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SUBWAY TO SALLY

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 22.04.2007

Auf eine stressige Tour haben sich die Jungs und Frau Schmitt da begeben: Den ganzen April rocken Sie Deutschland mit dem zweiten Teil der „Nackt-Akustik-Tour“. An diesem 22.04. hatten wir einen der wärmeren Tage des wechselhaften Aprilwetters erwischt, und so machte das Warten vor dem Ringlokschuppen auch den schon früh Anwesenden eher wenig aus. Gegen 19.45 Uhr war dann der etwas verkürzte Konzertraum bereits ziemlich voll, und auf der Bühne konnte man die bereits vom ersten Teil der Nackt-Tour bekannten, mit Efeu verzierten Stühle und die Deko im Hintergrund bewundern, die tatsächlich einen religiösen Eindruck vermitteln konnten. Vor allem der Stoff im Hintergrund mit entsprechender Beleuchtung schuf von Anfang an eine entsprechende Atmosphäre.

Wie immer ließen zahlreiche „Blut, Blut, Räuber saufen Blut“- Rufe die Ungeduld des Publikums erkennen, bis dann zum Intro der Show um 20.30 Uhr Eric Fish plus Kollegen die Bühne betraten. Alle in langes Schwarz gekleidet ließen Sie sich, einer nach dem anderen, auf ihren Stühlen nieder (Eric als letzter) und begannen dann mit „Böses Erwachen“ das Set. Herr Fish begrüßte Bielefeld mit seinem typischen „Hallo, Freunde“, und da SUBWAY TO SALLY ja lange nicht in Bielefeld gewesen seien, seien sie ja jetzt mal „nackig in Ostwestfalen“ aufgetaucht, auch wenn es eigentlich nicht so relevant sei, ob Ost- oder Westfalen. Und so prägte auch die lockere Stimmung das ganze Konzert. Ob Eric anfing, wieder einmal eine seiner Geschichten zu erzählen („Da waren wir auf einem Schiff unterwegs, voll mit Viehzeugs“) oder auf das reale Leben zurückgriff, es gab einiges zu lachen. Auch die Dekoration wurde einbezogen. Die erste der beiden Rosen an Erics Stuhl musste nach „Element des Verbrechens“ ihr Leben lassen, als er ihre Blütenblätter zu Boden schweben ließ, die zweite wurde bei „Kleid aus Rosen“ ins Publikum gereicht.

Für mich ungewohnt, da auf dem ersten Teil der Nackt-Tour nicht dabei gewesen, war die Unbeweglichkeit der STS-ler. Über die konnten Sie auf jeden Fall selbst froh sein – alle in Schwarze, lange Mäntel gekleidet, war an einem solch warmen Tag das Scheinwerferlicht bestimmt keine Freude. Wie immer glichen Eric, Frau Schmitt, Bodenski und die anderen dies aber gekonnt aus. Und auch auf die Bewegungsfreude des Publikums wurde Rücksicht genommen: Bei „Mephisto“ wiederholten Sie den Refrain noch einmal, damit sich die Springwütigen austoben konnten, und auch bei anderen Stücken fehlte es nicht an Bewegung. Frau Schmitt an der Geige und B.Deutung am Cello verliehen allen Stücken die gewollt klassische Note, ebenso wie die anderen an „ihren“ Instrumenten eine musikalische Bestleistung abgaben.

Die Lacher auf Ihrer Seite hatten SUBWAY TO SALLY wie immer durchgehend. Nicht nur, als Bodenski verkündete, auf der Nackt-Tour sei er ja das erste Mal in einer Kirche gewesen und überzeugt hätten ihn vor allem die kostenlosen Bücher am Eingang, von denen er gleich allen eins mitgebracht habe – und man solle doch mal mit Freunden ein Lied singen, das sei viel besser als Fernsehen oder Computerspielen – um dann in das „Sanctus“ einzustimmen. Auch als Eric erzählte, dass es ja häufiger vorkomme, dass er sich in Rage rede (Ach?!) und dann Sachen ansage, die nicht abgesprochen seien und die Instrumente seien nicht bereit – daher würden sie sich das folgende Lied an der Anzahl der Stühle merken, die sie mitgebracht haben („Sieben“). Dass „Maria“ – obwohl man das nicht denken mag, aber es sei so, nicht alle Frauen überzeuge, sie aber noch andere Mittel auf Lager hätten (den „Liebeszauber“) sorgte weniger für Lacher als vielmehr für erneutes Tanzen und Springen. Und auch Fans mit dem Hang zur Fleißarbeit scheinen SUBWAY TO SALLY zu haben: Ein Buch mit allen Texten, die sie jemals herausgebracht haben, und das handschriftlich ausgefüllt, haben Sie bekommen – wodurch ihnen auffiel, dass sie das böse, garstige „Die Braut“ mal wieder spielen könnten.

Nach 2 Stunden Konzert und viel Schweiß sowohl auf Seiten des Auditoriums als auch bei den Musikern selbst wurden 2 Songs als Zugabe „zusammengelegt“, die thematisch nicht weit voneinander entfernt sind: Ein Lied über die schönste Sache der Welt, das „Schlaflied“ und ein Lied, von dem die STSler nach ihrer langen Reise wissen, wie man es nicht tun solle, nämlich „Ohne Liebe“. Und was fehlte allen Anwesenden bis dahin: Richtig, das eingangs geforderte „Julia und die Räuber“. Nach den Zugaben bestand schon die Befürchtung, dass man ohne diesen Dauerohrwurm nach Hause fahren müsse, aber nein: Auf der dunklen Bühne erklang tatsächlich – ein Dudelsack! Eric hatte für dieses Stück doch seine Sackpfeifen mitgebracht, und am Ende des Stücks waren alle aufgefordert, den Refrain doch bitte noch 7 mal zu singen – das wurde dann mit zwei weiteren Zugaben belohnt, nach denen alle ziemlich fertig den Ringlokschuppen verließen.

Ich selbst bin wie gesagt beim ersten Teil der Nackt-Tour nicht dabei gewesen, was ich jetzt im nachhinein bereue. Dasselbe Konzert in einer Kirche hat vermutlich einen noch höheren Aha-Effekt als dieses. Da kann ich nur sagen: Danke und bitte noch mal!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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