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STROMAE

Ort: Hamburg - Große Freiheit 36

Datum: 17.02.2014

Manchmal lohnt es sich zu warten. Warten auf das 2013 veröffentlichte Album „Racine Carrée“ von STROMAE, der 2009 mit „Alors on danse“ einen europaweiten Hit landete. Warten auf das Konzert, dass um drei Wochen nach hinten verlegt wurde und zu guter Letzt warten auf den Konzertbeginn, der sich um eine Stunde verschoben hatte. Für all jene, die keine Karte mehr bekommen hatten und für all jene, die dennoch den französischen Chanson in ihr zuhause lassen wollten, übertrugen Fernsehteams das Konzert in Hamburg live. Trotz aller Melancholie und Traurigkeit, die in der Musik von STROMAE mitschwingen, war die Stimmung in der ausverkauften Großen Freiheit ausgelassen und frankophil. Viele Muttersprachler waren im bunt gemischten Publikum vertreten. Auch wenn der Maestro vom Französischen ins Englische übersetzte, war es von Vorteil, frankophil zu sein, denn teilweise fiel es schwer, der spontanen Interaktion zwischen STROMAE und seinen Fans zu folgen. Mit Wortwitz, Charme, Charisma und Drama führte der Belgier durch den Abend, wobei er von drei Musikern an Elektrodrums, Synthesizern und Gitarre unterstützt wurde. Selbst griff er ab und an zu die Drumsticks.

Zu den treibenden Beats im Song „Humain à l’eau“ verwandelte sich die Menge in eine ekstatisch hüpfende Menschenmasse, die durch gebrochenen Beats wieder kurz zur Ruhe kam, um beim nächsten technolastigen Part erneut auszubrechen. Neben dem Beat-Wechsel vollführte STROMAE in diesem Song gekonnt und leichtfüßig den Wechsel zwischen sehr hohen Gesangsparts und seiner normalen Gesangsstimme. Bei „Tous les memes“ vollführte der Maestro dann gekonnt den Wechsel zwischen Mann und Frau. Zu Beginn saß er an einem Tisch, zog sich in Ruhe seine Socken an, legte dann Lippenstift auf und Ohrringe an und spielte den gesamten Song über mit seinem androgynen Wesen. Zu „ Moules frites“ war die Bühne in gelbes, an Fritteusen-Fett erinnerndes Licht getaucht und lud das Publikum ein, im Rhythmus die Hüften kreisen zu lassen oder die Arme im Takt zu schwenken. STROMAE verstand es, verschiedene Musikstile geschickt zu kombinieren, so traf französischer Chanson auf Rumba, Samba und Elektrosound. Auch für optische Abwechslung sorgte der Künstler mit seinen mehrfachen Outfitwechseln, wobei er den Style seiner Musikvideos aufgriff. Oft in Shorts , mit wild gemusterten Kniestrümpfen und Strickjacke bekleidet oder elegant im Anzug mit ausgefallenem Muster stand er staksig auf der Bühne und vollführte verrenkte Tanzbewegungen.

So stolzierte er zu „Carmen“, bei dem er Bizet musikalisch gekonnt verwurstet hatte, wie ein Beau über die Bühne. Diese musikalische Vielfalt beeindruckt bereits auf seinem neuen Album, das er am heutigen Abend fast ausschließlich zum Besten gab. Dazwischen reihte sich neben „Te quiero“ der Track „Peace or Violence“ vom Album „ Cheese“ ein, bei dem er fast das gesamte Stück über seine Finger zum Peacezeichen erhob. Großes Drama und Gänsehaut gab es bei „Formidable“, bei dem er mit „weinenden“ Lippen das Leiden herauf beschwor, am Ende auf der Bühne zusammenbrach und gestützt von einem Musiker die Bühne verließ. Währenddessen sang das Publikum den Refrain von „Formidable“ weiter, bis die verbliebenen Musiker einstiegen, um den Song zu beenden.

Mit „Alors on danse“, dem Hit schlechthin, brachte der Belgier die Große Freiheit erneut zum Beben und es war klar, dass mit diesem Song das Ende des Abends angebrochen war. Nach langen Zugaberufen wurde der Maestro in neuem Outfit wie eine Puppe auf die Bühne getragen und „Papaoutai“ erklang. Noch einmal nutzen die Fans die Möglichkeit zum Mitsingen, bis mit dem Instrumentalstück „ Merci“ der Abend ausklang.

Setlist STROMAE
Ta fête
Bâtard
Peace or Violence
Te Quiero
Tous les mêmes
Ave Cesaria
Sommeil
Quand c’est ?
Moules frites
Formidable
Carmen
Humain à l’eau
Alors on danse

Papaoutai
Merci

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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