Konzert Filter

SUNRISE AVENUE – JIM KROFT

Ort: Münster - Halle Münsterland

Datum: 11.03.2012

Wenn ich auf meinen geliebten Münster-Tatort verzichte, dann muss schon ein besonderes Event anstehen, und das war mit dem Tourabschluss von SUNRISE AVENUE sicherlich gegeben. Zumal ja mit dem Konzertort ein direkter Link zum Fernsehprogramm gegeben war und sogar der „Herr Kommissar Prahl“ direkt nebenan ebenfalls musizierte. Wir aber hatten uns wie ca. 4000 überwiegend weibliche Fans für den pop-rockigen Finnland-Export entschieden, den wir bereits im ersten Teil der Europa-Reise (in Dortmund) begutachtet hatten. Von daher soll hier nicht auf jedes Detail eingegangen werden, nur so viel vorab: Die Spiellaune ist den Nordlichtern definitiv nicht abhandengekommen, ganz im Gegenteil. Einen Wechsel hatte es allerdings beim Support gegeben, statt den Schweden THE PUSHER stand nun ein Herr namens JIM KROFT samt Bandbegleitung auf der vergleichsweise kleinen Bühne.

Der im Berliner „Exil“ lebende Schotte war dem Terrorverlag bereits rezitechnisch mit seinem 2ten Album „The Hermit & The Hedonist“ unter gekommen und hatte dabei gar keine schlechte Figur abgegeben. Wie bei meiner werten Kollegin war auch meine Assoziation zunächst mal Jim Knopf, da war es kein Wunder, dass der jugendlich wirkende RICK ASTLEY-Lookalike darauf später ebenfalls Bezug nahm. Überhaupt ein sehr redseliger und dabei auch sympathischer Herr, der immer wieder auf seine Indie-Wurzeln verwies und den Hauptact für seine Gastfreundschaft lobte. Und musikalisch definitiv ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zu THE PUSHER, die doch eher durch Boygroup-Outfit auf sich aufmerksam machten. Dieser 5er aber (links an der Gitarre ein Herr namens Ben Barritt, dazu ein absoluter Milchbubi am Bass) fabrizierte eine Mischung aus Singer/ Songwriter und emotional aufgeladenem Pathos Rock, hin und wieder gar mit Falsett-Gesang vorgetragen. Das mitunter recht mitreissende Songwriting von Songs wie „Memoirs from the Afterlife“, dem brandneuen „Thru my weakness“ (oder so ähnlich) und dem Ohrwurm „Waiting for a healin‘“ am Schluss des 45-minütigen Sets kam in Münster zu Recht gut an, zumal die vorderen Reihen wohl schon mit dem Material vertraut waren. Mr. Kroft ließ es sich dann auch nicht nehmen, noch eine ganze Weile im Fotograben Autogramme zu schreiben, ja doch, kann man sich mal geben, ohne dass es eine Soundrevolution wäre.

Aber das kann vom Headliner in musikalischer Hinsicht ja auch nicht behaupten, welcher derartige Mankos aber mit Ausstrahlung, Spielfreude und tollen Refrains wieder wettmacht. Kurz nach 21 Uhr war es soweit, zunächst wurde nur Drummer Sami beleuchtet, der ebenso wie Keyboarder Osmo Ikonen etwas erhöht musizierte. An vorderster Front agierte die Saitenfraktion, wobei Ober-Charmebolzen Samu auch immer wieder den Steg ins Publikum nutzte. Die Setlist unterschied sich nicht groß von der in Dortmund, das war aber auch nicht zu erwarten. Die vielstimmigen (weiblichen) Chöre erwiesen sich bei Gassenhauen wie „Fairytale Gone Bad“ als extrem laut und textsicher, was Herrn Haber sichtlich rührte, der sich immer wieder beim deutschen Publikum bedankte. Am nächsten Tag würde er schließlich in seine Heimat zurückkehren, wo es momentan bitterkalt sei, da kann man schon mal melancholisch werden. Dennoch bekräftigte Frauenschwarm Riku das Motto der Band: „I don’t dance“ – selbst wenn man in einem „Tanzhaus“ von einem hübschen deutschen „Frollein“ dazu aufgefordert wird. Besonders mitreißend fiel wieder das ausufernde Cover-Medley aus, das überwiegend Reggae-Klänge gekleidet war. Von „Ghostbusters“ über die „Dallas-Titelmelodie“ bis hin zu LADY GAGA („The Edge of Glory“) reichte das Repertoire und die Menge, egal ob „harter“ Metaller oder „softe“ Hausfrau ging wohlwollend mit. Die Spielfreude von SUNRISE AVENUE wirkt einfach authentisch, die Jungs machen wirklich den Eindruck, dankbar dafür zu sein, in derartigen Hallen auftreten zu dürfen. Auch bedankte man sich noch mal ausladend beim Opener, hier scheint eine echte Freundschaft entstanden zu sein. Zum Abschluss des regulären Sets („On the Way to Wonderland“) streifte man gar in einigen Parts die Grenze zum Metal, als die Klampfen mal so richtig losbraten durften.

Kurze Zeit später ging es dann aber schon weiter, mit Samu an vorderster Front sitzend an der Akustik-Klampfe, der die „Sweet Symphony“ einleitete. Doch es blieb nicht lange besinnlich, das hochenergetische „Hollywood Hills“ brachte Münster noch einmal zum Kochen, wobei wir dann auch Zeuge einer besonderen Fanaktion wurden. Das „Team Arschkrokodil“ hatte vorab dazu aufgerufen, die Band zum Ausklang ihrer Live-Aktivitäten mit selbstgemachten Schildern zu begrüßen, und dieser Aufforderung kamen dann auch Einige in den ersten Reihen nach. Samu schien sichtlich gerührt und formte mit seinen Händen ein Herz zum Dank. Doch unabhängig von diesen romantischen Anwandlungen stand so langsam die Heimreise an, der nächste Tag bedeutete nämlich eine Rückkehr in den Arbeitsalltag. Mit den Klängen von „We will rock you“ im Ohr und einem guten Gefühl im Bauch verließen wir die westfälische Metropole, SUNRISE AVENUE hatten abermals nicht enttäuscht und waren ihrem Ruf als hoch-energetische Live-Band mehr als gerecht geworden. Kommt gut nach Hause in den nordischen Schnee und bis bald auf unseren Bühnen!

Setlist SUNRISE AVENUE
Out of Tune
Damn Silence
I Gotta Go
Sex and Cigarettes
Forever Yours
Angels on a Rampage
I don’t dance
Destiny (Reggae/ Cover Medley)
Stormy End
Welcome to my Life
Fairytale gone Bad
On the Way to Wonderland

Sweet Symphony
Hollywood Hills

Dream like a Child

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu JIM KROFT auf terrorverlag.com

Mehr zu SUNRISE AVENUE auf terrorverlag.com