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STATUS QUO – SPIDER MURPHY GANG

Ort: Essen - Gruga-Halle

Datum: 01.11.2010

Darf man mit Anfang Vierzig schon nostalgisch werden? Warum nicht. Schließlich standen heute Abend zwei Kapellen auf dem Programm, die beide ihren Beitrag zum Soundtrack meines Lebens geleistet haben. Die nimmermüden STATUS QUO hatten bereits gute Erfolge, als ich das Licht der Welt erblickte, ihre Musik habe ich also quasi mit der Muttermilch aufgesogen und als Special Guest heute Abend mit an Bord: die SPIDER MURPHY GANG, deren Album „Tutti Frutti“ von 1982 zu den ältesten Teilen meiner Musiksammlung gehört – wohlgemerkt auf MusiCassette, denn an Vaters Plattenspieler durfte ich nicht ran.

Als wir gegen 19.30 Uhr die Grugahalle betraten, war der Innenraum locker gefüllt, während die bestuhlten seitlichen Ränge noch begehrter schienen, ab einem bestimmten Alter rockt es sich halt im Sitzen besser. Auch die Grugahalle für mich ein Ort mit nostalgischem Reiz, hat mich mein Vater doch hierhin 1983 das erste Mal auf ein Konzert mitgenommen, damals ELTON JOHN, der flankiert von einer für damalige Zeiten bombastischen Light- und Lasershow am weißen Flügel spielend mächtig Eindruck bei mir hinterlassen hat. Auch heute hatte so mancher Best-Ager gleich seinen (mittlerweile auch erwachsenen) Nachwuchs mitgebracht oder einfach ein paar Kumpel, die männlichen Zuhörer auf jeden Fall ein wenig in der Überzahl.

Kurz vor 20 Uhr enterte dann die SPIDER MURPHY GANG die Bühne und Günther Sigl rief ganz unbayrisch ins Publikum: „Are you ready to rock? Are you ready to roll?“, um dann zünftig mit „Mir san a bayrische Band“ loszulegen. Und die Leute hatten Lust zu rocken und gingen vom ersten Moment an sehr zur Freude der Band erstaunlich gut mit. Auf den Spuren Chuck Berrys ging es dann mit den „Rock’n Roll Schuah“ weiter. Nach „Vis-a-vis“ und dem ruhigeren „So a Nacht“ sollten dann nur noch alle großen Singles folgen, da flogen so manchem längst verloren geglaubte Liedtexte wieder zu und ein großes Deja-vu erfasste die Menge, die begeistert „Pfüati Gott Elisabeth“, „Ich schau Dich an“ oder „Wo bist Du?“ mitsang. „Schickeria“ nutze die Band für zahlreiche kleine Soli, an deren Anschluss Günther seine Mitstreiter vorstellte, von denen nur noch Gerhard Gmell an der Gitarre zu den Gründungsmitgliedern zählt. Nach dem Motto „Save the best for last“ präsentierte die Band nun zum Finale ihres Sets ihren riesigen Nr.1 Hit „Skandal im Sperrbezirk“ – natürlich einmal mehr stimmgewaltig vom Publikum unterstützt. Die Aufwärmübung war den Bayernrockern, die mit viel Spielfreude am Werke waren, bestens gelungen und so machte sich ein breites Grinsen auf dem Gesicht der Musiker breit, besonders als direkt Zugabenrufe laut wurden. Der Wunsch wurde mit „Überdosis Rock’n Roll“ noch gerne erfüllt.

Setlist SPIDER MURPHY GANG
Mir san a bayrische Band
Rock ‚n Roll Schuah
Vis-à-vis
So a Nacht
Pfüati Gott Elisabeth
Schickeria
Ich schau Dich an
Wo bist du?
Skandal im Sperrbezirk

Überdosis Rock ’n‘ Roll

Nun sollte es gut über eine halbe Stunde bis zum Mainact des heutigen Abends dauern, nicht dass der Umbau so furchtbar lang gedauert hätte, aber ein Stagehand saugte anschließend noch minutenlang akribisch die Bühne (meine Schlussfolgerung daraus, hier wolle vielleicht jemand barfuss auftreten, bestätigte sich indes anschließend nicht). Als dann um 21.15 Uhr Francis Rossi, Rick Parfitt und ihre Gefolgschaft zu „Caroline“ loslegten, wurde gleich klar: Hier wurde weder bei den Dezibel noch bei den Lux gespart. Große LED-Flächen und zahlreiche Spotlights setzen das nun einsetzende Klanggewitter ins rechte Licht und beim TOM JONES Cover „Something ‚bout you baby I like“ sowie „Rain“ posten die Jungs für die Fotografen im Graben, was das Zeug hielt. Francis, ja neuerdings ohne Zopf unterwegs, ging gleich in Interaktion mit dem vielfach gleichaltrigen Publikum, ließ keinen Seitenhieb aufs Alter aus und frotzelte über den Kollegen Parfitt als „Shy guy“. Doch trotzdem die ersten Reihen ihm gleich aus der Hand fraßen, dauerte es noch einige Titel, bis die Energie von der Bühne auch die bestuhlten Ränge erfasst hatte. Ein Narr, wer hier Innovation gleich welcher Art erwartete, selbst die Setlist ist seit geraumer Zeit gleich – eine Achterbahnfahrt durch 45 Jahre Status Quo-Diskographie von „Mean girl“ aus 1973 bis „Beginning of the end“ aus 2007. Zwischendurch wurden gleich mal 5 alte Titel in einem Medley abgefrühstückt und die Menge bekam, was sie wollte: Ehrliche Rockmusik, die nur eine Mission hat – zu unterhalten! Da drängte sich schon manchmal der Verdacht auf, dass hier vielleicht perfekte Rossi & Co- Klone am Werk sind, oder haben die Boggie-Senioren nach über 40 Jahren immer noch Lust, die gleichen, alten Hits zu spielen? Sie hatten und die Fans dankten es ihnen mit entsprechendem Applaus, wussten, wo ihr Einsatz bei „In the army now“ und anderswo gefragt war. Spätestens ab hier war sowieso alles nur noch Kür und selbst wenn man ja nicht leugnen kann, das jeder weiterer Song nicht anders klingt als die 10 zuvor, Spaß machen sie alle! Eingerahmt von kraftstrotzenden Solis durch Drummer Matt Ledley und Mr. Rossi himself gab es nun mit „Roll over lay down“ und „Down down“ das volle Hitbrett und die Crowd nutzte die Möglichkeit, so richtig auf die Partytube zu drücken, ehe das reguläre Set nach 85 Minuten Volldampf mit „Whatever you want“ und „Rockin’all over the world“ endete. Angesichts einer längeren Heimfahrt strichen wir an dieser Stelle die Segel, während die restlichen ca. 4000 Zuhörer noch Zugaben auf die Ohren bekamen.

STATUS QUO haben nie die Rockmusik neu erfunden, aber so umtriebig wie die Band seit Jahrzehnten ist, allein dafür haben sie einen Platz im Rock-Himmel verdient. Die dankbaren Fans erlebten einmal mehr, dass schlichte Riffs, wuchtig rausgehauen, wohl einem Jungbrunnen gleich kommen und immer noch das beste Aufputschmittel sind.

Setlist STATUS QUO
Caroline
Something ‚bout you baby i like
Rain
Don’t drive my car
Mean girl
Softer ride
Beginning of the end
Hold you back
What you’re proposing/ Down the dustpipe/ Little lady/ Red sky/ Dear John
Big fat mama
The oriental
Creepin’ up on you
Living on an island
In the army now
Roll over lay down
Down down
Whatever you want
Rockin’ all over the world

(ohne Gewähr):
Junior’s wailing
Rock’n Roll Music / Bye bye Johnny

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