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TARJA – TRISTANIA – ELIS

Ort: Leipzig WGT Kohlrabizirkus

Datum: 09.05.2008

Als ich gegen Punkt 20:28h den Kohlrabizirkus betrat, waren die Gothic-Metaller von ELIS bereits auf der Bühne. Das Backdrop auf selbiger vom letzten Album „Griefshire“ wies schon deutlich darauf hin, in welche Richtung sich die Auswahl der Songs für den heutigen Gig bewegen würde. Im Laufe der Spielzeit sollte sich allerdings zeigen, dass sich die Setlist zu fast gleichen Anteilen auch am 2004er-Album „Dark clouds in a perfect sky“ orientierte, bei dem damals noch niemand absehen konnte, welch einschneidendes Erlebnis die Historie ELIS’ beeinflussen würde. In Erinnerung an Sabine Dünser widmete Sängerin Sandra dieser dann auch den selbst geschriebenen Song „Show me the way“. Der Kohlrabizirkus war etwa zu einem Drittel gefüllt. Sandra schien den ganzen Gig über sehr ambitioniert und mir tut es ja fast schon ein wenig leid, dass auch ich es mir nicht verwehren konnte, Vergleiche zwischen ihr und Sabine zu ziehen – die an sich sehr müßig sind, da beide Sängerinnen über komplett verschiedene stimmliche Voraussetzungen verfügen.. Um das Ganze hier abzukürzen kann ich konstatieren, dass mir die „neuen“ ELIS in der Gesangslinie an vielen Stellen – sagen wir mal – zu trällerig sind, wenngleich dies weniger mit der gesanglichen, als mit der kompositorischen Leistung in Verbindung zu bringen ist. Zwischen den einzelnen Songs war immer wieder Zeit für eine kleine Kontaktaufnahme mit dem Publikum, so dass wir bspw. erfahren konnten, dass ELIS auf ihrer Anreise viele, viele Stunden im Stau gestanden hatten und quasi direkt aus dem Bus auf die Bühne gehüpft waren. Der zweite Gitarrist Pete konnte krankheitsbedingt nicht mit nach Leipzig kommen, so dass Chris seinen Part alleine übernehmen musste. Sandra widmete dem Daheimgebliebenen „Der letzte Tag“ mit den Worten, sie hoffe, dass dies nicht sein Letzter sei – was ich wiederum ein wenig geschmacklos fand. Bei eben diesem Song wurde auch wieder deutlich, dass Sabines sehr viel sanftere Stimme deutlich besser dafür ausgelegt war. An einigen Stellen wurde die ursprüngliche Gesangslinie umgeändert, wenngleich ich nicht beurteilen kann, ob dies der besseren Umsetzbarkeit halber geschah oder etwa, um dem Song einen neuen Touch, also symbolisch ein Anzeichen einer neuen Ära, zu verleihen. Für „Der letzte Tag“ gab es dann auch ein wenig mehr Beifall als für die neuen Stücke, was sicherlich sowohl mit Erinnerungen an Sabine als auch schlichtweg mit dem Status eines Klassikers in Verbindung gebracht werden kann. Bei „Into a new decade“, wo wir gerade beim Thema waren, gab es ein paar Problem mit dem Intro vom Band, welches noch hätte gespult werden müssen. Sandra machte keinen Hehl aus dieser kleinen Panne und nahm es mit leicht peinlich berührtem Humor, was wiederum beim Publikum sehr gut ankam. An dieser Stelle wurde durch die Interaktion innerhalb der Band deutlich, dass selbige inzwischen gut zusammen gewachsen zu sein scheint. Insgesamt konnte sich die Band keinesfalls über mangelnden Publikumszuspruch beschweren. Gut gefallen hat mir von den neueren Stücken das sehr rockige „The Burning“, bei dem Bassist Tom mit seinen Growls zum Einsatz kam. Besonders gut kam auch der Titel „Phoenix from the ashes” beim Publikum an. Kurz nach 21h beendeten ELIS ihren Gig und bedankten sich brav bei den Zuhörern mit dem Versprechen, diesen Abend immer in Erinnerung behalten zu werden.

Setlist ELIS
Die Zeit
Show Me The Way
Devil Inside You
Der letzte Tag
A New Decade
Phoenix From The Ashes
The Burning

Bei TRISTANIA, so scheint mir, hat man inzwischen ja überhaupt keinen Überblick mehr, welche Musiker man bei einem Gig auf der Bühne zu erwarten hat – wenngleich sich Schlagzeuger Kenneth und Keyboarder Einar seit den Gründungstagen der Band gehalten haben. Immerhin scheint sich die Frage um die Sängerin – zumindest vorläufig – seit dem Weggehen Vibeke Stenes nach dem 2007er-Album „Illumination“ erst einmal wieder entschieden zu haben, und zwar zu Gunsten von Mariangela „Mary“ Demurtas. Nur leider: Selbige will mit ihrer Stimmfarbe – und letztlich auch mit ihrem Können – irgendwie partout nicht in das Gesamtpaket TRISTANIA passen. Nach einer planmäßigen Umbaupause von rund 20 Minuten begann gegen 21:20h das Intro. Inzwischen hatte sich etwas mehr Publikum im Kohlrabizirkus eingefunden als noch kurz zuvor bei ELIS. Mit „Libre“ hatten sich TRISTANIA gleich eingangs für einen ungeheuer aggressiven Titel entschieden. Zunächst befanden sich „nur“ die Instrumentalisten auf der Bühne, wobei Gitarist Anders die männlichen Growls beisteuerte, die jedoch zunächst viel zu leise abgemischt waren. Nach rund einer Minute kam dann Sängerin Mary hinzu, um geraume Zeit später durch Sänger Østen im Billing vervollständigt zu werden. Somit war also das – nennen wir es – Gesangstrio komplett, für das die Kompositionen von TRISTANIA vielfach bekannt sind. Bei „Libre“ wurde aber leider schnell deutlich, dass Mary zwar Power in der Stimme hat, diese jedoch scheinbar nicht so recht zu kontrollieren vermag; immer wieder glichen ihre Einsätze eher einem unbeabsichtigten Schreien anstelle eines druckvollen Singens. Während des für einen Live-Gig viel zu langatmigen „Shadowman“ glitten meine Gedanken ab und so überlegte ich, ob Sänger Østen, der optisch stark an Konstanz von THE VISION BLEAK erinnert, eigentlich schon immer so hager war und dass ich die meisten Titel von – auch wenn der Vergleich inzwischen an sich echt abgedroschen ist – SIRENIA um einiges zugänglicher finde als die neueren Stücke von TRISTANIA. Immerhin gab man an diesem Abend Songs aus jeder Epoche ihres musikalischen Schaffens zum Besten, so dass sich das Publikum auch an Klassikern wie „Angellore“ oder „Beyond The Veil“ erfreuen durfte, die schon direkt nach wenigen Introklängen mit zusätzlichem Applaus oder mit ambitioniertem Mitklatschen während des Songs honoriert wurden. Bei „Angellore“ summte das Publikum auch gutgelaunt die Melodie mit – was andererseits leider nicht laut genug war, um über die besonders eingangs, aber auch immer wieder zwischendurch, arg schiefen Töne von Mary, die zudem nicht konstant zu hören war, hinweg zu täuschen. Bei „Beyond The Veil” kam die hohe erste Stimme, ebenso wie die Chöre, vom Band, während Mary sich mit der zweiten Stimme abmühte. Østen war selbst die erste Zeit nicht mehr auf der Bühne und seine Rückkehr nach ein, zwei Minütchen wurde vom Publikum deutlich bejubelt. Nach knapp über 40 Minuten Spielzeit legten TRISTANIA eine kleine Pause ein, in der das Publikum durch einzelne Zugabe-Rufe sowie das obligatorische Pfeifen und Klatschen dafür sorgte, TRISTANIA abschließend noch das romantische „World Of Glass“ zu entlocken.

Setlist TRISTANIA
Libre
Shadowman
Angellore
Mercyside
The Wretched
Down
Beyond The Veil
World Of Glass

Der Auftritt der noch nicht allzu lange auf Solopfaden wandelnden Finnin wurde durch einen ermüdend langen Sound- und Lichtcheck merklich nach hinten verschoben. Das zahlreiche Publikum im Kohlrabizirkus machte einen recht gespannten Eindruck und schien durch all die angespielten und wieder abgebrochenen Instrumentalparts auf der Bühne ein wenig unschlüssig, ob man sich bis zum Beginn des Gigs noch getrost hinsetzen könne oder besser stehen bleiben solle, um nichts zu verpassen. Zwischendurch entlud sich die Anspannung in einer Mischung aus motivierendem und missgünstigem Klatschen, Pfeifen und Jubeln.

Gegen 22:55h startete die Dame an den Synths – die zudem im Laufe des Gigs neben TARJAs backing vocals vom Band eben solche in live beisteuerte – das Intro, und wenige Augenblicke später betrat TARJA die Bühne. Ein klassisch-schlichtes Outfit, soviel sei hier gesagt, mit bodenlangem, schwarzen Rock, ebensolcher Corsage und langen Lackhandschuhen – keine der diversen Fashion-Fauxpas also, die man an TARJA im Laufe der Jahre immer wieder beobachten konnte. TARJA schien gut gelaunt, mir jedoch war sie ein wenig zu energiegeladen, was hier und da wenig authentisch als vielmehr sehr gewollt rüber kam. Etwas weniger wäre hier mehr gewesen. Immerhin versicherte sie mehrfach überaus glaubhaft, sich sehr darüber zu freuen, auf dem WGT spielen zu können. Eingangs schien es technische Probleme zu geben, denn sie friemelte immer wieder am Empfänger ihres Monitors. Neben der bereits erwähnten Dame an der Elektronik und den obligatorischen Herren an Gitarre und Bass befanden sich zudem ein Cellist sowie gleich zwei Drummer – einer davon vermutlich TARJAs Bruder Toni – mit ihren Kits auf der Bühne, wodurch die Songs natürlich sehr druckvoll dargeboten werden konnten. Der Schwerpunkt der dargeboten Titel lag – natürlich – auf dem Solodebütalbum „My Winter Storm“. Mit „Passion and the opera“ war zudem jedoch auch ein Titel aus der NIGHTWISH-Diskographie vertreten, dazu noch der Klassiker schlechthin, „The phantom of the opera“, über die sich das Publikum jeweils überaus erfreut zeigte. Bei letzterem Song wurde der männliche Vocalpart von dem oben kurz angesprochenen Drummer übernommen. Los ging es mit dem durch viele Dissonanzen recht dramatisch klingendem und durch die Drums sehr druckvollen „Lost Northern Star“. Ein idealer Opener, wie ich finde. „Damned And Divine“ wurde von TARJA als vermeidlich düsterster Song vom genannten Debütalbum angekündigt, was ich persönlich jedoch nicht so empfinde, wenngleich Text und die nymphenartigen Background-Vocals sicherlich keine gute Laune vermitteln. Zu Ende des Songs verließ sie die Bühne, während die folgende lange Instrumentalpassage einen ruhigen Ausklang des Songs bot. Umso abrupter gestaltete sich der Übergang zum nachfolgenden Song „Ciarán’s Well“ der sehr schnell und drumlastig ausfällt. Ein wenig bin ich, glaube ich, sogar zusammen gezuckt. Mit dem nachfolgenden, von der Natur, so ließ TARJA wissen, inspirierten und komplett langsamen Song „Our Great Divide“ wurde es dann wieder deutlich ruhiger. Eine recht gut durchdachte Abfolge der Songs.

Insgesamt habe ich bei den Kompositionen von „My Winter Storm“ aber das Gefühl, dass sich TARJA nicht richtig austoben kann mit ihrer Stimme. Ausnahme ist hier vielleicht „Minor Heaven“, bei dem TARJA wirklich viele Tonwechsel, auch gerade in hohen Regionen, zu bewältigen hat. Genannter Song, bei dem zudem das Cello eine große Rolle spielt, wurde dann auch vom Publikum mit frenetischem Beifall bedacht. Das bereits kurz erwähnte „Our Great Divide” gestaltet sich ebenfalls als sehr eindringlich und von den Gesangslinien her anspruchsvoll. Gegen 23:40h verließen die Musiker erstmals die Bühne und es war klar, dass sie noch einmal zurückkommen würden. Immerhin wurde der bisweilen wohl populärste Titel von TARJAs Soloalbum noch nicht dargeboten, „I walk alone“. Dennoch ließ die Band lange auf sich warten, das Publikum verweilte jedoch hartnäckig. Als die Dame dann in einen Mantel gehüllt die Bühne neuerlich betritt und den gerade genannten Titel zum Besten gibt, merkt man deutlich, dass große Teile des Publikums auf genau diesen Track gewartet hatten. Insgesamt ein sehr stimmungsvoller Auftritt, der auch durch die Lichttechnik im Kohlrabizirkus unterstützt wurde, und viele zufrieden drein schauende Menschen – übrigens gleichermaßen beiden Geschlechts – in die Nacht entließ.

Setlist TARJA
Lost Northern Star
My little Phoenix
Passion and the Opera
Minor Heaven
Damned And Divine
Ciarán’s Well
Our Great Divide
Sing For Me
The Phantom of the Opera

I walk alone
Die alive

Copyright Fotos: Sandro Griesbach

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