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SUMMER BREEZE 2010 – TAG 1

Ort: Dinkelsbühl

Datum: 18.08.2010

Wir schreiben das Jahr 2010. Genauer gesagt den 18.08.2010. Ort der Handlung das kleine beschauliche Dörfchen Dinkelsbühl am Rande des Frankenlandes, in das einmal im Jahr schwarz gewandte langhaarige Horden einfallen, riesige Zeltlager aufbauen, Unmengen von Alkohol vernichten und rohes Fleisch über offenem Feuer rösten, um ihrem Gott zu huldigen. Dem einzigartigen, unübertroffenen, großartigen „HEAVY METAL“.

Wir, die „Terrorverlag – Summer Breeze Crew“, gehörten auch diese Jahr wieder zu den Auserwählten, die dieses Ritual zelebrieren durften, aber fangen wir doch einfach mal ganz von vorne an. Nachdem urlaubstechnisch alles schon frühzeitig geklärt worden war, gab es noch eine größere Hürde zu nehmen. Das alljährliche Autopacken stand natürlich mal wieder noch an. Die Vorfreude auf das kommende Festival, ließen uns Unmengen von Bierdosen, Nahrungsmitteln, Zelte, Stühle, einen Kühlschrank und den Generator allerdings in einer Rekordzeit ins Auto packen, so dass wir nach einer unruhigen Nacht morgens um zehn endlich auf die Autobahn fahren konnten, um uns dort vier Stunden lang zu langweilen und uns die Sonntagsfahrer, Mittelspurschleicher und überholenden LKWs rein zu ziehen. Endlich in Dinkelsbühl angekommen, standen wir dann natürlich erstmal im Stau zum Festival. Die Strapazen der Autofahrt und dieser Stau waren aber ganz schnell vergessen, als wir dann endlich am Presse-Wohnwagen standen und unsere Presseausweise in Empfang nehmen durften. Am Zeltplatz angekommen wurde dann natürlich erst einmal der eklig niedrige Alkoholpegel mit einigen Döschen köstlichen Gerstensaftes angehoben und danach weniger elanvoll das Zeltlager aufgestellt. Somit war alles perfekt vorbereitet für den Rest der Woche, in der wir mal wieder viel Spaß hatten, jede Menge lustige Geschichten erlebt und vor allem über hundert Bands gesehen haben, über die wir euch hier berichten wollen.
(Oli)

Mittwoch, 18.08.2010

Nachdem das Summer Breeze irgendwie immer früher anzufangen scheint, war es für nicht-am-Dienstag-Angereiste kaum möglich, die ersten Bands am Mittwoch zu sehen, zu lang war der Stau. So mussten die meisten Newcomer Bands, die einen Contest auf der Party Stage um den ersten Spielplatz am Donnerstag morgen auf der Main Stage austrugen, auf unsere Anwesenheit verzichten. Unter anderen übrigens auch der „Musikverein Illerschwang“… irgendwie erinnert das stark ans Wacken. Überhaupt war es in diesem Jahr brechend voll, so dass man leider wieder die eine oder andere Parallele ziehen musste.
(Cynthia)

KADAVRIK

Nachdem ich und meine Mitfahrer erst um 16 Uhr aufgrund der traditionellen Staubildung in und um Dinkelsbühl an unserem Zeltplatz angekommen waren, hieß es für mich, so schnell wie möglich Klamotten auspacken, aufbauen, herrichten und natürlich die ein oder andere Büchse Bier zu vernichten, um einer gefährlichen Dehydrierung vorzubeugen, denn um 18.10 Uhr sollten KADAVRIK im Partyzelt spielen und genau das taten die fünf sympathischen Nordrhein-Westfalen auch. Und wie!!! Nach einem kurzen Intro bot sich der geneigten Zuhörerschar beim Opener „Insight Down“ denn auch gleich ordentlich Gelegenheit, die Matte kreisen zu lassen, was sich bis zum leider sehr frühen Ende der Show auch nicht mehr ändern sollte. Man sah den Musikern in den kurzen Momenten, in denen sie mal nicht am moshen waren, förmlich die Spielfreude ins Gesicht geschrieben. Sehr schön war auch, dass das Keyboard mal nicht wie so oft in diesem Genre von einem Brei aus Gitarren und Schlagzeug nieder gebraten wurde, sondern ganz im Gegenteil sehr definiert rüber kam und den Sympiontic Death Metal Einschlag hörbar spüren ließ. Was ich persönlich sehr schade fand, ist, dass die Jungs leider nicht mehr von ihrem im letzten Jahr erschienen Silberling „Wine Will Turn to Blood Again“ spielten. Nichtsdestotrotz, bekamen die Zuschauer exquisiten Melodic Death Metal präsentiert, was dann am Ende des Gigs auch durch jede Menge Pommesgabeln und Klatschen belohnt wurde.
(Oli)

Setlist KADAVRIK
Insight Down
Thin And Frail
Alive With Nothingness
The Die Is Cast

SUFFOCATION

Zwar war der Platz vor der Party Stage bei SUFFOCATION recht ordentlich gefüllt, doch konnte man sich das Gefühl kaum verkneifen, dass da eigentlich „noch mehr ging“. Und, dass vor der Bühne eigentlich noch mehr Platz für partyhungrige Breezler gewesen wäre, bewiesen ja auch knapp danach recht eindrucksvoll die Jungs von RAGE, bei denen die Wände des Partyzeltes schon deutlich mehr gewackelt haben. Auch in Sachen Songs und Ansagen fehlte es den Jungs von SUFFOCATION irgendwie an Biss, da man teilweise das Gefühl bekam, der Sänger wolle einen mit überlangen Ansagen davon ablenken, dass die Pausen zwischen den Songs schlicht und ergreifend das Tempo aus dem gesamten Auftritt genommen haben. Nichts desto trotz sah man vor der Bühne den einen oder anderen eingefleischten Fan ordentlich feiern, was natürlich standesgemäß mit einer ersten amtlichen Wall of Death zum Ausdruck gebracht wurde. – Ein gelungener, wenn auch zahmer Auftakt für ein Summer Breeze in dem es noch deutlich temporeichere Auftritte gegeben hat.
(Javed)

Setlist SUFFOCATION
Thrones of Blood
Liege of Inveracity
Cataclysmic Purification
Catatonia
Pierced from Within
Blood Oath
Entrails of You
Infecting the Crypts

RAGE

Nach den „Holzhackern“ von SUFFOCATION ging es bei Rage doch wesentlich melodischer zu. Das Spektakel wollten sich anscheinend nur wenige entgehen lassen, so dass die Zeltbühne total überfüllt war und aus meinem „Ja, ja wir treffen uns dann am Mischpult…“ nix geworden ist. Bis weit um das Zelt standen die Leute im noch tiefen Matsch. Das Gelände war vom Regen der letzten Tage doch sehr aufgeweicht. Die Stimmung trübte das jedoch nicht, als das Trio um Basser Peavy dem Publikum mit vielen Klassikern wie „Higher than the Sky“ einheizte. Die Leute fingen dann auch schon außerhalb des Zeltes, wo man eigentlich nur schlecht sah und nicht gut hörte mit dem Crowdsurfen an. Vielleicht sollte man sich überlegen, ob es nicht besser wäre, eine der großen Bühnen schon am Mittwoch aufzumachen.
(Javed)

Setlist RAGE
Edge Of Darkness
Soundchaser
Hunter And Prey
Into The Light
Drop Dead!
Empty Hollow
Higher Than The Sky
Down
Set This World On Fire
War Of Worlds
Carved In Stone

UNLEASHED

Im Hintergrund der Partystage prangte ein großes Backdrop mit einem markanten Wappen, umrahmt von dem nicht minder markanten Schriftzug „Hammer Batallion“. Aufgrund der schwülen Hitze im Zelt und der kalten Luft außerhalb, kondensierte der Atem von hunderten Metallern an der Zelt-Innenwand und rann in Strömen über die Seitenwände weg in den Boden, was das Betreten zu einer halsbrecherischen Rutschpartie werden ließ. Einige Tropfen, die direkt von der Decke fielen, wurden von ein paar Leuten, denen anscheinend nicht ganz klar war, was da gerade in ihren Mund tropfte, als willkommene Abkühlung angesehen. Als um 23.35 Uhr plötzlich ein bedrohlich Aussehender Hüne mit einem Bass um den Hals ans Mikro trat und den Titel des ersten Songs „Winterland“ ins Mikro brüllte, war auch dem letzten Ahnungslosen plötzlich schlagartig klar, dass UNLEASHED gerade die Bühne betreten hatten und es jetzt erst mal eine Stunde lang mit der groben Death Metal-Kelle auf die Schnauze geben würde. Die vier Schweden knallten einen Rumpler nach dem anderen raus, so dass das Publikum, wenn auch schon aufgrund der fortgeschrittenen Stunde sichtlich angeschlagen, eigentlich gar keine Zeit hat sich die Wunden zu lecken, sondern gleich weiter moshen musste. Um kurz nach halb eins war der ganze Spuk dann auch schon wieder vorbei und das sichtlich erschöpfte, aber zufriedene Metallervolk verließ auf wackligen Beinen das Zelt.
(Oli)

Setlist UNLEASHED
Winterland
Blood Of Lies
This Is Our World Now
Shadows In The Deep
Hammer Battalion
The Greatest Of All Lies
Your Children Will Burn
Wir kapitulieren niemals
Into Glory Ride
Legal Rapes
The Longships Are Coming
Death Metal Victory

EQUILIBRIUM

Alles Neue macht der Mai. Das dachten sich wohl auch EQUILIBRIUM und haben doch tatsächlich ganz klamm, still und heimlich – ohne mich zu informieren – ein neues Album raus gebracht und einen neuen Sänger plus Schlagwerker ins Wikingerboot geholt. Da ich mich, was die bayrischen Wikinger angeht, lange Zeit gar nicht mehr auf dem Laufen gehalten hatte, war ich, als ich mich zwei Wochen vorm Breeze noch mal informiert hatte, doch ganz schwer von den Socken. Trotzdem oder vielmehr gerade deshalb bin ich natürlich schön brav nach UNLEASHED im Zelt geblieben, um mir einen guten Platz zu sichern, was, wie sich herausstellte, eine gute Entscheidung war, da sich das Zelt in Windeseile füllte und eine, sagen wir mal, recht intime Stimmung aufkam. Als dann um ein Uhr das Intro zu „In heiligen Hallen“, dem Opener der neuen Scheibe dröhnte, stand ich gespannt und skeptisch irgendwo in der zehnten Reihe. Na ja und was soll ich jetzt hier schreiben? Eigentlich kann ich mich nur wiederholen. Mein Text letztes Jahr passt wieder hervorragend: „Wo konnte man partyhungrige Wikinger auf dem S.B.O.A. finden? Richtig, am Zelt bei EQUILIBRIUM mit einem Bier in der Hand, weil man hier sehr talentierte Musiker und einen Fronter sehen konnte, der das Publikum absolut souverän im Griff hatte.“ Sänger Robert “Robse“ Dahn ist ein absoluter Glücksgriff und steht Ex-Fronter Helge Stang in nichts nach und auch der neue Mann an der Schießbude Tuval „Hati“ Refaeli, fügt sich wunderbar in die Wikingerbruderschaft ein. Die drei neuen Songs „In heiligen Hallen“, „Der Ewige Sieg“ und „Die Affeninsel“ wurden genau wie die anderen vom Publikum durch Mitsingen, Mitgröhlen und sogar einer „Wall of Death“ ab gefeiert. Als Zugabe wurde dann noch “Unbesiegt“ rausgehauen, bevor man dann in den wohl verdienten Feierabend ging. Als ich dann endlich nach zweieinhalb Stunden das Zelt, in dem mittlerweile eine Art Regenwaldklima herrschte, verlassen hatte, war meine anfängliche Skepsis wie weggeblasen und was das „auf dem laufenden halten“ angeht, gelobe ich Besserung.
(Oli)

Setlist EQUILIBRIUM
In Heiligen Hallen
Blut Im Auge
Snuffel
Heimwärts
Der Ewige Sieg
Wingthors Hammer
Unter Der Eiche
Die Affeninsel
Met
Unbesiegt

ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY

Die Meinungen zu dieser Band waren durchaus gespalten. Mit ihrem modernen groovigen Death/ Grind traf man nicht jeden Nerv. Die Leute, die um 2:22 allerdings noch vor der Bühne standen, fanden es anscheinend gut und machten von der ersten Sekunde an noch mal einen Moshpit auf. Was dabei allerdings etwas komisch auffiel, war die latente Aggression, die in der Luft lag. Einige der in Kapuzenpullis und Basecaps gekleidete Gäste mit kurzen Haaren nahmen die Aufforderung „We want some fuckin’ violence“ irgendwie zu ernst und blickten das ganze Set über drein wie sieben Tage Regenwetter… ähh Moment daran wird’s wohl gelegen haben….
(Javed)

Setlist ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY
Bone Crown
Prosthetic Erection
Human Dust
Cryogenica
Go Go Gadget
Welcome To Sludge City
Born Dead

MILKING THE GOATMACHINE

Zuerst gibt’s dreimal ein „Respekt“ von mir: 1. Ein Drummer, der auch noch bei einer Grindcore- Band gleichzeitig singt. 2. Zu so später Stunde waren die „Ziegen“ noch erstaunlich fit. 3. Man konnte das sichtlich betrunkene und müde Publikum noch mal ordentlich mitziehen. Aber leider trafen sie weder mit ihrem Grindcore meinen musikalischen noch humoristischen Geschmack mit Titeln wie „Sour Milk Boogie“. Auch das Auftreten mit den Ziegenmasken fand ich nicht so ganz innovativ. Wie dem auch sei, dem Publikum hat’s gefallen und die Ziegen haben sich ordentlich gemolken. Also alles in allem ein guter Tagesabschluss.
(Javed)

Setlist MILKING THE GOATMACHINE
March Into Shed
Born, Lost, Captured
Eaten Blessed Scum
Sour Milk Boogie
Goat Thrower
Wasting Away
Here Comes Uncle Wolf
Beware Of The Wolf
Milk Me Up
Last Unigoat
Surf Goataragua
Feed The Goat
Bingo Bongo
Back From The Goats

Ja, der Mittwoch ging irgendwie viel zu schnell rum. Leider muss man sagen, dass es teilweise extrem voll war im Zelt. Ich als Fotografin hatte recht schnell die Nase voll, mich immer wieder zu Beginn einer Band durch das überlaufende Zelt zum Fotograben zu quälen und von allen Seiten angemosert zu werden, so dass ich es kurzerhand einfach bleiben ließ. Ich hoffe, es sei uns verziehen, wenn wir vom Eröffnungstag nicht viele Fotos bieten können.
(Cynthia)

Copyright Fotos: Cynthia Theisinger/ Cornelia Wickel

SUMMER BREEZE 2010 – Teil 2

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