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SOPHIE HUNGER

Ort: Osnabrück – Lagerhalle

Datum: 12.04.2013

Einer der Höhepunkte des diesjährigen Popsalons war zweifellos der Auftritt von SOPHIE HUNGER in der bis auf den letzten Platz besetzten Lagerhalle. Die Schweizerin bestritt eines von 18 Konzerten, die im Rahmen des vierten Popsalons im Glanz & Gloria, der Kleinen Freiheit, der bereits erwähnten Lagerhalle und – neu hinzugekommen – dem Haus der Jugend stattfanden. Des Weiteren gab es vom 11. bis 13. April einige After-Show-Parties und sogar an einen Shuttlebus hatten die Veranstalter des Indoor-Festivals gedacht, sodass die rund 2.600 Besucher bequem zwischen den Venues wechseln konnten. Neben dem Gig von SOPHIE HUNGER waren im Übrigen auch die Konzerte von RETRO STEFSON, COSMO JARVIS, WE WERE PROMISED JETPACKS und LAING ausverkauft. Doch kehren wir zurück zu der 30-jährigen Eidgenossin…

Die begann ihre Show mit reichlich Tempo und dem Track „Rererevolution“ von ihrem letztjährigen dritten Album „The Danger of Light“, mit dem sie in den heimischen Charts die Position 2 erreichen konnte und auch hierzulande einen respektablen 50. Platz innehatte. Im Laufe des Vortrages, der von ihrer vierköpfigen schweizerisch-französischen Kapelle inklusive Trompete, Flügelhorn, Glockenspiel, Cello, Bass, Schlagzeug und teilweise ungestümen Hammond- und Rhodes-Sounds äußerst gekonnt begleitet wurde, wechselte die Geschwindigkeit jedoch durchaus und schließlich endete das Stück mit den waghalsigen Stimmübungen von Frau Emilie Jeanne-Sophie Welti, die als Künstlernamen den Mädchennamen ihrer Mutter und ihren zweiten Vornamen gewählt hat. Dass sie nicht nur atemberaubend singen, sondern auch Gitarre spielen kann, bewies die Dame mit dem nächsten Song. Was folgte, waren abwechslungsreiche musikalische Intermezzi, atemberaubende Wechsel der Tonlagen und Tempi, die auf einen perfekten Sound im alten Gemäuer der Lagerhalle trafen. Angst vor dem Überschreiten irgendwelcher Genregrenzen kannte die Sängerin, Songwriterin und Filmmusikkomponistin, die neben dem Sechsaiter auch Klavier spielt, dabei keinesfalls. Pop traf hier ebenso auf Rock wie auf Jazz – vorgetragen in englischer, hochdeutscher und gelegentlich auch schwiizerdütscher Sprache, die gelegentlich nur als sanfter Hauch daherkam, aber auch als kraftvolles Schreien zu berühren wusste. Ein besonderer Moment war sicherlich das „Z’Lied vor Freiheitsstatue“ mit der Textzeile „Mit ist schwindlig, aber schwindlig bin ich nicht“, das mit dreistimmiger A-cappella-Begleitung und dezenten Drums einherging. Schließlich brauchte die Alemannin zuvor zur Regulierung ihres Blutzuckerspiegels Schoki, die sie auch von einem Zuschauer bekam. Tja, die Schweizer und ihre Schokolade… Die Sorte schmeckte der guten Frau Hunger (nomes est omen) wohl nicht sonderlich, gewirkt hat das deutsche Produkt anscheinend aber dennoch. Und so gab’s am Ende auch noch einen großzügigen Nachschlag (nicht von der Schokolade, sondern von der Musik): Für das poppige „Like Like Like“ griff Sophie zur Mundharmonika, nachdem sie zuvor den zu Herzen gehenden „Walzer für Niemand“ vom 2008er Debüt „Monday’s Ghost“ und das eindringliche „Souldier“ performt hatte. Das Finale markierte derweil die melancholische Ballade „Train People“, das 2010 auf dem Longplayer „1983“ erschienen ist.

Hatte SOPHIE HUNGER eben noch vom Vergehen der Zeit gesungen, war die Spielzeit, die ihr an diesem Freitagabend zur Verfügung stand, um ihr Auditorium zu verzaubern, auch schon um. Zweifellos ist der Künstlerin das – auch Dank ihrer hervorragenden Begleitband – bestens gelungen. Und für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass die Osnabrücker von der vielfältigen Musik der Schweizerin noch nicht genug bekommen haben, sei gesagt, dass SOPHIE HUNGER am 21.11.2013 erneut an die Hase kommen wird, um dann im Rosenhof zu spielen.

Copyright Fotos: Holger Ebert

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