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SÓLSTAFIR – MONO – THE OCEAN

Ort: Köln – Live Music Hall

Datum: 26.10.2015

Wenn’s nach mir geht, können wir das auch gern zur festen Institution machen: Am 26. Oktober eines jeden zweiten Jahres spielen SÓLSTAFIR irgendwo und ich komme einfach mal dazu. Dabei dürfte der Auftrittsort vielleicht nicht ganz so weit entfernt sein wie 2013 in Helsinki, sondern etwas heimatnäher wie heuer in Köln. Obwohl… so ein Kurztrip in eine spannende Ecke Europas ist ja nicht zu verachten… Am Rhein habe ich mir jedoch anders als in der finnischen Hauptstadt den Besuch des berühmten örtlichen Gotteshauses gespart und bin direkt zur Live Music Hall gefahren, wo sich an diesem Montagabend musikalische Gäste aus Berlin (THE OCEAN), Tokio (MONO) und mit SÓLSTAFIR natürlich auch aus Reykjavik tummelten. Seit nunmehr 20 Jahren macht das einzig verbliebene Gründungsmitglied Aðalbjörn Tryggvason nun schon mit SÓLSTAFIR Musik, die sich im Laufe der Zeit vom anfänglichen Viking Metal zu einem unglaublich atmosphärischen Post Metal entwickelt hat. Ab 2002 zählen der Gitarrist Sæþór Maríus Sæþórsson und Bassmann Svavar Austman Traustaso zur Band, der bis vor einigen Monaten auch noch der Drummer Guðmundur Óli Pálmason angehörte, der jedoch nicht mehr mit von der Partie ist und durch eine mir unbekannte Person hinter der Schießbude ersetzt wurde.

Bevor die Isländer allerdings die Stage enterten, sollte noch ein wenig Zeit vergehen und zunächst einmal war es um 19.30 Uhr an THE OCEAN aus der Bundeshauptstadt, den heute doch eher dunklen Reigen zu eröffnen. Leider schien der Mann am Licht nicht mitbekommen zu haben, dass sich auf der Bühne schon was tat; zumindest lag der Arbeitsplatz der sechs Herren, die von einer Dame am Cello begleitet wurden, in beinahe vollständiger Dunkelheit. Viel mehr als schwarz gekleidete Silhouetten waren kaum zu erkennen, aber vielleicht war das auch der Plan, um nicht von der fraglos sehr hörenswerten Musik abzulenken. Die wurde neben dem bereits erwähnten hölzernen Saiteninstrument von zwei Gitarren und einen Bass, einem Tasteninstrument und einem Schlagzeug produziert und von einer Stimme komplettiert, die zwischen Gegrowle und cleanen Vocals changierte. Klar, dass die Post-Metal-Aktivisten das altehrwürdige Industriegemäuer in der Lichtstraße in eine düstere Stimmung versetzen wollten und zweifellos ist den seit 15 Jahren in sehr wechselhaften Besetzungen agierenden THE OCEAN das auch bestens gelungen. Die 40 Minuten Spielzeit wurden mit knackigen Riffs, knurrendem Gesang, dunklem Gegrummel, wummernden Bässen und jaulenden Krachlatten bestens genutzt und nur selten wurde wie beim finalen „The Quiet Observer“ mal ein Gang runtergeschaltet und ein ruhigeres Intermezzo eingeläutet. Auf diese Weise lieferten THE OCEAN einen hervorragenden Einstand ab und legten die Latte für die nachfolgenden MONO verdammt hoch.

Setlist THE OCEAN
Siderian
Rhyacian: Untimely Meditations
Hadopelagic II: Let Them Believe
Demersal: Cognitive Dissonance
The Quiet Observer

20 Minuten später standen bzw. saßen dann Tamaki (Bass & Piano) Yoda und Takaakira ‚Taka‘ Goto (beide Gitarre) sowie Drummer Yasunori Takada auf der Bühne und starteten ihren Ausflug in instrumentale Post- und Psychedelic-Rock-Gefilde. Bereits seit 1999 gibt es diese Kapelle, die glücklicherweise keines der Vorurteile bestätigt hat, die in meinem Kopf dank japanischer Combos wie BABYMETAL oder DIR EN GREY im Kopf herumspukten. Vielmehr hatte ihr Auftreten fast etwas vom Gebaren eines Streichquartetts, wozu auch das dramatische Intro passte, das mit klassischer Musik auf das Erscheinen des Vierers hinwies. Der Live-Vortrag gestaltete sich mit dem Opener „Recoil, Ignite“ durchaus eindringlich und die instrumentalen Sound-Eruptionen wurden von zuckenden Lichtblitzen begleitet, die im Folgenden bei „Death In Reverse“ von blauem und grünem Licht abgelöst wurden, das den langen Anlauf des Songs zum endgültigen Totalabriss optisch untermalten. Teilweise waren diese langsamen Passagen auch ein wenig zu ausführlich geraten. Etwa bei „Kanata“, für das Fräulein Tamaki vom Stahlsaiter ans Tasteninstrument wechselte. Die Nummer war sehr gefühlvoll, bisweilen aber auch ein bisschen zu langatmig. Gleiches galt auch für „Halcyon (Beautiful Days)” bei dem der große Knall am Ende etwas auf sich warten ließ. Deutlich mehr Dynamik brachte da „Ashes In The Snow“ mit, das mit Xylofon-Klängen begann und zunehmend bombastischer wurde. Aus flirrenden Langäxten wurden später monumentale Gitarrenkaskaden, die mit entsprechendem Beifall gewürdigt wurden, bevor das Set mit „Requiem From Hell“ erstaunlich lebhaft und tanzbar endete. Auf der Zielgeraden wechselte das Ganze noch in dissonante Soundwelten und das, ohne 70 Minuten auch nur eine Vokabel von sich zu geben. Zum Abschied richteten die Japaner dann aber doch noch das Wort ans Auditorium, bedankten sich artig und machten Platz für den sehnlichst erwarteten Headliner.

Setlist MONO
Recoil, Ignite
Death In Reverse
Kanata
Halcyon (Beautiful Days)
Ashes In The Snow
Requiem From Hell

Nach weiteren 20 Minuten Umbaupause konnte es um 22.00 Uhr dann auch endlich so richtig losgehen. Die Herren Musiker standen nunmehr derart im Rampenlicht, dass der blonde Rattenzopfträger Svavar beim eröffnenden „Dagmál“ zunächst noch eine Sonnenbrille trug, während Bandvorstand Aðalbjörn eine lustige Fransenweste aus seinem Koffer gekramt hatte. Unterdessen wirkte Sæþór am Sechssaiter unerschütterlich wie eh und je und ging es mit dem Song vom letztjährigen „Ótta“ gleich einmal in die Vollen. „Ljós i Stormi“ vom Vorgänger „Svartir Sandar“ aus 2011 schloss sich mit einnehmenden Stakkatosounds und hypnotischer Gleichförmigkeit an und wurde zu Recht mit viel Applaus bedacht. Nebel waberte alsbald beim sphärischen Auftakt von „Ótta“ über die Stage, gleichzeitig griff Kollege Sæþórsson in die Saiten eines Banjos, das er kurzfristig jedoch wieder gegen eine Gitarre eintauschte. Ebenfalls eine schlicht großartige Nummer mit so viel Strahlkraft, dass man sich ihr – selbst wenn man gewollt hätte – gar nicht entziehen konnte. Trommelwirbel korrespondierten derweil mit mystischen Gitarrenklängen bei „Náttmál“, das von unheilvoller Dramatik war und mit den Tempi spielte. Nachdem das Publikum an dieser Stelle gebührend und auf deutsch begrüßt worden war, kam beim hochenergetischen „Pale Rider“ vom 2009er „Köld“ die Aufforderung zum Klatschen, der die Anwesenden gern und ausdauernd nachkamen – auch für gebührende Akklamationen waren noch genügend Reserven vorhanden, die allerdings auch noch unbedingt für das großartige „Fjara“ reichen mussten. Dieses Stück, bei dem die Spielstätte in kühles blaues Licht getaucht wurde, geht einfach regelmäßig unter die Haut und zählt ohne Zweifel zu den Highlights der SÓLSTAFIR-Diskografie. Mit „Goddes of The Ages“ kündigte Sänger und Gitarrist Tryggvason leider bereits den letzten Song an; ein Umstand den die Fans nur hätten verhindern können, wenn sie innerhalb der nächsten fünf Minuten das Merch leer gekauft hätten. Dazu kam es freilich nicht, sodass die verbliebenen Minuten umso intensiver genutzt werden mussten. Aðalbjörn, der seine Krachlatte gegen eine Uniformmütze eingetauscht hatte, die ihn ein wenig wie der bärtige Herrn Kaleun aus „Das Boot“ aussehen ließ, ging zu diesem Zweck im Graben auf Tuchfühlung und umarmte einige Mädels und schüttelte Hände, bevor er wieder auf die Bühne zurückkehrte und inklusive Schreispielchen mit der Zuschauerschaft ein wirklich fettes Finale abgeliefert wurde. Danach wurde nicht mehr lang gefackelt oder gar der Abschied herausgezögert: die Show war vorbei, die Hand zum Abschied wurde noch mal kurz gehoben und schon waren SÓLSTAFIR im Off verschwunden. Dafür hatten sie ihren restlos begeisterten Anhängern aber auch 70 energiegeladene Minuten beschert, denen man natürlich noch einen großzügigen Nachschlag hätte hinzufügen können, aber das gibt’s bei den Nordatlantik-Insulanern halt nicht, macht nix, wenn wir uns stattdessen spätestens am 26.10.2017 wiedersehen!

Setlist SÓLSTAFIR (ohne Gewähr)
Dagmál
Ljós i Stormi
Ótta
Náttmál
Pale Rider
Fjara
Goddess of The Ages

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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