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TANZWUT – VOLKSTROTT

Ort: Gütersloh - Weberei

Datum: 28.04.2007

Stand Güterslohs einzige Kulturkaschemme jüngst noch auf dem Prüfstand (Finanzwirtschaft ist halt nicht jedermanns Sache), konnten sich die Ostwestfalen heute Abend in der Weberei über Besuch aus Berlin freuen. TANZWUT in der Terror-Homebase – klar, dass wir mit entsprechender Delegation vor Ort waren. Auch die Tageszeitung aus dem Herzen Westfalens „Die Glocke“ hatte Karten unters Volk geworfen, so dass neben vielleicht 150 szeneaffin gestylten auch einige Normalos aus dem Publikum stachen, die sich dem Spektakel mit einer Mischung aus Skepsis und Amüsement aus den hinteren Rängen näherten.

Die Tanzwütigen hatten sich Verstärkung aus Berlin mitgebracht: das Sextett VOLKSTROTT, das pünktlich um kurz nach 20 Uhr zum Tanze aufspielte. Knapp einen Monat ist nach zwei älteren Demos das Debüt „Todeskunst“ auf dem Markt, das es heute live zu präsentieren galt. Neben der klassischen Rockbesetzung (Sänger LeBen, Stefan am Bass, Micha an der Gitarre und Benny an den Drums) geben Ronny am Dudelsack und Ina an der Violine den Kick Mittelalter-Folk dazu. Gleich der Opener „Reißt die Mauern ein“ verfehlte nicht seine Wirkung, von Anfang an ging das Publikum wohlwollend mit, folgten auch zum „Maskenball“ der Aufforderung, noch ein wenig näher an die Bühne zu rücken. Wenngleich die Sechs das Rad nicht neu erfinden, so brauchen sie doch auch nicht den Vergleich mit anderen Kapellen von ähnlichem Schlage zu scheuen. Sänger LeBen pflegt dazu eine exaltierte Bühneperformance mit freiem Oberkörper, überlies die Zwischenansagen jedoch lieber seinem Kollegen Stefan. Im Folgenden durfte kräftig mitgewippt, geklatscht und getanzt werden, so auch beim Instrumental „Passion du jeu“ von der EP „Spielsucht“ Den Abschluss bildete „Zu schön“, auf CD mit Verstärkung von Meister Selbfried eingespielt, doch die Gütersloher forderten gleich eine Zugabe, die nach einer knappen Stunde Spielzeit mit dem fetzigen (und von ASP-inspirierten?) „Meine Seele“ auch gerne eingelöst wurde.

Gegen 21 30 Uhr war es dann endlich soweit und alle Augenpaare richteten sich gen Bühne, die zunächst nur von Keyboarder Hatz betreten wurde. Dieser postierte sich hinten links an seinen Instrumenten und orgelte ein pompöses Intro im Stile eines Dr. Phibes herunter. Und schon vervollständigte sich das Line Up mit den anderen 6 Herren, die – so wurde auch schon vorab gemunkelt – in ein vollständig neues Outfit gekleidet waren. Etwas in Richtung „herunter gekommene russische Soldaten meets Untote“, wahrscheinlich auch der Grund für die eigenwillige Marschmusik in der Umbaupause. Teufel und Co. waren augenscheinlich begeistert ob der Stimmung in der Weberei, gerade auch im Vergleich zum vortäglichen Auftritt in Osnabrück. Hat vielleicht also doch was für sich, wenn man mal in der Gothic Diaspora vorbeischaut. Besonders auffällig gekleidet kamen die Bläser Ardor und Jordon Finus daher, sozusagen die beiden Bandküken, letzterer hat ja erst kürzlich meinen Namensvetter Castus im Bandgefüge ersetzt. Wirklich schwer zu beschreiben, was der Herr vom Venushügel da für einen Klamottenstil pflegte… Seeräuber, Cyber Gruftie, Callboy mit Hahnenkamm auf dem Kopf? Jordon mit weißgetünchtem Gesicht erinnerte dagegen an eine Mischung aus ASP und Beetlejuice, jedenfalls schien er schon sehr gut integriert in die Formation.

Im Folgenden musizierte man sich durch eine ausgiebige Tracklist, die natürlich einen gewissen Schwerpunkt auf die aktuelle VÖ legte, Titel der Rundreise im April ist ja auch die gleichnamige „Schattenreiter Walpurgis Tour“. Stücke wie „Wieder am Riff“, „Der Arzt“ oder „Geisterstunde“ gehen insbesondere live richtig gut ab, teilweise packt der gute Norri am Schlagzeug sogar mal die Double Bass aus. Auf Klassiker wie „Was soll der Teufel im Paradies“ oder DIE ÄRZTE Cover-Version „Bitte Bitte“ wurde natürlich dennoch nicht verzichtet, lediglich die „Ich will Spass“-Scheibe war mit nur 3 Tracks etwas unterrepräsentiert. Dazu gab es wieder ausgefeilte Bühnenchoreographien zu bestaunen: Mal griffen gleich 5 Herren zu ihren Säcken, dann lieferten sich Patrick und Wim an den Äxten ein Duell oder Ardor/ Jordon tröteten vorne gegen- und miteinander. Auch das Mienenspiel der Musiker war aller Ehren wert, wenn beispielsweise Gitarrist Patrick minutenlang stoisch in die Runde blickte. Ihm wurde dann auch die Ehre zuteil, gleich 3 Mädels aus dem Publikum zu gewinnen, die bei einem Titel die höchsten Sprünge zeigten. Flirten gehört zu den Hauptstadtrabauken eben dazu wie die Hörner zum Teufel. Die unbändige Spielwut zeigte sich auch in der langen Setlist, wenn sich manche Headliner mit 60 bis 70 Minuten zufrieden geben, legen TANZWUT erst richtig los. Mit dem dynamischen „Nein Nein“ war jedenfalls fürs erste Schluss und auch wenn die Glocke-Gewinner nun so langsam ihren Heimweg antraten, wurden die Jungs wieder nach oben gejubelt, wo sie ihre „Ekstase“ verbreiteten und auf ein „Königreich“ hofften (einziger Song vom 99er Debüt). Die altbekannte Abschiedsvorstellung auf den rot leuchtenden Trummscheiten durfte natürlich nicht fehlen und so konnten nach ca. 110 Minuten Mittelalter Industrial Rock die allermeisten einen zufriedenen Heimweg antreten. Würde mich nicht wundern, wenn Gütersloh bei der nächsten Tourplanung wieder berücksichtigt würde…

Setlist VOLKSTROTT
Reißt die Mauern ein
Augenblick
Todeskunst
Maskenball
Scherbentanz
Passion du jeu
Im Schatten
Aus meiner Brust
Deine Welt
Abendrot
Zu schön

Meine Seele

Setlist TANZWUT (ohne Gewähr)
Intro
Toccata
Ihr wolltet Spaß
Das Labyrinth
Meer
Wieder am Riff
Auferstehung (Merseburger)
Seelenverkäufer
Vulkan
Endlich
Was soll der Teufel im Paradies?
Lügner
Der Wächter
Bitte Bitte
Im tiefen Gras
Der Arzt
Geisterstunde
Niemals ohne dich
Schattenreiter
Dämmerung
Nein Nein

Ekstase
Königreich

Trumscheit

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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