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THE BASEBALLS

Ort: Bonn - Brückenforum

Datum: 11.09.2010

Gestern noch hatten mich PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB mit auf eine Reise durch die letzten 25 Jahre ihres Indie-Rocks genommen und schon heute katapultierten mich THE BASEBALLS locker noch mal drei Dekaden weiter zurück in die Musikgeschichte. Bei Digger, Sam und Basti steht seit drei Jahren unter der Trademark THE BASEBALLS Rock’N’Roll und Rockabilly auf dem Programm. Das Debütalbum „Strike“ sorgte mit seinen Coverversionen bekannter Rock- und Pophits europaweit für Furore, seit Kurzem gibt es zudem ein erweitertes Re-Release der Scheibe und natürlich rocken die Jungs mit ihrer vierköpfigen Begleitband fleißig die Bühnen im In- und Ausland.

In Bonn sollte die eigentlich auf dem Museumsplatz stehen, aus irgendwelchen Gründen wurde das Konzert allerdings in das Brückenforum verlegt. Doppelt schade, denn während draußen angenehme 25 °C in die Sonne lockten, war es indoor gefühlt mindestens doppelt so heiß. Entweder gab es in der Location keine Klimaanlage oder sie war komplett falsch eingestellt und produzierte noch zusätzliche Wärme, welche die gut 1.000 Zuschauer allerdings nicht wirklich brauchten. Schließlich heizten THE BASEBALLS zu ungewöhnlich früher Stunde (Konzertbeginn war 18.10 Uhr!) ihren überwiegend weiblichen Fans schon ordentlich ein. Die subtropischen Temperaturen kommentierten sie denn auch mit dem Hinweis, die Sounddesigner hätten herausgefunden, dass der Sound einfach ohne Klimaanlage am besten rüberkäme, entschuldigten sich am Ende des Gigs allerdings auch noch mal für die schweißtreibende Venue und verteilten Wasserflaschen ans Publikum. Das hatte zu diesem Zeitpunkt annähernd zwei Stunden fantastische Mucke mit absoluter Feelgood-Garantie auf die Ohren bekommen, denn gemeinsam mit dem Vierer an den Instrumenten (Drums, Gitarre, Piano und Kontrabass) sorgten die sympathischen Wahlberliner an den Mikros für durchgängig gute Laune. Während die Instrumentalfraktion in weißen Hemden, schwarzen Hosen und Schlipsen schon mal ihre Arbeitsplätze einnahm, ließen sich die Herren Sänger in ihren Blue Jeans, weißen T-Shirts und schwarzen Lederjacken noch einen Moment bitten, wurden mit den ersten gefühlvollen Takten von „Love Takes Over“ allerdings auch schon von kreischenden Mädels in den ersten Reihen begrüßt. Die Stimmung im Saal war ab der ersten Minute bestens und so wurde ausgiebig getanzt, geklatscht und mitgesungen – ganz egal, wie heiß es in der Hütte war. Immerhin versank Bonn heuer nicht im Schneechaos, an das sich die BASEBALLS noch gut erinnern konnten, denn ihr letzter Besuch in der ehemaligen Bundeshauptstadt wurde just von der weißen Pracht gewaltig torpediert. Die obligatorische Frage „Habt ihr Bock auf Rock’N’Roll“ wurde einhellig mit einem lauten „Ja“ beantwortet und es konnte mit viel Klaviergeklimper und „Pokerface“ in die Vollen gehen. Zu diesem Zeitpunkt fraß das Publikum den Tollenträgern eh schon aus der Hand und spätestens zu „Let’s Get Loud“ zeigte der größte Frauenchor, den Bonn an diesem noch jungen Abend zu bieten hatte, was in ihm steckte. Die meisten Herren, die möglicherweise auch nur auf Anweisung ihrer besseren Hälfte mitgekommen waren, mögen die Hysterie in Bühnennähe nicht verstanden haben, nur weil der smarte Sam mal kurz eine Sonnenbrille aufsetzte, doch die Mädels stehen schlicht und ergreifend auf die Sonnyboys, die ihr Handwerk aber auch wirklich verstehen. Entsprechend wurde bei „I Don’t Feel Like Dancin’“ nach allen Regeln der Kunst geschmachtet und durfte Basti den schnellsten Hüftschwung der Kapelle präsentieren. Der Wiedervereinigung von Gary Barlow und Robbie Williams widmeten THE BASEBALLS ihre gefühlvolle Adaption von „Torn“, für welche der Dreier nicht nur eine bekannte TAKE-THAT-Geste eingeübt hatten, sondern dazu passend auch auf Hockern Platz nahmen, um dem wirklich schönen Song den passenden Rahmen zu geben. Dafür gab’s vom Auditorium verdientermaßen heftige Akklamationen, die sich spätestens beim Kracher „Hot N’ Cold“ wiederholten. Bereitwillig machten die Fans auch bei den Tanzspielchen der Band mit und stellten immer wieder ihre Sangeskünste unter Beweis. Dass das Quartett im Hintergrund auch richtig was drauf hatte, zeigte das Instrumental, welches die Burschen im Anschluss mit viel Schmackes unters Volk brachten, damit die Fronter sich in ein neues Karohemden-Outfit schmeißen konnten. Im Folgenden hatten die Instrumente jedoch Pause, denn „Hard Not To Cry“ und „Human“ wurden a cappella von der gesamten Mannschaft vorgetragen und ebenfalls mit viel Beifall bedacht. „Bleeding Love“ ließ wenig später wieder die Verstärker auf Hochtouren arbeiten; ein Umstand, der noch für Probleme sorgen sollte, aber gleichzeitig auch zum Tanzen animierte und Digger die Mundharmonika blasen ließ. Richtig zur Sache ging’s dann bei „Chasing Cars“, das unfassbar viel Drive und R&R mitbrachte, allerdings auch die Anlage durchjagte, wie Digger, Sam und Bast feststellen mussten, als sie sich wieder vom Boden erhoben hatten, wo sie mit den Beinen strampelnd einen kurzen Teil des Songs performt hatten. Spontan wurde noch eine absolut gelungene A-cappella-Nummer eingeschoben, bei der Kontrabassist Lars zwar zunächst seinen Einsatz verpasste (er sollte eigentlich singen, war aber vollends auf seinen voluminösen Holzkörper fixiert), dann jedoch uneingeschränkt glänzen konnte. Zu „Umbrella“ war dann auch wieder der Strom da und nach anfänglichen Calypso-Sounds, die für Urlaubsstimmung sorgen sollten, wurden auch hier treibende Rockabilly-Klänge gebührend abgefeiert. Nicht weniger flott präsentierte sich „Angels“. Dass zu diesem Zeitpunkt noch irgendein Fuß still stand, halte ich für ausgeschlossen, den letzten Kick brachten die Soli der einzelnen Musiker, die auf diese Weise auch gleich vorgestellt wurden, bevor sie mit einem knackigen Outro die drei Jungs an vorderster Front von der Bühne geleiteten.

Natürlich kamen alle Sieben noch einmal zurück, brachten zudem erfrischende Getränke für die Fans mit und hauten noch schnell drei weitere Kracher raus. Quittiert wurde dies nach insgesamt zwei Stunden mit tosendem Applaus, den sich THE BASEBALLS wahrlich verdient hatten. Mit launigen Sprüchen, viel Kontakt zum Publikum, jeder Menge Spielfreude und absolut gelungenen Rock’N’Roll-Covern sorgten die Hauptstädter für ausgelassene Stimmung und erheblichen Schweißfluss. Da spielten die Hallen-Temperaturen letztlich nur eine untergeordnete Rolle, wobei ich persönlich die Outdoor-Variante auf dem Museumsplatz dem biederen Brückenforum eindeutig vorgezogen hätte – gerade bei der traumhaften Witterung, die uns bei Konzertende um kurz nach 20.00 Uhr immer noch Temperaturen jenseits der 20-Grad-Marke bescherte. Unter diesen Voraussetzungen könnte es der DJ im Vorraum des Saales auch schwer gehabt haben, die Leute bei der Stange zu halten. Schließlich lud auch noch der nahe gelegene Rhein zu einem Besuch ein. Wann hat man nach einem Konzert auch noch den ganzen Abend vor sich und Mitte September so ein Wetterchen?

Setlist
Love Takes Over (DAVID GUETTA feat. KELLY ROWLAND)
Delilah (TOM JONES)
Love In This Club (USHER)
Pokerface (LADY GAGA)
Fireflies (OWL CITY)
Let’s Get Loud (JENNIFER LOPEZ)
I Don’t Feel Like Dancin’ (SCISSOR SISTERS)
Torn (NATALIE IMBRUGLIA)
Don’t Cha (PUSSICAT DOLLS)
Sex On Fire (KINGS OF LEON)
Hot N’ Cold (KATIE PERRY)
Bandinstrumental
Hard Not To Cry
Human (THE KILLERS)
Bleeding Love (LEONA LEWIS)
Crazy In Love (BEYONCÈ)
Chasing Cars (SNOW PATROL)
spontane A-cappella-Nummer
Umbrella (RIHANNA)
Angels (ROBBIE WILLIAMS)
Outro

Monday Morning (MELANIE FIONA)
Classic Jam
The Look (ROXETTE)

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