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SUBWAY TO SALLY – MONO INC.

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 16.04.2009

Von nun an könnte neben der „7“ auch die „5“ ihre Zahl sein – zumindest ist es die Zahl, die den momentanen Chart-Erfolg von SUBWAY TO SALLY widerspiegelt. Von Null auf Platz Fünf ging es für ihr neues Werk „Kreuzfeuer“ in den deutschen Album Charts und manifestiert damit, dass der Sieg bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ im vergangenen Jahr nicht bloß ein Aufflackern kurzzeitigen Ruhms war, sondern vielmehr, dass das (Kreuz-)Feuer der Brandenburger nun erst so richtig entfacht wurde. Natürlich darf da eine ausgiebige Tour nicht fehlen und so fand sich ein buntgemischtes Publikum in dem gut gefüllten, aber (angenehmerweise) nicht vollgequetschten Bielefelder „Ringlokschuppen“ zum Tourauftakt ein.

Pünktlich um 20:30 Uhr betraten MONO INC. die Bühne und sollten (das sei schon einmal vorweg genommen) am Ende mehr sein, als der reine Zündfunke des Stimmungs-(Kreuz-)Feuers an diesem Abend. Nach einem sehr stimmungsvollen Intro legten die vier Hamburger auch gleich schon los und präsentierten ihren lupenreinen Gothic-Rock auf mehr als überzeugende Art und Weise. Bereits nach den ersten Minuten machte sich bei mir eine Mischung aus schlechtem Gewissen und Ärgernis darüber breit, dass ich von dem Quartett im Vorfeld noch kaum etwas gehört hatte. Irgendwo grob zwischen PARADIES LOST auf „Symbol Of Life“, HIM, THE 69 EYES, vor allem aber mit Ähnlichkeiten zu Formationen wie SISTERS OF MERCY und THE CURE hatten sie es mir direkt angetan und wecken bei mir wieder einmal die wehmütige Gewissheit, doch deutlich zu spät geboren worden zu sein, um die 80er (auf die Musik bezogen) bewusst miterlebt zu haben. Aber dank Gruppierungen wie MONO INC. wiegt diese Wehmut dann auch gar nicht so schwer, denn Kompositionen wie „Temple Of The Torn“ und „In My Heart“ bieten auch live so ziemlich alles, was man an dieser Musik zu schätzen und lieben versteht: Wunderbar eingesetzte Synthesizer, der warme Gesang von Frontmann Martin Engler, drückender Einsatz der Saiteninstrumente von den ebenfalls ihre Stimme erklingen lassenden Manuel Antoni (Bass) und Carl Fornia (Gitarre) sowie eingängiges Drumming von Katharina Mia. Diese glänzte dann ebenfalls nicht nur mit Gesangseinlagen, sondern auch mit einem starken Schlagzeugsolo, nachdem gemeinschaftlich beschlossen wurde, dass sich das anwesende Publikum das doch verdient hätte. Und in der Tat wurde auch vor der Bühne durchgängig das präsentierte Liedgut fleißig abgefeiert und mitgesungen. Letzteres griff Sänger Martin dann auch auf amüsante Art auf: „Mich wundert doch, dass so viele hier in Bielefeld unsere Texte kennen. Vor allem wundert mich dass, da wir hier in Bielefeld so wenige CDs verkaufen. Deshalb der Hinweis, dass es hinten am Merch-Stand unsere CDs zu kaufen gibt – da könnt ihr dann euer schlechtes Gewissen wegen illegaler Downloads direkt erleichtern.“ An solchen Ansagen, bei denen man unter anderem auch Dank bekundete, von einer „Legende“ (O-Ton) wie SUBWAY TO SALLY eingeladen worden zu sein, aber vor allem auch an der Bühnenpräsenz der Hansestädter merkte man ihnen die mittlerweile bereits zehnjährige Erfahrung mehr als positiv an. Von den Bewegungen auf der Bühne bis hin zu dezentem Posing wirkte alles sehr stimmig und ließ durch Aktionen wie beispielsweise ein Küsschen auf die Glatze von Bassist Manuel auch den Spaß an der Sache nicht vermissen. Auch die Interaktion mit dem Publikum klappte und so folgte man der Aufforderung Herrn Englers „Jetzt kommt meine Lieblingsstelle – nämlich dann, wenn ihr singt!“ und „Lauter!“ bereitwillig nach. Ältere Titel wie die bereits erwähnten „Temple Of The Torn“, „In My Heart“ und vor allem „My Sic Mind TV“ wurden genau so sauber und begeisternd vorgetragen wie die Kompositionen vom aktuellen Silberling „Pain, love & poetry“: „Sleeping My Day Away“, dem Hit „Get Some Sleep“ und die Live-Premiere von „Bloodmoon“. So verwunderte es auch nicht im geringsten, dass MONO INC. nach ihrem 45minütigem Set unter lautem Applaus recht herzlich verabschiedet wurden. Lediglich die Rufe nach einer Zugabe blieben aus, was mich doch ein wenig verwunderte. Mich hätte es gefreut.

Setlist MONO INC.
This Is The Day
Temple Of The Torn
Voices Of Doom
Burn Me
Blood Moon
In My Heart
My Sic Mind TV
Sleeping My Day Away
Get Some Sleep

Aber sicherlich noch mehr Freude löste bei den Versammelten der anstehende Auftritt von den glorreichen Sieben aus. Denn um 21 40 war es soweit: SUBWAY TO SALLY betraten nach dem zum Intro umfunktionierten, von EISBLUME-Sängerin Ria gesungenen Part, von „Komm in meinen Schlaf“ die Bühne, um mit ihrem Teil des Liedes als Opener die euphorische Masse zu begrüßen. Ein sehr guter Auftakt, der mit dem Stück Numero 1 von „Kreuzfeuer“ – namentlich „Aufstieg“ – weiter ausgebaut wurde. Die Textsicherheit bei den beiden neuen Songs konnte man der Mehrheit bereits attestieren – das macht richtige Fans ja nun mal aus. Dass STS davon reichlich haben, spürte man auch dann, als Sänger Eric Fish seiner Freude Ausdruck verlieh, nach all der Zeit im Studio und bei den Proben nun endlich wieder bei ihren „Freunden“ (O-Ton) zu sein. Es folgte die aktuelle Single-Auskopplung „Besser, du rennst“, was Eric auch pantomimisch darstellte, während im Hintergrund die uns bei dem von uns geführten Interview mit Schlagzeuger Simon Michael versprochene „bisher aufwändigste SUBWAY TO SALLY-Bühnenshow, die es je gab“, ablief. Dabei handelte es sich um drei aus unzähligen Lichtpunkten bestehenden Video-Wänden (ähnlich wie die von beispielsweise LINKIN PARK auf ihrer Tour Anfang 2008 – nur deutlich kleiner), auf denen immer mal wieder thematisch passend zum Text entsprechende Videos gezeigt wurden. Schon sehr modern, für eine immer noch den mittelalterlichen Klängen verschriebenen Gruppierung, doch vielleicht ist es genau das, was den besonderen Reiz von SUBWAY TO SALLY ausmacht: Die Fusion aus Moderne und Mittelalter. Als etwas älteres, dafür immer wieder eindrucksvolles Mittel gesellten sich dann (und natürlich passend zum Titel des aktuellen Werkes) einige Pyro-Effekte dazu, die schon einiges her machten – über den Abend gesehen allerdings nicht immer so sonderlich passend eingesetzt wurden. Herr Fish richtete sich wieder an die Anhänger: „Und, wie fühlt ihr euch im Kreuzfeuer?“. Des, vor allem in letzter Zeit, explodierenden Bekanntheitsanstieges bewusst, fragte er, wer von den Anwesenden denn die Brandenburger zum ersten Mal live sehen würde. Nicht viele hoben ihre Hände – vor allem im Vergleich zur Antwort auf die Frage, wer denn schon öfter auf einem Konzert von ihnen gewesen wäre. An denen war es dann auch, den „Neulingen“ zu zeigen, was es mit dem „Schrei“ auf sich hat – ein Prinzip, was sich dann sehr schnell erklärte und wie aus einem Munde von nun an immer auf Kommando ohne zu zögern verfolgt wurde. Schrei! Weiter ging es dann mit dem ersten älteren Stück an diesem Abend und setzte die Segel mit „Knochenschiff“ vom Album „Engelskrieger“, an dass sich vom gleichen Werk „Unsterblich“ anschloss. Eric bedankte sich für den Applaus, dem Nährboden eines jeden Künstlers und gestand, dass sich die naturgegebene Aufregung vor allem bei dem ersten Auftritt einer Tour wie heute dank der begeisterten Anhänger schon so gut wie gelegt habe. Schrei! Bei „So fern, so nah“ wurden dann ruhigere Töne angestimmt, so dass man nun noch deutlicher merkte, dass der Gesang doch oft etwas zu leise ankam, vor allem, was die Strophen anging. Dann stimmte Eric auf den nächsten Titel ein: „Ihr wisst ja, dass wir nie Angst vor großen Themen hatten – früher wie heute. Und das nun folgende, ist ein sehr großes Thema, welches vom wohl bekanntesten Mann der Historie handelt. Jetzt erzählen wir seine Geschichte, aus unserer Sicht.“ Gemeint war natürlich Judas, dem man mit „Judaskuss“ ein Lied widmete. Anschließend war es dann wieder Zeit für ein älteres Stück und obwohl die neuen Titel schon wirklich erfreut aufgenommen wurden, brach man bei „Liebeszauber“ nun vollends in Begeisterung aus. Mir persönlich gefällt der Live-Vortrag der älteren STS-Kompositionen ja irgendwie immer doch noch ein Stückchen besser, so auch dieses Mal. Das Solo auf der dreihälsigen Gitarre saß perfekt und auch was die anderen Instrumente angeht, braucht man eigentlich nicht wirklich noch erwähnen, dass da wieder einmal tadellose Arbeit abgeliefert wurde. Das „-kadabra“ von „Abrakadabra“ wurde natürlich lauthals von allen mitgesungen, und auch als sich Eric zum Ende hin den Spaß gönnte, es durch „Simsala“ bzw. „-bim“ und „Hokus“ bzw. „Pokus“ zu ersetzen, ließ man ihn selbstverständlich nicht hängen. Dann drehte man sich kollektiv zum „Veitstanz“, der deutlich basslastiger Ausfiel und Simon und Bodenski als Feuerspucker auftreten ließ. Anschließend trug man das „Kleid aus Rosen“, was, akustisch vorgetragen, die Ticketkäufer zu ihrer zweitbesten Mitsingleistung an diesem Abend verleitete. Schrei! Nach dem Lied sprach Herr Fish auch das Unding an, dass er dieses Mal nach über 10 Jahren zum ersten Mal keine Rosen zu dem Stück verteilte. „Wir haben mal versucht auszurechnen, wie viel Geld wir in all den Jahren für diese Rosen ausgegeben haben und dabei ist eine überirdische Summe herausgekommen. Vielleicht spricht sich ja während der Tour rum, dass IHR uns jetzt mal Rosen schenkt.“ Ja, so macht die Wirtschaftskrise halt auch vor Konzerttraditionen nicht halt. Dazu passte dann ein wenig die Textzeile „Ich bin arm, du bist reich“ vom folgenden Song „Minne“, zu dem artig im Rhythmus mitgeklatscht wurde. Von einem kleinen Drumsolo eingeleitet gab es dann passender weise „Die Trommel“ auf die Ohren, ehe Herr Fish bekannte, dass jedes STS-Mitglied, wenn es einen Text schreibt, etwas von sich preis gibt – so auch er bei „Einsam“. Mit dem mittlerweile recht umstrittenen, aber immer noch wunderschönen Hit „Eisblumen“ ging es munter voran und am Ende konnte es sich Eric nicht verkneifen, einen Seitenhieb an alle Kritiker an dem EISBLUME-Cover auszusprechen: „Und jetzt kommt die andere Version, die ist doch auch schön, oder??“ Schrei! Vereinzelte Buhrufe verstummten dann schnell wieder bei „Falscher Heiland“ – ein Titel, der laut Eric in der Setlist geblieben ist, da er immer noch aktuell sei. Dann ging man auf „Die Jagd“ und „Alle, Psallite Cum Luya“ erklang, bis auch Eric bei „Mephisto“ zum Feuerspucker mutierte. Mit der Überleitung „Wir holten dieses Feuer aus der Hölle“ kam man zu „Sag dem Teufel“, bei nicht nur dem die Menge zufrieden tanzte und applaudierte. Schrei! Getanzt wurde dann auch zum „Tanz auf dem Vulkan“, bis man mit der Erfolgssingle und Gewinner-Song des Bundesvision Song Contest „Auf Kiel“ das Ende des heutigen Konzertes verkündete.

Sofort stimmten die Anhänger „Julia und die Räuber an“, was dem Ruf einer Zugabe ja quasi gleich kommt und so betraten SUBWAY TO SALLY erneut die Bühne. „Dieses Lied da, von der Julia… das muss wohl so ein westfälisches Volkslied sein. Das kennen wir gar nicht. Singt uns das bitte doch nochmal vor“. Natürlich kam man dem umgehend lauthals nach. „Also, dass ist ja schon ein grausamer Text. Da ist ja gar keine Liebe drin. Man könnte auch sagen: ohne liebe.“ Sprach es, und stimmte eben jenes „Ohne Liebe“ an, ergänzte die Zugabe noch mit der Bandhymne „Sieben“ und war dann bereit für „Julia und die Räuber“. Zu dem Lied äußerte sich Bodenski dann wie folgt. „Lieder sind wie Kinder – wenn man sie erstmal in die Welt gesetzt hat, muss man auch dazu stehen.“ Nach dem er dann von einem aufmerksamen Fan berichtigt wurde, dass Julia nicht 12 sondern 13 Jahre alt ist, ging es dann los und so endete auch heute ein SUBWAY TO SALLY Auftritt, wie er immer endet: Ein begeistertes Publikum und eine zurecht zufriedene Band singen gemeinsam und feiern sich gegenseitig. Doch damit nicht genug, unermüdlich ließ man zu guter Letzt auch noch „Fatum“ und „Vater“ folgen – man konnte einfach nicht genug voneinander bekommen. Schrei!

Ein wirklich guter Tourauftakt! Angefangen bei einer sehr guten Vorband, über eine Bühnenshow, die die Verschmelzung von alten Werten und modernen Errungenschaften optisch so widerspiegelt, wie es SUBWAY TO SALLY mittlerweile musikalisch tun, bis hin zu einem wiedermal sehr sauberen und vor allem ca. zweistündigen (!) Auftritt. Den für sich allein betrachtet muss man bescheinigen, dass man die glorreichen Sieben schon mitreißender erlebt hat – allerdings war es ja auch der Tourauftakt, so dass man sich auch erstmal wieder warm spielen musste. Die Setlist beinhaltete keine großen Überraschungen, enttäuschte aber ebenso wenig, da vor allem die Kompositionen vom aktuellen Album „Kreuzfeuer“ gut vertreten, positioniert und sehr stimmig vorgetragen wurden. SUBWAY TO SALLY sind also weiterhin auf dem Weg, sich ganz oben an der Spitze der deutschen Musik festzusetzen – und ihr (Kreuz-)Feuer brennt heller den je!

Setlist SUBWAY TO SALLY
Komm in meinen Schlaf
Aufstieg
Besser, du rennst
Knochenschiff
Unsterblich
So fern, so nah
Judaskuss
Liebeszauber
Veitstanz
Kleid aus Rosen
Minne
Die Trommel
Einsam
Eisblumen
Falscher Heiland
Die Jagd
Mephisto
Sag dem Teufel
Tanz auf dem Vulkan
Auf Kiel

Ohne Liebe
Sieben
Julia und die Räuber

Fatum
Vater

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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