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SUNRISE AVENUE – CHRISTIAN VENUS

Ort: Osnabrück - Hyde Park

Datum: 27.10.2007

Als Abschluss meiner finnischen Woche, die am Mittwoch mit APOCALYPTICA, STURM & DRANG und STAM1NA startete, beehrten erstmals die Herren aus der SUNRISE AVENUE den Osnabrücker Hyde Park. Anfang Oktober waren Sänger Samu und Co. noch bei Gottschalks „Wetten dass?“ zu Gast, die Jungs sind offensichtlich massentauglich. Immerhin schaffte ihr letztjähriges Debütalbum „On The Way To Wonderland“ es bis auf Platz 12 der deutschen Charts, die erste Singleauskopplung „Fairy Tale Gone Bad“ kletterte gar bis auf Rang 3. Da verwunderte der volle Parkplatz keineswegs, auch wurden so Befürchtungen, die Zuschauer könnten überwiegend weiblich und minderjährig sein, umgehend zerstreut, da es keinesfalls so aussah, als säßen die Erziehungsberechtigten noch im Wagen, um im Anschluss an das Konzert ihre verzückten Sprösslinge wieder einzusammeln. Stattdessen hatten gut 1.200 Fans den Weg in die alterwürdige Disco am Fürstenauer Weg gefunden, die überwiegend in den Zwanzigern zu Hause waren. Hier und dort wurden mal 13-jährige gesichtet und auch jenseits der 30 waren beachtlich viele Zuschauer anwesend.

Überpünktlich legte um 19.55 Uhr CHRISTIAN VENUS los, den die Finnen in Hamburg in den Tourbus geladen hatten. Der 27-jährige, der mit seinem Namen problemlos auch in der Pornobranche Karriere machen könnte, eröffnete den Abend mit dem Song „Hysterie“, die sich zwar unter den Damen nicht gleich breit machte, doch kam der smarte Fronter bei den Osnabrückerinnen sehr gut an. Mit dabei hatte der gebürtige Kieler seine Liveband, die aus zwei Gitarristen, einer Bassistin und einem Drummer bestand, sich aber dezent im Hintergrund hielt. Stattdessen zog der Herr in brauner Lederjacke und tiefsitzender Jeans die gesamte Aufmerksamkeit auf sich und geriet in den insgesamt 35 Minuten Bühnenzeit gehörig ins Schwitzen. Auch wenn es nach „Was auch immer (Sara)“ mit „Nach oben“ etwas ruhiger zu ging, zeugte Christians Show doch von einem enormen Bewegungsdrang, selbst wenn dies bisweilen etwas grobmotorisch wirkte. Zum gitarrenbetonten „Unglaublich“ fiel dann auch die Lederjacke, die Temperaturen im Rund des Hyde Parks waren allerdings auch einmal mehr durchaus tropischer Natur. Nicht fehlen durfte natürlich die demnächst erscheinende Single „3 Uhr morgens“, eine perfekte Kombination aus Herzschmerz und fetten Gitarrenriffs, die den Auftritt des dunkelhaarigen Strubbelkopfes beendete. Musikalische Parallelen zu REVOLVERHELD waren nicht zu übersehen, das Auditorium hatte Herr VENUS schnell von seinem Sound überzeugen können, die laufende Deutschlandtour mit SUNRISE AVENUE dürfte seiner Bekanntheit gut tun, mal schauen, was wir von diesem Nordlicht noch zu hören bekommen.

Setlist CHRISTIAN VENUS
Hysterie
Was auch immer (Sara)
Nach oben
?
Unglaublich
Ich kann nicht sehen wie Du gehst
Alles was Du willst
3 Uhr morgens

Nichts zu hören bekamen wir von GRAND AVENUE aus Kopenhagen, die tags zuvor in Dortmund mit auf der Bühne standen. Die dänischen Namensvettern spielen insgesamt fünf Gigs mit SUNRISE AVENUE in Deutschland, waren aber leider in der Hasestadt nicht mit dabei. Stattdessen enterten um 20.55 Uhr fünf Finnen unter großem Applaus die Stage und legten umgehend mit „Choose To Be Me“ los. Hinten links bearbeitete Sami Osala seine Felle, auf der rechten Seite agierte Jukka Backlund im Hintergrund am Keyboard, während vorn rechts Raul Ruutu den Bass zupfte und links Neuzugang Riku Ramajaa in die Gitarrensaiten griff. Fehlte nur noch Sänger und Gitarrist Samu Haber, der zwischen Drums und Keys stehend für erste Begeisterungsstürme sorgte. Bereits bei „Diamonds“ bewiesen die Anwesenden ihre erstaunliche Textsicherheit, wobei sich die wenigen Herren eher zurückhielten und der holden Weiblichkeit das Feld überließen. Seine Deutschkenntnisse brachte Samu im Laufe des Abends ebenso zum Besten wie ein gewisses Kokettieren mit ihrem Status als Schmusepopband, die vor allem von kleinen Mädels angehimmelt wird. Dabei müssen sich die fünf Musiker nun wirklich nicht vor irgendwelchen Rockkollegen verstecken und abgesehen von den ruhigeren Nummern wie z.B. „Romeo“ oder der aktuellen Single „Heal On“ geht bei den Finnen auch durchaus die Post ab. Außerdem spricht gegen Popballaden überhaupt nichts, im Park setzte jedenfalls umgehend zu „Heal On“ ein kollektives Arme schwenken und erneutes Mitsingen ein. Auch Samu hatte mit den Temperaturen im stilisierten Zirkuszelt zu kämpfen und wähnte sich fast in einer heimischen Sauna, was die Aufforderung, sich auszuziehen und weiter mitzuklatschen bzw. -zusingen nach sich zog. Letzteres klappte auch gut, als er dann allein auf der Bühne stehend den RIHANNA-Song „Umbrella“ performte. Mit „Make It Go Away“ ging’s dann mit einem eigenen Titel weiter, hier und dort wurden in den insgesamt 95 Minuten aber gern mal ein paar Takte fremder Musik eingestreut. Nachdem Samu den Anfang von „Make It Go Away“ allein bestritten hatte, kamen die übrigen SUNRISE AVENUE-Bewohner ebenfalls zurück und schon folgten flotte Karibiksounds, die von groovigen Orgelklängen eingeläutet und heftigem Klatschen begleitet wurden. Zwischendrin gab’s noch eine „Live Is Life“-Einlage und einen „Pink Panther“-Einspieler, bevor Samu allein mit Jukka und Rico auf der Bühne zurückbliebt. Jukka, der übrigens auch als Produzent der Band fungiert, griff sich ebenso wie Riku eine Akustikgitarre und begleitete das sehr gefühlvolle „All Because of You“, das von Samu am Bühnenrand sitzend bzw. zwischendurch auch mal liegend vorgetragen wurde. Auch Riku durfte dabei zum Mikro greifen, seine große Stunde kam jedoch mit „Forever Yours“, welches er quasi als Einstand in die Band solo sang und vor allem spielte. Hier hatte der Gitarrist endlich Gelegenheit, sein Können an den sechs Saiten ausführlich unter Beweis zu stellen und auch stimmlich stellt der Herr eine echte Konkurrenz zu Bandleader Samu dar. In jedem Fall sorgten die ersten Takte des Songs bereits für einen Aufschrei im Publikum, wenig später erklang der Text aus mehreren Hundert Kehlen und wurden Wunderkerzen entzündet. Riku selbst schien sich an diese starken Emotionen noch nicht so recht gewöhnt zu haben und genoss es sichtlich, seinem Auditorium immer wieder einen Wortfetzen hinzuwerfen, während er selbst Gitarre spielte. Zwischendrin stockte er immer mal am Instrument, was etwas Verwunderung aufkommen ließ, da trotz ansonsten leerer Stage weiterhin Gitarrenmucke zu hören war. Die Lösung stand hinter einem Mischpult, wo ein weiterer Gitarrist die zweite Stimme spielte. Als seine Mitstreiter wieder hinzustießen, hatte Samu sein T-Shirt gewechselt und ging es mit „Fight til Dying“ noch mal in die Vollen. Im Anschluss durfte Sami seine Schießbude ebenfalls im Alleingang unter Feuer setzen. Das minutenlange Schlagzeugsolo enthielt u.a. auch eine „We Will Rock You“-Interpretation, dann sollte der Höhepunkt des Abends folgen: Nachdem Jukka seine Spielchen an den Keys beendet hatte, die den Start von Fairytales Gone Bad“ verzögerten, präsentierte das Quintett seine Hymne vor etlichen hochgehaltenen „WANT TO“ –Schildern. Eine besonders hartnäckige Fanbase gibt nämlich SUNRISE AVENUE bei jedem Konzert ein oder zwei neue Worte mit auf den Weg, die am Ende einen kompletten Satz ergeben sollen. So endete das reguläre Set um 22.10 Uhr, doch konnte natürlich keinesfalls schon Schluss sein.

Also kehrte zuerst Jukka allein an sein Instrument zurück und gab ein wenig den Hammondorgel-Alleinunterhalter mit „It Ain’t The Way“, bis seine Kollegen ebenfalls wieder präsent waren und mit „Wonderland“ noch mal richtig Gas gaben. Vorne rechts wurde dazu sogar eine kleine finnische Flagge geschwenkt. Fast sah es so aus, als sollte damit der SUNRISE AVENUE-Besuch in Osnabrück beendet sein, doch erschien nach dem Band-Abgang noch ein Crew-Mitglied und fragte, ob die Jungs noch eine Zugabe hören wollten. Wie nicht anders zu erwarten, war die Reaktion positiv, jedoch stimmlich eher dünn. Als die Mädels um Antwort gebeten wurden, erschwoll noch mal ein weibliches Kreischen, welches die Finnen erneut auf die Stage lockte und das finale „Nasty“ einläutete. Gern kam das Publikum noch der Aufforderung nach, für den einsamen Drummer zu singen, der sich mit seinen Drumsticks und Handtüchern bedankte, die in die Menge geworfen wurden, bevor die Band zu einer Musik, die nach finnischer Volksweise klang, um 22.30 Uhr im Off verschwand.

Noch mit ein paar deutschen Sätzen in die junge Nacht verabschiedet konnten die restlos begeisterten Fans jetzt entscheiden, ob sie die dank der Zeitumstellung zusätzliche Stunde für weitere Party-Aktivitäten oder ausgiebiges Ausschlafen nutzen wollten. Hinter ihnen lag in jeden Fall ein perfektes Konzert, das neben der Spielfreude der Akteure auf der Bühne auch eine schöne Lichtshow zu bieten hatte. Gitarrist Riku erwies sich als echter Glücksgriff, der sich hinter seinem Vorgänger Janne Kärkkäinen keineswegs verstecken muss. Und nicht zuletzt bewiesen auch die Osnabrücker(innen) eindrucksvoll ihre Sangeskünste und Textsicherheit. Glücklicherweise blieb jedoch das von mir ein wenig befürchtete Gekreische aus. Ein rundum gelungener Abend also.

Setlist SUNRISE AVENUE
Choose To Be Me
Diamonds
Romeo
Heal Me
Only
Umbrella (RIHANNA-Cover)
Make It go Away
Destiny
All Because of You
Forever Yours
Fight ‘til Dying
FairyTale Gone Bad

It Ain’t The Way
Wonderland

Nasty

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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