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TERRY HOAX – NUKULAR

Ort: Osnabrück - Rosenhof

Datum: 26.11.2009

Irgendwie können wohl die meisten Musiker am Ende doch nicht von ihrer Profession lassen. Denn eigentlich hatten auch TERRY HOAX verkündet, nach ihrer Auflösung 1996 nie wieder zusammen spielen zu wollen. Dann kamen im letzten Jahr zwei Konzerte in der Heimatstadt Hannover und zusätzlich noch einige Shows im Rahmen der FURY-IN-THE-SLAUGHTERHOUSE-Abschiedstour und es war wieder um die Jungs geschehen. Inzwischen gibt es eine neue Platte namens „Band of The Day“, zu der natürlich eine Tour nicht fehlen darf. Der dritte Tag on the road führte die Herrschaften (ohne ihren dritten Gitarristen Marcus Wichary, der inzwischen als Zahnarzt arbeitet und erst ab Sonntag mit von der Partie ist) in den Osnabrücker Rosenhof. Ich erinnere mich noch dunkel, TERRY HOAX Anfang der Neunziger im alten Hyde Park gesehen zu haben, entsprechend gespannt war ich natürlich, was aus den Jungspunden von damals geworden ist.

Bevor diese Frage geklärt werden konnte, stand jedoch zunächst der Support NUKULAR auf dem Programm. Die Kapelle aus Mainz hatte es mit ihrem Indie-/ Alternative-Rock auf den ersten Blick nicht ganz leicht in dem ehemaligen Kino am Rosenplatz. Selten war ein Graben so breit wie hier, denn so recht schien sich niemand nach vorn zu trauen und so war bis zu den Treppenstufen fast komplett gähnende Leere angesagt. Dabei spendeten die Osnabrücker, die fast ausnahmslos der Ü30-Fraktion angehörten, durchaus freundlichen Applaus, doch mussten offensichtlich die Kräfte gut eingeteilt werden und so blieb man zunächst auf Abstand und lauschte dem Deutsch-Rock der 2007 gegründeten vierköpfigen Band. Musikalisch keineswegs uninteressant, hätte der Sänger, Gitarrist und Keyboarder vielleicht nicht ganz so viel zwischen den Songs quatschen sollen. So ging ein wenig vom Schwung der durchaus temperamentvollen und mit vielen Effekten versehenden Mucke verloren. Meist ging’s straight nach vorn; bei „Deine Feinde“ oder „Unbekannte Welt“ wurde auch ein bisschen mehr gefrickelt und mit „Mehr als ein Wort“ sowie Hinterher“ setzten NUKULAR emotionale Eckpunkte. Wer sich bei Tim & Struppi auskannte, hatte zudem die Chance, eine von mehreren Singles zu gewinnen, denn wie die Comic-Helden von Hergé gern Grenzen überschreiten, thematisierte das Quartett Grenzüberschreitungen auch in ihrem Song „Keine Gefahr“, ehe es mit dem knackigen „Schere im Kopf“ zu guter Letzt noch den Titeltrack des im Februar erscheinenden neuen Longplayers zu hören gab.

Setlist NUKULAR
Notausgang
Ohne Dich
Im freien Fall
Deine Feinde
Mehr als nur ein Wort
Hinterher
Unbekannte Welt
Keine Gefahr
Schere im Kopf

In der Umbaupause trauten sich dann auch die Hasestädter, bis an den Bühnenrand aufzurücken und es war gleichzeitig deutlich voller geworden. Lange musste das Auditorium nicht auf TERRY HOAX waren, auch wenn man von den Herren zunächst nicht viel sah, da sich alle Fünf ähnlich wie auf dem Plattencover mit Tüchern „maskiert“ hatten. Bei Sänger Oliver Perau fiel der Stofffetzen ziemlich schnell, immerhin wollte er ja auch „Shake Your Head“ von eben dieser Platte zum Besten geben. Und TERRY HOAX gingen genau wie ihre Fans gleich in die Vollen! Nicht nur die alten Stücke wurden abgefeiert, auch bei den neuen Liedern zeigten sich die Anwesenden textsicher und in hervorragender Partylaune. Vielleicht lag das aber auch daran, dass die Wahl des „Fan of the Day“ anstand, der für besondere Leistungen mit einem T-Shirt belohnt werden sollte, das wiederum vom schlecht gelauntesten Besucher bezahlt werden musste. Vermutlich hätten sich alle Beteiligten aber auch ohne Aussicht auf Geschenke ins Zeug gelegt, denn bei „Freedom Circus“ vom gleichnamigen 1992er-Longplayer wusste die Crowd noch nichts von ihrem Glück und ging bei diesem ersten Highlight des Abends schon ziemlich steil. Das DEPECHE-MODE-Cover „Policy of Truth“ setzte da natürlich noch eins drauf und es schwang schon ein Hauch Nostalgie mit, als Olli erzählte, wie man sich mehr oder weniger zufällig und ungeplant zum Videodreh an einem Baggersee traf und das Ergebnis einfach mal an MTV schickte. Noch heute ist es übrigens das am häufigsten gespielte Video einer deutschen Band bei dem Musiksender. Möglicherweise ging die Post bei „Live All“ sogar noch mehr ab, zumindest standen sich hier die Hannoveraner und Osnabrücker in Sachen Performance und Engagement in nichts nach. Herr Perau machte ob der Interaktion des Auditoriums mehr als einmal einen fast schon gerührten Eindruck und die gesamte Combo strahlte eine immense Spielfreude und Agilität aus. Dabei war es ganz egal, ob ein Uralt-Song wie „So Alone“ von der ersten Langrille „Life In Times of“ aus 1991 gespielt wurde oder etwas brandneues wie „Some Kind of Paradise“ oder das N.E.R.D-Cover „The Way She Dances“. TERRY HOAX machen immer noch ordentlich Druck, selbst wenn sie eine Ballade wie „Nothing Like A Crime“ vortragen oder für den Hannover-96-Keeper Robert Enke „Hotel Suicide“ spielen, um so des kürzlich freiwillig aus dem Leben geschiedenen Bundes-Torwartes zu gedenken. Insbesondere Oliver Perau wirkte ausgesprochen sympathisch und deshalb gönnen bestimmt auch alle der Combo die GEMA-Einnahmen aus ihrem zweiten MTV-Hit „Insanity“, der natürlich nicht fehlen durfte. Genau wie das Procedere, dass der letzte Song „Touch The Sky“ zu sein hat. Die Zuschauer wussten, was von ihnen erwartet wurde und gaben auf der Zielgeraden erneut alles, weshalb sie umgehend mit einer Zugabe belohnt wurden, nachdem gleich zwei Fans of the Day gekürt worden waren. Für einen weiteren TERRY-HOAX-Anhänger spielte die Band im Anschluss „Another Face“, bevor sie es mit „Waterland“ einmal mehr amtlich krachen ließen. Osnabrück legte umgehend La-Ola-Wellen nach und darf sich jetzt mit dem Titel „perfektes Konzert“ schmücken.

Das war es tatsächlich. Dazu bot „Dreamer (The Man Who Always Wants To Sleep)“ den perfekten, gefühlvollen Ausklang nach 100 Minuten energiegeladener Spielzeit. Zweifelsohne haben TERRY HOAX wieder oder immer noch jede Menge Spaß am Mucken und selbigen haben sie erstklassig auf ihr Publikum übertragen, welches wohl schon sehnsüchtig darauf gewartet hat, dass ihre Helden aus Jugendtagen wieder auf die Stage zurückkehren. Wobei, es wächst anscheinend auch eine neue Generation heran: Das Mädel war um die fünf, sechs Jahre alt und hatte die Ehre bei „Personal Tightrope“ ein ganz persönliches Ständchen mitsamt Olli-Tuchfühlung geboten zu bekommen.

Setlist TERRY HOAX
Shake Your Head
Band of The Day
Freedom Circus
Some Kind of Paradise
Policy of Truth
Where Does All That Anger Come From?
Live All
So Alone
Personal Tightrope
Nothing Like A Crime
Insanity
Hotel Suicide
Nothing Less Than Everything
The Way She Dances
Touch The Sky

Another Face
Waterland

Dreamer (The Man Who Always Wants To Sleep)

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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