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SOL INVICTUS – 6COMM & FREYA ASWYNN – SONNE HAGAL – PHALLUS DEI – IRR. APP. (EXT.) – ASHRAM – HEKATE

Ort: Leipzig WGT Volkspalast (Kuppelhalle/ Kantine)

Datum: 22.05.2010

Frisch herausgeputzt und gestärkt geht es heute leider nicht erstmal ins Heidnische Dorf, sondern direkt in den Volkspalast. Dort begannen bereits um 15 Uhr die ersten Konzerte, was uns natürlich unmöglich war, zu schaffen. So kamen wir erst kurz nach 16 Uhr an, genau zur rechten Zeit für unser erstes Wunschkonzert. Uns stand ein langer musikalischer Marathon an, denn im Volkspalast läuft es dieses Jahr anders. Neben der beeindruckenden Kuppelhalle ist jetzt auch die Kantine, ein fast ebenso großer, eher länglicher Saal ein zweiter Konzertraum. Hatte man bis vergangenes Jahr noch in der Umbauphase Zeit für ein Bier und eine Zigarette, geht es jetzt nach dem Ende des einen direkt rüber zum nächsten Konzert. Das ist einerseits natürlich toll, denn man kann dadurch viel mehr Bands sehen, andererseits ist das aber auch Stress, wenn man die Auftritte komplett sehen will und ständig hin und her hetzen muss. Und dann gab es leider auch noch Probleme mit dem Zeitplan und es kam zu Überschneidungen.

Unser Marathon begann mit HEKATE, einer der bekanntesten und besten deutschen Neofolk-Bands. Leider hat man seit nunmehr sechs Jahren nichts Neues mehr von ihnen gehört, und auch der Auftritt auf dem WGT scheint kein neues Album in Sicht zu bringen. Sehr schade. Aber dafür gab es ein tolles konzertantes Intermezzo. Sänger Axel Menz wurde musikalisch unterstützt von Sängerin Susanne Grosche, zwei Drummern und einem Keyboarder/ Drehleiermann. Leider gab es nicht wie früher üblich einen zweiten Gasttrommler, aber dafür sorgten Menz selber und die beiden Drummer für ein heidnisches Vergnügen. Ich kann mich nicht mehr so genau an die zahlreichen Konzerte vor längerer Zeit mit HEKATE erinnern, aber ich fand diesen Auftritt relativ mittelalterlich und teilweise auch orientalisch angehaucht, was vielleicht in erster Linie der Drehleier zu verdanken ist. Auf jeden Fall war es ein tolles Gastspiel mit viel Getrommel in allen Variationen, einer kessen Sängerin, einem Axel Frank in Bestform und schönen Melodien der vielen Bandeigenen „Hits“.

Bevor wir eine Pause in der Sonne eingelegt haben, waren wir noch kurz bei ASHRAM in der überschaubar gefüllten Kuppelhalle. Das Trio aus Neapel, zu dem auch Edo Notarloberti, Mitglied bei der gestern spielenden Band ARGINE, gehört, spielte ruhige, entspannende Neoklassik mit einem Hauch von Weltmusik. Sehr angenehm zu hören, aber eher für zu Hause als für ein Konzert. So ging es ab in die Sonne.

In der Kantine kamen wir dann gerade rechtzeitig zu IRR. APP. (EXT.). Klingt der Name schon ungewöhnlich, so war es das Konzert erst recht. Was der Name bedeuten soll, vermag ich nicht zu sagen, aber hinter diesem versteckt sich jedenfalls Matthew Waldron, ein kalifornischer Künstler und Musiker, der auch gelegentlich mit NURSE WITH WOUND kollaboriert. Musikalisch ist IRR. APP. (EXT.) sehr experimentell, aber was anderes hätte man wohl auch nicht erwartet aus dem NWW-Umweld. Eine bunte Mischung aus Ambient- und Experimentalflächen, angereichert mit Industrialeinlagen, Psychedelic, Blues, langen Bass-Soli und diversen Geräuschen. Gewöhnungsbedürftig, aber auch interessant. Noch interessanter aber war die Performance von Waldron, der auch zeitweise mit spitzer Noppenmaske und anderen Verschleierungen auftrat, in eine mit Wasser gefüllte Klangschale reinblubberte, mit verschiedenen Stofftieren rumschimpfte und diverse andere amüsante Aktionen veranstaltete. Im Hintergrund lief ein Video mit Mikroskopaufnahmen von Pantoffeltierchen, Einzellern, Krebsgeschwüren und was auch immer. Eigentlich wollten wir uns nur den Anfang des Konzertes ansehen, sind aber dann doch vor allem wegen der Performance bis zum Schluss geblieben. Interessant.

Und sofort geht es wieder rüber zu PHALLUS DEI. Das Trio aus Holland und Deutschland ist ja dafür bekannt, dass jedes Album anders klingt, und so konnte man im Vorfeld nicht sagen, was den Konzertbesucher erwarten würde. Aber was dann kam, überraschte mich doch positiv. Irgendwie war es doch Ambient, aber mit sehr rockigen und gelegentlich auch folkigen Gitarren- und Schlagzeugelementen und einem angenehmen Sprechgesang von Oliver Strahl. Der Schlagzeuger erzeugte mit seinem Instrument und elektronischer Unterstützung einen coolen Beat, dass sogar leichte Bewegung ins Publikum kam. Ein sehr lässiges, überraschendes Konzert, was wir bis zum Ende verfolgt haben. Die drei Musiker sind bereits seit Ende der 80er aktiv und verstehen ihr Handwerk bestens.

Leider mussten wir dann feststellen, dass es eine etwa zwanzigminütige Zeitverzögerung gab und SONNE HAGAL in der sehr gut gefüllten Kantine bereits mitten in ihrer Darbietung waren. Schade, so haben wir leider den Anfang verpasst. Das Konzert der klassischen Eis & Licht Band war ausgezeichnet. Die vier Herren, unter ihnen Kim Larsen von :OF THE WAND & THE MOON: an den Drums, spielten schönen akustischen, teils rockigen Lagerfeuer-Folk. Lediglich ein Paar Ambient-Geräusche kamen aus der Konserve. Auch viele Hits, unter anderem der ERNTE-Klassiker „Sonnenwende“ wurde gespielt und machten das Konzert zu einem sehr schönen Hörerlebnis.

SIGILLUM S mussten wir dann wegen einer kulinarischen Stärkung ausfallen lassen.

Bei einem Auftritt in England soll sich einmal ein riesiger Bühnensecurity völlig verängstigt ohne Unterlass bekreuzigt haben. Auch hier spürte man böse Schwingungen und einigen, vor allem weiblichen Besuchern war nicht ganz wohl zumute. An Patrick Leagas und seinem Projekt 6COMM mag das nicht gelegen haben. Das Ex-DEATH IN JUNE-Mitglied war bei diesem Auftritt mehr für die akustische Untermalung in Form von Trommeln, Horn und Dark Ambient-Sounds zuständig. Wie schon bei dem legendären Album „The Fruits of Yggdrasil“ aus dem Jahre 1987 handelte sich hier um eine Kollaboration mit der holländischen Musikerin, Runenkundlerin und Paganistin Elizabeth Hooijschuur, besser bekannt als FREYA ASWYNN. Und die Frau Anfang 60 mit schlohweißen langen Haaren und hagerer Gestalt hat tatsächlich etwas Diabolisches an sich, wenn sie auf der Bühne steht, in wütendem/ aggressivem Sprechgesang Texte über nordische Runenmagie vorträgt, dabei Runen in die Luft zeichnet und große Knochen über ihrem Kopf schwingt. Das ganze wirkt aufgrund ihres Alters, ihrer Erscheinung und ihrer unbestreitbaren Kenntnis dieser Materie noch um ein Vielfaches authentischer. Abgesehen von den düsteren Soundkollagen von 6COMM erzeugt FREYA ASWYNN eine teuflische Atmosphäre, bei der man das Gefühl hatte, über dem Saal schwebe das Böse. Sehr beeindruckender Auftritt, der uns hoffentlich nicht alle verflucht hat.

Über folgenden Mann und seine Band braucht man im Grunde nichts mehr zu sagen. Tony Wakeford und SOL INVICTUS sind Urgesteine des Neofolk und bereits zum dritten Mal auf dem WGT. Tony, wie eh und je auf seinem Stuhl sitzend, die Gitarre in der Hand, hatte wieder ANDREW KING und seine drei Mädels an Trommel, mit Bass und Violine/ Flöte um sich geschart und präsentierte uns feinsten Neofolk. Neben vielen alten Klassikern spielte SI auch ein paar neue Songs. Und um eine Zugabe mit zwei bis drei weiteren Titeln kam die Band ebenfalls nicht herum. Ein tolles Konzert von einer der weltweit besten Neofolk-Formationen der Welt. Das wird auch nach dem 1000. Besuch nicht langweilig. Am Plattenstand konnte man dann noch die frisch gepresste und auf 500 Exemplare limitierte 7“ „The bad Luck Bird“ erwerben.

Direkt im Anschluss präsentierte das Dresdner Label Eis & Licht noch die Neofolk-Party in der Kantine mit gewohnt feiner Musik. Und inzwischen scheint es sich tatsächlich mal rumgesprochen zu haben, denn die Konzertbesucher sind nicht wie die Jahre zuvor alle sofort gefahren, sondern in weiten Teilen geblieben und so konnte die Party bis in dem Morgen gehen.

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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