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TELEKOM EXTREME PLAYGROUNDS HAMBURG 2010

Ort: Pinneberg - Wasserskianlage

Datum: 29.08.2010

Zum bereits vierten Mal fanden die Extreme-Playgrounds an der Wasserski-Anlage in Pinneberg statt. Als 2007 der Startschuss fiel, gab es strahlenden Sonnenschein und das denkbar passendste Wetter. In den vergangenen beiden Jahren hatten die Veranstalter bereits mit widrigen Wetterverhältnissen zu kämpfen und in diesem Jahr wohl den Regen schon fest eingerechnet und vorsichtshalber eine überdimensionale Überdachung an einem großen Kran über die BMX-Rampe gehängt.

Wie gut sie daran taten, zeigte sich bereits am frühen Nachmittag, als einzelne Schauer die eh schon matschige Location noch mehr unter Wasser setzten. Doch nicht nur der Veranstalter, sondern auch die Zuschauer waren bestens auf das Wetter vorbereitet und so gab es eine Gummistiefel-Modenschau der Extraklasse. Wer keine dabei hatte, lief indes einfach barfuß durch die Gegend (und feiert aufgrund der niedrigen Temperaturen in dieser Woche sicher krank) und konnte dank großzügig verteilter Regencapes des Hauptsponsors Telekom wenigstens den Rest seines Körpers trocken halten.

Da im Laufe des Tages die Abstände zwischen den Regenschauern immer kürzer wurden und nach einiger Zeit einfach wegfielen (soll heißen: es regnete durchgehend), machte es keinen Sinn, sich großartig unterzustellen. Zu viel hätte man auch verpasst. Zumal das Wetter der Weltelite der Wakeboarder und Wakeskater völlig egal war, ist Wasser doch von Hause aus ihr Element. Hier gab es an diesem Tage eine kleine Sensation in Form eines deutschen Doppelsieges zu bejubeln. Im Wakeskate konnte sich der amtierende Junioren-Weltmeister Tarik Ghoniem gegen seine Landsmänner MoritzThiele, Lukas Süß und Jan Grabski durchsetzen und im Wakeboard ließ der gerade einmal 17jährige Frederic von Osten gleich die gesamte Weltelite dumm aussehen und verwies sowohl Doppelweltmeister Nick Davies (UK) und den bisher in Pinneberg ungeschlagenen Tom Foshee (USA) auf seiner Heimanlage unter großem Applaus und Anfeuerungen seitens des Publikums mit furiosen Läufen auf die hinteren Plätze.

Beim BMX stellte der Regen trotz der Überdachung, die nicht immer den Schauern standhalten konnte, eine große Unfall- und Verletzungsgefahr für die Rider dar und so musste der Wettkampf zwischenzeitlich wegen Nässe auf der Rampe unterbrochen werden. Doch immer dann, wenn gefahren werden konnte, zeigten die Fahrer ihr gesamtes Können. Am Ende setzte sich Vorjahressieger Mark Webb (UK) gegen Michael Beran (CZ) und Ben Wallace (UK) durch.

Neben den sportlichen Highlights konnte das musikalische Programm an diesem Tage ebenso durchweg begeistern. MILLENCOLIN hatten ihr Extreme-Playgrounds Debüt bereits im Jahre 2008 in Duisburg gegeben und dort einen so positiven Eindruck hinterlassen, dass sie in diesem Jahr gern zum zweiten Mal auf die Bühne geschickt wurden. Völlig zu Recht, denn die Schweden um Frontmann Nikola Sarcevic gehören zu den weltweit bedeutendsten und beständigsten Punkrock Bands und spielen in einer Liga mit Genregrößen wie NOFX, LAGWAGON und Co. Auch im 17. Jahr ihres Bestehens zeigten sich MILLENCOLIN kein bisschen älter oder leiser und konnten das Publikum von Anfang an vor die Bühne locken. Die Band spielte eine knappe Stunde einen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens und verdeutlichte dabei mit insgesamt 4 unterschiedlichen großen Backbannern im Bühnenhintergrund, auf welcher CD man sich gerade befand (die Banner waren im Design der CDs „Home from home“, „Kingwood“ etc. gehalten). Im Jahr 2010 war der Auftritt in Pinneberg der einzige Deutschland-Gig der Schweden, doch dass sie deshalb bei ihren Fans nicht in Vergessenheit geraten waren, zeigte sich dadurch, dass Songs wie „No cigar“, „Man or mouse“ oder „Machine 15“ stets lauthals mitgesungen und abgefeiert wurden.

War der einzige Deutschland-Auftritt 2010 von MILLENCOLIN schon etwas Besonderes, so konnte das bei der folgenden Band dennoch leicht getoppt werden. SUBLIME, DIE Ska-Punk-Band zu Beginn der 90er überhaupt, die mit mehr als 17 Millionen Tonträgern mitbestimmend für ein ganzes Musik Genre waren, hatten bei den Extreme Playgrounds ihren ersten Europa-Gig überhaupt. Nachdem Sänger Bradley James Nowell 1996 an einer Überdosis Heroin verstorben war, hatte sich die Band auf dem Höhepunkt ihrer Karriere auflösen müssen. 14 Jahre später wagen sie den Sprung auf die Bühne nach ebenso langer Abstinenz mit dem neuen Fronter Rome Ramirez unter dem Namen SUBLIME WITH ROME erneut. Man konnte so ziemlich alles erwarten, so wäre eine komplett bemitleidenswerte Coverband ebenso denkbar gewesen wie das, was dann in Pinneberg geboten wurde. Eine immer noch erstaunlich souverän wirkende Band, die den neuen Sänger perfekt integriert hat. Der Platz vor der Bühne war bereits lange vor Beginn brechend voll und eine knisternde Spannung machte sich breit. Unglaublich eigentlich, welchen Bekanntheitsgrad diese Band hat, nachdem die letzte Veröffentlichung in Form des Meisterwerkes „Robbin the hood“ ganze 16 Jahre zurückliegt. Viele der anwesenden Fans düften zu der Zeit gerade eingeschult worden sein. Doch unter großem Applaus spielten SUBLIME all ihre alten Hits wie „What I got“, „Doin time“ und „Wrong way“ ebenso wie die noch älteren punkigeren Sachen, mit denen sie immerhin das Publikum zu einem Moshpit überzeugen konnten. Die Klassiker wurden natürlich lauthals mitgesungen und den Überhit „What I got“ leitete Sänger Rome mit ein paar Worten zum Thema Liebe und der Widmung „Rest in peace Bradley“ ein. Auf jeden Fall lieferten SUBLIME WITH ROME einen Auftritt ab, der hoffen lässt, dass sich die Band mit neuem Sänger wieder auf alte Stärken besinnt, aber dennoch bald neue Songs schreibt.

Schlussendlich folgte noch der Headliner Auftritt von GENTLEMAN. Nichts Besonderes dieser Tage, geht GENTLEMAN doch auf große Tour mit seinem neuen Album „Diversity“ und war in diesem Sommer auf allen bedeutenden Festivals von „Rock am Ring“ bis „Summerjam“ vertreten. Dennoch ist ein Live-Gig von GENTLEMAN etwas Besonderes, und zwar immer besonders gut. Gut gelaunt kam der Herr nach einem kurzen Intro seiner EVOLUTION Band auf die Bühne gestürmt, riss von Beginn an das Publikum mit und verbreitete trotz des mittlerweile nicht mehr aufhören wollenden Dauerregens jede Menge gute Laune und „positive vibes“. „Die Sonne ist nicht weg! Sie ist da, nur hinter den Wolken!“ Viel wärmer wurde es durch diese Worte vielleicht nur ums Herz, nicht um die nassen Füße, aber die Show machte einfach Spaß und GENTLEMAN hatte sichtlich Lust aufzutreten und zeigte sich publikumsnah, indem er immer wieder von der Bühne direkt an den Zaun zum Publikum sprang, den Fans die Hand gab und mit ihnen seine Songs sang. Hits wie „Superior“, „Different places“ oder die neue Single „To the top“ waren allseits bekannt und sorgten für wenigstens ein bisschen Summer Feeling. Ein überaus gelungener Auftritt an dessen Ende ein Feuerwerk den Festivaltag ausklingen ließ. Was bleibt sind ein Haufen Schmutzwäsche und die Hoffnung auf besseres Wetter im nächsten Jahr. Und natürlich die Vorfreude auf die Extreme Playgrounds am 6. Dezember in Berlin zu denen es auf der Site www.extreme-playgrounds.de alle relevanten Infos gibt.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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