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SOUL KITCHEN (SCHAUSPIEL)

Ort: Hamburg – Ohnsorg-Theater

Datum: 26.03.2016

Der Terrorverlag beim Ohnsorg-Theater? Kann das zusammenpassen? Unbedingt, denn das Hamburger Traditionstheater hat mit der Inszenierung von „Soul Kitchen“ bewiesen, dass der plattdeutsche Zungenschlag nicht altbacken ist und die Nachfolger von Heidi Kabel, Henry Vahl & Co. auch jenseits von Klassikern wie „Tratsch im Treppenhaus“ oder „Rum aus Jamaika“ einiges zu bieten haben!

Grundlage des Stückes „Soul Kitchen“ ist der gleichnamige Film von Fatih Akin und Adam Bousdoukos und genau wie der Kinostreifen ist die Theater-Adaption eine Liebeserklärung an Hamburg. Nur steht das Restaurant von Kneipenbesitzer Sino nicht mehr in Wilhelmsburg, sondern befindet sich im Bieberhaus, genauer gesagt im ehemaligen Ohnsorg-Theater. Das ist nämlich zwischenzeitlich über die Straße ins geschlossene Deutsche Schauspielhaus gezogen, weil die öffentlichen Subventionen in der Stadt der Musicals und der Elbphilharmonie nicht mehr für alle Institutionen gereicht haben. Aber auch in der Nähe des Hauptbahnhofes herrscht Flaute, so dass die Kohle immer knapp ist, während der Koch zu cholerischen Ausbrüchen neigt, die Bandscheibe Zicken macht, es mit Freundin Nadine im fernen Shanghai nur seltenen Cybersex via Skype gibt und zu allem Überfluss auch noch ein Immobilienhai versucht, sich den Laden unter den Nagel zu reißen. Aber das Soul Kitchen hieße ja nicht so, wenn es nicht eine ganz besondere Seele hätte – und zu guter Letzt auch eine Soul-Band, die für den richtigen Groove und ein volles Haus sorgt.

Am Ende geht natürlich alles gut aus, aber bis dahin müssen Sino, sein Dauergast und nicht zahlender Mieter Sokrates, Barfrau Luzie, Koch Hein, Bruder Linus und Sängerin Love mitsamt Band einiges durchstehen. Das Finanzamt und die schnauzbärtige Polizei stehen auf der Matte, Tamme Hanken junior tritt in die Fußstapfen seines Vaters, Hein wird zum Messerwerfer und Sinos Abschiedsfeier läuft völlig aus dem Ruder. Garniert wird das Ganze mit schmissiger Live-Musik, wobei nicht nur Soul auf dem Programm steht, sondern mit „En lütt Huus“ (Text und Musik von Horst „Sokrates“ Arenthold) und JAN DELAYs „Disko“ ebenso unterschiedliche wie authentische Hamburger Sounds.

Bisweilen geht’s im „Soul Kitchen“ durchaus deftig und frech zu: Nicht nur, dass Sino mit seinem Laptop zum Handbetrieb unter die Dusche verschwindet, fast kommt es zu einer Massage mit Happy-End, es wird auch (sehr gekonnt!) an der Stange getanzt und dank aphrodisierendem Nachtisch werden die Zuschauer gar Zeugen einen gewaltigen Orgie. Doch wie sagten die Protagonisten auf der Bühne so treffend: „Da hätte Heidi ihren Spaß dran gehabt!“ – natürlich auf platt, wobei zwischendurch auch mal ins Hochdeutsche gewechselt wurde. Vielleicht auch, um es dem jüngeren Publikum so etwas leichter zu machen. Der Mix passte auf jeden Fall, ebenso wie die Aufführung jede Menge Esprit hatte und bestens zu unterhalten wusste. Das bunt gemischte Auditorium durfte sich folglich über 2 ½ kurzweilige Stunden im ausverkauften Ohnsorg-Theater freuen und verdientermaßen erhielten die durch die Bank großartigen Schauspieler nicht nur Szenenapplaus, sondern am Ende auch Standing Ovations.

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