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SPIRIT X-MAS FESTIVAL (CALIBAN – DESTINY – FEAR MY THOUGHTS – NARZISS – NEAERA)

Ort: Herford - Club X

Datum: 29.12.2005

So mancher von uns sortiert noch immer die Knochen vom „Hell on Earth Festival“, da prasselt schon die „Spirit X-Mas Tour 2005“ auf uns nieder. Man hatte aus dem total überfüllten JZ-Kamp gelernt, und so musste nun das weitaus geräumigere X in Herford herhalten. Nachdem Fafnir und ich nach dem Interview mit CALIBAN-Drummer Patrick ewig bei McD rumgammelten, war dann endlich Einlass und wir konnten die lokale Szene begrüßen.

Die schwierige Aufgabe des Openers hatten die Jungs von NEAERA. Benny und dem Rest schien das allerdings nicht viel auszumachen. Von der ersten Minute wurde gemosht, was das Zeug geht. Das Touren hat der Band ordentlich gut getan, denn die Songs waren noch tighter als im Vorprogramm von AS I LAY DYING. Und Kracher wie „Walls instead of Bridges“ und „Save the drowning Child“ sorgten dann endlich für einen ordenlichen Pit. Und natürlich gab es wieder 2 Spinner, die von „Violent Dancing“ keinen Plan hatten, und es endete schließlich in einer Schlägerei. Benny, den Pit immer im Auge, brach dann mitten im Song ab. Nachdem die beiden Idioten rausgeworfen wurden, ermahnte er noch einmal, dass man hier nur miteinander tanzt, und es konnte weitergehen. Damit geht der „Fürsorge-um-die-Fans-Preis“ an die Münsteraner. Respekt! Zum Abschluss noch der Übersong „Where Submission reigns“, und wieder haben die Jungs viel zu kurz gespielt meiner Meinung nach. Kollege Fafnir schien derweil ein interessantes Gespräch mit DEW-SCENTED Leffe zu haben…

Interessant auf jeden Fall (Gruß an dieser Stelle!), doch da Leffe dann mal spontan von den Bands als Aushilfe am Merch-Stand eingespannt wurde, konnte ich mich dann doch dem One Hit Wonder-HClern NARZISS widmen, um welche es ja nun einige Monate nach „Entstelltes Bild“ recht still geworden ist… Aber nun nutzte man die Chance, dass MAROON mit OBITUARY und SAMAEL touren werden und damit auf dieser Tour nicht am Start sind, um sich wieder ins Gespräch zu bringen. Doch obwohl man eigentlich ordentlich rockte (um einiges besser als noch letztes Jahr in Bochum), wollten die Fans nicht so richtig mitgehen. Dafür hatte man aber zwei „Stimmungswaffen“ vorbereitet. Eine davon natürlich die obligatorische „Wall of Death“, die aufgrund vieler jüngerer Teilnehmer nicht wie sonst oft ausartete, und dann waren da noch die beiden aufblasbaren… Na? Weihnachtsbäume…Darauf durften sich dann bei „Entstelltes Bild“ jeweils ein Mädel und ein Typ von der Menge durch die Halle tragen lassen, was teils auch mehr schlecht als recht gelang. Als Dank bekam man noch Bandshirts geschenkt, und dann waren die 30 Min. auch schon fast vorbei… Ach ja, an dieser Stelle einen „schönen Dank“ an diesen dämlichen Vollspacken (sorry, aber ist doch wahr…), der eigentlich wie ein normaler Stage-Diver auf die Bühne krackselte, aber dann Sänger Alex im Wrestling-Style von der Bühne rammte, um mir ins Kreuz zu knallen… Dadurch blieb der Abend meinem Rücken noch einige Stunden bis in den nächsten Tag in guter Erinnerung, und ich verzog mich erstmal mit ner Cola-O zum Merch-Stand, um mich mit NEARA-Benny u.a. über eben diese Idioten auszulassen…

… in der Mitte des Line Ups dann endlich mein Highlight des Abends. FEAR MY THOUGHTS schickten sich an, die Bühne zu zerlegen. Mit den Songs von der „Hell Sweet Hell“-Scheibe, eine der besten CDs, die dieses Jahr erschienen ist, hatten sie ja ordentlich was im Weihnachtssack. Schon bei den ersten Tönen fiel mir die Kinnlade runter, denn die Jungs zockten diese unglaublichen Songs so sauber wie von CD runter. Für die anwesenden CALIBAN-Kinder und Hardcore-Jünger wohl viel zu anspruchsvoll, denn die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Wieder der Beweis, dass man in Deutschland noch immer nicht soweit ist, eine Melodic-Death Metal-lastige Band auf einer HC-Veranstaltung zu akzeptieren. Songs wie „Sadist Hour“ und „Window for the Dead“ und „Reign“ wurden von der Bühne gedroschen, und bei „My Sweetest Hell“ baute Shouter Matthias eigentlich auf die Mithilfe der Zuschauer, was aber nicht so richtig klappte. Echt schade, denn für mich waren sie mit Abstand die beste Band des Abends. THIS IS MY HELL SWEET HELL!!! So… Das musste mal gesagt werden.

Umbauphase, 3 Runden durchs X, das heißt ca. 463 „small talks“ und dann ging’s schon mit DESTINY los. Hatte die Band ja schon vor einem Jahr auf der Resistance-Tour gesehen und ihre Scheibe „The Tracy Chapter“ läuft auch schon seit Monaten immer wieder bei mir im Player. Mit ihrem etwas ruhigeren Metalcore kamen die Jungs gut an. Shouter Johannes hüpfte wie ein Flummi und hatte trotzdem genug Luft für Shouts. Zudem war er der einzige Sänger des Abends, der mit seinem cleanen Gesang die Töne traf. Basser Sascha warf seinem Bass um sich und moshte alles in Grund und Boden. Leider hörte man von ihm viel mehr als von der Gitarre. Die Beatdowns forderten erstmalig so richtig den Pit. Und zu Songs wie „Your Diary“ “ Forsaken Love“ und natürlich „Passing Moments“ wurde die Stimmung immer besser. Mag die Jungs; Live und auf Platte mit ihrem eigenen Stil.

Im Gegensatz zu meinem Kollegen Chris konnte ich mit DESTINY weder auf der Resistance-Tour noch an diesem Abend soviel anfangen und hatte somit genug Zeit mich von meinem Crash zu erholen, um mich dann ganz dem Headliner zu widmen. Da war ich besonders auf die Gesangs-Performance von Gitarrist Denis gespannt, denn diese ließ ja bislang doch immer mehr als nur zu wünschen übrig. Doch, wie Drummer Patrick mir im Vorfeld verriet, sind alle Mitreisenden Grippe-geschwächt auf die Bühne gegangen, und so durfte man also in Sachen Clean-Gesang nicht wirklich eine Besserung erwarten. Dennoch ziemlich tight legten die Ruhrpottler dann los. So wirklich merkte man die Schwächung nicht, denn wie gewohnt poste und warf Main-Songwriter Marc sein Instrument durch die Gegend, Gitarrist Denis schüttelte seine langsam länger werdenden Haare, Basser Marco seinen eher weniger behaarten Kopf und Front-Kreischer Andy hing, wie sonst auch, gleich wieder halb in den Fans und brüllte ihnen die Texte direkt ins Ohr. Das Zusammenspiel war im Vergleich zu den Gigs in Bochum, Bielefeld und in Köln letztes Jahr eine ganze Ecke besser abgestimmt und vor allem sehr routiniert. Doch gleich bei „Forsaken Horizon“ kam die endgültige Gewissheit… das mit dem cleanen Gesang wird heute auch wieder überhaupt nichts… Auch bei „My little Secret“ war nix zu machen und bei „Together Alone“ vom kommenden Album „The Undying Darkness“ ließ man die Gesangspassage gleich ganz weg. Doch dieser Makel hielt die Fans nicht davon ab, die Band ordentlich abzufeiern. Und erfreulicherweise wird bei CALIBAN-Konzerte immer mehr gemosht als um sich geschlagen. Da macht sich der zunehmende Metal-Einschlag nicht nur musikalisch positiv bemerkbar. Auch die obligatorische „Wall of Death“ verlief im grünen Bereich. Absolutes Highlight war natürlich wieder das mittlerweile vom Anfang in die Mitte verlegte „The Beloved and the Hatred“. Lautstark brüllte die ganze Halle „Where is yaaaa“, um dann schön abzugehen. Ein Stagediver bekam auf der Bühne sogar von Patrick ein Bier gereicht, versagte dann aber im exen und wurde danach von der übereifrigen Security etwas unsanft von der Bühne geschafft, was dieser selbst von den Musikern einige böse und verständnislose Blicke einbrachte. Zurück zur Mucke… Auch alte Kracher wie u.a. „Fire of Night“ hatte man im Gepäck, um aber dann auch noch die neue Single „It’s our Burden to bleed“ vom neuen Album zu präsentieren. Doch auch hier ließ der gesangliche Einsatz von Denis sehr zu wünschen übrig. Doch dann bekam man unerwartete Hilfe. Ein Typ krackselte auf die Bühne und gab lauthals, aber nicht wirklich besser als Denis, den Refrain zu diesem Vorboten der neuen Platte zum Besten. Nun stellt sich mir die Frage, ob der Kerl ein Freund der Band ist oder sich die Scheibe „irgendwo“ besorgt hat. Denn wie sonst sollte der junge Mann den Text kennen? Da Basser Marco der Security anzeigt, dass alles ok ist, tippe ich mal auf die erstere Möglichkeit.

So bekamen die zahlreich angetretenen Metal- und Core-Fans ein fettes rein deutsches Package geboten, welches mit NEAERA und FEAR MY THOUGHTS zwei sehr vielversprechende Newcomer und mit CALIBAN einen sehr routinierten, aber nicht makellosen Headliner bot. Ein gelungenes Ende der Konzert-Saison 2005.

Copyright Fotos: Michael Werneke/ Chris Keller

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