Konzert Filter

SLAPSHOT – NO REGRETS

Ort: Osnabrück - Bastard Club

Datum: 10.07.2008

Kann man eine Legende lediglich an einem Gig erkennen? Ich würde sagen JA! Zumindest im Falle der Hardcore Legende SLAPSHOT aus Boston. Leider muss ich gestehen, von dieser Band im Vorfeld noch nichts gehört zu haben (muss wohl am Alter liegen, Anm. der Red.)… Gut, an dieser Stelle werden nun einige Leser aus Empörung wohl das Lesen umgehend eingestellt haben und sich kopfschüttelt darüber auslassen, in was für einer Welt sie hier leben, wo solche Wissenslücken ungestraft kundgetan werden – und das alles dann auch zu recht! Allen, die trotzdem das Gute im Menschen sehen und weiterlesen, sei an dieser Stelle gedankt. Als kleine Wiedergutmachung nehme ich auch schon einmal vorweg, dass ich durchweg Positives zu berichten habe und möchte damit nun auch umgehend beginnen.

Los ging es mit meinem Eintreffen am kleinen, aber feinen „Bastard Club“ in Osnabrück, der gerade – so gegen 20 Uhr – die Tür öffnete. Nachdem ich dann erfahren hatte, dass der lokale Support NO REGRETS erst um 21:30 Uhr loslegen sollte, überbrückte ich die Zeit in der angrenzenden Skatehalle und bestaunte die Künste der Brettfahrer. Derweil erinnerte mich mein Magen ziemlich bestimmt daran, dass ich noch gar nicht zu Abend gegessen hatte, was mich dazu bewegte, die nahegelegene Burger-Schnell-Brat-Bude aufzusuchen.

Dass ich dann den Anfang von NO REGTERS verpasste, lag weniger an meiner Trägheit durch Sättigung, sondern an der „wohl durchdachten“ (Ironie!) Ampelschaltung der Stadt Osnabrück, die mir immerhin während der (wenig sinnvollen und überlangen) Rot-Phasen die Nahrungsaufnahme ermöglichten. Mit dann beruhigtem Magen bekam ich allerdings noch ausreichend mit, um eine solide Hardcore-Show des Osnabrücker-Quintetts bescheinigen zu können. Auch wenn man so ziemlich jeden Applaus Seitens des Publikums gut gelaunt als „lahm“ bezeichnete oder mit Worten wie „ihr klatscht ja alle wie Frauen“ bedachte wurde, zeigte man, dass man es bei dieser kleinen Reunion-Auftritt immer noch drauf hat und zockte sich recht souverän durch schnelle, kurze Nummern wie „New Melodies“, „Why“ und „Beautiful New World“. Dabei sorgte man für einige Bewegung vor und auf der Bühne, so dass selbst eine Bierflasche im Takt des dröhnenden Basses mit-moshte – dabei allerdings umfiel. Die Rufe nach einer Putzfrau bzw. Veranstalter „Schnalli“ blieben bis auf Gelächter unbeachtet, so dass sich die Herren Musiker auch nicht zu fein waren, selber aufzuwischen (vielleicht hätte man es sich mit der leicht abwertenden Bemerkung über Frauen im Zusammenhang mit dem Applaus besser überlegen sollen – aber jeder der anwesenden Verstand es ja zurecht als Spaß). Ebenso nicht zu fein war man sich dafür, den Pit anzuheizen, und so stürzte man sich gelegentlich in die grölende Meute, um auch Stücke wie „Silence“ und „Dead Brains Left“ abzufeiern, bevor man mit der geforderten Zugabe „Nightmare“ den Musikalischen Part 1 des Abends um 22:05 Uhr beendete. Rauer, schlichter, zweistimmiger Hardcore, der an manchen Ecken zwar ein wenig hakt, im Großen und Ganzen aber sauber und sehr stimmungsvoll vorgetragen wurde. Sehr nettes Aufwärm Programm, womit NO REGRETS auch rechtfertigten, vor Größen wie AGNOSTIC FRONT gespielt zu haben.

Zu dem Auftritt einer anderen Größe, ja wohl sogar einer Legende, sollte es dann um 22:25 kommen. Mit „Hey, yeah! Yeah! We are fucking SLAPSHOT from fucking New York, yeah, and we…oh! Guten Abend meine Damen und Herren!“ eröffneten das Hardcore Urgestein ihren Teil des Abends auf sehr amüsante Art. Der Klassiker (jaha, ich habe im Vorfeld natürlich recherchiert!) „16 Valve Hate“ als Opener machte schon gleich deutlich, welchen Stellenwert die Band bei den Anwesenden des (trotz der ziemlich spontanen Ankündigung) sehr gut gefüllten Bastard Clubs hat und verbreitete direkt mächtig Stimmung. Man mag ihnen die 23 Jahre, die die Band nun auf dem (tätowiertem) Buckel hat, vielleicht langsam ansehen, aber mit Sicherheit nicht anmerken – höchstens an Erfahrung! SLAPSHOT bringen die Energie des Hardcores in Form von beispielsweise „No Friend Of Mine“, „I’ve Had Enough“ und „Secrets“ ohne Abstriche noch herüber. Bei all der Verbissenheit, die die Musik oft mit sich bringt, schaffen sie es aber immer wieder, trotzdem ein Lächeln auf allen Gesichtern zu hinterlassen. Die Jungs aus Boston haben eine so enorme sympathische Ausstrahlung, wie ich es bei kaum einer Band bisher wahrgenommen habe. Zwischen den Songs wusste Sänger Jack „Choke“ Kelley immer wieder mit der aktuellen Ausgabe der „BRAVO“ (ja genau, DIE „BRAVO“) zu unterhalten und lies sich so zu Aussagen wie „Look at my friend SIDO here… I don’t know why he needs a ugly stupid silver mask…“ oder „I know my hair looks like Scooter – but he is an asshole! And ACE OF BASE sucks!“ hinreißen.

Auch an den Instrumenten wussten die Jungs zu überzeugen, spielten nicht nur Hits wie „108“ und „Firewalker“ routiniert herunter und ließen mir keinen Zweifel mehr an ihrem Status. Besonders Schlagzeuger Mark McKay holte aus seinem minimalen Equipment alles und noch mehr heraus, was man für guten Hardcore-Punk braucht. Seine Kollegen an den Saiteninstrumenten schossen die Riffs fröhlich und gekonnt in den Pit und auch die markanten Shouts saßen zielsicher. Die Fans zeigten sich begeistert, allen voran ein gewisser „Ronnie“, der im laufe des Auftritts für einige sehr Unterhaltsame Situationen sorgte. So wurde er von Choke aufgrund seiner Auffälligkeit sogar persönlich begrüßt. Während ihm Ronnie, die Newshool-Variante praktizierend, die Faust entgegen hielt, zeigte sich Choke natürlich Oldschool und zog einen Handschlag vor. Später musste sich Ronnie entscheiden, ob den nun Colin Fernandez oder doch eher Gülcan das hübschere BRAVO-Covergirl von beiden sei, wonach ihm von Choke unterstellt wurde, wohl eher ein Fan von Dr. Sommer zu sein. Viele, ich eingeschlossen, hatten beinah Tränen in den Augen vor lachen, und nachdem noch einmal klargemacht wurde, dass die BRAVO das deutsche Lieblings-Lifestyle-Magazin das Shouters ist, konnte es auch noch mit Gassenhauern wie „Crossover Sucks“, „Chip On My Shoulder“, „Step On It“, „Hang Up Your Boots“ und „Back On The Map“ weitergehen, wonach ein gut gelauntes, fröhlich moshendes Publikum um 23:20 Uhr ein lautstarkes Klatschgewitter abfeuerte, so dass es nicht nur draußen in vielen Teilen von Deutschland an diesem Abend donnerte, sondern eben auch im Osnabrücker Bastard Club.

Copyright Fotos: Alexander Vogt

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu NO REGRETS auf terrorverlag.com

Mehr zu SLAPSHOT auf terrorverlag.com