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SUMMER DARKNESS 2010

Ort: Utrecht – diverse

Datum: 14.08.2010

„Öfter mal was Neues“ dachten wir uns, und so fiel am vergangenen Samstag eine Abordnung des Terrorverlages in unserem Nachbarland Holland, genauer gesagt in Utrecht ein. Dort sollte zum wiederholten Male das in den Niederlanden etablierte Summer Darkness Festival stattfinden und da es sich in diesem Jahr ausnahmsweise mal nicht mit dem M’era Luna überschnitt und sich außerdem einige erlesene Bands angekündigt hatten, beschlossen wir, kurzfristig der Studentenstadt eine Stippvisite abzustatten. Dazu muss man sagen, dass das Festival in seiner Art dem WGT ähnelt und sich so die verschiedenen Veranstaltungen über die ganze Stadt verteilen. Im Gegensatz zu Leipzig kann man hier aber alle Konzertstätten per pedes erreichen. Nach einer kurzen Planungsphase hatten wir uns dann alle interessanten Bands, Spielzeiten und diverse Wegbeschreibungen rausgesucht und so hieß es am Samstagmorgen in aller Herrgottsfrühe aufstehen, aufhübschen und mit reichlich Koffein und Verpflegung ging es dann auf die Autobahn. Immerhin lagen gut 3 1/2 Stunden Fahrt vor uns. Diese verlief problemlos, das Navi ließ uns erst kurz vor Erreichen des ersten Veranstaltungsortes im Stich und nachdem wir dann einen einigermaßen günstig gelegenen Parkplatz für satte 17,50 Euro (Tagesticket) ergattert hatten, konnte es losgehen. Das hieß zunächst einmal, dass wir uns quer durch die Utrechter Innenstadt mit jeder Menge shoppingwütiger Holländer kämpfen mussten, bevor wir das Tivoli Oudegracht erreichten. Dort erstmal unsere Bändchen geholt und außerdem noch auf FAITH AND THE MUSE und AMDUSCIA getroffen, welche wir ja beide gerade erst letztes Wochenende auf der Hangar Bühne des M’eras gesehen hatten und die auch am heutigen Tag ein Gastspiel geben sollten. Und dann mussten wir uns dem ersten Problem des Tages stellen: Essen. Der Sprache nicht wirklich mächtig und mit nicht allzu viel Zeit ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Am Ende lief es auf Fleisch (Hühnchen?) ertränkt in Currysauce in einem Brötchen hinaus. Ergattert beim Suriname Imbiss in Sichtweite des Tivoli Oudegracht. Aber dann stand schon die erste Band des Tages auf dem Programm und schlagartig waren alle vorangegangenen Unannehmlichkeiten vergessen.

THE BEAUTY OF GEMINA

Denn ich persönlich war eigentlich hauptsächlich wegen genau zweier Bands in die Niederlande gereist und THE BEAUTY OF GEMINA waren eine davon. Die Herren aus der Schweiz wussten mich schon auf Platte absolut zu begeistern und so hatte ich immer mal nach Konzertterminen in meiner Nähe Ausschau gehalten, war aber bisher nicht fündig geworden, aber nun sollte es heute soweit sein. Und um das mal vorweg zu nehmen, sie haben mich nicht enttäuscht. So richtig viele Zuschauer hatten sich zu Beginn noch nicht eingefunden und die, die da waren, machten zum Teil einen sehr, nun ja, komischen Eindruck. Aber nun gut, langsam aber sicher füllte es sich dann doch noch und auch Simone Salvatori (SPIRITUAL FRONT) ließ sich kurz blicken. Aber mit dem Herrn sollten wir ja später am Tage noch das Vergnügen haben. Zunächst betraten aber erstmal Michael Sele (Gesang, Gitarre), Dennis Mungo (Gitarre), David Vetsch (E-Bass) und Mac Vinzens (Schlagzeug) die Bühne und legten nach einer kurzen Begrüßung mit „This time“ von ihrem zweiten Longplayer „A stranger to tears“ los. Leider ging bei dem ersten Song der Gesang etwas unter, da er von der Musik einfach übertönt wurde. Aber die Technik reagierte schnell und so hatte sich beim folgenden „One step to heaven“ alles eingependelt und ein wirklich tolles Konzerterlebnis konnte seinen Lauf nehmen. Mit seiner außergewöhnlichen Stimme und den intelligenten Texten konnte Herr Sele wie gesagt schon auf Konserve bei mir punkten und auch live war THE BEAUTY OF GEMINA ein Genuss, mal ganz davon abgesehen, dass die Band auch insgesamt einen sympathischen Eindruck machte. Weiter ging es mit „Hunters“ und „Lonesome death of a goth DJ“ und ich musste mich erstmal an die tanzenden Menschen um mich rum gewöhnen, bin ich das von deutschen Konzerten doch eher weniger gewohnt, dass die Leute so mitgehen. Mit „Into Black“ und „Shadow Dancer“ folgten dann weitere Titel vom zweiten Longplayer, bevor sich die Eidgenossen dann mit „End of all“ und „Rumours“ dem aktuellen Album „At the end of the sea“ zuwandten. Zum Schluss erzählte uns Michael dann noch von den vielen hohen Bergen in seiner Heimat und dass sie aus dem Teil der Schweiz mit den meisten Suiziden kommen würden. Somit war klar, dass zum Abschluss des Sets noch „Suicide landscapes“ vom ersten Silberling „Diary of a lost“ folgen sollte, bevor man sich nach gut 45 Minuten schon wieder verabschieden musste. Leider, denn ich hätte ihnen auch gut noch länger zuhören können. Aber vielleicht sieht man sich ja im nächsten Jahr im Vorprogramm von UNHEILIG. Obwohl mir natürlich eine eigene Tour möglichst mit einem Termin in NRW oder dem südlichen Niedersachsen lieber wäre.

Setlist THE BEAUTY OF GEMINA

This Time
One Step To Heaven
Hunters
Lonesome Death Of A Goth DJ
Into Black
Shadow Dancer
End Of All
Rumours
Victims Of Love
Suicide Landscapes

Der nächste Weg sollte uns in das Museum Speelklok führen, ehedem unter dem etwas umständlichen Titel „Nationalmuseum Van Speelklok tot Pierement“ geführt. Auch Niederländisch-Unkundige werden es ahnen: In diesem Gebäude gilt es, eine Sammlung mechanischer Musikinstrumente wie Spieluhren, Drehorgeln etc. zu bestaunen. Zunächst aber spielte eher der Faktor „Wartezeit“ eine Rolle, denn der ursprünglich für 17 Uhr avisierte Beginn verschob sich etwas nach hinten und so verweilte eine recht schräge Schar von Genrefans vor dem Gebäude, übrigens eine ehemalige Kirche. Vom uniformierten Neofolk-Fan bis zum Rüschen-Grufti war alles vertreten, was den gemeinen Utrechter beim Samstäglichen Flanieren in optische Verzückung brachte. Dann aber war es endlich soweit und wir wurden in den bestuhlten Konzertsaal, mithin das alterwürdige Kirchenschiff, eingelassen. Eine recht imposante Lokalität mit Kanzel, riesiger Orgel hinter der Bühne sowie einigen Ausstellungsstücken geschmückt. Darauf eine Ansammlung unterschiedlichster Instrumente, welche von den folgenden 3 Künstlergruppen genutzt werden sollten. Allesamt sehr interessante Formationen, derer man nicht alle Tage ansichtig wird, insbesondere nicht in unserer Heimat Deutschland.

JÄNNERWEIN

Den Auftakt machten die Salzburger JÄNNERWEIN, eine vierköpfige Formation, die sich dem (Neo-)Folk verschrieben hat und mich bereits mit ihrem Debüt „Abendläuten“ begeistern konnte. Peter Feldl nutzte die örtlichen Gegebenheiten und begann das Konzert mit einem Intro auf der Drehleier, bevor auch Max KTG (Mehmet Scholl-Lookalike), Benjamin Sperling und Beat Lenk, der sich überwiegend um die Percussion kümmerte, mit einstimmten. Die Herren zeigten sich multiinstrumental begabt, so versuchte sich Feldl abseits des Gesangs u.a. auch an Bouzouki, Violine und Blockflöte. „Durch jede Stunde“, eine Vertonung eines Gottfried Benn-Gedichtes leitete die reguläre Setlist ein, die neben „Abendläuten“-Standards auch neues Material wie etwa „Gram“ enthielt. „Abendgebet“ hingegen wurde in einer speziellen Akustikversion feilgeboten, die auch interessierte Zuhörer wie beispielsweise Gerhard Hallstatt (ALLERSEELEN) offensichtlich begeisterte. Gerade die oft in diesem Genre anzutreffenden Stimmdefizite wurden von den Österreichern bestens vermieden, will sagen, hier handelte es sich um echte Könner, was auch beim 4-stimmigen „Tantum“-Choral zum Abschluss offensichtlich wurde. Eine sehr gelungene Vorstellung, die neugierig macht auf anstehende Veröffentlichungen!

Setlist JÄNNERWEIN
Intro Spieluhr
Durch jede Stunde
Mistral
Den Berg empor
Wehmut
Gram
Abendgebet
Nein
Schweigen
Klage
Tantum

PETER BJÄRGÖ

Mit dem Schweden PETER BJÄRGÖ folgte ein Ausnahmekünstler, der sicherlich vor allem durch sein Wirken bei der Neoklassik-Formation ARCANA bekannt sein dürfte. Beim Summer Darkness 2010 gab er gleich 2 Gastspiele, hier zunächst mit seinem Solo Material, das an diesem Abend seine Live-Weltpremiere erfuhr! Auf der Bühne unterstützen ihn neben der allseits bekannten Ia Bjärgö (neben anderen Projekten ebenfalls ARCANA) auch die beiden SEVENTH HARMONIC/ SOL INVICTUS-Mitglieder Caroline Jago (mit Hut) und Lesley Malone, beide recht burschikos wirkend, an den Percussion Instrumenten sowie ein Keyboarder. Die dargebotene Stilrichtung, eine Mischung aus neoklassischen Elementen, Martial Industrial, Ambient und Wave verfehlte ihre Wirkung beim Auditorium nicht, das immer wieder begeistert applaudierte. Da verflog auch Bjärgös durchaus vorhandene Nervosität und er konnte sich ganz auf seinen tiefen Gesang konzentrieren, der vom Programmheft recht passend mit Brendan Perry von DEAD CAN DANCE verglichen wurde. Das Material stammte überwiegend vom „A Wave of Bitterness“-Tonträger (2009 bei Cyclic Law verlegt), aber mit „A Cage“ stand auch ein neuer Song in der Setlist. Eine beeindruckende Vorstellung, die man sich teils zwar erst erarbeiten musste, dann aber regelrecht in den Bann zog.

Setlist PETER BJÄRGÖ
Horizon
Imprisonment of the Mind
A Choice of Silence
A Wave of Bitterness
A Cage
Abstrakt
Withdrawal

IANVA

Nun stand eine etwas längere Pause an, schließlich wollten gleich 9 Musiker soundtechnisch versorgt werden. Die Rede ist hier von den Italienern IANVA, auf dich ich mich besonders gefreut hatte, konnten sie mich doch schon vor Jahren bei einem Festival in der Schweiz überzeugen. Leider war durch die Verzögerungen die ungute Situation entstanden, dass der von mir ebenfalls herbeigesehnte Auftritt von SPIRITUAL FRONT im Tivoli De Helling in Bälde bevorstand und dementsprechend eine Entscheidung getroffen werden musste. Dies hatte wohl auch die Festival-Leitung erkannt und verkündete die Verschiebung des SF-Gigs um 15 Minuten nach hinten. Leider auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber so konnten wir immerhin 30 Minuten der stolzen Südländer mitnehmen, die alsbald durchstarteten. War bis hierhin die Akustik im Kirchenschiff ausgezeichnet, zeigte sich nun, dass sie für „richtige“ Band Performances im größeren Stil nicht besonders geeignet war, zumindest traten durchweg Probleme in Form von Rückkopplungen auf, was die Band spürbar nervte. Dennoch legte man unbeirrt mit „Galleria delle grazie“ und „Pasionaria“ vom 2009er Album „Italia: Ultimo Atto“ los, das übrigens im Titel auf einen recht unbekannten 1977er Polizeifilm von Massimo Pirri gleichen Namens verweist. Hauptdarsteller des bei uns auf Video „Terror Streets“ benannten Streifens sind die einschlägig bekannten Luc Merenda und „Lou Castel“. Zurück zur Musik: Die von Sänger „Mercy“ intonierten Stücke stellen eine Art Mischung aus Ennio Morricone, Military und Folk Rock dar, schwer zu beschreiben, aber dafür sehr erhaben und von Nationalstolz inspiriert. Es folgte ein Block, der von der recht exaltiert wirkenden Sängerin Stefania T. D’Alterio interpretiert wurde. Ausdrucksstark und hoch emotional verlieh sie u.a. „La stagione di caino“ und „Negli occhi di un ribelle“ ihre Stimme, wobei sie geradezu wütend den Soundproblemen trotzte. Wir aber mussten wohl oder übel das Museum nun verlassen, um Simone Salvatori lauschen zu können. Schade, dass 2 stilistisch doch recht ähnliche Formationen miteinander konkurrieren mussten.

Nach dem vielen Sitzen kam ein wenig Bewegung gerade recht und das war auch gut, denn nun stand ein kleiner Gewaltmarsch auf dem Programm. Vom Spieluhren Museum mussten wir zum Tivoli De Helling, der ein wenig außerhalb der Utrechter Innenstadt lag, gelangen. Zum Glück hatten wir eine Karte und eine annähernde Wegbeschreibung, welche uns immerhin auf den richtigen Weg brachte. Trotzdem mussten wir uns kurz vor dem Ziel dann doch durchfragen, aber zum Glück kommt man ja mit Englisch in den Niederlanden ganz gut weiter. Mit schmerzenden Füßen und inzwischen schon etwas ermüdet kamen wir am Tivoli an und trafen dort gleich auf weitere bekannte Gesichter. Musiker so weit das Auge reichte. Unter anderem HEKATE und ECHO WEST, erneut GENEVIEVE PASQUIER und auch JÄNNERWEIN hatten offensichtlich Lust auf…

SPIRITUAL FRONT

Die spielten bereits, als wir eintrafen und so begaben wir uns zu „Cold love in a cold coffin“ ins Innere des Tivoli De Helling, der zu der Zeit schon gut gefüllt, aber nicht überfüllt war. Auf der Bühne hatten sich wie üblich die fünf Herren in ihren schwarzen Hemden und den weißen Krawatten eingefunden und ich freute mich, die Band nach fast zwei Jahren Abstinenz mal wieder live erleben zu können. Im Gepäck hatte man neben den alten Klassikern auch Stücke vom im September erscheinenden Album „Rotten Roma Casino“, welches mir dank der Promomaschinerie schon seit einigen Wochen vorliegt und demnach auch schon gut bekannt im Hörgang verweilte. Zunächst ging es aber erstmal mit „Ragged Bed“ und „I walk the (dead)line“ vom „Armageddon Gigolo“ Album weiter. Dicht gefolgt von „Darkroom friendship“ seines Zeichens Opener des neuesten Werkes. Im Hintergrund gab es dann noch eine Leinwand, auf der man den 61er Streifen „Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß“, Debüt des Skandalregisseurs Pasolini, zeigte. Es folgten „Jesus died in Las Vegas“ und das mitreißende „Hey Boy“, bevor man sich natürlich auch an diesem Abend wieder einem Stück der „Satyriasis“ Scheibe widmete. In diesem Falle „Song for the old man“. Inzwischen war auch Simone etwas aufgetaut und kam richtig aus sich heraus und so wusste ich auch wieder, warum ich mir die Herren aus Italien so gerne live gebe. Ich hoffe ja anlässlich des kommenden „Rotten Roma Casino“ Silberlings auf eine ausgedehnte Tour, welche sie auch in meine Gefilde bringt. Weiter ging es aber erstmal mit „Kiss the girls and make them die“ und dem allseits beliebten „Slave“. Damit ging es auch schon wieder dem Ende zu und so präsentierte man uns mit „Sad almost a winner“ noch einen neuen Song und fand dann mit „Bastard angel“ den Abschluss. Schade eigentlich, dass es so schnell wieder vorbei war und insgesamt hatte man sich doch mehr auf die alten Sachen verlassen. Dennoch war es ein solider Auftritt, wenn auch nicht unbedingt ihr bester. Da habe ich SPIRITUAL FRONT auch schon anders erlebt. In der kurzen Pause vor der nächsten Band gab Simone „Hellvis“ Salvatori dann noch bereitwillig Autogramme am kleinen Merchstand vor der Halle und unterhielt sich mit einigen Bekannten.

Setlist SPIRITUAL FRONT

Cold Love In A Cold Coffin
Ragged Bed
I Walk The (Dead)Line
Darkroom Friendship
Jesus Died In Las Vegas
Hey Boy
Song For The Old Man
Kiss The Girls And Make Them Die
Slave
Sad Almost A Winner
Bastard Angel

SOPHIA

Nach diesem inspirierenden Auftritt war es ein 2tes Mal an der Zeit, Peter Bjärgö zu lauschen, dieses Mal in einer Inkarnation namens SOPHIA, die man natürlich keineswegs mit der Indie Formation um Robin Proper-Sheppard verwechseln sollte. Das Projekt SOPHIA war eigentlich bereits 2004 Geschichte, wurde nun aber von Peter reanimiert und bot die erste Show nach 6 Jahren feil, die dementsprechend auch einige prominente Zuschauer zu verzeichnen hatte. Neben dem bereits erwähnten Kadmon auch Herr Rainer von NACHTMAHR, Jouni von IN SLAUGTER NATIVES, Axel Menz (HEKATE) und ECHO WESTs Dirk nebst Anhang. SOPHIA verbinden düsteren Industrial mit martialischen Trommeln – zumindest partiell auch mit Gesang veredelt. Das Ganze vor recht nihilistischen Videoprojektionen angesiedelt, die ansatzweise zur Gänsehautbildung einluden. Leider konnten wir aufgrund einer abermaligen Überschneidung (dieses Mal mit AND ONE) nur eine knappe halbe Stunde mitnehmen, doch Herr Bjärgö wusste uns in dieser Zeit abermals zu unterhalten.

AND ONE

Nach einem weiteren Gewaltmarsch erreichten wir erneut den Startpunkt des Tages, den Tivoli Oudegracht. Dort hatten sich als letzte Band in unserem Tagesprogramm AND ONE angekündigt. Für mich war es schon wieder ein Weilchen her, dass ich das Trio auf der Bühne erlebt hatte und so war ich durchaus gespannt. Zunächst war die Stage aber noch mit einem Vorhang versehen und auch hier war wieder gut was los, aber es war nicht überfüllt. Wir erklommen aber zunächst erstmal die Empore, um uns AND ONE mal aus einem anderen Blickwinkel heraus anzuschauen. Nach kurzer Wartezeit öffnete sich dann der Vorhang unter großem Applaus und ich war doch erstaunt. Kenne ich Steve Naghavi sonst eher adrett mit Anzug und Krawatte präsentierte er sich den Zuschauern heute im deutschen Kampfanzug und mit 3-Tage-Bart. Aber immerhin die Weste fehlte nicht. Außerdem hatte man die Bühne komplett mit Tarnnetz verkleidet. Da dürfte „Military Fashion Show“ wohl in der Setlist nicht gefehlt haben. Recht bald kam man dann auch schon zum ersten Klassiker der Bandhistorie in Form von „Deutschmaschine“, welches mit viel Druck und Fannähe vorgetragen wurde. Weiter ging es direkt mit „Timekiller“, mir bisher eher von PROJECT PITCHFORK bekannt und irgendwie habe ich bis heute noch nicht wirklich den Witz um das Lied verstanden. Außerdem gefällt mir die Version von PP eindeutig besser. Mit dem 2006er-Track „Love you to the end“ und „High“ gab es dann zwei weitere Titel auf die Ohren, wobei sich Herr Naghavi bei letzterem noch zu einer kleinen „Heil“-Verballhornung hinreißen ließ. Kaum raus aus Deutschland benimmt man sich also wie die Wildsau. Danach gab man erneut eine Coverversion zum Besten – namentlich A-HAs „The sun always shines on TV“. Um das Wildsau Image noch ein bisschen auszubauen, holte man zum folgenden Traumfrau eine Dame aus dem Publikum auf die Bühne und ging voll auf Körperkontakt samt dem einen oder anderen Küsschen. Unser letzter Song des Abends sollte dann „Sometimes“ sein, denn inzwischen war es fast Mitternacht und uns stand nun noch die Heimfahrt bevor. So verabschiedeten wir uns aus dem Tivoli und machten uns durch das Utrechter Nachtleben auf den Weg zu unserem fahrbaren Untersatz und gen Heimat. Dort fielen wir dann nach einer langen Fahrt todmüde ins Bett und freuten uns über den interessanten Tag den wir erlebt hatten.

Das Summer Darkness samt Bandauswahl konnte außerordentlich gut gefallen, die Locations waren nett bis außergewöhnlich und nachdem man erstmal die Wege etwas verinnerlicht hatte, klappte es auch mit der Orientierung gut. Sollte das Bandaufgebot im nächsten Jahr ähnlich gut ausfallen, stellt das Festival durchaus eine Alternative zu den heimischen Veranstaltungen dar und man kann sich überlegen, ob man dann nicht direkt das ganze Wochenende für diese Tour einplant. Ich jedenfalls kann es jedem nur empfehlen, mal über die Grenze zu schauen und zu entdecken, was die Nachbarländer (musikalisch) so zu bieten haben.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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