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STEVE ’N’ SEAGULLS

Ort: Osnabrück – Rosenhof

Datum: 15.12.2016

Von wegen besinnliche Vorweihnachtszeit! Nicht ohne Grund heißt der Donnerstag in Sparkassen-Kreisen „Schlado“ (Abkürzung für „Scheiß langer Donnerstag“) und irgendwie schien der heutige für mich nicht viel Gutes in petto zu haben. Dieser Umstand änderte sich erst gegen 21.00 Uhr, als ich endlich vor der Bühne des Rosenhofes stand und die STEVE’N’SEAGULLS aus dem hohen Norden sich anschickten, ihren schrägen Hillbilly-Bluegrass-Polka-Metal-Cover-Sound unters Volk zu bringen. Zuvor hatte ich leider die Lokalmatadoren von NORTH ALONE verpasst, die dem Publikum allem Anschein nach aber schon ausreichend eingeheizt hatten, denn die Stimmung im gut besuchten ehemaligen Kino am Rosenplatz war bestens und so wurden die Finnen, die zu einem Intro Aufstellung nahmen, auch freundlichst von den Hasestädtern begrüßt.

Insbesondere Wild Till Hiltunen (Mandoline, Akkordeon, Tasten & Gesang) hatte es da vor allem den Damen angetan. Für ein Selfie mit zwei männlichen Fans war der Latzhosenträger im Vorfeld auch durchaus zu haben gewesen, aber seine Fellmütze (was war das wohl mal für ein Vieh???) wollte er partout nicht von der holden Weiblichkeit streicheln lassen. Da half kein Augenklimpern und kein Lächeln, schließlich war der Mann ja zum Musizieren in die Domstadt gekommen und deshalb wurde auch gar nicht lang gefackelt, sondern gleich mit der IRON-MAIDEN-Nummer „Aces High“ klar gestellt, was die Anwesenden in den kommenden rund 100 Minuten zu erwarten hatten. „You Could Be Mine“ (im Original von GUNS’N’ROSES) und „It’s A Long Way To The Top” (AC/DC) und der zweite IRON-MAIDEN-Track „The Trooper” ließen ebenfalls keine Wünsche offen und bewiesen, dass Quetschkommode, Kontrabass und Banjo auch ein Metallerherz erfreuen können. Ein erstes Highlight war aber sicherlich „Ich will“, für das Banjo-Mann Herman de German seine Deutschkenntnisse in die Waagschale warf und das RAMMSTEIN-Liedchen mit sonorer Stimme vortrug. Mit blitzschnellem Polka-Metal übernahm „Self Esteem“ (der wohl größte THE-OFFSPRING-Hit, der auch in der finnischen Darreichungsform zu begeistern wusste), bevor mit dem schmissigen „Symphony of Destruction“ ein Klassiker der MEGADETH-Diskografie auf dem Programm stand. Bei LED ZEPPELINs „Black Dog“ verwandelte sich Seventies-Psychedelic unversehens in schrägen Bluegrass, der auch vom Auditorium gesanglich unterstützt wurde. Für die Vocals beim nachfolgenden FOO-FIGHTERS-Schmankerl „The Pretender“ war Drummer Puikkonen zuständig und es dauerte gar nicht lang, bis diese countryeske Darbietung mit viel Groove ins Bein ging. Ein großes Hallo gab’s beim PANTERA-Cover „Cemetery Gates“, bei dem Mützenmann Wild Till Hiltunen zunächst nicht mit am Start war, dann aber wieder in die Knöpfe und Tasten seines Schifferklaviers griff. Apropos Tasten: Der Multiinstrumentalist sorgte bei GARY MOOREs „Out In The Fields“ am Keyboard für entsprechende Akzente und servierte beim emotionalen „November Rain“ (abermals GUNS’N’ROSES) ein hörenswertes Piano-Solo, bevor Pukki Kaalinen mit seinem großen Streichinstrument eine Extra-Portion Groove ins Spiel brachte. Zuvor hatte der Kontrabassist seine Sangeskünste bei „You Shook Me All Night Long“ (natürlich von AC/DC) zum Besten gegeben, ehe Irwin Remmel für die Eigenkomposition „Fill Up The Tank“ wieder das Mikro übernahm. Der Fünfer ließ es wahrlich krachen und auch das vergleichsweise alte Auditorium war eindeutig in Feierlaune. Das zeigte sich insbesondere bei „Thunderstruck“, das bekanntermaßen die Band zu Millionären gemacht hat – zumindest in Sachen YouTube-Clicks, denn der AC/DC-Track bringt es inzwischen auf respektable 32 Millionen Views. Aber auch METALLICAs „Sad But True“ bei dem Remmel und Hiltunen mit zwei Mandolinen bewaffnet eine Art Rundlauf absolvierten, wusste ebenso wie das das Akkordeon-dominierte „Burn“ (DEEP PURPLE) und „Seek & Destroy“ (einmal mehr METALLICA auf Highspeed UND im Schunkelmodus) zu gefallen. Das sollte es nach 90 kurzweiligen Minuten auch schon fast gewesen sein, aber nach einem kurzen Break ließen sich die STEVE’N’SEAGULLS nicht lange bitten und legten mit dem STEPPENWOLF-EVERGREEN „Born To Be Wild“ ein wirklich fulminantes Finale hin, das mitsamt Percussion, Keys und Querflöte nach allen Regeln der Kunst vor und nicht weniger auf der Bühne abgefeiert wurde.

Vor genau 14 Monaten waren die Skandinavier bereits im Bastard Club zu Gast. Sieben Monate später machten die Jungs die Maiwoche unsicher und nach weiteren sieben Monaten
lieferten die Herrschaften mit neuen Songs ihres zweiten Albums „Brothers In Farms“ erneut eine großartige Club-Show ab. Wenn dieser Rhythmus weiter eingehalten wird, müsste das Quintett im kommenden Juli wieder in Osnabrück am Start sein. Ich glaube nicht, dass irgendeiner, der im Rosenhof mit von der Partie war, dagegen etwas einzuwenden hätte. Ich auch nicht, also STEVE’N’SEAGULLS: Macht euch nächsten Sommer wieder auf den Weg zu uns, wir haben auch viel weniger Mücken als in Finnland!

Setlist
Aces High (IRON-MAIDEN-Cover)
You Could Be Mine (GUNS‘N’ROSES-Cover)
It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock ’n‘ Roll) (AC/DC-Cover)
The Trooper (IRON-MAIDEN-Cover)
Ich will (RAMMSTEIN-Cover)
Self Esteem (THE-OFFSPRING-Cover)
Symphony of Destruction (MEGADETH-Cover)
Black Dog (LED-ZEPPELIN-Cover)
The Pretender (FOO-FIGHTERS-Cover)
Cemetery Gates (PANTERA-Cover)
You Shook Me All Night Long (AC/DC-Cover)
Fill Up The Tank
Sad But True (METALLICA-Cover)
Out In The Fields (GARY-MOORE-Cover)
November Rain (GUNS’N’ROSES-Cover)
Burn (DEEP-PURPLE-Cover)
Thunderstruck (AC/DC-Cover)
Seek & Destroy (METALLICA-Cover)

Born To Be Wild (STEPPENWOLF-Cover)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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