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TANZWUT – RED INK

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Ort: Herford - Club X

Datum: 13.05.2006

TANZWUT haben mit ihrem aktuellen Doppelalbum “Schattenreiter” einen großen Coup gelandet, weg von engen Genrelimitierungen, hin zu Metal, Punk und Rock. Da waren wir natürlich gespannt, wie die Mittelalterrecken diesen Sound auf der zugehörigen Tour live umsetzen würden. Wie seit mehreren Jahren üblich führte ihr Weg auch nach Ostwestfalen, dieses Mal wieder ins X, wo man bereits 2003 gastierte (damals natürlich noch unter dem Namen „Kick“). Passenderweise hatten sich Teile des damaligen Supports XANDRIA auch heute eingefunden, um dem Spektakel beizuwohnen. Einigermaßen überrascht war ich allerdings bei der Bekanntgabe des diesjährigen Openers RED INK, hatte ich deren aktuelle CD „Falscher Freund“ doch noch vor kurzem auf dem Rezensionstisch. Eine gute Scheibe, aber auch eine ziemlich derbe, vielleicht zu hart für den tanzwütigen Anhang?

Die Antwort darauf sollte ich alsbald erhalten, denn just in dem Moment, als wir den Laden betraten, legte die ostdeutsche Truppe auch schon mit ihrem Set los, eigentlich ein wenig zu früh, so dass auch noch kein allzu reger Betrieb vor der Bühne herrschte. Es galt wohl vor der Disco genügend Zeit für den Hauptact bereit zu halten. Nichtsdestotrotz legten die 6 los wie die Feuerwehr: Spielfreudig und bretthart wie erwartet. Michael Klewins (genannt „Biene“) aggressive Stimme tat ihr Übriges dazu, dass Metal Freunde jetzt ein richtiges Leckerli geboten bekamen. Und die Damen in den ersten 2 Reihen, die schon seit einiger Zeit dort verweilten, um später bessere Karten zu haben… Denen wurde jetzt mal eben die Korsage durchgebürstet. Neben der auffälligen Vorliebe für Kinnbärtchen fiel natürlich sofort die Dame an der Violine auf. Anne mag Nudeln und APOCALYPTICA, schaute heute abend aber ein wenig melancholisch drein, was sie natürlich nicht davon abhielt, die Songs mit ihrer Fiedel zu unterfüttern. Geboten wurden insgesamt 8 Stücke, die meisten von der bereits erwähnten VÖ, wie etwa „Ich lebe“, „Mittendrin“ oder der Titeltrack. Die Zuschauer ließen sich von Minute zu Minute mehr anstecken von den deutschsprachigen Brechern und der augenscheinlichen Freude der Musikanten, bei dieser Tour dabei sein zu dürfen. Das wurde auch in den Ansagen deutlich und in der Tatsache, dass die RED INKs beim Headliner heftig das Tanzbein schwingen sollten. Punktsieg für den Raum Demmin!

Nach relativ kurzer Umbaupause war es dann gegen 20 30 Uhr soweit: Die Tanzwütigen betraten nach und nach die Stage. Eine wichtige Änderung im Line Up hatte es gegeben, für den ausgeschiedenen Koll. A. ist nun der schöne Ardor mit dabei, womit die beiden Formationen CORVUS CORAX und eben TANZWUT jetzt deckungsgleich sind. Einige Frauen mag es freuen, denn der Herr vom Venushügel konnte auch heute mit ein paar neckischen Accessoires wie dem Killer Smilie oder seinen endlos hohen Boots auffallen. Dadurch wirkte er noch schlaksiger, als er ohnehin schon ist, dabei wissen wir doch, dass Größe nicht alles ist. Der Rest der Truppe nahm ebenfalls seine Positionen ein: Ein leicht abgespeckter Teufel vorne in der Mitte, die beiden Saitenkünstler Patrick und Wim links und rechts von ihm mit ihren durchsichtigen Gitarren, Hatz hinten links (Keys und Percussion), der spieltechnisch sehr überzeugende Norri am Schlagwerk hinten rechts und eben Castus und Ardor zumeist blasend im Mittelfeld. Mit Intro und aktueller „Toccata“-Bearbeitung (im Original von Bach) ging es los in eine mehr als 2 stündige Reise in neue und alte TANZWUT-Welten. Bei einem Doppelalbum gibt es natürlich genügend Material zum präsentieren, was man auch ausgiebig tat. „Der Arzt“, „Vulkan“, „Dein zweites Gesicht“, „Wieder am Riff“, kaum ein Track wurde ausgelassen, und jeder wurde mit einer nett teufeligen Ansage eingeführt. So schön die Kompositionen sich auf CD machen, live merkte man, dass sich darauf nicht so gut tanzen lässt, moshen ist bei dem harten Geriffe schon eher angesagt. Als besonders heftiges Beispiel sei hier die „Geisterstunde“ erwähnt. Kein Wunder, dass die zahlreich vorhandenen Metaller ihren Spaß an der Darbietung hatten. Aber auch die Damen ganz vorne, die mit ein paar Überraschungen aufwarten konnten. So schwenkten sie mal eben bei „Im tiefen Gras“ selbiges mit den Händen, welche Grünfläche da wohl dran glauben musste? Neben all den aktuellen Titeln kamen aber auch die altbekannten Klassiker nicht zu kurz. „Ihr wolltet Spass“, „Labyrinth“, die Coverversion „Bitte Bitte“ (wie immer sehr gut aufgenommen), das mitreißende „Meer“ und zum Abschluss des regulären Sets dann noch „Nein Nein“. Die Leute tanzten und klatschen ohne Unterlass, wenngleich das X nur etwa zur Hälfte gefüllt war. Aber die 500 sorgten für ordentlich Stimmung!

Und sie sorgten natürlich auch für Zugaben: Mit „Königreich“ ging es noch recht konventionell los, doch schon traditionell setzten „Götterfunken“ und die gleichnamige Trumscheit-Olympiade mit den rot leuchtenden 5 Geräten in Formation noch einen drauf, immer wieder ein besonderes Schauspiel. 140 Minuten Musik ohne jeden Füller für nicht mal 20 Euro, da sollten sich andere Kapellen ein Beispiel dran nehmen, hier wird wirklich noch mit Leidenschaft musiziert, wie wohl auch alles andere mit Leidenschaft praktiziert wird… Zusammen mit der überzeugenden Vorgruppe ein überaus gelungener Abend – Die Schattenreiter dürfen jederzeit wieder kommen!

Setlist RED INK
Ich lebe
Kannst Du
Tagträumer
Heile Welt
Mittendrin
Hoffnung
Falscher Freund
In Dir

Setlist TANZWUT
Intro
Toccata
Ihr wolltet Spass
Labyrinth
Meer
Wieder am Riff
Merseburger
Dein zweites Gesicht
Vulkan
Endlich
Du sagst
Was soll der Teufel im Paradies?
Lügner
Wächter
Bitte Bitte
Im tiefen Gras
Der Arzt
Geisterstunde
Niemals ohne Dich
Schattenreiter
Seelenverkäufer
Dämmerung
Nein Nein

Königreich
Götterfunken

Trumscheit

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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