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STEPHEN MALKMUS & THE JICKS

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 03.09.2014

„Ich lasse es mit dem Deutschsprechen lieber“ kündigt STEPHEN MALKMUS die zweite Episode in der Reihe „Alleingang einer Indierock-Legende in Ostwestfalen“ an. Vor knapp drei Wochen stand noch Ex-SONIC-YOUTH-Gitarrist THURSTON MOORE auf der Bühne des Bielefelder Forums, um sich die natürlich längst runtergeschrubbten Solohörner endgültig abzustoßen. MALKMUS hat nicht nur bereits die erste Reunion seiner ehemaligen Hauptband PAVEMENT hinter sich, sondern ist auch schon jahrelang mit den JICKS unterwegs. Ein alter Hase in allen Belangen also. Und alte Hasen waren auch im Publikum reichlich vertreten.

Bei MALKMUS von einem alten Hasen zu sprechen erscheint angesichts seiner jugendlichen Erscheinung merkwürdig unangebracht. Auch die folgenden 90 Minuten bestanden nicht im Geringsten aus dem simplen Abfeiern alter PAVEMENT-Gassenhauer. Mittlerweile überwiegt schließlich die Anzahl seiner Soloalben. Allerdings können legendäre musikalische Erbschaften leicht einen überdimensionalen Ballast darstellen, der sich nur schwer abwerfen lässt. Dazu kommt, dass es MALKMUS potenziellen Neuhörern mit seinem Output nicht immer ganz leicht macht: Stagnation auf gehobenen Niveau sorgt kaum für sensationelle Schlagzeilen. Dementsprechend ist es, abgesehen von der viel beachteten Reunion vor ein paar Jahren, ziemlich ruhig um ihn geworden. Dazu kniet sich der Künstler mit seiner Band gern in gniedelig-nerdige Pfützen aus Krautrock, Seventies-Rock und minutenlange Jamsessions, in denen zwar alles vorhanden ist, was man als Fan schon jahrelang an ihm schätzt, aber auch eben vieles Sperriges mehr. Die Melodien schlagen Haken, führen den Hörer in die Irre, aber kehren umso schwelgerischer wieder zurück. Hier ist manchmal Geduld angesagt.

An diesem Abend taucht nicht mal das vergleichsweise geradlinige erste Soloalbum in irgendeiner Form auf. Hier geht es tatsächlich nur um die JICKS. Nichtsdestotrotz steht auf der Bühne der gleiche Slacker, der sich in den frühen Neunzigern mit prätentiösen Rockern wie den STONE TEMPLE PILOTS angelegt hat. Gerade im Jahr 2014 scheint die dargebotene, aktualisierte Fassung dieser lässigen Haltung ein wohltuender Gegenentwurf zur durchgestylten Lebenslaufoptimierung, die in der Medienlandschaft nicht nur großzügig geduldet, sondern längst auch selbstverständlich geworden ist. Man hat das Gefühl, dass da einer der Guten auf der Bühne steht und dieses Gefühl wärmt wesentlich mehr als nostalgische Retrospektive.

Dreh- und Angelpunkt ist selbstredend das aktuelle Album „Wig Out at Jagbags“, das MALKMUS, der nach drei Jahren Berlin-Aufenthalt überraschend schlechtes Deutsch spricht, augenzwinkernd anpreist. „Houston Hades oder „Shibboleth“ fügen sich nahtlos in ein Set aus alten und neuen Songs ein. Und dann gibt es immer wieder diese erhabenen Momente, in denen die komplette Band vom Boden abzuheben scheint. Das Finale von „Lariat“ ist so ein Moment. Bei dem Stück, in dem es übrigens um die Stadt Köln geht, hätten ganz unironisch auch Wunderkerzen auf der Bühne glühen können. „Face The Truth“ Schräbbelklopper „Baby C’mon” bewegt dann noch einmal schlagartig alle Anwesenden im Raum. Ein eher seltener Moment während des knapp neunzigminütigen Sets. Sonst ist eher verzücktes Starren angesagt – und das völlig zu Recht.

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