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SOPHIA

Ort: Köln – Artheater

Datum: 24.04.2016

Wenn ich nach einer reinen Fahrtzeit von zwei Stunden noch einmal 30 Minuten damit zubringe, einen einigermaßen legalen Parkplatz zu finden, stehen die Chancen gut, dass ich von Osnabrück nach Köln gefahren bin. So ist an einem fast staufreien Sonntagabend passiert, weil Mr. Robin Proper-Sheppard nebst seiner Band SOPHIA sein Kommen in der Domstadt angekündigt hatte. Jüngst hat der Chef-Melancholiker sein sechstes Album „As We Make Our Way (Unknown Harbours)“ veröffentlicht und damit die Anhängerschaft in kollektive Verzückung versetzt. Ganze sieben Jahre hat es allerdings auch gedauert, bis es neue Konservenkost vom Wahl-Belgier zu hören gab; keine Frage, dass unter diesen Vorzeichen die Vorfreude, mit der die Live-Termine aufgenommen wurden, alsbald zu ausverkauften Gigs führte.

So war es auch in Köln, wo im rappelvollen Artheater am Ehrenfelder Gürtel bald kein Fuß an die Erde zu bekommen war. Wahrscheinlich wäre es nicht verkehrt gewesen, die Veranstaltung in eine etwas größere Venue zu verlegen und die Fotografen hätten sich mit Sicherheit auch über einen Hauch mehr Licht gefreut. Mir persönlich wäre es vor allem sehr entgegen gekommen, wenn das Konzert etwas später begonnen hätte, denn durch meine nur mäßig erfolgreiche Parkplatzsuche traf ich erst vor Ort ein, als die ersten sieben Songs (und somit wesentliche Teile der neuen Langrille) schon Geschichte waren. Sehr ärgerlich, denn die mir verbliebenen 70 Minuten waren grandios! In Sachen dunkler Schwermut macht dem Mann an Gitarre und Mikro einfach niemand etwas vor. Diese Kunst beherrscht er sowohl in der sehr getragenen Form (vgl. beispielsweise das intensive „It’s So Easy To Be Lonely“ vom aktuellen Longplayer) oder als extrem kraftvolle, treibende Darreichungsweise wie bei „Oh My Love“ vom 2004er „People Are Like Seasons“. Gern wird auch beides kombiniert: „The Desert Song No. 2“ ist so ein Kandidat, der heuer zunächst mit einigen Piano-Akkorden und leicht dissonanten Gitarrrenriffs aufwartete, ehe schließlich das Schlagzeug mit einfiel und sich die ätherische Stimmung am Ende in einem eruptiven Finale entlud. Mit dem Grummelmonster „Darkness“ ließ es der Fünfer wenig später unter Lichtblitzen ordentlich krachen und auch beim letzten, mit Begeisterung aufgenommenen Track „The River Song“ (1998 – „The Infinite Circle“) standen noch einmal Lichtgewitter und Stakkatoriffs auf dem Programm – alles Zutaten, die neben der charismatischen Erscheinung des Sängers (und natürlich seiner ausdrucksstarken Stimme) für einen großartigen Abschluss sorgten.

Doch halt: obwohl das Licht in dem kleinen Laden bereits anging, lockten die beharrlichen Akklamationen des überwiegend schon etwas älteren Publikums (man hat ja auch immerhin schon seit 20 Jahren die Gelegenheit, der SOPHIA-Mucke zu frönen) das Quintett erneut auf die Stage, wo „Birds“ vom 2006er „Technology Won’t Save Us“ erneut für eine herrliche Verquickung von Gefühl und Schmackes sorgte, bevor „I Left You“ auf der Zielgeraden ein letztes Mal das große Melancholie-Besteck zückte und auf das Angenehmste zu Herzen ging.

Damit – und mit einem Hinweis auf die nächtens startende neue Staffel „Game of Thrones“ und die anknüpfende Frage, ob Jon Schnee denn wohl noch lebe, verabschiedete sich Proper-Sheppard zunächst von seinen Fans, war aber schon bald wieder am Merch zu finden. Für mich ging es an dieser Stelle aber flugs zurück nach Hause – mit dem zwiegespaltenen Gefühl, ein tolles Konzert erlebt, aber leider auch einen wahrscheinlich nicht minder fantastischen Anfang verpasst zu haben.

Setlist (ohne Gewähr für die ersten sieben Songs)
Resisting
The Drifter
Don’t Ask
Blame
California
St.Tropez/The Hustle
You Say It’s Alright
Baby, Hold On
It’s Easy To Be Lonely
Bad Man
So Slow
If Only
Oh My Love
The Desert Song No. 2
Darkness
The River Song

Birds
I Left You

Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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