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SPORTFREUNDE STILLER – ANAJO

Ort: Osnabrück - Stadthalle

Datum: 30.10.2007

Passend zur Bekanntgabe, dass 2011 wieder eine Fußball-WM (diesmal sind die Frauen dran) in Deutschland stattfinden wird, besuchten die SPORTFREUNDE STILLER am Weltspartag die Zweitliga-Stadt Osnabrück, um vor knapp 2000 Fans ein Auswärtsspiel zu absolvieren. Nicht zum ersten Mal übrigens, wie uns Drummer Flo im Laufe des Abends mitteilte. Der Gig im Hyde Park wird ihm allerdings nicht in ganz so guter Erinnerung geblieben sein, hat ihm doch dort jemand seine geliebte Adidas-Jacke gemopst. Zunächst hatten jedoch erst einmal die Augsburger Kollegen von ANAJO das Wort, die pünktlich um 20.00 Uhr den Abend eröffneten.

Und zwar besonders dramatisch mit einer in totaler Dunkelheit liegenden Bühne (viel heller wurde es allerdings auch in den kommenden 40 Minuten nicht) und dem Soundtrack des legendären „A-Teams“, welches in den 90er Jahren die Fernsehbildschirme unsicher machte und möglicherweise das Trio stark beeindruckt hat. Mit dem Titelsong ihres aktuellen zweiten Albums „Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?“ legten Oliver Gottwald (Gesang & Gitarre), Michael Schmidt (Bass & Keyboard) und Ingolf Nössner an den Drums dann höchstpersönlich los, um mit einem Lied über guten Geschmack weiterzumachen. Die Rede ist von „Honigmelone“, durchaus auch eine von mir favorisierte Frucht, der diese eher ruhige Popnummer gewidmet war. Mit einer weiteren Fernsehserie ging’s alsbald musikalisch voran. ANAJO haben nämlich die Melodie von „Ein Fall für zwei“ in ihrem Song „Ich hol Dich hier raus“ verwurstet. Sehr eingängig und absolut hörenswert! Auch den Osnabrückern schien die Mucke der Süddeutschen zu gefallen, vor der Bühne befand sich gar ein regelrechter Fanblock und auch die verschenkten T-Shirts und CDs wurden gern angenommen. Das groovige „Mein lieber Herr Gesangsverein“ und „Monika Tanzband“ animierten zum Klatschen und Tanzen und auch die deutsche Version des CURE-Klassikers „Boys Don’t Cry“ wusste zu gefallen. ANAJOs Dank an die SPORTFREUNDE STILLER, die Tour begleiten zu dürfen, wurde mit heftigem Publikumsapplaus honoriert, bevor „Vorhang auf“ vom 2004er Debüt „Nah bei mir“ ein letztes Mal zum Zappeln einlud und vom Auditorium rege mitgetaktet wurde. Eine nettes Aufwärmtraining, um fit für die SPORTIES zu werden.

Setlist ANAJO
Hallo, wer kennt hier eigentlich wen?
Honigmelone
Spätsommersonne
Ich hol Dich hier raus
Streuner
Mein lieber Herr Gesangsverein
Monika Tanzband
Jungen weinen nicht (THE CURE-Cover)
Vorhang auf

Eine knappe halbe Stunde später enterten die bekanntermaßen fußballverliebten und bekennenden Bayern München- und 1860-Fans den Europasaal der wenig heimeligen Stadthalle zu den elektronischen Klängen einer „Fade To Grey“-Bearbeitung. Im Hintergrund ein riesiges schwarz-weißes Backdrop mit einer imposanten Menschenansammlung in bester Konzertlaune. Sollten die SPORTFREUNDE mal vor leeren Rängen spielen, können sie sich auf diese Weise immer noch einbilden, Massen zu mobilisieren, indem sie sich einfach umdrehen und ihr Bühnenbild bespielen. Schlagzeuger Flo war bereits jetzt mehr seitlich positioniert, da müsste nur noch sein Hocker ein wenig zurecht gerückt und vielleicht das Mikro in orangefarbener Telefonhörer-Optik etwas verschoben werden. Noch besteht dazu jedoch keine Notwendigkeit, beim ersten Song „Der Titel vom nächsten Kapitel“ des im August erschienen No. 1-Longplayers „La Bum“ zeigten sich die anwesenden Damen und Herren um die 20 bereits sehr textsicher und in bester Partystimmung. Angefeuert wurde diese neben der Musik von einer bemerkenswerten Lightshow, die vermittels neun weiß-durchsichtiger Streifen intensiviert wurde, Diese Bänder hingen von der Decke herunter und waren mit zahlreichen Leuchtmitteln bestückt. Auf diese Weise hatten die SPORTFREUNDE STILLER das Match bereits in den ersten Minuten für sich entschieden und ernteten bei „Frühling“ schon heftiges Klatschen, noch bevor sie die Niedersachsen überhaupt begrüßt hatten. Die aktuelle Singleauskopplung „(Tu nur das) was Dein Herz Dir sagt“ wurde dank Heavy Rotation im Radio bereits aus Hunderten von Kehlen mitgesungen, zum ersten Massenhüpfen kam es, nachdem die letzten Töne des EUROPE-Klassikers „The Final Countdown“ verklungen waren und die „7 Tage, 7 Nächte“ zu Gehör kamen. Bei den „Wunderbaren Jahren“ durfte das Publikum seine Sangeskünste ohne Bandunterstützung unter Beweis stellen, ein Titel der inzwischen auch schon sieben Jahre auf dem Buckel hat und der „So wie einst Real Madrid“ entnommen wurde. Neben Stücken von der „La Bum“ lag ein weiterer Schwerpunkt auf der 2004er Langrille „Burli“, welche die Popularität des Trios enorm gepuscht hat und in Osnabrück u.a. mit dem orgeligen „Ein kleiner Schritt“ vertreten war und ebenso tolle Lichteffekte wie das etwas ruhigere „Wie lange wollen wir noch warten?“ zu bieten hatte. Mit „Wellenreiten 54“ lösten die SPORTFREUNDE unter ihren Anhänger erneut Feieralarm aus, der beim folgenden „Komm schon“ in eruptives Klatschen und Springen ausartete. Da kam das verhaltene „Anders als auf Ansichtskarten“ gerade recht, um eine kleine, kuschelige Pause einzulegen, bevor es mit „Sodom“ zu einem Rock’N’Roll-Statement gegen den Irakkrieg kam. Ohne Zweifel zählte das sich anschließende „Ein Kompliment“, welches man bereits bei der Ansage zu den „Ansichtskarten“ vermuten konnte, da Peter und Rüde sich in ihrer freundlichen Art mit Komplimenten überhäuften, zu den Highlights des Abends. Ein bisschen Geduld mussten die Anwesenden jedoch noch aufbringen, bevor der Beweis, dass Liebeslieder nicht unbedingt melancholisch sein müssen, mit vereinten Kräften angetreten wurde. Dieser Track kann sicher als Durchbruch der Bayern betrachtet werden, die 2002 damit im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde waren. Ähnlich war es zwei Jahre später auch mit „Ich, Roque“, das musikalisch perfekt zu DRAFI DEUTSCHERs „Marmor, Stein und Eisen bricht“ passt, wie wir seit diesem Abend wissen und erneut zu erheblichem Bewegungsdrang führte. Mit „Siehst Du das genauso?“ von der Platte mit dem schönen Namen „Die gute Seite“ (2002) kam man um 22.15 Uhr zum Ende der regulären Spielzeit, welches sehr emotional und mit vielen Feuerzeugen zelebriert wurde.

Natürlich gingen die SPORTIES noch einmal in die Verlängerung und kündigten dies mit einem schrägen Hammondorgel-Intro aus der Konserve an, um dann selbst mit dem sehr eingängigen „995er Tief über Island“ wieder aktiv zu werden. Aktiv sind auch die Mitglieder eines Sportvereins aus dem ostwestfälischen Berlebeck, mit denen sich Peter, Rüde und Flo nachmittags getroffen hatten, um deren Engagement gegen Rechts zu würdigen. Im beschaulichen Berlebeck gibt es wohl Bestrebungen, das Gemeindeleben von rechts zu unterwandern, denen sich der Sportverein jedoch vehement entgegenstellt. Dazu passte „Antinazibund“ perfekt, hoffentlich kam die Botschaft, sich gegen rechtes Gedankengut zu wenden, auch bei jedem an. Zu „1. Wahl“ nahm Rüde auf einem der Boxentürme Aufstellung, um vorab ein wenig auf Rockstar zu machen, bevor sie ihre Einschätzung des eigenen musikalischen Könnens zum Besten gaben. Zweifelsohne zählen die drei nicht zu den virtuosesten Musikern, gelten aber trotzdem als eine der besten Livebands, da sie ganz einfach Stimmung machen und die Leute mitziehen. Die erlebten einen weitern Höhepunkt mit „Alles Roger“, in dessen Vorlauf wenige Sekunden lang auch die Hymne der letztjährigen WM „54, 74, 90, 2006“ zu hören war. Dies war allerdings auch alles, was vom reinen Fußballalbum „You Have To Win Zweikampf“ zu hören war, ganz so ballverrückt sind die Germeringer, die sich nach dem Fußballtrainer Hans Stiller der Bezirksligamannschaft des SV Germering benannt haben, dann wohl doch nicht. Und trotz erneuter Verabschiedung war auch noch an kein Ende der Partie zu denken. Im Saal erklangen stadiontaugliche Gesänge, die dem Trio sichtlich gefielen und noch eine Ehrenrunde mit dem „Heimatlied“ und „Legenden“ bescherten.

Ein herziger Abschluss einer rundum gelungenen Begegnung, die um 22.45 Uhr unentschieden endete und daher nach Remis schreit.

Setlist SPORTFREUNDE STILLER
Der Titel vom nächsten Kapitel
Frühling
Im Namen der Freundschaft
(Tu nur das) was Dein Herz Dir sagt
7 Tage, 7 Nächte
Wunderbaren Jahre
Ein kleiner Schritt
Wie lange wollen wir noch warten?
Wellenreiten 54
Komm schon
Anders als auf Ansichtskarten
Sodom
Ein Kompliment
Ich, Roque
Siehst Du das genauso?

995er Tief über Island
Antinazibund
Erste Wahl
Alles Roger!

Heimatlied
Legenden

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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