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SKUNK ANANSIE – KARIMA FRANCIS

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 04.03.2014

SKUNK ANANSIE – die Combo um die charismatische, kahlköpfige Frontfrau Skin begann in den 90ern ihren steilen Weg an die Spitze der Charts, der mit Erscheinen des zweiten Longplayers „Stoosh“ seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hatte. Damals bewiesen sie, dass Crossover noch lange nicht tot war und verbanden ihren Alternative Rock mit politischen Texten. Danach kam es wie es so oft kommt, mit der dritten CD konnte man an den Erfolg des Vorgängers nicht mehr anknüpfen, Gerüchte über Soloambitionen wurden immer lauter und schließlich verkündete man 2001, man hätte mit SKUNK ANANSIE alles erreicht, was man erreichen kann und trennte sich. Allerdings blieb der ganz große Soloerfolg für alle Bandmitglieder aus. Sicher einer der Gründe, warum man 2009 eine Reunion bekannt gab und seither drei neue Alben aufgenommen hat. Zuletzt 2013 die CD „ An Acoustic Skunk Anansie – Live in London“, der Mitschnitt eines ganz besonderen Abends für die britische Band und ihre Fans und Motto der diesjährigen Tour. Die Europatour wurde im beschaulichen ostwestfälischen Bielefeld eröffnet, frei nach dem Thema eines Frank Sinatra-Klassikers: „If you can make here, you can make it everywhere!

Ein ungewohnter Anblick erwartete uns als wir den Ringlokschuppen betraten, aber die Bestuhlung war dem Umstand geschuldet, dass es ein leiser und intimer Abend werden sollte. Passend dazu auch die„Vorband“, die aus einer Person, nämlich KARIMA FRANCIS, bestand. Fast verloren stand sie da auf der Bühne, in übergroß wirkender Kleidung und mit „Brian May-Gedächtnis-Frisur“. Aber von ihren leisen Tönen ging auch ein gewisser Zauber aus, der sofort auf die Anwesenden übersprang. Selbst SKIN ließ es sich nicht nehmen, die ersten Songs des für sie sicher ungewohnten Supports seitlich von der Bühne zu verfolgen. Klassisches Singer-Songwriter-Material mit rauer Schale und einer außergewöhnlichen Stimme. In der Umbaupause musste KARIMA FRANCIS daher auch am Merchandise-Stand einige Autogramme geben und verkaufte sicher das ein oder andere Exemplar ihrer bisher zwei veröffentlichten CDs.

Eigentlich kennt man SKUNK ANANSIE ja für die besagten Alternative Rockhymnen, die einem durch reichlich Verstärker um die Ohren gehauen werden. Aber im April vergangenen Jahres gaben die Briten in London, als sie ihre Songs in einem völlig neuen Gewand, nämlich rein akustisch, darboten, ein viel bejubeltes Konzert. Und nun kommen europäische Fans in vielen Ländern in den Genuss dieses außergewöhnlichen Erlebnisses. Die ersten waren an diesem lauen Märzabend ungefähr 500 Zuhörer, die es nach OWL gezogen hatte und die nun SKIN und ihre Mannen mit einem warmen Applaus empfingen, der bei den ersten Klängen von „Brazen“ in großen Jubel überging. Gedämpfte Gitarrenklänge begleiteten SKINs Stimme von anfänglich sanften Tönen, die sich im Laufe des Liedes steigerten und energischer wurden. Sofort wurde deutlich, dass SKIN auch die spärlich arrangierten Stücke mit ihrer kraftvollen, teilweise doch zerbrechlich wirkenden Stimme und zugleich großer Bandbreite tragen kann. Immer wieder wechselte die Stimmung von bedächtig und ruhevoll zu explosiv und mitreißend – so mitreißend, dass es bald nur noch wenige auf den Stühlen hielt. Wer bereits die Mitschnitte des schon angesprochenen Londoner Konzertes gesehen hatte, erlebte bezüglich der Setlist allerdings wenig Überraschungen, denn sie war, bis auf den Song „Follow me down“, der noch eingebaut wurde, nahezu identisch. Dies soll jedoch keine Kritik sein, ganz im Gegenteil: beinhaltete die Setlist doch die Lieder, die man hören möchte wenn man zu einem SKUNK ANANSIE – Konzert geht: „Charlie Big Potato“, „Weak“ oder auch „Hedonism“ seien da nur stellvertretend genannt.

SKUNK ANANSIE haben unter Beweis gestellt, dass sich „unplugged“ Konzerte immer noch nicht totgelaufen haben, da sie auf der einen Seite einen intimen Rahmen für die Protagonisten und deren Fans bieten, auf der anderen Seite aber auch Stücke auf ihr musikalisches Skelett beschränken und so im optimalen Fall gutes Songwriting offenbaren.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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