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SUMMER BREEZE 2007 – TAG 1

Ort: Dinkelsbühl

Datum: 16.08.2007

Die Absage des Rock am Schloss Festivals sollte doch noch seine guten Seiten zeigen – für mich zumindest, denn zuerst sah es urlaubstechnisch sehr, sehr schwarz aus für das Geburtstagskind unter den Festivals diesen Sommer, dem Summer Breeze, das – zum 2. Mal in der neuen Location – seinen 10. Geburtstag mit 60 Bands feiern sollte. Doch durch das überraschend freie Wochenende und etwas Tausch Aktion unter Kollegen war es dann doch möglich, mir dieses Festival nicht entgehen zu lassen – und diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig.

Los ging’s für mich am Mittwochabend, nachdem ich noch die letzten Euros für ein Festival Wochenende erarbeitet hatte. Mit einem viel zu schweren Rucksack voll mit Bier, Ravioli und allem, was man sonst noch so braucht, ging es mit dem Zug vorerst nach Dortmund, von wo es am Donnerstagmorgen viel zu früh (ca. 7 Uhr) gen Dinkelsbühl losgehen sollte. Gesagt, getan, pünktlich startete unser Bus voller „wichtiger“ Leute in den Donnerstag hinein und trotz Navigationsschwierigkeiten (irgendwie war das Navi wohl auf Russisch eingestellt und wollte den Weg nicht anständig anzeigen) waren wir nach knapp 5 Stunden Fahrt am Ziel. Die Anreise verlief weitgehend Problemlos, im Gegensatz zu den Normalsterblichen, bei denen aufgrund des Glasverbotes erstmal alle Autos durchsucht wurden, was zu langen Schlangen führte, ging es bei uns als Presse doch sehr schnell.

Auch das Wetter war uns wohl gesonnen, hatte es die Tage zuvor wohl noch ordentlich geregnet und das gesamte Festivalareal in einen Schlammwüste verwandelt, so bleib es heute bei angenehmen Temperaturen weitgehend trocken. Zwar musste man schon etwas Slalom laufen, um sich nicht von oben bis unten mit Schlamm voll zu sauen, aber selbst das störte heute wohl niemanden.

Der eigentliche Startschuss war schon am Mittwoch Abend im Partyzelt gefallen, doch erst heute sollte es auch auf der Main und der kleineren Pain Stage so richtig was auf die Ohren geben. Verplant und K.O. wie ich vom „30kg-Rucksack-einmal-quer-über-den-Campground-schleppen“ war verpasste ich erstmal die ersten 4 Bands (nunja, man wird sich ja wohl noch einrichten dürfen…) und fand mich pünktlich zu der ersten Band die ich sehen wollte, nämlich den deutschen Gothic Rockern von LACRIMAS PROFUNDERE an der Pain Stage ein. Nachdem der neue Mann hinterm Mikro sich in der Woche zuvor auf dem M’era Luna noch etwas unsicher präsentiert hatte, merkte man ihm diesmal die Nervosität nicht mehr so stark an, und auch die Ansagen waren etwas ausführlicher. Mit Songs wie „Sweet Craroline“ oder dem älteren „Sarah Lou“ verschaffte die Band sich zwar Gehör, so richtig voll wurde es aber noch nicht. Trotzdem eine souveräne Show, die nach dem ganzen hin und her Gutes für die Zukunft der Band hoffen lässt.

Es blieb melodisch – wenn auch nicht mehr ganz so düster angehaucht – mit AFTER FOREVER auf der großen Bühne. Die 6 Gothic Metaller aus den Niederlanden machten ihre Sache perfekt und ich bin mir sicher, das sie den ein oder anderen Fan für sich gewonnen haben bei diesem Gig, denn hier stimmte einfach alles. Zu erwähnen wäre vielleicht noch der Gastauftritt von DORO bei dem Song „Who I am“ der sich schon allein deswegen anbot, da die Powerfrau ein paar Stunden selbst auf den Brettern stehen sollte. Daumen hoch für einen durchweg gelungenen Auftritt.

Auch auf der Pain Stage ging es weiter mit schönen Frontfrauen – es war Zeit für die Aachener von KRYPTERIA und die bezaubernde Ji-In Cho – wie gewohnt in roter Ledercorsage, damit der männliche Festivalbesucher auch mal auf seine Kosten kommt. Die Show verlief genau so, wie man es von den Jungs und Mädels gewohnt ist – perfekt dargeboten und mit der ein oder anderen fast zu perfekten Pose. Der Auftritt erreichte bei dem Ohrwurm „Sweet Revenge“ seinen absoluten Höhepunkt, es wurde gebangt und mitgesungen, was die Band nur bestätigte, eine gute Show hingelegt zu haben.

Nach diesen zwei Augenweiden für das männliche Metallerauge ging es nun wieder weiter mit etwas klassischerem Metal – RAGE enterten die Main Stage – diesmal ohne Orchester, aber trotzdem mit jeder Menge Spielfreude und Power. Der neue Mann an der Schießbude, der den Platz von Mike Terrana einnahm, machte seine Sache gut – er scheint sich sehr gut in das Trio eingefügt zu haben. Ohne große Laberpausen gab es hier und heute eine schöne pure Rage Show, bei der wir uns vor allem über ältere Klassiker freuen konnten. Diese pure Show ohne SchnickSchnack kam bei den Fans am späten Nachmittag genau richtig und die Jungs wurden dementsprechend abgefeiert.

Wer immer noch seinen Kater vom Vortag ausschlafen musste, wurde spätestens jetzt aus dem Schlaf geprügelt, denn weiter ging’s auf der Pain Stage mit den Grind/ Core Knüppeljungs von THE BLACK DAHLIA MURDER, die neue Songs galore in die Menge feuerten und bei denen die Menge das erste mal völlig ausrastete und einige Moshpits zu melden waren. Bei mir trafen sie nach all dem melodischen Zeugs heute genau den richtigen Nerv so dass es in meinem Nacken ordentlich anfing zu knarzen. Bin halt nix mehr gewöhnt – aber immerhin hatten wir Spaß.

Und schon wieder ein Kontrastreicher Wechsel. Die schon bei AFTER FOREVER aktive Power-Ikone DORO war nun mit ihrer eigenen Show an der Reihe und ließ es für die Metaller Urgesteine mal so richtig true werden und den feuchten Traum eines manchen Kuttenträgers in Erfüllung gehen: In engem Lederdress präsentierte sie eine Best Of Show bei der es trotz ihrem vorgeschrittenen Alters an nichts mangelte – Wahnsinn. Ein weiteres Highlight für Old-School Fans – an der Gitarre fand sich heute niemand geringeres als der Ex-SAVATAGE Gitarrist Chris Caffery wieder. Neben Hits wie „All we are“ „True as Steel“ und „Für immer“ durfte natürlich auch der Judas Priest-Coversong „Breaking The Law“ nicht fehlen, was zum Abschluss die Stimmung noch mal zum Siedepunkt brachte und bei dem ich mich selbst beim mitgrölen erwischte – jaja – Rock’n’roll macht definitiv nicht alt – nicht war – Doro?

Nach so viel Power und Kontrast brauchte ich erstmal eine kleine Pause, so dass ich die SUFFORCATION Jungs erstmal links liegen ließ und mich zu NEVERMORE wieder aufnahmefähig zur Bühne bewegte. Bei denen war heute allerdings wohl der Wurm drin: Stammbasser Jim Shepard lag krank im Bett und auch der sonst so aktive Frontmann Warrel Dane schien nicht ganz da zu sein, denn heute sprang der mal nicht wie ein Wilder in der Gegend rum sondern beschränkte sich auf einen eher geringeren Bewegungsradius. Die Songauswahl allerdings war göttlich – mit „My Acid Words“ und „I Voyager“ wurden seltener gespielte Hits ausgegraben, die richtige Fanherzen höher schlagen ließen. Von der neuen Platte gab’s allerdings nur zwei Songs zu hören. Trotz allem – die Show war gut – und die Stimmung erst recht, schien hier doch eine Band mit Headliner Potential auf den Bettern gestanden zu haben. Nunja, nächstes Mal vielleicht.

Rüber ging’s zur Pain Stage – zum totalen Kontrastprogramm und doch zu einer Show, auf die ich mich schon sehr lange gefreut hatte. Heute würde ich sie also endlich mal Live sehen – meine Helden von TANZWUT. Und ich wurde absolut nicht enttäuscht – Bunt gekleidet sprangen die Musiker mit Dudelsack und Schalmai auf der Bühne herum und der Teufel mit seinen knuffigen Teufelshörnchen gab sein bestes – Stimmlich sowie Posing-Technisch – einfach nur eine geile Show, bei der Songs wie „Lügner“, „der Wächter“ und das von den Fans euphorisch mitgesungene „Das Meer“ nicht fehlen. Zum Schluss gab es noch „Bitte Bitte“ (das ist doch nen Ärzte Cover?!? – JA, Anm. der Red.) um die Ohren und ein sehr gelungener Auftritt war – für mich viel zu früh – zu Ende. Diese Band kann ich nur jedem empfehlen, der die „Mutterband“ CORVUS CORAX oder ähnlich instrumentierte Bands wie IN EXTREMO gern hört – nur findet man bei TANZWUT einen ähnlichen aber doch eigenständigen Stil, der im Ohr hängen bleibt und zum Mittanzen und Singen einlädt. Fabelhaft.

Die guten Shows sollten heute aber auch kein Ende nehmen – als Headliner des ersten Festivaltages gaben sich die Wikinger von AMON AMARTH das Vergnügen, mit einer schicken Wikinger-Kampf und Pyro Show aufzutrumpfen und ihre Show, die sich einige wohl nie leit sehen werden noch mal extra zum Festival-Geburtstag ordentlich zu würzen. Allein die Bühnendekoration – ein überdimensional großes Wikingerschiff, auf dem der Ober-Wikinger Johann Hegg poste – machte doch einiges her, und die Joms-Wikinger-Kampseinlage bei dem Song „Pursuit of Vikings“ führte zu einigen staunenden Gesichtern. Gebangt wurde vor wie auf der Bühne mal wieder im Takt und zum Über-Hit „Death in Fire“ wurde es noch mal ordentlich heiß auf und vor der Bühne. Ja, die Schweden wissen wie man seine Fans trotz ersichtlicher Überpräsenz zum Ausrasten bringt und wie man die Shows immer wieder interessant macht.

Für mich endete der erste Festival Tag mit den Nordmännern, auf DORNENREICH verzichtete ich wohlwollend, war das erstens nicht so ganz meine Baustelle und ich zweitens mittlerweile doch ganz schön müde, hatte ich es doch geschafft fast den kompletten Tag auf dem Festival Gelände zu verbringen. Noch einen kurzen Abstecher zum Abendessen nach MC Donalds und dann machte ich es mir auf der Rückbank von Bennis Twingo gemütlich. (nun ja, mehr oder weniger…)

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger/ Cornelia Wickel

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