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SOPHIA – BLACK RUST

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 01.10.2009

Im Frühjahr hatte ich bereits das Vergnügen, SOPHIA und BLACK RUST in Münster live zu erleben und war restlos begeistert. Da war es keine Frage, dass der Terrorverlag auch im Bielefelder Forum erneut dabei war, wo Mr. Robin Proper-Sheppard und seine Schützlinge zu einem weiteren musikalischen Melancholie-Rundumschlag ausholen wollten. Dass der Exil-Amerikaner mit Wohnsitz in London zum zweiten Mal BACK RUST aus Dortmund in sein Tour-Boot holte, zeugt wohl davon, dass der Produzent des aktuellen BLACK-RUST-Albums „Medicine & Metaphors“ große Stücke auf das Quintett hält, welches 2002 als 2-Mann-Projekt von Jonas Künne (Gesang & Gitarre) und Julian Osthues (Gitarre, Mandoline und Mundharmonika) gestartet ist und sich rockigen Folk-Americana auf die Fahnen geschrieben hat.

Zu den Fans von BLACK RUST gehören zudem Thees Uhlmann (TOMTE) sowie Chris Eckman (THE WALKABOUTS) und bestimmt auch einige Zuschauer im gut gefüllten Forum, die allerdings während des 45-minütigen Gigs einen großzügigen Sicherheitsabstand zur Bühne hielten. Vermutlich war es ehrfürchtiges Staunen, welches die Ostwestfalen abgesehen von freundlichem Applaus in derartiger Stille verharren ließ, dass Jonas sogar fragte, ob denn alles in Ordnung sei. Das war es jedoch ganz zweifellos! Angefangen beim ruhigen „Song From The Edge of Bed“, für das Keyboarder Christoph Seiler und Jonas Künne zunächst allein auf die Stage kamen, über das rhythmusbetonte „Everything’s Fading“, zu dem sich der Rest der Truppe auf der Bühne einfand und das von Julian Jacobis Kontrabass dominiert wurde und das flotte „Heartache Now“, spielten sich die Westfalen mit ihrer handgemachten Mucke umgehend in die Herzen der Anwesenden. Davon, was man alles tut, um das Herz einer Frau zu erobern, handelte „Bottom of The Glass“ mit viel Emotionalität und einer sehr präsenten Mandoline, ehe es mit einer Mundharmonika und „It’s Alright, Girl (I’m Only Lying)“ mit viel Drive fröhlich weiterging. Ein Highlight war zweifellos das gefühlvolle „Overdose“, ehe es mit „Raining Roses“ einen neuen Song zu hören gab, der direkt ins Bein ging, bevor mit dem Robin Proper-Sheppard gewidmeten „Marlene“ ein weiterer Track von „Medicine & Metaphors“ zu Gehör gebracht wurde. Mit dem Verstehen des Albumtitels hatte übrigens ein Zuschauer arges Problem, was Jonas die Gelegenheit gab, mehrfach den Namen zu wiederholen und auf das bandeigene Merch hinzuweisen. Hat wohl gewirkt, denn im Anschluss an den Auftritt sah man einige Leute mit der entsprechenden CD und auch am Ende des Abends waren BLACK RUST an ihrem Stand dicht umdrängt von potenziellen Fans und Käufern. Vorher schloss sich jedoch mit „Rocking In The Free World“ noch ein NEIL-YOUNG-Cover an, bei dem die Jungs ein letztes Mal richtig Gas gaben. Da kam es durchaus mehrfach vor, dass Julian seinen Bogen kurzerhand wegwarf und sein Instrument nur mit den Händen bearbeitete, während Christoph an den Tasten zur Höchstform auflief. Da wollten die zweiköpfige Rhythmusabteilung (Schlagzeuger Adrian Hemley sowie Percussionist Norbert Künne) und die Langäxte natürlich nicht zurückstecken und bescherten dem Forum ein grandioses Finale, das zu Recht mit viel Applaus bedacht wurde.

Setlist BLACK RUST
Song From The Edge of Bed
Everything’s Fading
Heartache Now!
Bottom of The Glass
It’s Alright, Girl (I’m Onnly Lying)
Overdose
Raining Roses
Marlene
Rocking In The Free World (NEIL-YOUNG-Cover)

Beim Auftritt von BLACK RUST war es schon recht voll auf der Bühne und jetzt sollten noch vier zusätzliche Personen Platz auf der Stage finden, schließlich gehört zu SOPHIA live auch eine Streichersektion, die untergebracht werden musste. Deshalb wurde noch ein wenig hin und her geschoben und Stühle gerückt, ehe es um 22.10 Uhr mit dem emotionalen „The Sea“ losgehen konnte. Inzwischen hatten sich die Bielefelder auch näher herangetraut und hingen an den Lippen von Mr. Proper-Sheppard, der mit geschlossenen Augen und vollem Körpereinsatz seine Lieder zum Besten gab. Eine wunderbare Melodie reihte sich an die nächste, hervorragend von der Band und ihrem Fronter in Szene gesetzt, wobei die blonde Dame, die in Münster bisweilen für ätherischen Gesang gesorgt hatte und allerlei elektronische Versatzstücke beisteuerte, heuer nicht mit von der Partie war. Stattdessen bediente die humpelnde Cellistin die Tasten und Regler beim fantastischen „Storm Clouds“ und dem sehr tanzbaren „Pace“, während die Streicher sich im Hintergrund hielten. Auch „O My Love“ mit seinem krachenden Drums von Jeff Townsin ging umgehend ins Bein – der SOPHIA-Sound ist eben nicht nur pure Melancholie sondern versteht auch zu rocken, wie die verzerrten Gitarren vom unspektakulär schönen „Desert Song No. 2“ oder das knackige „Obvious“ bewiesen. Dazwischen machte sich ein behäbiger Stomper wie „Leaving“ nicht minder gut und wenn Robin Proper-Sheppard „Dreaming“ allein mit seiner Akustikgitarre intoniert, ist das einfach zum Dahinschmelzen. „I Left You“ schloss sich nahtlos an, um mit „The River Song“ in die Vollen zu gehen. Wie schon bei „Pace“ wechselte Wuschelkopf Will Foster von den Keys an einen elektrischen Sechssaiter, den er größtenteils mit einem Drumstick bearbeitete und es ordentlich schrammeln ließ. Mit derart fetten Stakkatosounds verabschiedeten sich SOPHIA nach 75 Minuten von ihren Fans, um wenig später in halber Besetzung zurückzukehren. Für den Zugabenblock hatte Robin, der das Musikprojekt SOPHIA 1996 nach dem Ende von THE GOD MACHINE ins Leben rief, seine Streicher zurückbeordert und gemeinsam präsentierte man drei weitere Akustik-Songs, die offensichtlich von großer Bedeutung für Proper-Sheppard sind. Den Anfang machte „Heartache“ vom aktuellen Studio-Longplayer Nummer Fünf „There Are No Goodbyes“, bevor es mit „Lost (She Believed In Angels)“ weiterging. Das Stück steht in Zusammenhang mit der Krebserkrankung seiner Mutter, während das sich anschließende „Something“ einer Ex-Freundin gewidmet war, die zu Robins großen Lieben zählte. Diesen wunderbaren 20 Minuten mit leisen Tönen folgte eine weitere Zugabe, für die jedoch zunächst die Band wieder eingesammelt werden musste. Vermutlich war das finale „If A Change Is Gonna Come“ vom 2004er „People Are Like Seasons“ gar nicht mehr geplant, denn einige Akteure tummelten sich schon im Publikum, doch schließlich rockten SOPHIA noch einmal das Forum auf das Feinste, ehe sie sich nach 100 Minuten endgültig ihre Instrumente beiseite legten und sich direkt an ihren Merchandising-Stand begaben.

Für mich wurde es allerdings Zeit, die Rückfahrt anzutreten, die Nacht würde kurz und der Tag lang werden, aber mit klasse Konzerteindrücken im Hinterkopf waren die 50 Kilometer schnell geschafft und schlief es sich ganz entspannt. Und wer weiß, vielleicht kommen SOPHIA und BLACK RUST das nächste Mal nach Osnabrück – bei so einem Heimspiel bin ich auf jeden Fall sofort wieder am Start!

Setlist SOPHIA
The Sea
Swept Back
Signs
Ship In The Sand
Storm Clouds
O My Love
Desert Song No. 2
Leaving
Obvious
Pace
Dreaming
I Left You
The River Song

Heartache
Lost (She Believed In Angels)
Something

If A Change Is Gonna Come

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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