war, dass ein Eintrittspreis von EUR 15,00 für ein bisschen Playback-Mucke zu viel war, hatte definitiv noch nicht das Vergnügen, SKI-KING live zu erleben. Zwar behauptet der Mann, nur den geliebten Jack Daniels live zu trinken, alles andere sei quasi Attrappe, aber tatsächlich lässt sich der reich bebilderte Bartträger nicht lumpen und spielt auch schon mal sieben Stunden lang Rock, Country, Rock’n’Roll und Rockabilly, wenn der Veranstalter meint, dass die Tickets EUR 19,00 kosten müssen.

In der Leineweberstadt war der Kurs ein wenig günstiger und deshalb gab’s auch „nur“ ein gut fünfstündiges Konzert, das lediglich von zwei halbstündigen Pipi- und Zigarettenpausen unterbrochen wurde. Andrew James Witzke aka SKI-KING hat wahrlich Ausdauer, da gibt es nicht zu meckern und singen kann der 47-jährige auch! Das bewies er gleich mit dem Opener „Have You Ever Seen The Rain“ vom aktuellen Silberling „Sketchbook III: New Horizons“ und auch die Frage, ob da womöglich auf der kleinen Stage tatsächlich nur die Lippen bewegt wurden, konnte bei dieser Gelegenheit direkt geklärt werden, da der Hauptprotagonist des Abends nur schwer ein Lachen unterdrücken konnte, was sich dann auch im Gesang widerspiegelte. Die Hütte war gerammelt voll und die Leute hatten ganz offensichtlich Bock. Entsprechend wurde der „Unknown Stuntman“ mit Begeisterung aufgenommen und auch das von mir sehr geschätzte „Thunder Rolls“ fand viel Beifall. Zur großartigen „Red Light“-Adaption fand sich dann doch noch eine Band im kuschelig warmen Keller ein – wenngleich nur per Video, doch das schadete dem extrem coolen BILLY-OCEAN-Cover nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass vermutlich auf dem roten Bühnenteppich gar nicht genügend Platz für die gesamte Truppe gewesen wäre. Mit „Little Girl“ trauten sich langsam die Tanzmäuse aufs Parkett und mit „Still Counting“ und „Creep“ in einer begnadeten Rock’n’Roll-Abwandlung hatten die Damen auch genug Inspiration. Im Übrigen ließen weder das Bühnenbild noch die Kleidung des Herrn Witzke daran zweifeln, welches Getränk sein absoluter Favorit ist. Jack Daniels ließ grüßen und wenn SKI-KING geahnt hätte, dass es keinen Nachschub geben würde, hätte er wahrscheinlich nicht so freigiebig seine Flasche mit der Zuschauerschaft geteilt. So war er gezwungen, Wasser zu trinken (was er nicht empfehlen konnte), Becks (was nach seinem Dafürhalten sehr nahe an Wasser ist und wovon deshalb auch abzuraten war, echtes Bier gibt’s angeblich nur in Franken) und irgendeine andere Form von Schnaps, die aber dem Mienenspiel nach zu schließen auch nur ein müder Ersatz für den geliebten Jackie war. Aber Andrew ist dahingehend ja Kummer gewohnt. Entsprechendes Bildmaterial (quasi seine Urlaubsfotos) hatte er ebenfalls in petto, denn wenn man schon mal in Tennessee ist, besucht man nicht nur JOHNNY CASH bzw. sein Grab in Nashville, sondern auch die berühmte Jack-Daniels-Destillerie in Lynchburg. Wo es allem Anschein nach zwar Unmengen Whiskeys gab, der aber nicht vor Ort verköstigt werden durfte. Das müssen harte vier Tage gewesen sein… Trotzdem sang der Ex-Seargent der US-Army aus vollem Halse „Thank God For Jack Daniels“ und ließ die Pulle kreisen. Zuvor war mit „Amigos Para Siempre” ein wenig Volksmusik-Feeling eingezogen und dass die Deutschen zwar zu jedem Scheiß – nicht im Takt – klatschen, durften die Ostwestfalen nicht nur hier, sondern auch bei „Auf großer Fahrt“ bestätigen. Dafür nahm der Mann mit Hut und tätowierten Koteletten gern auch ein Bad in der Menge, ehe es nach dem ergreifenden „Hallelujah“, das lautstark vom gesamten Auditorium mitgesungen wurde, um 22.30 Uhr den ersten kleinen Break gab.

Wer jetzt allerdings angenommen hätte, es gäbe nach ein paar Minuten Pause noch eine Hand voll Zugaben, kennt SKI-KING schlecht. 30 Minuten reichten, um die Akkus wieder aufzufüllen und dann wurde noch mal amtlich nachgelegt! Schnell mal mit „Seven Nations Army“ a cappella einstimmen und dann mit „The Number of The Beast“ für ein großes Hallo sorgen. Damit nicht genug, machte auch das wunderbare „Run To The Hills“ reichlich Tempo, bevor es mit viel Rhythmus und jeder Menge Rockabilly-Style weiterging. Unfassbar cool präsentierte sich „Gotta Go“, zu dem wie für „John The Revelator“ erneut ein Video über die Leinwand flimmerte und auch „Stand By Me“ wurde nach allen Regeln der Kunst tiefer gelegt und auf Speed gebracht. In diesem Sinne brachte „Built My Hate Around You“ ebenfalls Schwung in den Laden, während der Klassiker „Gravedigger“ direkt auf die Zwölf ging. Dem Wunsch einer einzelnen Dame folgend, schloss sich „Wish You Were Here“ an und trotzdem der Herr Musikus der Meinung war, die Nummer sei ein Party-Killer, hat er damit garantiert ne Menge Leute glücklich gemacht. Dank des großartigen „Personal Jesus“ hatte auch ein, naja, nennen wir ihn mal „Dave Gahan für Arme“ endlich eine Daseinsberechtigung. Irgendwie wirkte der Typ, der sich zwischenzeitlich in die erste Reihe geschoben hatte, als habe er sich in der Veranstaltung geirrt. Sein Tanzstil ließ zumindest auf eine DEPECHE-MODE-Party tippen und als das Kerlchen es zu „One“ dem bulligen Sänger gleich tat und oben rum blank zog, erntete er zahlreiche „Anziehen“-Rufe und die unmissverständliche Aufforderung des Sängers, sich zu verpissen. Auch als es zuvor beim „Folsom Prison Blues“ ein bisschen Stress im Auditorium gab, fackelte SKI-KING nicht lang und regelte die Sache ohne ein Wort zu sagen. Manchmal reichen bei der passenden Konstitution schon einige böse Blicke und ein paar Schritte ins Publikum. Das versöhnliche „Tears In Heaven“ läutete schließlich um 0.45 Uhr die zweite Pause ein. Anscheinend brauchte die Technik selbige auch, denn das Playback begann einige Male von allein zu spielen, bis schließlich das Tablet einfach abgestellt wurde. Andrews lakonische Bemerkung dazu: „Die Band ist besoffen!“.

Diesbezüglich war die „Band“ nicht allein; dem Alkohol war es wohl auch geschuldet, dass im letzten Drittel noch umfangreiche Informationen über die indische Küche und deren Schärfe an den Mann bzw. die Frau gebracht wurden. Diesmal allerdings nicht von SKI-KING, sondern einem Zuschauer, der in „India-English“ für allgemeine Heiterkeit sorgte, während seine weibliche Begleitung seinen Tanzstil niedermachte und später am Tresen eingeschlafen zu sein schien. Doch weit gefehlt! Nach einem ausgiebigen Ritt durch den Rock’N’Roll der Fünfziger, einer musikalischen Verbeugung vor seinem großen Vorbild JOHNNY CASH und knackigen, recht werkgetreuen Interpretationen der STONES und AC/DCs, war „Whiskey In The Jar“ nicht nur nach dem Wunsch nach mehr Alkohol, sondern auch der Frage: „Habt ihr Spaß?“ verbunden. Kurz hob sich ein Kopf an der Bar, ein zustimmendes „Ja“ wurde verkündet, dann sank das Haupt wieder auf die Theke zurück.

Langsam wurde es wohl doch Zeit, an den Feierabend zu denken. Da Lemmy Kilmister SKI-KINGs absolute Nummer 1 ist, stand „Ace of Spades“ kurzerhand noch mal auf dem Programm (das zum Schluss eh spontan nach Lust und Laune zusammengestellt wurde) und am Ende war dann auch noch einmal der große JOHNNY CASH mit einer a-cappella-Version des „Folsom Prison Blues“ zu Gast im Kellergewölbe der Extra-Blues-Bar, die sich im 2.15 Uhr dann auch schon deutlich geleert hatte. Keine Frage: Andrew Witzke ist schon speziell. Er macht wahrlich nicht den Eindruck, Everybody’s Darling sein zu wollen und liefert gleichzeitig eine absolut energiegeladene Show ab. Das tut er nicht nur mit seinem Soloprogramm als THE MIGHTY SKI-KING, er ist auch Fronter der BLACK LEATHER BASTARDS, bei der Country-Formation SKI’S COUNTRY TRASH, der 50er Rock’n’Roll-Kapelle SKI-KING AND THE WONDERBRAS, und auch bei den Dark-Rockern von BELOVED ENEMY stand der Mann am Mikro. Von dieser Zeit kündet auch noch das große Tattoo auf dem unteren Rücken, aber vermutlich hat jeder der unzähligen Nadelstiche auf dem Körper des Nürnbergers eine Bedeutung. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die nächste Nachtschicht mit SKI-KING!

Setlist (ohne Gewähr auf Richtigkeit und Anspruch auf Vollständigkeit)
Have You Ever Seen The Rain (CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL)
Unknown Stuntman (LEE MAJORS)
Thunder Rolls (GARTH BROOKS)
Red Light (BILLY OCEAN)
Little Girl (H-BLOCKX)
Still Counting (VOLBEAT)
Creep (RADIOHEAD)
The Devil’s Right Hand (JOHNNY CASH)
Ace of Spades (MOTÖRHEAD)
Overkill (MOTÖRHEAD)
Holy Diver (DIO)
Breaking The Law (JUDAS PRIEST)
Symphony of Destruction (MEGADEATH)
Warriors of The World United (MANOWAR)
Highway To Hell (AC/DC)
Amigos Para Siempre (9 MM)
Auf großer Fahrt (ROTZ & WASSER)
Thank God For Jack Daniels (SEX SLAVES)
Hallelujah (LEONARD COHEN)

Seven Nations Army (WHITE STRIPES)
The Number of The Beast (IRON MAIDEN)
Run To The Hills (IRON MAIDEN)
? (MOTÖRHEAD)
Paradise City (GUNS’N’ROSES)
Gotta Go (AGNOSTIC FRONT)
?
Stand By Me (BEN E. KING)
John The Revelator (Traditional)
?
Built My Hate Around You (HEARTBREAK ENGINES)
Gravedigger (WILLIE NELSON)
Wish You Were Here (PINK FLOYD)
Personal Jesus (DEPECHE MODE)
Folsom Prison Blues (JOHNNY CASH)
Ring of Fire (JOHNNY CASH)
Ghostriders In The Sky (BURL IVES)
? (SKI-KING-Song)
One (U2)
Tears In Heaven (ERIC CLAPTON)

Stayin’ Alive (BEE GEES)
A Teenager In Love (DION & THE BELMONTS)
In The Ghetto (ELVIS PRESLEY)
?
Blue Suede Shoes (CARL PERKINS)
Devil In The Sky (ELVIS PRESLEY)
Symphony For The Devil (ROLLING STONES)
Whole Lotta Rosie (AC/DC)
TNT (AC/DC)
Whiskey In The Jar (Irish Traditional)
Ace of Spades (MOTÖRHEAD)
Cats In The Cradle (HARRY CHAPLIN)
Folsom Prison Blues (a cappella)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu SKI-KING auf terrorverlag.com