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SKUNK ANANSIE – THE VIRGINMARYS

Ort: Hamburg - Grosse Freiheit

Datum: 27.02.2011

SKUNK ANANSIE – eine Bandgeschichte, die ihren Anfang 1994 nahm und bis heute von vielen Hochs und Tiefs geprägt ist. Die Combo um die charismatische, kahlköpfige Frontfrau Skin begann in den 90ern ihren steilen Weg an die Spitze der Charts, der mit Erscheinen des zweiten Longplayers „Stoosh“ seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hatte. Damals bewiesen sie, dass Crossover noch lange nicht tot war und verbanden ihren Alternative Rock mit politischen Texten. Danach kam es, wie es so oft kommt, mit der dritten CD konnte man an den Erfolg des Vorgängers nicht mehr anknüpfen, Gerüchte über Soloambitionen wurden immer lauter und schließlich verkündete man 2001, man hätte mit SKUNK ANANSIE alles erreicht, was man ereichen kann und trennte sich. Allerdings blieb der ganz große Soloerfolg für alle Bandmitgleider aus. Sicher einer der Gründe, warum sich Ende 2008 herumsprach, die britische Band würde bald ihre Reunion bekannt geben. 2009 wurde dies von der Band bestätigt und die Info veröffentlicht, man sei im Studio, um Songs für eine „Best of“-CD aufzunehmen. 2010 erschien zwischenzeitlich mit „Wonderlustre“ nach über zehn Jahren ein neues Album der Wiedervereinten und mit diesen neuen Songs im Gepäck waren und sind die Jungs und das Mädel von der Insel in diesem Jahr auch wieder live zu sehen. Wir waren in Hamburg vor Ort.

Nach einer reibungslosen Anreise in die Metropole im hohen Norden, führte uns unser Weg direkt auf die berühmt-berüchtigte Reeperbahn. Im dort ansässigen Club „Große Freiheit 36“ sollten SKUNK ANANSIE an diesem verdammt kalten Februar-Abend spielen. Einlass und Akkreditierung verliefen problemlos und zügig – drinnen war die Halle schon gut gefüllt und uns dampfte feucht-schwüle Luft entgegen. Kein Wunder, das Konzert war bereits seit etlicher Zeit ausverkauft und es waren sicher schon einige der ca. 1800 Anwesenden eher gekommen, um sich gute Plätze vor der Stage oder auf dem Balkon zu sichern.

Auftakt des Abends bildeten zunächst THE VIRGINMARYS, drei junge Männer aus Manchester: Sänger und Gitarrist Ally Dickaty, Drumer Danny Dolan und Matt Rose am Bass. Als erstes schoß mir durch den Kopf: Oha, die jüngere Ausgabe der Ludolfs gemixt mit Vetter Itt! Und auch die Art, wie sie ihre Instrumente bearbeiteten, erinnerte mich eher an einen Schrottplatz denn an eine Konzertbühne. Energiegeladen droschen die Jungs auf ihre Klangerzeuger ein als gäbe es kein Morgen. Retro-Rock ala LED ZEPPELIN, nach Meinung vieler Musikmagazine „the next big thing“ und auch in dieser Hamburger Runde kamen Ally, Danny und Matt gut an, es war mehr drin als nur höflicher Applaus, während man auf den Hauptact wartet.

Nach einer etwa 30-minütigen Umbaupause kündigte ein Intro mit allerlei Lasereinsätzen den Beginn der eigentlichen Party an. Die Bühne war hinter einem weißen Vorhang verborgen, der von hinten mit roten und blauen Spots beleuchtet wurde und dann nach einer Minute völliger Finsternis den Blick auf die Silhouetten von Deborah Anne Dyer, besser bekannt unter ihrem Pseudonym „Skin“, Ace (Martin Ivor Kent, Gitarre), Cass (Richard Keith Lewis, Bass) und Mark Richardson (Schlagzeug) freigab. Zu „Yes it´s fucking political“ fiel der Vorhang und die Show begann. Natürlich im Mittelpunkt Sängerin Skin, die sich in einen hautengen schwarzen Catsuit mit einem voluminösen Kragen aus schwarzen Federn geworfen hatte. Für mich der wahre „Black Swan“ in diesem Jahr! Den Federkragen legte sie allerdings nach kurzer Zeit schon ab. Sicher auch, um sich noch schneller und besser auf der Stage bewegen und umherfegen zu können. Hut ab vor der Kondition der Mittvierzigerin – was sie an diesem Abend leistete, inklusive Stagediving und Klettern auf den Balkon, war schon bemerkenswert. Da kann so manches 20jährige Popsternchen sicher nicht mithalten. Die Fans boten ihr an diesem Abend aber auch den Boden für ihre Energieausbrüche, trugen sie auf Händen und bewiesen absolute Textsicherheit. Übrigens ein gut gemischtes Publikum, aber die meisten Anwesenden hatten die 30 wohl schon weit überschritten.

Auch den Bandmitgliedern untereinander schien der Abend Spaß zu machen, offensichtlich hatte die Pause von fast 8 Jahren allen gut getan und während dieser Zeit ist auch einiges Gras gewachsen über Querelen der Vergangeheit. Skin, Ace, Cass und Mark scherzten untereinander und brachten Ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass so viele Leute SKUNK ANANSIE auf Konserve als auch live wieder und immer noch hören wollen und ihr „Comeback“ zu einem so großen Erfolg gemacht haben. Musikalisch boten die Briten einen repräsentativen Querschnitt Ihrer bisherigen Veröffentlichungen, wunderbare Balladen wie „Secretly“ und echte Knaller wie „Charlie Big Potato“ und „Weak“ wechselten sich ab mit Songs vom neuen Silberling „Wonderlustre“. Dabei eine ganze Ecke druckvoller als auf Konserve mit einem wirklich hervorragenden Sound in der „Großen Freiheit“. Skin zeigte sich stimmlich von ihrer allerbesten Seite, was Volumen und Bandbreite anging. Rastamann Cass am Bass verlieh dabei dem Rocksound eine teilweise funkige Note und auch Ally und Matt machten ihre Jobs hervorragend. Leider endete der erste Teil des Abends mit „The skank hands“ bereits nach knapp anderthalb energiegeladenen Stunden.

Doch die Hamburger entliessen SKUNK ANANSIE nicht ohne eine Zugabe und mit dem fantastischen „Hedonism“ kamen die Engländer noch einmal zurück ins Rampenlicht. Es folgte noch „You saved me“, die neue Single, um dann das Set mit „Little Baby Swastikka“ endgültig zu beenden und die Anwesenden schweißgebadet und glücklich in die Hamburger Nacht zu entlassen. Ich hatte SKUNK ANANSIE zuletzt vor elf Jahren im ehrwürdigen PC69 in Bielefeld live gesehen und war mir nicht sicher, ob nicht vielleicht doch der Zahn der Zeit an den Songs und den Protagonisten genagt haben könnte, wurde aber eines besseren belehrt. Denn Skin und ihre Mannen fegen immer noch wie ein Orkan über die Stage und haben sich ihren Enthusiasmus und ihr Temperament über die Jahre bewahrt.

Setlist SKUNK ANANSIE (ohne Gewähr)
Yes It’s Fucking Political
Charlie Big Potato
Because of You
God Loves Only
100 Ways To Be A Good Girl
Secretly
Over the Love
I Can Dream
The Sweetest Thing
My Ugly Boy
Weak
Brazen (Weep)
My Love Will Fall
Twisted (Everyday Hurts)
Feeling the Itch
On My Hotel T.V.
Tear The Place Up
The Skank Heads (Get Off Me)

Hedonism (Just Because You Feel Good)
You Saved Me
Little Baby Swastikka

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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