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SKINNY PUPPY

Ort: Prag - Lucerna Music Bar

Datum: 12.08.2010

Die Tatsache, dass ich Prag schon immer mal erkunden wollte und zudem SKINNY PUPPY dort aufspielten, ließ bei mir relativ spontan den Entschluss reifen, diesen Anlass für einen Kurztrip in die tschechische Hauptstadt zu nutzen. Die Lucerna Music Bar liegt unschlagbar zentral, keine 100 Meter vom Wenzelsplatz entfernt, bietet ca. 500 Leuten Platz und besitzt als besonderen Charme eine halbrunde Bühne, die intimen Kontakt zwischen Bands und Auditorium zulässt. Während in Haarlem noch vor einer überraschend und enttäuschend kleinen Zuschaueranzahl DESTROID Support waren, gab es in Prag SKINNY PUPPY pur und das vor deutlich mehr Anwesenden.

Vom Konzept und Bühnenaufbau erinnerte vieles an die letzte „Mythrus-Tour“. Neu waren noch ein paar mehr Projektionsflächen für die Videoanimationen, u.a. diente auch Ogres Kostüm als eben solche. Niveks Vorliebe für theatralische Auftritte kam auch diesmal nicht zu kurz. Im Nachhinein erinnerte mich sein diesjähriges Konzept ein wenig an „Das seltsame Leben des Benjamin Button“. Im Laufe des Gigs schien er nämlich immer jünger und agiler zu werden. Los ging es relativ unkrachig und unspektakulär mit „Love in Vain“, zu dem er mühsam auf allen Vieren, mit langem schwarzen Bart, Maske und einer an den wohl längsten Joint des Universums erinnernden Kopfbekleidung, gestützt auf einen Rollator, auf die Bühne kroch, begleitend von einer blutrot werdenden Leinwand und frenetischem Jubel des Publikums. Wirre Gesten, das typische Venenklopfen eines Heroinabhängigen, orientierungsloses über die Bühne Irren, sowie das schlussendliche Fallenlassen der Maske gehörten zu seiner Performance dazu, von Lied zu Lied schien er agiler zu werden und verlor Bart, die Maske und seine müden Bewegungen.

Ebenso wie schon bei ihrem Reunion-Auftritt auf dem Doomsday 2000 gehörte dazu, dass mit „Dogshit/ Censor“ zumindest ein Song quasi unsichtbar im Hintergrund performt wurde und Orge nicht zu sehen war. Gleich im Anschluss folgte für mich das absolute Highlight aller drei gesehenen Gigs – „Deadlines“. Ogre im Käfig trug den Song mit der Intensität eines gehetzten Wahnsinnigen seiner eigenen Albträume vor. Übertragen und gesplittet auf die Leinwand geworfen, konnten wir so den neunfachen Ogre bewundern. Stringent ging es mit zwei Tracks der „Mythmaker“-VÖ weiter, um dann kurz danach bei „Rodent“ zum ersten und einzigen Mal ausgiebig Blut einzusetzen. Visuell begleitet wurden die Tracks von phänomenalen Effekten, die zusammen mit der Musik einen LSD-Rausch der Sinne verursachten. Während sich die meisten der FX als geschickt zusammengestellte Farbspiele präsentierten, erinnerte „Ugli“ in der visuellen Ausrichtung, ähnlich wie 04/05 „VX Gas Attack“, als ätzende Gesellschaftskritik. Nur diesmal waren nicht George W Bush, sondern personifiziert in der Jesusfigur, die Themen Kirche und Religion dran. Während schon vorher das Publikum am kochen war, gab es – zugegebenermaßen etwas überraschend für mich – beim wohl ungewöhnlichsten SKINNY PUPPY Song aller Zeiten namens „Pro-Test“ absolut kein halten mehr. Eine Combo von drei russischen Mädels prügelte jedenfalls alles im Umkreis von 5 Metern nieder. Dann Nostalgie pur, „Assimilate“ erklang und Ogres Kopfbedeckung qualmte, was das Zeug hielt.

Den ersten Zugabenblock bildeten dann „Worlock“ und „Shore Lined Poison“ und Ogre bedankte sich überschwänglich mit den Worten: „Prag, you were a fucking great audience“. Wie dankbar sie waren, zeigte sich daran, dass schlussendlich noch „Far too Frail“ gespielt wurde. Im Nachgang war zu lesen, dass die Jungs Prag als das beste Konzert ihrer bisherigen Europa-Gigs einordneten, sicherlich auch ein guter Gegenpol zum Tourauftakt in Paris, der nach vier Liedern wegen Soundproblemen abgebrochen werden musste.

Setlist
Love in Vain
Hatekill
Addiction
Dogshit/Censor
Deadlines
Politikil
Pedafly
Rodent
Tormentor
Pro-Test
Morpheus Laughing
Ugli
Assimilate

Worlock
Shore Lined Poison

Far too Frail

Copyright Fotos: Michael Specht

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