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SUBWAY TO SALLY

Ort: Osnabrück - Lutherkirche

Datum: 05.05.2010

Zwölf Stunden bevor das erste von zwei Konzerten in der Osnabrücker Lutherkirche starten sollte, zeichnete sich das Kommen von SUBWAY TO SALLY bereits ab. Denn zu diesem Zeitpunkt begegnete mir der Tourbus der Potsdamer, die tags zuvor in Mannheim gespielt hatten und nun zwei Tage Station an der Hase machten. „Nackt II” heißt das zweite Kapitel der Akustiktour, auf der sich SUBWAY TO SALLY seit Mitte April befinden. Wie bereits beim ersten Unplugged-Durchlauf hatte die Kapelle in Osnabrück in die Lutherkirche geladen, deren Hirte vermutlich glücklich wäre, wenn sein Gotteshaus auch an Sonntagen so gut gefüllt wäre. Zwar war der heutige Mittwoch im Gegensatz zum Donnerstag nicht bereits im Vorfeld komplett ausverkauft, ganz viele freie Plätze dürfte es in den Kirchenbänken allerdings nicht mehr gegeben haben.

Pünktlich um 20.00 Uhr erschien Gast-Percussionistin Nora humpelnderweise auf Krücken gestützt auf der Stage und nahm ihre Position im neu gestalteten Bühnenbild ein, das von einem knorrigen, blattlosen Baum bestimmt wurde, den man vor einer halbrunden Kulisse zum Stehen gebracht hatte, um die beiden Krähen irgendwo unterzubringen, die es sich oben rechts auf einem mächtigen Ast gemütlich gemacht haben. Wohl in Anlehnung an die arme Nora, die sich am vierten Abend auf der Bühne die rechte Ferse gebrochen hatte, gab es zudem noch einen weiteren Rabenvogel, der mit einem Gipsverband ausstaffiert worden war. Überhaupt zeigte die Gestaltung der Stage viel Liebe zum Detail; dürfte eine Menge Arbeit gewesen sein, die Kirche so umzugestalten. Auf jeden Fall gab’s dafür zu einem späteren Zeitpunkt auch noch einen kräftigen Applaus vom Publikum, das sich nach dem Percussion-Solo der fußkranken Nora mitsamt den übrigen acht SUBWAYs in „Die Schlacht“ begaben. Acht? Dürften das eigentlich nicht nur sieben sein? Richtig! Aber am Cello gab es einen weiteren „Gastarbeiter“, der das Streichinstrument von Frau Schmitt gekonnt unterstützte und insbesondere bei „Eisblumen“ vom 2005er „Nord Nord Ost“ bestens zur Geltung kam. Bis auch die Lightshow ihre ganze Pracht entfalten konnte, sollte es noch ein wenig dauern, denn durch die großen Kirchenfenster erlebten die Zuschauer ein wenig „Open-Air-Atmosphäre“ (O-Ton Eric Fish), aber irgendwann dämmerte es auch in der Lutherkirche und der Altarbereich erstrahlte wahlweise in hellem Weiß, frischem Grün, kühlem Blau oder kräftigem Feuerrot; im Zugabenblock wurde bei „Ohne Liebe“ beim „Hochzeit“-Klassiker sogar rot und blau kombiniert, nachdem ein „Kaltes Herz“ den Baum zum Glühen gebracht hatte. Unnötig zu erwähnen, dass es zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr auf den Plätzen hielt. Schließlich hatte der blonde Fronter gleich zu Beginn des Abends kund getan, dass man nicht sitzen bleiben musste und mitsingen unbedingt erwünscht war. Spätestens bei „Versteckt“ vom letztjährigen zehnten Studioalbum „Kreuzfeuer“ vergaßen die Osnabrücker dann auch ihre sakrale Zurückhaltung und feierten unter heftigen Akklamationen den Song, der nur von Eric, dem Cellisten, Frau Schmitt, Drummer Simon Michael und Gitarrist Ingo Hampf vorgetragen wurde. Letzterer zeichnet übrigens auch für die neuen Arrangements der Lieder verantwortlich und hatte sich im Vorfeld wortwörtlich die Finger wund gespielt. Großen Wert legte Herr Fish im Übrigen darauf, dass SUBWAY TO SALLY keinen Mittelalterrock machen, sondern Rock aus heutiger Zeit, was er mit einem achteinhalb Jahre und 15 Tage alten Stück belegen wollte. Immerhin riss ausgerechnet das lateinischsprachige „Accingite Vos“ mit seinem immensen Drive die Fans von den harten Kirchenbänken. Keine Frage also, dass die krachenden SUBWAY-TO-SALLY-Songs auch ohne Verstärker bestens zur Geltung kamen, auch wenn sich Kollege Eric diesbezüglich bei „Wenn Engel hassen“ (2001 auf „Herzblut“ erschienen) im Vorfeld gar nicht so sicher war. Doch auch unplugged gefiel der Track mit stampfenden Beats, ehe mit „Falscher Heiland“ ein Klassiker der STS-Discografie für ein absolutes Highlight sorgte. Nachdem Eric die Sache mit dem Baum und den Krähen erklärt hatte, nahm er zum 15 Lenze alten „Krähenfraß“ ein Bad in der Menge, bevor es mit „1994“ noch ein Jahr weiter zurück ging und man mit „An der Zeit“ (übrigens das älteste deutschsprachige Lied der Band) daran gedachte, wie der Flötenmann überhaupt ans Mikro gekommen war. Nachts um drei im Proberaum waren Ingo, Bodenski und Simon schon durch mit ihrem Gesang, da erschien plötzlich Eric und siehe da: Erics raues Organ passte perfekt zum Sound der Kapelle, die so ihren Sänger gefunden hatten. Mit diesem Blick auf die 18 Jahre zurückliegenden Anfangstage näherte sich langsam aber sicher das Ende des regulären Sets, das zünftig und mit Tanzcharakter begangen wurde. Auf dem Programm standen der „Tanz auf dem Vulkan“ und der „Veitstanz“, mit dem nach 105 Minuten der erste Durchlauf unter erheblichem Jubel, Gesangseinlagen des Auditoriums und mehrfachen Verbeugungen der Künstler schloss.

Kaum hatte der Neuner die Bühne verlassen, setzten auch schon „Räuber“-Gesänge ein, welche die Protagonisten an den teilweise mittelalterlichen Instrumenten (z.B. Drehleier und Laute) alsbald wieder an selbige lockten. Während Eric von einem weiblichen Fan neun rote Rosen überreicht bekam, legte man langsam mit dem Zugabenblock los, der den Hasestädtern nicht nur ein Geschenk in Form einer neuen Melodie namens „Spielmann“ bescherte, sondern auch den beliebten Abzählreim „Sieben“ nicht fehlen ließ. Die Anwesenden sangen nicht nur aus voller Brust mit, sie visualisierten die Zahlen selbstverständlich auch mit ihren Fingern, um sich im Anschluss an dieses großartige Lied nochmals kurz von ihren Lieblingen zu verabschieden. Die sammelten sich noch einmal beim ruhigeren „Die Jagd“, um mit „Julia und die Räuber“ das obligatorische Finale abzuliefern. Zu diesem Zweck blieben die beiden Gäste im off, denn dieser Aufgabe ist offensichtlich nur die Stammbesetzung gewachsen. Eric Fish tauschte seine zahlreichen Flöten gegen einen ungleich mächtigeren Dudelsack, Frau Schmitt rückte in die erste Reihe vor und auch Bassist Sugar Ray musste nicht mehr im hinteren Eck ausharren. Keine Frage, dass der 1996er Smasher des „Foppt den Dämon“-Albums amtlich abgefeiert wurde. Um 22.20 Uhr verschwand zwar die Band endgültig, die Fans ließen es sich jedoch nicht nehmen, den Refrain doch noch zwei, dreimal zu wiederholen.

Ein sehr stimmungsvoller Abend in absolut passender Kulisse mit toller Akustik (selten klangen Gesangseinlagen des Publikums so voll) fand auf diese Weise sein gelungenes Ende. Für den einen oder anderen folgte tags darauf womöglich ein zweiter Durchgang. Zu Weihnachten werden die Osnabrücker Fans in diesem Jahr allerdings etwas weiter fahren müssen, denn dieses Mal gastieren SUBWAY TO SALLY nicht in der heimischen Halle Gartlage, sondern im Ringlokschuppen im benachbarten Bielefeld.

Setlist
Solo Nora
Die Schlacht
Henkersbraut
Die Rose im Wasser
Herrin des Feuers
Krähenkönig
Kleine Schwester
Eisblumen
Bruder
Angelus
Versteckt
Accingite Vos
So fern, so nah
Wenn Engel hassen
Falscher Heiland
Krähenfraß
An der Zeit
Die Ratten
Auf Kiel
Tanz auf dem Vulkan
Veitstanz

Spielmann
Ohne Liebe
Sieben

Die Jagd
Julia und die Räuber

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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