Konzert Filter

STEELFACTORY 2009

Ort: Rostock - Mau-Club

Datum: 23.05.2009

Schon lange freute ich mich auf das erste Steelfactory Festival im Rostocker Mau-Club, welches an diesem Samstagabend stattfinden sollte. Ein ängstlicher Blick galt wie immer der Anzahl der Gäste, doch dieses Mal sah es ganz gut aus (was nicht selbstverständlich in Rostock ist). Viele standen noch entspannt vor dem Club und warteten auf den Startschuss. Gegen 21 Uhr war es dann soweit und der Opener TEAR!DOWN betrat die Bühne. Das Electro-Project besteht aus Niko Martens (Komposition und Programmierung), Charly (Komposition und Programmierung) und Sänger und Texter Oliver Spring. Charly und Niko musizieren bereits seit 2004 zusammen, Oliver stieß im Jahre 2006 dazu. Noch etwas verhalten beobachtete das Publikum das Trio auf der Bühne, welches ihr Set mit dem Intro „Rain“ eröffnete. Großartig waren die extra angereisten Fans, die von Anfang an versuchten Stimmung zu machen und nach und nach die anderen mitrissen. Verschiedenste elektronische Klänge und der kraftvolle Gesang kamen gut an. Hervorzuheben ist „Confession“ mit wummernden Beats und spannendem Aufbau sowie das Stück „Kick ´n Rush“ bei dem Mitveranstalter und DJ Andreas Lehmann (FRAMEWORK) mitwirkte. So gut angeheizt waren dann die Zugabe-Rufe absehbar und TEAR!DOWN kamen mit dem Stück „Haunted“ zurück auf die Bühne, um die Gäste zum Singen und Tanzen zu bringen.

Setlist TEAR!DOWN
Rain (Intro)
Confession
Disploded Visions
Siren’s Call
Fanatic
Kick ’n rush
Addiction
This cold

Haunted

Wenig später war es Zeit für die zweite Band des Abends AMNISTIA. Im Jahre 2003 gründeten Stefan und Tino die Band, um ihren ganz eigenen Stil zu erschaffen. Seitdem steht AMNISTIA für düstere, harte und tanzbare Elektromusik. Auf der Bühne fand sich zu den Gründungsmitgliedern auch Livemusiker Jan (DIGITAL FACTOR) ein. Es folgte ein energiegeladenes Set aus Songs der letzten beiden Alben „Neophyte“ (2007) und Blackguard“ (2008). Sänger Tino begrüßte uns mit „Moin, moin Rostock“, erwies sich als richtiges Energiebündel und tigerte stetig von einem Bühnenrand zum anderen, während er mit großer Stimmgewalt die Texte von Zorn, Hass und Liebe in den Club schmetterte. Besonders abgefeiert wurden das EBM Stück „Outrage“ sowie die Elektro-Kracher „Blackguard“ und „Anger Management“. Mit hohem Tempo und treibenden Klängen kam ordentlich Bewegung auf und Bandmitglieder der anderen Bands schauten sich gespannt das Treiben auf der Bühne vom Publikum aus an. Etwas müde von der energiegeladenen Show reichte es zwar für begeisterten Applaus, aber leider nicht für eine Zugabe.

Setlist AMNISTIA:
Brain
Sermon
Fractured
Outrage
Blackguard
Anger Management
Prosperity
Headfake
Emulate
Self-Defence

Bereits auf dem letzten Düsseldorfer Neuwerk-Festival war mir DESTROID positiv aufgefallen und so freute ich mich ganz besonders auf das Projekt des „großen“ Daniel Myer, der nicht nur durch HAUJOBB und ARCHITECT bekannt ist, sondern auch als Live-Keyboarder bei COVENANT und aktuell DIARY OF DREAMS in der Öffentlichkeit steht. Weiterhin arbeitet er auch noch als Produzent und Remixer. An diesem Abend jedoch stand er vor dem Mikro oder hinter den Drums bzw. vereinte beides. Links und rechts von ihm sein Bandkollege Sebi und der Livemusiker Ribi. In bester Laune begann das Trio mit „Forever“ vom aktuellen Album „Loudspeaker“. In der ersten Reihe tanzte ausgelassen AMNISTIA-Sänger Tino. Noch war das restliche Publikum ruhig, doch das änderte sich von Song zu Song. Dafür sorgte das unheimlich sympathische und lustige Trio auf der Bühne, sowie Daniels Sprüche. Songs wie das futurepoppige „Judgement Throne“ reihten sich an EBM-lastige Stücke wie „Soul Asylum“, gefolgt von balladesken Stücken wie „Let me leave“. Diese Mischung aus dunklen, melodiösen und tanzbaren Elektro-Tracks machte allen Anwesenden sichtlich Spaß. Ebenfalls auf große Begeisterung stießen Daniels Parts an den Drums oder sein angedeutetes Gitarrenspiel auf seinem Mikroständer. So verging der Auftritt leider viel zu schnell, jedoch konnten DESTROID durch Applaus und Zugabe-Rufe noch einmal für das Stück „A Bat Bog“ zurück auf die Bühne geholt werden.

Setlist DESTROID:
Intro
Forever
Bird of Prey
Revolution
Judgement Throne
Soul Asylum
Friend or Foe
Run and Hide
Mourn
Let Me Leave
Bonewhite Light

A Bat Bog

Schon ganz ungeduldig wartete ich dann auf den Headliner des Abends KLANGSTABIL, dessen Musik mich seit einigen Wochen restlos begeistert und beeindruckt. Das Elektroprojekt besteht seit 1994 aus Maurizio Blanco und Boris May und stößt mit seinen unverbrauchten, einzigartigen und experimentellen Klängen auf immer mehr Begeisterung. Gespannt beobachtete ich wie die Bühne vorher sauber gemacht wurde, da Boris die Auftritte meist barfuss absolviert. Ganz unspektakulär bereiteten beide Bandmitglieder alles für den Auftritt vor, bevor es dann endlich losging und sich die ersten ruhigen Klänge von „Fighting Colours“ im Club ausbreiteten. Es folgten bekannte Klänge mit „You may start“, dem Clubhit vom 2004er Album „Taking nothing seriously“. Boris wirkte teilweise sehr abwesend, als ob er die Texte nochmals durchlebte, wodurch alles sehr intensiv, eindringlich fast schmerzhaft wirkte. Maurizio sorgte währenddessen für entsprechenden Klang an den Maschinen, der sehr laut und druckvoll, aber niemals unangenehm wirkte. Eher im Gegenteil, man konnte davon nicht genug kriegen und danach hörte sich auch der ohrenbetäubende anschließende Applaus an. Das Duo freute sich sichtlich und wechselte die Positionen. Maurizio kam nach vorn ans Mikrofon und sang den italienischen Song „Perdere per vincere (The Italian Opening)“. Das ruhigere, emotionale und melancholisch klingende Stück wirkte nicht weniger eindringlich. Wieder Positionswechsel und mit dem Intro kündigte sich der Titelsong des aktuellen Albums „Math & Emotion“ an. Harte, industrial-lastige Töne folgten mit „Push yourself“, dessen Klänge sich im ganzen Körper ausbreiteten und angenehm kribbelten. Viele der Stücke wirkten verändert bzw. klangen anders, als man sie von den Tonträgern her kennt. Maurizio war wieder am Zug, um das zuerst sanfte „Gloomy Day“ anzustimmen und dann mit einer unheimlichen Stimmgewalt und Aggressivität die Lyrics ins Mikro zu schreien. Die fast grenzwertige Lautstärke und quälend intensive Performance bereitete mir eine dicke Gänsehaut nach der anderen. Einfach nur überwältigend und mein Blick auf die restlichen Zuschauer bestätigten meine Eindrücke. Maurizio verschwand von der Bühne und ließ Boris bei „Beziehungsohr“ allein. Mit einem Video im Hintergrund bediente er die Maschinen, während Maurizio einmal zum Merchandise-Stand und zurück spazierte und sich das Geschehen vom Publikum aus ansah. Wieder etwas härter folgten „Twisted Words“ und „Kill all Lifeforms“, was Boris sichtlich aufwühlte und eine unglaubliche Emotionalität offenbarte. Er hockte sich hin, ging von der Bühne ins Publikum und lag teilweise singend auf dem Boden. Das wunderschöne und berührende „Love has too much audiance“ mit grandiosen Pianoklängen bildete einen weiteren Höhepunkt des Abends. Boris hielt das Mikro ins Publikum und ließ uns singen. Kraftvoll, laut und hämmernd überrollten uns im Anschluss „Math & Emotion – the square root of three“ und das bekannte „Vertraut“, bevor wieder Maurizio nach vorne trat und Ribi (DESTROID) zu sich auf die Bühne holte. Weiterhin kamen Daniel Myer und Stefan (AMNISTIA) dazu, um gemeinsam „Wir sind ganz zusammen“ zu singen. Was für ein Spektakel auf der Bühne. Ribi faszinierte zusammen mit Maurizio am Mikro. Daniel brachte einen Teil der Drums mit auf die Bühne und alle hatten einen Mordsspaß. Auch das Publikum kam aus dem Jubeln und Staunen nicht mehr heraus. Ich hatte es mir so gewünscht „Lauf, Lauf!“ live zu hören und ich hatte Glück, denn Boris sang den Titel zum ersten Mal auf der Bühne mit nachhaltigem Eindruck! Nachdem das Duo die Bühne verließ, wurde laut nach Zugabe gerufen und Maurizio kam zurück, um „Der Koraktor“ anzuspielen. Doch auch das reichte nicht aus, die Zugaberufe wurden nur noch euphorischer. Grinsend kehrte er ein letztes Mal für „Kantorka“ zurück. Wir genossen das soundgewaltige Stück aus dem gleichnamigen Release, welches Otfried Preusslers „Krabat“ thematisiert. Dann war alles vorbei. Ein abschließender Applaus belohnte das fast 1, 5 h dauernde Erlebnis. Für mich sind KLANGSTABIL schon jetzt meine Entdeckung des Jahres.

Setlist KLANGSTABIL
Fighting Colours
You may start
Perdere per vincere (The Italian Opening)
Math & Emotion – The square root of one
Push yourself
Gloomy Day
Beziehungsohr
Twisted words
Kill all lifeforms
Love has too much audience
Math & Emotion – the square root of three
Vertraut
Wir sind ganz zusammen (feat. Destroid and Amnistia)
Lauf, lauf!

Der Koraktor

Kantorka

Nach stundenlanger Live-Musik hieß es nun weiterfeiern auf der anschließenden Party des ersten Steelfactory-Festival, welches sich als voller Erfolg herausstellte. Die Veranstalter bewiesen Händchen mit der Bandauswahl und glänzten mit hervorragender Organisation. Da freuen wir uns doch schon auf das nächste Mal!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu AMNISTIA auf terrorverlag.com

Mehr zu DESTROID auf terrorverlag.com

Mehr zu KLANGSTABIL auf terrorverlag.com

Mehr zu TEAR!DOWN auf terrorverlag.com