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SUICIDE COMMANDO – RABIA SORDA – PUNTO OMEGA – TYSKE LUDDER – PREEMPTIVE STRIKE 0.1 – ANGELSPIT

Ort: Leipzig WGT Parkbühne

Datum: 27.05.2007

Am Sonntag soll man entspannen und den Herrn einen guten Mann sein lassen. Genau das hatte ich in der Hoffnung auf gutes Wetter an der Parkbühne vor, wo die Zeichen auf Electro standen. Leider war die erste Band des Tages meinem sonntäglichen Getrödel zum Opfer gefallen und mir war nur noch der letzte Song des Openers UNTERART vergönnt. Dem Tanzen und Klatschen nach zu urteilen hatten die Herrschaften aber eine mitreißende Show abgeliefert.

Nach einer kurzen Umbaupause sollte es dann aber mit PRE EMPTIVE STRIKE 0.1 aus Griechenland für mich musikalisch beginnen. Sänger Jim „The Blaster“ outete sich mit einem Aufnäher an seiner Lederweste als FEINDFLUG-Fan und legte gleich gut los. Zwar war der Zuspruch vor der Bühne nicht ganz so euphorisch wie bei den Vorgängern, aber angesichts der hochsommerlichen Temperaturen war es durchaus klug, die Kräfte ein wenig einzuteilen. Für den halbstündigen Auftritt konnte die Dame am Laptop dann auch ihre Gasmaske aufbehalten, länger wäre es bei der schweißtreibenden Show zwischen EBM und Industrial wahrscheinlich auch nicht möglich gewesen, deshalb hatte Keyboarder Cyron auch auf ähnliche modische Spielereien verzichtet, wenngleich die sonnenverwöhnten Griechen ähnliche Temperaturen aus der Heimat gewöhnt sein sollten.

Auch die Cyberpunks ANGELSPIT traten in der Kombi Mann plus Frau auf, allerdings sang bei den Australiern aus Sydney auch das Riot Girl mit. Vor der Stage wurde es zunehmend voller und der etwas sperrige Mix aus Industrial, Rock, Noise und einer Prise Pop fand offensichtlich seine Liebhaber, die Parkbühne füllte sich doch zusehends und verfolgte die ANGELSPIT-Show, die mit allerlei Videoeinspielern unterstützt wurde. Leider gingen diese optischen Darbietungen im gleißenden Sonnenlicht etwas verloren, der guten Stimmung tat das aber keinen Abbruch, Show und Musik der Aussies fanden durchaus Zuspruch.

Dass nun aber ein Quantensprung in Sachen Zuschauerreaktion folgen würde, war schon im Vorfeld abzusehen. Die Deutschen TYSKE LUDDER zählen zu den Urgesteinen aggressiven Electros und konnten auf der Wintergewitter Tour beweisen, dass sie auch 2007 noch nicht zum alten Eisen gehören. Stichwort Wintergewitter: Vom Headliner FEINDFLUG hatte man sich mal eben Banane als Gast an den Keys ausgeliehen, dazu trommelte wieder Nøel auf der rechten Seite, während Z67 und Ålbert die eigentliche Show boten. Unaufhörlich wuselten sie am Bühnenrand herum und performten, was das Zeug hielt. So dauerte es nicht lange und direkt vor ihnen bildete sich ein wunderbarer Pit zumeist männlicher zumeist oberkörperfreier Fans. Da störte es wenig, dass die Videoprojektionen bei dem Sonnenlicht nicht besonders gut zur Geltung kamen. Dafür wurden die Anwesenden eben mit Wasser verwöhnt und auch Albert mit seiner „GuvD“-Armbinde nahm ein Bad in der Menge. Altes wie neues Material („Manipulation“, „Canossa“, „Wie der Stahl gehärtet wurde“, „Monotonie“) war allseits bekannt und sorgte so für den ersten richtigen Höhepunkt des Tages.

Die nun folgenden Argentinier PUNTO OMEGA hatten es dementsprechend schwer, das Auditorium auf demselben Level zu halten, und es sei vorweg genommen: Es gelang ihnen nicht. Dafür fehlt ihnen ganz einfach der aggressive Bühnengestus und auch das durchgehend gute Song Material. Die neue Scheibe „Nostalgias Del Origen“ ist eben nur leidlich gut ausgefallen. Dennoch war der Auftritt alles andere als schlecht. Pilgrim begann das Konzert wieder mit seiner recht ungewöhnlichen Dudelsack Einleitung, während sein etatmässiger Kollege recht stoisch die Drums bearbeitete. Doch das war noch nicht alles: Hinten rechts hatte sich noch ein Keyboarder postiert, dessen Gestik mir irgendwie bekannt vorkam und richtig, es handelte sich um Martin Parzer, eine Leihgabe von L’ÂME IMMORTELLE, welche die Südamerikaner ja noch vor kurzem supporteten. Nun kann man nicht behaupten, Martin hätte nicht alles gegeben, ganz im Gegenteil. Seine recht eigenwillig prätentiösen Moves würde ich vielleicht eher bei einer Siegfried & Roy Show vermuten, denn bei Harsh Electro, aber man musste ja nicht hinsehen. Hinhören schon eher bei Stücken wie „La vida es solo teatro“ oder „Guerra en los cielos“, die doch richtig gut nach vorne gehen. Leider fing es gegen Ende dann ordentlich an zu schütten und die meisten Besucher zogen es vor, sich unter dem Abdach zu „verstecken“. Für PUNTO OMEGA alles in allem aber ein Erfolg, die Jungs verrieten hinterher, dass sie noch nie vor so vielen Leuten gespielt hätten. Nach dem WGT machten sie sich gleich auf zu einer Mini Tour durch Schweden und Dänemark, unter anderem mit NECRO FACILITY, hoffentlich können wir sie bald auch wieder hier (im Trockenen) begrüßen.

In der nun folgenden Umbaupause regnete es sich richtig ab, so dass RABIA SORDA letztendlich schon fast wieder vor trockenem Haus beginnen konnten. Bei der Formation handelt es sich um ein Nebenprojekt von Erk Aicrag (HOCICO), der hier einer inneren Stimme folgend seit 2003 seine persönlichen musikalischen Visionen auslebt. Und die sind gar nicht so viel anders als bei seiner Stammformation, allerdings fallend doch ein paar Unterschiede auf. So singt der Mexikaner hier unverzerrt, ja fast ein wenig rau-punkig, es gibt Gitarren (Live allerdings vom Band) und einen Schlagzeuger. Dazu bediente im Hintergrund noch ein Herr die Tasten, wir hatten es also mit einem klassischen Dreier zu tun. Die Musik klingt wie eine deutlich organischere Variante von HOCICO, besitzt ordentlich Schmackes und wie man eine Crowd zum Abtanzen animiert, weiß Erk nach vielen Jahren als Rampensau. Die Veröffentlichungen erfolgen wieder bei Out Of Line, erschienen sind bislang das Album „Métodos del Caos“ und die Single „Save me from my Curse“, die natürlich aus den Lautsprechern drang. Wenngleich vielen im Publikum das Material noch nicht so geläufig gewesen sein dürfte, wurde doch ordentlich gegroovt, RABIA SORDA besitzen in jedem Fall das Potenzial, mehr als eine Eintagsfliege zu sein.

Eher eine Schildkröte (was die Langlebigkeit angeht) ist die Formation SUICIDE COMMANDO um Johan van Roy, die gerade in diesen Tagen mit einer fetten Jubiläumsbox Geburtstag feiert. Während es draußen langsam dämmerte (und noch dazu trocken blieb), kam man in der gewohnten Vierer-Formation auf die Stage: Tanja links und Torben rechts an den elektronischen Instrumenten, dazu INSEKTs Mario Vaerewijck am echten Drumkit, die Show konnte beginnen. Unter normalen Voraussetzungen hätte die Parkbühne eigentlich aus allen Nähten platzen müssen, aber die Ansetzung von mehreren Elektro Events zur gleichen Zeit verteilte die Flats dann doch ein wenig. Mit „Bind, Torture, Kill“ ging die Hellectro Reise zünftig los, auch die bekannten Projektionen waren wieder am Start. Johan im bekannten Outfit (schwarz mit roter Krawatte) zeigte sich agil und mit den üblichen „Züngeleien“, die ausschließlich aus Hits bestehende Setlist tat ihr Übriges dazu, die Zuschauer zu einer brodelnden Masse mutieren zu lassen. Es folgten beispielsweise das recht alte/ herbe „Necrophilia“, „Dein Herz, meine Gier“, „Love breeds Suicide“ oder „See you in Hell“. „One Nation Under God“ wurde in einer Art Slo Mo Version ohne die überbordenden Beats präsentiert, dann folgte noch die neue Single „Fuck you bitch“. Da die musikalischen Aktivitäten im Park Punkt 22 Uhr beendet sein mussten, reicht es dann nur noch zu einer Zugabe, die es aber in sich hatte: „Hellraiser“ forderte den Fans noch mal alles ab. Johan ließ es sich abschließend nicht nehmen, auf seinen Kumpel von GRENDEL hinzuweisen, der nur wenig später im Werk II sein WGT-Outing hatte. Ein sehr unterhaltsamer Electro Sonntag im Grünen hatte sein Ende gefunden und wir machten uns auf in den Anker, um den Abend „besinnlich“ ausklingen zu lassen.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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