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SPIRITUAL FRONT – EL*KE

Ort: Köln - Underground

Datum: 22.12.2008

Die Freude war groß, als wir erfuhren, dass der WDR in seiner altehrwürdigen Rockpalast Reihe einen Konzertmitschnitt von SPIRITUAL FRONT für den 22.12.08 im Kölner Underground plante. Ein besseres Vorweihnachtsgeschenk konnte es kaum geben. Und wenn wir auch nicht einfach so für jede Band nach Köln fahren würden, so gehören SPIRITUAL FRONT doch definitiv zu denjenigen, für die wir diese kleine Reise gerne und jederzeit auf uns nehmen. So machten wir uns also an einem kalten Winterabend auf den Weg, um diesem etwas außergewöhnlichen Ereignis beizuwohnen, denn genau genommen handelte es sich um zwei Konzertmitschnitte. Mit von der Partie sollten noch die Wahl-Berliner EL*KE sein, die musikalisch kaum kontrastreicher sein könnten.

Diese Tatsache ergab dann auch ein wild gemischtes Publikum, dessen wir ansichtig wurden, als wir das Underground nach gut zwei Stunden Fahrt betraten. Viel Schwarz, bunte Haare hier und da, genauso wie Jeans, farbige T-Shirts und auch ein einzelner uniformierter Herr. Der Laden an sich war recht schnuckelig und intim und diente dem WDR Rockpalast schon des Öfteren als Location für die ein oder andere Club Show. Nachdem wir uns mit Getränken eingedeckt und in Erfahrung gebracht hatten, dass unsere Lieblingsitaliener den Anfang machen würden, konnte es auch schon losgehen. Simone „Hellvis“ Salvatori betrat mit seiner Gefolgschaft (welche seit dem letzten Auftritt auf dem AMPHI 2008 von drei auf vier angewachsen war – neu dabei Federico Amorosi am Bass) die Bühne. Kaum hatte man sich in Position begeben, legten sie auch schon mit ihrem (selbstbetitelten) „Nihilist Suicide Pop“ in Form von „Cruisin’“ vom 2006er Album „Armageddon Gigolo“ los. Simone legte sich gleich zu Beginn mächtig ins Zeug und ich wusste sofort wieder, warum ich die Band so mag, live sind die Italiener einfach umwerfend. Nach „The Shining Circle“ und „Bastard Angel“ bekam das Publikum mit „Darkroom Friendship“ den ersten neuen Song vom im Frühjahr erscheinenden Album „Roma Rotten Casino“ auf die Ohren. Und das sollte an diesem Abend auch nicht der einzige bleiben. Die Band hatte in dieser Hinsicht eine recht ausgewogene Mischung zwischen den alten Klassikern der „Armageddon Gigolo“ Scheibe und dem neuen Werk gefunden. Insgesamt klangen die neuen Sachen etwas poppiger und eingängiger als auf dem Vorgänger und um mich rum wurde schon gescherzt, dass man dann demnächst SF in Dauerrotation bei 1Live lauschen könne. Wollen wir es mal nicht hoffen, sind die Texte doch auch nicht unbedingt immer für das Nachmittagsprogramm geeignet. Weiter ging es mit einem meiner Lieblingslieder in Form von „I walk the dead(line)“, bevor es mit „German Boys“ wieder etwas Neues zu hören gab. Bei „Jesus died in Las Vegas“ begann die Dame neben mir hemmungslos zu weinen und hätte ich da noch länger hingeschaut, hätte ich wohl mitgeheult, so schön war das. Es folgte „Loved or defeated“, welches nicht auf dem kommenden Album enthalten sein wird und so natürlich der Verdacht aufkam, dass eventuell noch eine EP geplant ist. Das Gerücht konnte aber nicht eindeutig bestätigt werden. Mit dem obligatorischen „Song for the old man“ schenkte man dann auch der gemeinsamen Scheibe mit ORDO ROSARIUS EQUILIBRIO ein wenig Aufmerksamkeit, um danach dann mit „Kiss the girls and make them die“, „Sad almost winter“, welches mir ausgesprochen gut gefiel und „Cold love in a cold coffin“ wieder drei neue Stücke folgen zu lassen. Inzwischen hatte sich Signore Salvatori erhoben und begab sich zu dem letzten Titel des offiziellen Sets „Love throgh vaseline“ wagemutig von der niedrigen Bühne ins Publikum, wo der ein oder andere Zuschauer gedrückt wurde. Das ist zwar eher Pop als Rock´n`Roll aber nun gut. Unter begeistertem Applaus verließ man nun zunächst die Bühne, um kurz darauf wieder zu erscheinen, denn das obligatorische „Slave“ durfte als Zugabe natürlich nicht fehlen. Dazu holte Salvatore ein paar Zuschauer, teils gar „sonderliche“ Gestalten, mit auf die Bühne, um den vor Erotik nur so strotzenden Song zu intonieren. Und dann war es nach 75 Minuten auch schon wieder vorbei und mir war klar, dass ich gerade mein Konzerthighlight des Jahres 2008 erlebt hatte. SPIRITUAL FRONT sind nicht nur aus der Konserve ein Genuss, sondern auch Live schwer zu überbieten und so konnte ich mich absolut zufrieden erst mal an die frische Luft begeben, während drinnen schon die Vorbereitungen für EL*KE liefen.
(Death Angel)

Setlist SPIRITUAL FRONT
Cruisin’
The Shining Circle
Bastard Angel
Darkroom Friendship
I Walk The (Dead)Line
German Boys
Jesus Died In Las Vegas
Loved Or Defeated
Song For The Old Man
Kiss The Girls And Make Them Die
Sad Almost Winter
Cold Love In A Cold Coffin
Love Through Vaseline

Slave

Während die Düster-Fraktion noch in fast Groupie-hafter Anbetung auf ihre Helden am Hinterausgang wartete, stand nun Deutscher Schweine Rock auf dem Programm. Außer mir dürfte wohl kaum einer der Anwesenden BEIDE Bands schon mehrfach live gesehen haben, ob das für oder gegen mich spricht, sei mal dahingestellt. Jedenfalls wird es wohl ein historisches Unikum bleiben, SPIRITUAL FRONT und EL*KE auf einem Drumkit musizieren zu sehen. Der Dreier (Peter, Mücke und Hubi – plus dem gerahmten Gemälde seiner anscheinend mittlerweile verstorbenen Omi), der ursprünglich aus dem Emsland stammt, enterte wie üblich völlig unprätentiös die Bühnenbretter und legte auch sogleich mit „Komm Baby“ los. Mittlerweile hat man 3 Langspieler im Gepäck und somit genug Material, um ordentlich die Gehörgänge durchzupusten. Dabei setzt man zugegebenermaßen eher auf Gitarrenwucht denn Abwechslung, eine Tatsache, die EL*KE nicht gerade zu Kritikerlieblingen gemacht hat. Live rockt man aber durchaus fett, was auch von Genrefremden Gästen anerkannt wurde. Mit „Tanz ab“ von der aktuellen „Häuser stürzen ein“-VÖ ging es genauso energiegeladen weiter, ebenso konnte das ältere „Verboten Scheissegal!“ (auch der Name eines Fanclubs) das Level halten. Wir allerdings nicht, denn der nächste Morgen bedeutete für einige von uns wieder das alltägliche Arbeits-Laufrad und – zugegeben – unser persönliches Highlight war mit SPIRITUAL FRONT bereits im Kasten und so verließen wir das Underground mit einem überaus nihilistisch zufriedenen Gefühl in der Hirnrinde. Vielen Dank dafür, meine Damen und Herren vom Rockpalast.

Setlist EL*KE
Intro
Komm Baby
Tanz ab
Liebe oder Wahn (sexy)
Radio
Verboten scheißegal
Warum auch immer
Geisterbahn
Dach
Ich mag Dich
Johnny
Spuck nicht in mein Essen rein
Wilder Westen
Häuser stürzen ein
Adrenalin
Aufstand
Bleib wach
Easy Rainer
Wir müssen hier raus

Halt mich fest ich wird verrückt
Male es Dir auf
Elke sein

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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