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SONATA ARCTICA – DELAIN

Ort: Hannover - Capitol

Datum: 08.12.2009

Ganz eindeutig: Dieses Jahr stand absolut im Zeichen von SONATA ARCTICA! Mit „The Days Of Grays“ haben sie eines DER Album-Highlights aus dem Ärmel geschüttelt. Grund genug, dafür auch mal durch halb Deutschland zu gurken. So machen wir uns von Leipzig auf nach Hannover, um einem der wenigen Deutschland Konzerte der Finnen beiwohnen zu dürfen. Doch dem etwas verwirrendem hannoveranischen Schilderwald sei Dank erhasche ich die letzten Töne von WINTERBORN nur noch als Hintergrundmusik zum Rauschen der Toilettenspülung. Da aber dies schon reichte, um Bock auf die Jungs zu bekommen, verflucht man die Beschilderung noch umso mehr – schade! Zeit genug, um erst mal das Capitol näher zu betrachten. Ein ehemaliges Kino mit ausgezeichnetem Ambiente, einem schönen Balkon und sogar Raucherlounge mit Monitor – das nenn ich mal gelungen!

Weiter geht es mit der Symphonic Metal Band DELAIN aus den Niederlanden. Sängerin Charlotte weiß die Meute sofort zu begeistern und lässt ordentlich Stimmung aufkommen. Bauchfrei gibt sie eine attraktive Figur ab und lässt immer wieder ihr Köpfchen rotieren. Ich persönlich kann keinen Unterschied zu anderen Bands dieses Genres mit weiblicher Frontbesetzung finden, so dass mich die Euphorie an dieser Stelle nicht erreichen kann. Songs wie „Stay Forever“ und „The Gathering“ sind eindeutig schön anzuhören und locken auch mit reizvollen Gitarrensoli aber im Großen und Ganzen hör ich hier einfach nichts raus, was es nicht schon in mehreren Ausführungen gibt. Hannover jedoch lässt sich mitreißen und scheint entzückt von der sympathischen Charlotte, die ihre Deutsch-Kenntnisse zum Besten gibt und plötzlich mit schwarzem Spitzen-Top die Blicke auf sich zieht. Eines steht fest, die Übungen zum Einheizen der Partymeute hat die Truppe gut studiert.

Nach einer endlosen halben Stunde Umbaupause gehen die Lichter aus, alles schreckt gespannt auf und lauscht andächtig bis die Jungs von SONATA ARCTICA das Schiff entern und die Meute zu rocken beginnt. Witzbold Tony kommt auf die Bühne gehüpft und präsentiert sich unübersehbar in bester Laune. Diese verfliegt bei mir in Anbetracht des Sounds leider ganz schnell. Bass und Drums viel zu laut, die Gitarre kaum hörbar – was ist das denn für eine Riesensch***? Murphy schickt einen Gruß nach Hannover und lässt mit „Paid In Full“ eines der besten Songs der Finnen im Reich des Soundbreis verklingen. Gut und schön, dass dieses Problem bald behoben wird, aber der Song ist damit Geschichte. Tony lässt sich ganz professionell jedoch wenig anmerken: „Shakespeare has Romeo. We have Caleb“. Hannover dreht total durch und klatscht sich zusammen mit Tony einen Wolf. Mit den atmosphärischen Schattenspielen der Diskokugel kommt bei mir an dieser Stelle richtige Weihnachtsstimmung auf, während Tony auf der Bühne Aerobicübungen vor macht. Doch das Energiebündelchen agiert heute nicht nur als Sportlehrer, sondern auch als beratender Psychologe: Was tun, wenn die Freundin weg ist, der Job bye bye gesagt hat und auch sonst alles aus den Rudern gerät? Sein Tipp: Sich von einem Freund schnappen und in die nächste Bar zerren lassen. Vorhang auf für „As If The World Wasn’t Ending“. Sich heute in der Plauderrolle wohlfühlend quasselt Tony einfach weiter, während die ersten Töne von “Full Moon“ angestimmt werden – und wieder abbrechen. Tony jodelt, worauf das ganze Publikum in Lachen ausbricht. Nächster Versuch – klappt wieder nicht und Tony jodelt. Na jetzt aber! Juchu, geschafft. Wir geben Vollgas mit „Full Moon“ bevor es beim nächsten Stück so romantisch wird, wie lange nicht mehr erlebt. Frontfrau Charlotte von DELAIN betritt in einem unschuldigen weißen Kleid die Bühne und singt rührend und herzergreifend „Last Drop Falls“. Zum Ende des Songs betritt auch Tony wieder die Bühne, nimmt sie an der Hand und singt unbeschreiblich schön mit ihr zusammen diesen Song. Wer noch ein Herz hat, lässt dieses nun butterweich auf den Fußboden klatschen. Wer keines mehr hat, singt einfach weiter oder erfreut sich an den bunten Lichtern.

Aber weg mit all den Emotionen, die bringen einen nicht weiter, sondern nur waschechter Rock’N’Roll!!! Keyboarder Henkka spielt sich in den Mittelpunkt und zockt ein Solo auf seinem tragbaren Keyboard herunter. Gut und schön, aber so macht man die Weiber nicht scharf! Sorry, Henkka! Der part wird abgegeben an Gitarristen Elias, der nun seine Klampfe zum Winseln bringt und für richtig Gänsehaut sorgen kann. Jawohl, SO macht man die Weiber scharf! Mit „Replica“ und „8th Commandment“ werden noch ein paar old school SONATA ARCTICA Stücke oben drauf gesetzt – absolut hammergeil. Tony flippt total aus, spielt Luftgitarre, deutet versaute Sachen an und hüpft wie ein Junge über die Bühne, der gerade erst die Liebe entdeckt hat. Nachdem die Finnen das Schiff erstmals verlassen haben, fängt Tony an zu klatschen und stampfen und stimmt zusammen mit dem Capitol „We Will Wock You“ an. Es folgt „In Black And White“ und der Überhit „Don’t Say A Word“. Auch der Vodka-Song darf nicht fehlen. Tony ist aufgrund des Zuspruchs der Fans ganz aus dem Häuschen. Wie ein Kuschelbärchen knuddelt er sich selber – ach, ist das herzallerliebst. So verabschieden wir uns von SONATA ARCTICA, freuen uns jetzt bereits auf das nächste Mal und stürzen uns zurück in die Eiseskälte und den hannoveranischen Schilderwald!

Setlist SONATA ARCTICA
Everything Fades To Grey (Intro)
Flag In The Ground
Paid In Full
Caleb
The Last Amazing Grays
As If The World Wasn’t Ending
Full Moon
Last Drop Falls
Juliette
Replica
8th Commandment

In Black & White
Don’t Say A Word
Vodka
Everything Fades To Grey (Outro – Edit)

Copyright Fotos: Tine Kersten

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