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SLIPKNOT – MACHINE HEAD – CHILDREN OF BODOM

Ort: Berlin - Arena Treptow

Datum: 15.11.2008

Nach sehr kurzfristiger Entscheidung meinerseits, doch den Trip nach Berlin anzugehen (thanx to Lukas & Yvonne fürs „klappt-noch“!), um sich von MACHINE HEAD erneut amtlich die Murmel wegschroten zu lassen, kamen wir sehr zeitig vor der Halle an. Die Idee des frühen Erscheinens hatten allerdings auch schon Hunderte weitere Kids, was sich schnell auf Tausende anfüllte. Natürlich war nicht (wie vorgesehen) um 6 Einlass, so dass es fix mal lauter wurde. Um etwa halb 7 öffnete sich denn doch das äußere Stahltor und das große Quetschen begann. Das hat man davon, wenn man die Tür zu spät öffnet bei etwa 8000 Irren und zudem nur über einen Nadelöhrartigen Einlass verfügt… erstaunlich, dass nix passiert ist! Keine pralle Lösung, da sollten sich die Herren Betreiber vielleicht mal was Entspannteres einfallen lassen! Der Einlass an sich war dann voll töfte, die Ordner/innen nett & cool.

OK, ab in den vorderen (dreieckig mit Wellenbrecher abgesperrten, rechts und links vor der Bühne offenen) Pit, der natürlich fix voll war! Pünktlich um 8 legten die Kinder aus Bochum… CHILDREN OF BODOM los wie die Feuerwehr. Zunächst allerdings recht leise und mit extrem dumpfem Sound, machte nix, denn die schon ziemlich vollversammelte Masse ging sofort ab wie Hulle. Frontdeibel Alexi ist ja trotz seines jungen Alters schon quasi ein alter Hase und zockte den extrem kurzen, gerade mal halbstündigen Gig routiniert runter mit seiner Bande. Sehr magere Spielzeit und auch die große Bühne nutzten die Herren nicht so recht aus. Trotzdem räumte man mächtig ab, Raketen wie „Hate Crew Deathroll“, „Sixpounder“, „Blooddrunk“, „Bodom after Midnight“, „Hate Me“ oder „Downfall“ zünden bei der jungen Kundschaft immer. Kurz-knackiges Warm-Up, mehr nicht. Hab ich schon wesentlich motivierter gesehen die Jungs. Man trollte sich fix zu den zahlreichen Getränkeständen, die rundum an den Außenwänden verteilt waren und wo man trotz der Völle nicht lange warten musste.

Denn recht kurz darauf setzten MACHINE HEAD zu einem erneuten Siegeszug sondergleichen an! Schon beim Intro des aktuellen Album-Openers „Clenching the Fists of Dissent“ drehte der gesamte Saal komplett am Rad und die wüsten Pits verteilten sich über die ganze Halle. Ganz vorne wars schon wieder zu eng und nur mitten im Circle-Pit konnte man evtl. etwas Luft schnappen (einige gingen allerdings den Umweg über die Sanis ob der Saunaartigen Luft, u.a. auch unsere nette Fotospenderin Yvonne…). Brauchte man aber nicht, denn Onkel Rob ließ sich zwischen den Songs ordentlich Zeit und machte seine Späßchen mit dem Publikum. Der Gute war sichtlich bei Laune, die Band zockte agil und arschtight wie gewohnt. An die Jungs kommt Live derzeit niemand auch nur annähernd heran (im modern Thrash-Genre)! Mit den Übersongs „Davidian“ und „Imperium“ ließ man die tobende Meute endgültig vollkommen Kopf stehen und der Rezensent wird sich auch die nächsten 3 Tage nur behäbig bewegen können… der Sound war brillant, der Gig noch brillanter und nach 45 Minuten schon vorbei! Ja wie jetzt??? Da darf man fast 50 Ocken für 3 Bands ablatzen und denn 2 so zeitlich sparsame Auftritte? Frechheit! Aber dieses Phänomen wird mittlerweile ja zur regelmäßigen Unsitte. Trotzdem war der MACHINE HEAD-Gig völlig outstanding und nach der alles vernichtenden Macht von obigen Tracks und Brechern wie „Ten Ton Hammer“, „Aesthetics of Hate“, sowie dem im Refrain Gänsehautigen „Halo“ (Rob ist tatsächlich auch Live mittlerweile ein guter Sänger!) sah man überall nur zufrieden-zerstörte Gestalten umhertorkeln. Das kann ja was geben nächstes Jahr in Wacken… mit über 75000 im Pit! LET FREEDOM RING WITH A SHOTGUN BLAST!!!

Nach diesem erwarteten Vernichtungsschlag dachte ich, SLIPKNOT würden da nicht mal ansatzweise gegen anstinken können… zumal die neue Scheibe ja die mit Abstand schwächste aller bisherigen 5 Scheiben ist! 5? Genau, denn vor dem allerorten als Debüt angesehenen Bahnbrechenden „Slipknot“ gab es mit „Mate, Feed, Kill, Repeat“ das wirkliche Debütalbum! Von dem natürlich leider nichts mehr in der Setlist auftaucht. Doch schwer getäuscht! Nach den eher mittelprächtigen letzten Europa-Abstechern und den nicht enden wollenden Auflösungsgerüchten scheint man es jetzt noch mal richtig wissen zu wollen als Band. Die Show kann man nur als exorbitant bezeichnen, das hochgeliftete und auf den Kopf gedrehte Schlagzeug während Joey auf selbigem weiterprügelt, sollte eingefleischten Maggots bekannt sein. Trotzdem immer wieder imposant, ebenso wie die opulente Lightshow und die fetten Pyros. Womit sich auch der hohe Eintrittspreis erklärt. Die Band war von den ersten Takten des harschen Openers „Surfacing“ an voll da, der Soundmann auch (was ein Brett!!!) und die brechend volle Halle stand bis zum letzten Bierstand Kopf! Da merkt man erst mal, WIE groß diese Combo ist. Die allerdings anscheinend auch gemerkt hat, dass die neuen Ergüsse von „All Hope is Gone“ nicht das Gelbe vom Ei sind und somit erstaunlicher- (und erfreulicher-)weise nur 2 neue Tracks zockte! Da lässt die Setlist natürlich (fast) keine Wünsche offen. „Before I Forget“ kommt überirdisch, Corey puscht sich selber und das Publikum und man muss schon lange suchen, um eine ähnlich extreme Band zu finden, die eine dermaßen große Intensität entfacht. Zudem singt der Junge besser denn je und hat die Meute vollkommen im Griff. Der Platz auf der Bühne wird ausgiebigst von allen Band-Maggots genutzt, es herrscht permanent Bewegung. Bei „Spit it Out“ gibt es natürlich auch wieder das altbekannte alle-setzten-sich-hin-Spielchen im ausgedehnten Mittelpart, wo bei wiedereinsetzen des Songs Tausende auf Kommando hochspringen. Imposant, aber auch erstaunlich, dass das nach wie vor so gut funktioniert. Gut funktioniert auch die Band anscheinend nach wie vor, denn auch ein kurzzeitiger Mikro- und somit Textausfall (bei „Heretic Anthem“ glaub ich) bei Corey wird dann eben flux von jemand anderem übernommen. Nach dem Vollabräumer „Duality“ gab es gar eine Überraschung mit dem zuvor nie gespielten „Only One“! Die nächste Überraschung barg der Blick auf die Uhr: schon gut 80 Minuten standen SLIPKNOT auf der Bühne!

By the way: Ebenfalls überraschend war Joeys Schlagzeugspiel. Er zählt ja nicht umsonst zu den versiertesten und besten Drummern der neueren Generation, er spielte etliche der alten Songs auch mit anderen Finessen und fügte bei einigen gar noch fiese Blasts ein! Ganz großes Tennis der Mann! Beim Thema Blasts kommen wir zum Zugabenteil und dem wohl bekanntesten Song, der selbige enthält: „People=Shit“. Unfassbar, wie tight die Band agiert. Mit „sic“ gab es noch einen auf die Mütze, bevor Schicht im Schacht war nach gut 90 explosiven Minuten. Ja wie, Ende? Da war doch noch gar kein „Wait and Bleed“, eigentlich DER Hit schlechthin! Aber bei einem solchen Status kann man es sich erlauben, den einfach mal weg zu lassen und trotzdem völlig abzuräumen. In dieser Form sind SLIPKNOT nicht wegzudenken aus der Szene und man kann nur hoffen, das sie auch mit einer eventuellen nächsten Scheibe kompositorisch noch mal die Kurve kriegen. Eine wahrlich denkwürdige Veranstaltung!

Setlist SLIPKNOT
Intro
Surfacing
The Blister Exists
Get This
Before I Forget
Pulse of the Maggots
Disasterpiece
Dead Memories
Psychosocial
The Heretic Anthem
Prosthetics
Spit it Out
Duality
Only One
People=Shit
(sic)

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