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SUGARPLUM FAIRY – SAHARA HOTNIGHTS

Ort: Münster - Sputnikhalle

Datum: 27.09.2008

Gestern erst ist das dritte Album „The Wild One“ der smarten Schweden erschienen und heute rockten SUGARPLUM FAIRY schon die Sputnikhalle. Etwa 220 junge Westfalen bzw. besser gesagt überwiegend junge Westfälinnen hatten sich im ehemaligen Industriegemäuer am Hawerkamp eingefunden, um dieses Ereignis angemessen zu feiern, da durfte natürlich auch der Terrorverlag nicht fehlen, zumal uns auch der Support SAHARA HOTNIGHTS bereits als Konserve positiv aufgefallen war.

Um 20.15 Uhr legten die vier Damen, die zwar alle erst Mitte Zwanzig sind, aber ihre Band bereits vor rund 15 Jahren gegründet haben, mit ihrem „Japanese Boy“ los. Während andere Mädels noch mit ihren Barbies gespielt haben, tummelten sich Maria Andersson (Gesang & Gitarre), Johanna Asplund (Bass), Josephine Forsman (Drums) und Jennie Asplund (Gitarre) schon im Proberaum und rockten, was das Zeug hielt. Das schwedische Quartett, das zu seinen prominentesten Fans Dave Grohl von den FOO FIGHTERS zählt, hat Anfang September bei uns ihr in der Heimat bereits mit Platin bedachte vierte Album „What If Leaving Is A Loving Thing?“ veröffentlicht und natürlich stellte diese Langrille auch das überwiegende Material der ersten kurzweiligen 35 Konzertminuten des Abends. Besonderes Highlight war dabei „Cheek To Cheek“. Die meistgespielte Radiosingle in Schweden 2007 wusste auch in Münster mit seinen eingängigen Hooks zu gefallen. Das Publikum zeigte sich zunächst wieder westfälisch reserviert, taute zum Ende der Veranstaltung mit dem rhythmusbetonten „Visit To Vienna“ jedoch auch endlich auf.

Setlist SAHARA HOTNIGHTS
Japanese Boy
Getting Away With Murder
Hot Night Crash
The Loneliest City of All
Neon Lights
Cheek To Cheek
Salty Lips
Visit To Vienna

Eine gute halbe Stunde später enterten dann die von den Münsteraner Indie-Mädels sehnsüchtig erwarteten SUGARPLUM FAIRY die Bühne, die nach dem Umbau deutlich größer geworden war. Das rot-weiß gestreifte SAHARA HOTNIGHTS-Backdrop hatte nämlich das bereits aufgebaute Drumkit von Kristian Gidlund und die Keyboards verborgen, an denen wahlweise Carl Norén und David Hebert agierten. Natürlich hatten die Schwedenhäppchen auch ein passendes Textil dabei, auf dem nebst Bandnamen auch der Albumtitel in großen Lettern prangte, der übrigens auf den Marlon-Brando-Film „The Wild One“ zurückgeht. Entscheidend war jedoch, was in Front passierte und angesichts der geballten Manpower auf der Stage zeigten sich auch die Münsteraner von der ersten Minute an erstaunlich bewegungsfreudig. Eröffnet wurde das bunte Treiben mit dem krachenden Opener des brandneuen Silberlings „The Escapologist“, bevor es mit „(And Please) Stay Young“ in die Gefilde der ersten Langrille von 2005 ging. Auch vom darauffolgenden Longplayer „First Round, First Minute“ hatte das Quintett drei Stücke in petto, das Hauptaugenmerk lag aber selbstverständlich bei den neuen Stücken, die von den Fans bereits gehörig abgefeiert wurden. Vielleicht hatten die Anwesenden auch gleich am VÖ-Tag zugeschlagen und sich die Songs schon ausgiebig zu Gemüte geführt, Berührungsängste gab’s auf jeden Fall keine. SUGARPLUM FAIRY bezeichnen ihren dritten Streich ja selbst als eine Art Best of – Nummern wie das krachende „You Can’t Kill Rock’N’Roll“, das sehr tanzbare „Hate It When You Go“ oder das ruhige „Bring Danger“ haben mit Sicherheit sogar das Zeug zum Evergreen und wurden entsprechend honoriert. Mit „Sweet Jackie“ schob der Fünfer einen Band-Klassiker nach, der vom Auditorium begeistert aufgenommen wurde. Sozusagen Victor Noréns Geburtstagsgeschenk an die SF-Fans, denn auch diese Kapelle ist bereits im zehnten Jahr aktiv. Wer sich übrigens fragt, wo er den Namen Norén schon mal gehört hat, das war vermutlich im Zusammenhang mit MANDO DIAO, da ist der dritte Norén-Spross Gustav musikalisch tätig. Nach diesem eher besinnlichen Intermezzo ging es mit „Kick It Up“ wieder in die Vollen. Diesmal übernahm Carl den Job an den Tasten, während sich David um den Stahlsaiter kümmerte und Victor das Tamburin schlug und für den Gesang sorgte. Beim genialen „In Berlin“ übergab er einmal mehr das Mikro an seinen Bruder, der sich zudem mit einer Akustikgitarre bewaffnet hatte und für einen Moment sehr zur Freude der Chickas in der ersten Reihe am Bühnenrand kniete, während er den sehr emotionalen und treibenden Song zum Vortrag brachte. Zum schnellen und lauten „Godfever“ vom Debüt „Young And Armed“ durfte Victor wieder ran, der den Track nach eigenem Bekunden liebt. Kurz vor Ende der Nummer verharrte die Mannschaft plötzlich in Standby – scheint eine schwedische Eigenart zu sein, kennt man diesen Break doch auch von den HIVES. Nach der kurzen Pause, gipfelte das Stück schon bald in seinem Finale, dem sich auch das reguläre Set näherte. Als letzter Titel stand noch das wilde „She“ aus, zu dem es nicht nur vor der Bühne ausgelassen rund ging. Carl ließ es sich nicht nehmen, seine blanke Brust zu präsentieren, bevor es nach einer knappen Stunde für einen kurzen Moment von der Stage ging.

Die Verlängerung folgte erwartungsgemäß auf dem fuße, auch wenn die Damen und Herren teilweise sehr erstaunt schienen, dass schon mit einem baldigen Ende zu rechnen sei. Vorher gab’s allerdings erst einmal die aktuelle Singleauskopplung „Never Thought I’d Say That It’s Alright“ und das schlafliedmäßige „Caroline“ auf die Ohren. „Caroline“ hat seine Ursprünge tatsächlich in einem schwedischen Kinderlied, eingeschlafen ist bei Carls Gesang jedoch niemand, während sich der zweite Gitarrist Jonas Karlsson im Hintergrund sitzend auf seine sechs Saiten konzentrierte. Blieb noch „Sail Beyond Doubt“, zu dem noch mal alle Beteiligten volle Kraft fuhren. David absolvierte die Zugabe inzwischen mit nacktem Oberkörper, was die Damenwelt erneut ermunterte, Fotoapparate und Handys zu zücken. Mit diesem Klassiker mit Country-Groove erreichte das Konzert zweifelsohne seinen Höhepunkt, bei dem der Song auch in einer etwas getragener Fassung zum Mitklatschen zum Besten gegeben wurde, um letztlich mit einem knackigen Ende um 22.40 Uhr den Schlusspunkt zu setzen.

Nach 75 explosiven Minuten entschwanden die skandinavischen Garagenrocker und auch ich machte mich auf den Heimweg, während die überwiegende Mehrheit wohl weiter dem noch jungen Samstag Abend frönen wollte, der sich in der Sputnikhalle in Form des sich nahtlos anschließenden Electric Ballroom empfahl.

Setlist SUGARPLUM FAIRY
The Escapologist
(And Please) Stay Young
Marigold
Just A Little Bit More
You Can’t Kill Rock’N’Roll
Last Chance
Bring Danger
Hate it When You Go
Sweet Jackie
Kick It Up!
Morning Miss Lisa
In Berlin
Godfever
She

Never Thought I’d Say That It’s Alright
Caroline
Sail Beyond Doubt

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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