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STANFOUR – CARPARK NORTH

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 01.12.2010

Kälteeinbruch in Deutschland! Bei minus 7 Grad wurde selbst der kurze Weg vom Parkplatz zum Ringlokschuppen zur eisigen Tortur. Wie gut, dass uns gleich 2 Pop Rock Formationen an diesem Abend ordentlich einheizen wollten. Uns und etwa noch 700 weiteren Anwesenden in der kleinen Halle der Anlage, die sehr ordentlich gefüllt war. Da die ersten 3 Termine der Tour aus privaten Gründen abgesagt worden waren, handelt es sich somit um das Auftaktkonzert für STANFOUR und Co. Doch wir wollen ehrlich sein, eigentlich hatte es mich und meine charmanten Begleiterinnen dieses Mal vor allem wegen der interessanten Vorband nach Bielefeld verschlagen.

CARPARK NORTH sind in ihrer Heimat Dänemark schon recht erfolgreich und schicken sich auch hierzulande an, mit ihrem intelligenten Synth Rock die Massen zu erobern. Zumindest läuft die aktuelle Scheibe „Lost“, bei welcher es sich um eine Art „Best of“ der beiden regulären Vorgängerwerke handelt, beim erweiterten Terrorteam auf Hochtouren. Das Publikum, welches im vorderen Drittel zumeist aus jungen Damen bestand, gab sich zunächst eher skeptisch, als Lau, Søren und Morten (plus Live Gitarrist) die Bühne enterten und voller Power loslegten. Mag auch daran gelegen haben, dass die Nordländer die Zuschauer als Hannoveraner begrüssten, später wurde dem Sänger diskret ein „Bielefeld“-Schild vor die Füsse geschoben und man entschuldigte sich wiederholt für den Faux-Pas. Dabei hätte man die Location eigentlich kennen müssen, denn es ist keine 6 Monate her, dass man an gleicher Stelle 30 SECONDS TO MARS supportete. Musikalisch gab es aber überhaupt nichts zu meckern. Der kreative Mix aus Gitarren und Synthetik (die Saitenkünstler bedienten parallel auch 2 Keyboards) kam so dynamisch wie kraftvoll rüber und profitierte zudem von Lau Højen variabler Stimme, die auch in Kopfregionen noch funktionierte. Eine etwas härtere, etwas elektronischere Version von COLDPLAY könnte man meinen. Mit Singspielchen, viel Akrobatik auf den Bühnenbrettern und eingängigen Hymnen tauten die Ostwestfalen auf und feierten schlussendlich den Vierer sehr ordentlich ab, der sich den erfolgreichsten Song „Just human“ für das grosse Finale aufhob. Superber Auftritt einer angenehm unprätentiösen Formation, die viel mehr Spielzeit verdient gehabt hätte.

Setlist CARPARK NORTH (ohne Gewähr)
Shall we be grateful
Save me from myself
Beast
Lost (Peace)
Transparent
Leave my place
Just human

Nach relativ kurzer Pause konnte es dann gegen 21 Uhr mit dem Headliner weitergehen, der gleich in 8-Mann-Stärke auflief, wozu die Norddeutschen gleich 3 Keyboarder im Line Up haben, erschliesst sich mir allerdings nicht ganz. Den Mädels vorne war’s egal und so wurde beim Anblick von Sänger Konstantin Rethwisch ordentlich geschrien – also doch eine Boyband für die Posterwände adoleszenter Damen? Musikalisch gab man sich grösste Mühe, den Kompositionen Ecken und Kanten zu verleihen, die auf Konserve teils doch recht konturlos wirken. Pop Rock mit etwas Anspruch, aber doch eingängig genug, um nicht mit vertrackten Rhythmen zu verschrecken. Das ist nicht böse gemeint, die Zielgruppe dürfte sehr zufrieden damit sein, doch merkte man gerade im Vergleich zum Support, woran es STANFOUR noch mangelt. Der letzte Biss, der Schweiss echter Emotionen, Authenzität. Doch das ist nur meine bescheidene Meinung und derer gibt es bekanntermaßen viele. Man präsentierte eine Mischung aus den beiden bisherigen Alben „Wild Life“/ „Rise and Fall“, die ein paar respektable Hits enthalten, wie etwas den wohl bekanntesten Titel „Wishing you well“. Als dieser präsentiert wurde, war allerdings schon die Zugabe angebrochen und wir machten uns so langsam auf den bitterkalten Heimweg. 10 Lieder im Hauptteil waren in meinen Augen trotz einiger Improvisationen auch etwas wenig, auf eine knappe Stunde kam man damit dennoch. So dürften eigentlich die meisten Anwesenden zufrieden gewesen sein, wir hatten eine ausgezeichnete Vorband mit viel Potential gesehen und einen Haupt Act, der die erwartet solide Kost feilbot.

Setlist STANFOUR (ohne Gewähr)
Wait for you
Say you care
Sail on
Desperate
Life without you
Everything has changed
For all lovers
Lonely Life
Bittersweet
Stars

Wishing you well
Face to face
Take me or leave me

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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