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SUMMERJAM 2012

Ort: Köln - Fühlinger See

Datum: 06.07.2012 - 07.07.2012

Längst ist das SUMMERJAM zu einem festen Pflichttermin im Festivalsommer vieler Freunde von Reggae- und Weltmusik aus ganz Europa geworden. Zur 27. Auflage unter dem Motto „Together as one“ erschienen an die 30.000 Musikfans, um 3 Tage lang am beliebten Gelände des Fühlinger Sees in Köln ein entspanntes und friedliches Festival zu feiern. So unterschiedlich wie die Nationen, die an diesem Wochenende zusammenkamen, waren auch die Altersklassen, die sich vor Ort tummelten. Es kamen feierwütige Teenager genauso wie junge Familien, aber auch langjährige Reggae-Fans, um zusammen ein breitgefächertes Musikprogramm zu erleben. Dass das SUMMERJAM lange schon kein reines Reggae-Festival mehr ist, bewies ein Blick auf das hochkarätige Line-Up in diesem Jahr. Während sich tagsüber Hip Hop, Reggae, Soul und Funk abwechselten, kamen die großen Headliner dann wieder aus dem Reggae bzw. Dancehall-Bereich, doch im breitgefächerten Programm des Festivals waren Leckerbissen für jeden Geschmack vertreten.

Wenig geändert hat man am bewährten Konzept. Wie immer drängten sich die Zelte eng aneinander einmal rund um den See an den Ufern. Sowohl am Parkplatz als auch auf dem Festivalgelände an sich erwartete die Besucher ein breitgefächertes kulinarisches Angebot, das weit über den üblichen „Festival-Fraß“ hinausging. Natürlich gab es Altbewährtes wie Pommes und Pizza, doch zudem auch viele kleinere Stände, die liebevoll afrikanische, lateinamerikanische, indische und weitere Spezialitäten zubereiteten. Auch im Jahre 2012 gab es 2 große Bühnen sowie ein Dancehall-Zelt außerhalb der Festivalinsel, in dem ab ca. Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden weitergefeiert wurde. Zwischen den Bühnen gab es zudem einen großen Markt, mit allem, was das Herz eines Reggaefans begehrt, sowie weitere Stationen wie z.B. ein Mitmachzirkus am Ufer des Sees. Neu waren in diesem Jahr 2 große LED-Leinwände an der Hauptbühne, die eine Sicht auf das Geschehen auch aus weiter Entfernung erlaubten, so dass man sich einfach entspannt etwas abseits auf den Rasen legen und chillen konnte, ohne allzu viel zu verpassen.

Ein weiterer nicht unwesentlicher Punkt für ein Open Air Festival ist immer auch ein bisschen das Wetter. Nachdem es in der Woche vor dem Summerjam immer wieder zu Unwettern und starken Regenfällen auch in der Region in und um Köln gekommen war, hatte man die Flächen vor den Bühnen entsprechend präpariert, so dass das Publikum auch im Falle des Falles nicht knietief im Schlamm hätte stehen müssen. Doch passend zu Beginn des Festivals schien der Wettergott den „Reggaenern“ wohlgesonnen und so war es am Freitag zunächst einmal zumindest trocken.

FREITAG

Und so strömten die Fans, die teilweise bereits einige Tage zuvor angereist waren, um sich die besten Zeltplätze zu sichern, pünktlich zu Beginn des Festival um 14.30 Uhr auf die Insel, die sich im Laufe des Nachmittags immer weiter füllte. Mit Bands wie RAGGABUND, JAHCOUSTIX oder SOJA sprach man ein eher jüngeres Publikum an, das diese Künslter auch ordentlich abfeierte.

Ungünstig hingegen waren danach die parallel stattfindenden Auftritte von Reggae-Altmeister U-ROY und MAX HERRE. Da fiel die Entscheidung schwer, allerdings waren die Plätze vor beiden Bühnen bestens gefüllt, so dass keiner der beiden unter der Konkurrenz des anderen hätte leiden müssen. Erwähnenswert war auf jeden Fall der Bühnenaufbau von MAX HERRE, der gleich eine komplette Holzhütte aufbauen ließ, um ein Set der Extraklasse zu performen. Dieses bestand aus neuen Songs des bald erscheinenden Albums „Hallo Welt“ sowie aus altbekannten Titeln seiner Soloalben und Hits seiner Zeit beim Freundeskreis. Zur großen Freude seiner Fans wurde er dabei als Special von JOY DENALANE und AFROB bei einigen Songs unterstützt.

Auch zum Abschluss des ersten Festivaltages fiel die Entscheidung dann noch einmal schwer. Auf der Green Stage spielte TIKEN JAH FAKOLY, dessen Musik in vielen afrikanischen Staaten verboten ist, weshalb er bei Amnesty International (die u.a. auch einen großen Informationsstand beim Summerjam hatten) auf der Liste der bedrohten Künstler steht. Parallel dazu gab es auf der Red Stage den Auftritt von SEAN PAUL, der dann durch seine weitaus größere Popularität auch den Platz vor der Hauptbühne bis ans letzte Ende füllen konnte. SEAN PAUL gab dem feierwütigen Volk, was es verlangte, unter anderem Hits wie „Got 2 luv U“, und sprang dabei eher etwas verhalten über die Bühne. Das etwas mangelnde Temperament von SEAN PAUL selbst machten dann aber seine 4 leichtbekleideten Tänzerinnen wieder wett.

Wer gegen Mitternacht immer noch nicht genug hatte (und das waren viele), wechselte ins Dancehall Zelt, um mit Artists wie Lord Kossity oder Christopher Martin weiter zu feiern.

SAMSTAG

Dabei war es nicht einmal schlimm, den Samstagvormittag zu verschlafen, bestand dieser aus doch eher trübem Wetter mit einigen starken Regenschauern. Doch wieder einmal war es pünktlich zu Beginn des musikalischen Programms trocken.

Und dieses begannen DIE ORSONS, die sich als Vorband u.a. von FETTES BROT bereits einen Namen machen konnten und auch zur frühen Stunde viele, überwiegend junge Fans anlockten. Die konnten dann gleich vor der RED STAGE bleiben und bei PRINZ PI und JAMARAM weiterfeiern. Letztere holten sich gegen Ende des Sets 2 junge Damen auf die Bühne, verkleideten diese als Blätter und performten beim Song „Green leaf“ die Story of Vegetation, bei dem sie auf der Bühne eine Choreo vortanzten, die das Publikum auf dem prall gefüllten Platz vor der Bühne dann nachmachte. Schon beeindruckend, mit anzusehen, wie Tausende mit den Armen in der Luft sich wie Blätter im Wind hin und her bewegten, sich drehten, hin und her tanzten oder in die Knie gingen. Ein riesengroßer Waldorf-Schule-Flashmob (wenn man böse sein will…), der aber allen Beteiligten offensichtlich großen Spaß machte.

Mitmachen konnten man auch bei IRIE REVOLTES. Und zwar bei fast allen Songs und wenn es nach dem Willen der Band ging auch bei allen ihrer vielen Projekte, die sie unterstützen. IRIE REVOLTES waren der beste Beweis, dass auch heutzutage Musik noch politisch sein bzw. sollte und dennoch Spaß machen kann. Um auf das Projekt Viva Con Aqua aufmerksam zu machen, hatte die Band vorab eine Schlauchbootfahrt verlost und schickte die glückliche Gewinnerin beim Summerjam auf einem Boot über die Köpfe des Publikums.

„Endlich mal wieder normale Leute“ entfuhr es mir da als Vertreter des Terrorverlags mit einem Augenzwinkern, als auf der Green Stage Hollie Cook, die Tochter von SEX PISTOLS Drummer Paul Cook, mit ihrem komplett tätowierten Gitarristen auf die Bühne ging. Musikalisch gab es dann aber doch keinen englischen Punkrock wie von Papa gewohnt, sondern einfühlsamen Reggae mit einer großartigen Stimme. Dieses Konzept wurde im Anschluss von NNEKA auf derselben Bühne weitergeführt.

Insgesamt führte das musikalische Programm des Samstagabend zurück in Reggae-Gefilde und fand den wohl krönenden Abschluss des Tages in den Auftritten von BEENIE MAN und vor allen Dingen auch BURNING SPEAR, der als lebende Legende einer der ältesten Vertreter des Roots Reggae exklusiv in Europa auf der SUMMERJAM performte.

Während für mich hiermit das SUMMERJAM leider krankheitsbedingt endete, konnten alle anderen am Sonntag mit weiteren überaus sehenswerten Artists weiterfeiern. Besonders schmerzvoll war für mich natürlich ein Verpassen des Headliners STEPHEN MARLEY, doch auch ALBOROSIE hätte ich sehr gerne noch einmal live gesehen, konnte mich dieser vor 2 Jahren beim REGGAEJAM mit seiner Performance durchweg begeistern.

Abschließend noch ein paar kurze Worte über die Berichterstattung anderer „Medien“ zum SUMMERJAM. Natürlich kann man nicht abstreiten, dass bei einem Festival erstens dieser Größenordnung und zweitens auch dieser musikalischen Ausrichtung der Geruch von Marihuana bemerkbar war. Doch das SUMMERJAM allein darauf zu reduzieren und alle Besucher als Drogen Konsumenten abzustempeln, wird der Veranstaltung nun ganz und gar nicht gerecht. Im Gegenteil: Die Organisatoren tun vieles, um diesem Vorurteil entgegen zu wirken und alleinige Priorität hat und hatte immer die Musik. Und so ist auch die 2012er Auflage mit einem großartigen Line Up wieder friedlich und unterhaltsam über die Bühne gegangen, und man darf sich jetzt schon auf das freuen, was im nächsten Jahr kommen mag. Ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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