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T-MOBILE EXTREME PLAYGROUNDS 2008

Ort: Duisburg - Kraftzentrale im Landschaftspark

Datum: 20.04.2008

Die T-Mobile Extreme Playgrounds gehen 2008 nun ins zweite Jahr und ebenso fand die DIRT SESSION zum bereits zweiten Male statt, nachdem es letztjährig in Herten große Probleme mit schlechtem Wetter gab, nun indoor in der Kraftzentrale des Landschaftsparks in Duisburg. Die Location ist für einen solchen Event die allererste Wahl und auch beim Wetter hatten die Organisatoren dieses Mal eine Menge Glück, denn wir kamen bei strahlendem Sonnenschein im Landschaftspark an. Pech für die Sportprofis, denn deren erste Versuche auf dem Parcours mussten ohne uns stattfinden, lieber wollten wir erst einmal das Gelände erkunden und schlenderten, wie auch ein Großteil der restlichen Besucher durch den Park um den Kletterern in den alten Bunkeranlagen zuzuschauen und von der Plattform des alten Hochofens den grandiosen Ausblick zu genießen.

Etwas widerwillig aber umso pflichtbewusster fanden wir uns jedoch pünktlich zur 1st Round des Mountainbike Slopestyle Contest in der Kraftzentrale ein. Der Slopestyle kommt ursprünglich aus dem Snowboarden und Freeskiing, in Duisburg wurden nun die Mountainbiker über einen 110 Meter langen Parcour aus Doubles, Drops und Spines geschickt, wobei der Dirt Parcour des BMXer einfach mitgenutzt und für die Mountainbiker um 40 Meter verlängert wurde. Kleiner Wermutstropfen für mich als Fotografen, hatte ich doch lediglich einen Pass für die Konzerte und keinen gesondert ausgewiesenen für die Sportfotografie. Doch von der komfortablen und schick eingerichteten VIP- und Presselounge hatte man einen genialen Überblick über die Halle und konnte dann auch noch knipsen ohne selbst im Dreck stehen zu müssen. Da wurde dann kurzerhand die Authentizität der Bequemlichkeit geopfert. Wer würde auch eine so großartige Betreuung zurückweisen wollen, die Organisatoren hatten wirklich supergute Arbeit geleistet und an nahezu alles gedacht.

Ins Rennen gingen internationale Profis wie Phil Sundbaum, Lance McDermott oder der Deutsche Timo Pritzel, um nur einige Namen zu nennen. Die Regeln waren auch relativ simpel, es gingen in zwei Läufen je zwei Fahrer gegeneinander in den Parcours und der beste Lauf wurde gewertet. Die Tricks, die die Biker dabei boten waren nun alles andere als simpel, eher spektakulär und halsbrecherisch, aber genau deshalb geil anzusehen und das, was die Menge zu sehen bekommen wollte und weshalb es nach jedem Sprung großen Applaus gab.

In der darauffolgenden 1st Round des BMX Dirt Contest galten die gleichen Regeln und auch hier war das Fahrerfeld erstklassig und mit internationalen Größen wie Ben Wallace, Patrick Guimez, dem Altmeister Ryan Nyquist oder dem Deutschen Tobias Wicke besetzt. Und auch diese Jungs schienen keine Angst zu kennen, hielten sich aber in der ersten Runde teilweise etwas sehr zurück, man konnte aber sicher sein, dass da in den folgenden Läufen noch einiges mehr geboten werden würde.

Doch zunächst gab es etwas Abwechslung in Form des ersten musikalischen Acts des Tages und mit etwas Verspätung ging der neue Hype der Britpop-Szene, JACK PENATE, auf die Bühne. Wenn man ja eines in den vergangenen Jahren gelernt hat, so war es, dass die Neuentdeckungen aus England (gerade viele mit „THE“ beginnende Bands) doch nicht immer das halten, was die begeisterte Presse zu versprechen versucht. Umso positiver stach JACK PENATE aus der Reihe dieser Bands hervor. Seine Singer-Songwriter Lieder haben natürlich viele britpop-typische Elemente, erinnerten mich zum Teil sehr stark (im positiven Sinne) an Bands wie THE KOOKS, kamen beim Publikum aber ab der ersten Minute sehr gut an. Viele zog es natürlich wieder zurück in die Sonne und zu den vor der Halle aufgebauten Ess- und Promotionsständen, der beim Konzert verbleibende Teil konnte aber nach kurzer Anwärmphase zum Tanzen und mitklatschen animiert werden. Spätestens beim vierten Song „Have I been a Fool“ der aktuellen Single, konnte sich das Hitpotenzial des 23jährigen Briten voll entfalten. Insgesamt kamen auch alle Songs etwas rockiger über als auf Platte und was mir zudem sehr positiv auffiel war, dass die Länge des Sets im Vergleich zu der letztjährigen Summer Session in Pinneberg verlängert worden ist, so dass JACK PENATE eine Dreiviertel Stunde spielen durften und sich danach unter großem Applaus verabschiedeten.

Setlist JACK PENATE
Made of codes
Got my favourite
Run for your life
Have I been a fool
Learning lines
Another step
Spit at stars
Cold thin line
Torn on the platform
Let´s all die
Second, minute or hour

Die nun folgende Signing Session der Sportprofis nutzen wir, um neue Energie in der Sonne zu tanken, während es dann zurück in die dunkle Halle zur zweiten Runde vom Slopestyle und Dirt ging. Aus jeweils 14 Fahrern pro Feld konnten sich im Mountainbike Slopestyle wenig überraschend Phil Sundbaum, Paul Basagolta und Lance McDermott ins Halbfinale kämpfen. Eine Riesenüberraschung hingegen war der Einzug von Simon Kirchmann, der sich als lokaler Underdog durchsetzen konnte. Im BMX Dirt kamen dann wiederum recht souverän die internationalen Profis Ben Wallace, Ryan Guettler, Ryan Nyquist und Markus Hampl in die Semi-Finals. Bei den in der zweiten Runde gezeigten Tricks ging nun schon etwas mehr zur Sache als in den Vorausscheidungen und man durfte auf ein spannendes Halbfinale gespannt sein.

Noch gespannter war ich persönlich aber auf den nun folgenden Auftritt der schwedischen Skate-Punk Legende MILLENCOLIN. Unbedingt wollte ich wissen, was die Helden meiner Jugend noch im 15ten Jahr ihres Bestehens reißen würden. Da war ich offensichtlich nicht allein, denn viele (gerade der etwas älteren Semester, wenn ich die Menschen um die 30 mal ganz uncharmant so nennen darf) zog es dann doch von den bequemen Sesseln der Presselounge direkt vor die Bühne, wo sich bereits eine große Menschentraube gebildet hatte. Nach einer etwas peinlichen, wie überflüssigen Animation samt T-Shirt-Verteilen der T-Mobile Promodamen kamen endlich MILLENCOLIN auf die Bühne und legten mit „Penguins und Polarbears“ von ihrem Erfolgsalbum „Pennybride Pioneers“ gleich mächtig los. Zufriedene Gesichter wohin man blickte und in der folgenden Stunde sollte nun wirklich niemand enttäuscht werden. Es folgte dann mit „Machine 15“ der Titelsong des gerade erschienenden, neuen Albums und fügte sich großartig in die gewohnt gute und mitreißende MILLENCOLIN-Liveshow ein. Deutlich voller war nun auch der Platz vor der Bühne und innerhalb kurzer Zeit wimmelte es nur so von Crowdsurfern, so dass die Security vor der Bühne keine Langeweile bekam und die Fans im Sekundentakt auffangen musste. Bei den schnelleren Songs der frühen Tage bildeten sich dann auch sogar kleinere Circle-Pits, bei den melodischeren Liedern wurde komplett mitgeklatscht und -gesungen.

Dann sorgte Sänger Nikola Sarcevic für eine kleine Verschnaufpause, indem er allein mit Gitarre auf die Bühne kam und zunächst solo „The Ballad“ spielte, bevor dann der Rest der Band zurück auf die Bühne kam und mit einstimmte. Danach gab’s dann wieder Vollgas, mit „Mr. Clean“ griff man einmal gaaaaanz tief in die Oldschool-Kiste, schickte dann die neue Single „Detox“ hinterher und kam dann mit einem bunten Mix der größten Hits zum grandiosen Abschluss „No Cigar“. Die lautstarken Zugaberufen und der tosende Applaus konnten die Band leider nicht zur Rückkehr auf die Bühne bewegen und die Ankündigung der Pause durch den Moderator ging schlicht in Buhrufen unter. Mittlerweile schien das Rumhängen in der Sonne keine Alternative mehr zu MILLENCOLIN zu sein. Ein wirklich grandioser Auftritt, der unbedingt Lust auf mehr gemacht hat.

Setlist MILLENCOLIN
Penguins & Polarbears
Machine 15
Ray
Botanic
Cash or clash
Broken World
Man or Mouse
Bullion
Brand new Game
Blackeye
Ballad
Mr. Clean
E-20
Detox
Fox
Who’s laughing now
Olympic
No Cigar

Nun ging es aber erst mal nach der Verschnaufpause (in der Sonne rumzuhängen war dann letztendlich doch nicht sooo verkehrt) wieder sportlich mit den Semi-Finals weiter. Im Mountainbike Slopestyle zeigte Lokalmatador Simon Kirchmann dann einen grandiosen Lauf, der leider (nach Sicht der hochkarätig besetzten Judges) dann doch nicht gegen Lance McDermatt reichte. Das Publikum quittierte die Entscheidung mit lautstarken Pfiffen und auch die Moderatoren hatten scheinbar den Kölner schon im Finale gesehen, rechtfertigten dann aber schnell die Entscheidung der Richter. Ziemlich deutlich gesellte sich dann auch Paul Bassagoita dazu.

Im BMX konnte sich erwartungsgemäß Ryan Nyquist durchsetzen und Ben Wallace scheiterte trotz vollem Einsatz und zweier mittelschwerer Stürze an Ryan Guertke. Vorwürfe konnte man ihm beileibe nicht machen, war er doch erst vor kurzem am Handgelenk operiert wurde und fuhr dennoch volles Risiko. Für das Erreichen des Superfinales reichte es dann leider nicht ganz. In diesem gewann dann Ryan Nyquist und als Gewinner im Mountainbike stellte sich Paul Bassagoita mit aufs Treppchen.

So ging nun ein actionreicher Tag so langsam dem Ende entgegen. Als krönender Abschluss sollten nun nur noch die SPORTFREUNDE STILLER folgen. Doch bevor es soweit war, wurde ein letztes Mal das Publikum mit aufblasbaren T-Mobile-Händen versorgt. Leider scheinbar auch eine Tradition, die mich bereits in Pinneberg arg gestört hatte, denn überflüssigeres Promomaterial gibt es nun wirklich nicht und wie schon letztes Jahr lag auch in Duisburg alles voll mit violettem Plastikmüll. Aber wenn’s dem Absatz der Produkte dienlich ist…

Überpünktlich um 20.45 Uhr gingen die Süddeutschen dann auf die arg verkleinerte Bühne. Ca. ein Viertel der ursprünglichen Größe der Stage war durch die Boxen und Lichter abgetrennt, die Sportis scheinen sich weiterhin eher in Wohnzimmeratmosphäre wohlzufühlen. Das Publikum hieß die drei Jungs mit großem Applaus herzlich willkommen, die Stimmung änderte sich dann aber abrupt, als Sänger Peter Brugger zunächst scheinheilig fragte, ob denn auch Dortmunder anwesend seien und dann etwas großkotzig, betonte man sei extra den langen Weg gekommen, um gemeinsam den Gewinn des DFB-Pokals zu feiern. Ein grober, wenn auch sicher nicht ganz unkalkulierter faux pax. Für uns ging es dann nach 6-7 Songs wieder Richtung Heimat, „Wellenreiten“ (immer noch mein Favourite dieser Band) wurde bereits als zweiter Song rausgehauen und der drohende lange Heimweg bewegte uns dann doch zur Abfahrt.

Insgesamt handelte es sich wieder einmal um einen großartigen Tag und ein tolles Konzept, das organisatorisch nahezu perfekt umgesetzt werden konnte und auf jeden Fall Riesenlust auf die folgenden Summer-Session und Street-Session machte. Zumal für die Summer-Session in Pinneberg mit ANTI-FLAG und PENNYWISE bereits 2 großartige Band feststehen.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

Ergebnisse:

BMX – Dirt

1st Round
Heat 1 Axel Jürgens – Patrick Guimez
Heat 2 Ben Hennon – Romuald Noirot
Heat 3 Mike Buse (1st Qualifier) – Kye Forte
Heat 4 Sven Lehmann (Wildcard Winner) – Markus Hampl
Heat 5 Tobias Wicke (konnte verletzungsbedingt nicht antreten) – Ben Wallace
Heat 6 Moritz Kauper (2nd Qualifier)- Ryan Guettler
Heat 7 Benny Paulsen (3rd Qualifier) – Ryan Nyquist

Lucky Loser: Benny Paulsen

2nd Round
Heat 8 Kye Forte – Markus Hampl
Heat 9 Ben Hennon – Ben Wallace
Heat 10 Patrick Guimez – Ryan Guettler
Heat 11 Benny Paulsen – Ryan Nyquist

Semifinal
Heat 12 Ben Wallace – Ryan Guettler
Heat 13 Markus Hampl – Ryan Nyquist

4th Place: Ben Wallace 3rd Place: Markus Hampl

Superfinal
Heat 14 Ryan Guettler – Ryan Nyquist

2nd Place: Ryan Guettler 1st Place: Ryan Nyquist

MTB – Slopestyle

1st Round
Heat 1 Claudius Dresen (1st Qualifier) – Carter Holland
Heat 2 Timo Pritzel – Phil Sundbaum
Heat 3 Simon Kirchmann (2nd Qualifier) – Damjan Siriski
Heat 4 Carlo Dieckmann – John Cowan
Heat 5 Marius Hoppensack – Grant Fielder
Heat 6 Marius Lenders (Wildcard Winner) – Paul Bassagoita
Heat 7 Sebastian Schlecht (3rd Qualifier) – Lance Mc Dermott

Lucky Loser: Marius Lenders

2nd Round
Heat 8 Simon Kirchmann – Carlo Dieckmann
Heat 9 Phil Sundbaum – Grant Fielder
Heat 10 Carter Holland – Paul Bassagoita
Heat 11 Marius Lenders – Lance Mc Dermott

Semifinal
Heat 12 Phil Sundbaum – Paul Bassagoita
Heat 13 Simon Kirchmann – Lance Mc Dermott

4th Place: Simon Kirchmann 3rd Place: Phil Sundbaum

Superfinal
Heat 14 Paul Bassagoita – Lance Mc Dermott

2nd Place: Lance Mc Dermott 1st Place: Paul Bassagoita

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