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THE BASEBALLS

Ort: Köln - E-Werk

Datum: 28.02.2012

Im Mai wollen die BASEBALLS ihre erste Live-DVD in die Läden bringen und dafür musste natürlich erst einmal passendes Material zusammengestellt werden, weshalb Basti, Digger und Sam ihre Fans ins Kölner E-Werk geladen hatten. Bereits 90 Minuten vor dem Konzertbeginn hatte sich in der Schanzenstraße eine lange Schlange gebildet, die ungeduldig darauf wartete, eingelassen zu werden und sich dann schleunigst vor die Bühne begab, um dort die besten Plätze zu sichern. Am Ende gab es nur noch wenige freie Stellen im mit 2.000 Besuchern ausverkauften ehemaligen Umspannwerk und die wurden im weiteren Verlauf des Abends benötigt, um den Bewegungsdrang, den die BASEBALLS-Show auslöste, zumindest in Teilen auszuleben. Vermutlich hätte es den charmanten Einheizer auch gar nicht benötigt, der zehn Minuten lang mit den Anwesenden das richtige Klatschen und Kreischen übte. Der Herr erledigte seinen Job jedoch durchaus unterhaltsam uns souverän – ein echter Profi eben, der dem Terror-Team später verriet, in der letzten Woche noch bei Carmen Nebel für Stimmung gesorgt zu haben.

Dann war es um 20.30 Uhr endlich so weit: Das BASEBALLS-Intro erklang und es gab im Hintergrund einige Pics zu sehen, die den Gefängnisausbruch der drei smarten Tollenträger zum Thema hatten. Wenig später lichtete sich der Vorhang und man sah schemenhaft die Körper des Triumvirats in einem verhangenen Käfig. Auch hier fielen bald die letzten Tücher, was das erste ausgiebige Geschrei der weiblichen Besucher zur Folge hatte. Die Wahl-Berliner antworteten mit dem knackigen „No Diggity“ und konnten sich bereits beim folgenden „Hello“ sicher sein, dass die Zuschauer ihnen aus der Hand fraßen. Die Stimmung in der Domstadt war bestens, es gab bereits für „Bitch“ tosenden Applaus und „Angels“ wurde selbstverständlich lauthals mitgesungen. „Don’t Feel Like Dancin’“ löste derweil ein spontanes Massenklatschen aus, ehe das E-Werk zu „I Do“ in einem Meer aus Seifenblasen versank. Zu diesem Zweck wurden Pustefix-Fläschchen im Auditorium verteilt und ausführlich erklärt, wie damit zu verfahren sei. Der Band fiel dann selbst auf, dass in Köln die Ansage „Der Bär mit dem Blasestab“ möglicherweise falsch verstanden werden könnte. Bei „I’m Not A Girl, Not Yet A Woman“ machte sich darüber mit Sicherheit niemand mehr Gedanken, bevor es nach diesem Hüftschwung-Auftakt einen ruhigen Moment zu zelebrieren gab. Die BASEBALLS sind ja schließlich auch nicht mehr die Jüngsten und so nahmen sie dankbar auf den bereitgestellten Barhockern Platz, um mit viel Gefühl und verdienten Akklamationen „Torn“ zu performen. Diese kleine, aber sehr feine Verschnaufpause sollte jedoch schon genügen, denn mit „Candy Shop“ ging es umgehend temporeich weiter. Es regnete derweil Konfetti und Papierschlangen und das erste „blöde Spiel“ (O-Ton Digger) stand auf dem Programm. Die Zuschauerschaft wurde kurzerhand beim in aller Ausführlichkeit vorgetragenen „The Look“ zum Gospelchor umfunktioniert und tatsächlich fand wenig später sogar ein „echter“ Gospelchor“ den Weg auf die Stage. Das Septett in den roten Gewändern legte noch mal eine Schüppe drauf und wurde mit rasendem Beifall bedacht. Nahtlos schloss sich das zackige „Roll Thru The Night“ aus der Feder der BASEBALLS an, die das Feld beim anschließenden „Surfin’ Bee“ ihrer vierköpfigen Begleitband überließen. Jan (Piano), Lars (Gitarre), Klaas (Kontrabass) und Tomas hinter der Schießbude ließen sich nicht lange bitten und bewiesen mit dem Klassiker eindrucksvoll ihr handwerkliches Können. Für die nächste Nummer konnte das Quartett seine Instrumente zur Seite legen, denn „Hard Not To Cry“ wurde a capella vorgetragen. Die gesamte Mannschaft versammelte sich zu diesem Zweck am Bühnenrand, wo auch das chillige „California Gurls“ unplugged mitsamt Handtrommeln, Akustikklampfe, Kontrabass und Xylofon zum Besten gegeben wurde. Für die richtige Beach-Stimmung hatten die Hauptstädter weder Kosten noch Mühen gescheut und aus Stoffbahnen ein Meer simuliert, während ein fleißiges Crew-Mitglied an der mobilen Strandbar Cocktails fürs Publikum zauberte. Selbiges war bei „Let’s Get Loud“ wieder gefragt und durfte zeigen, dass man sich im Rheinland auf’s Schnipsen versteht. Wie von Zauberhand wurde in der Zwischenzeit aus dem schwarzen Backdrop im Hintergrund eine neue Wandverkleidung, die im typischen Fifties- und Sixties-Style daherkam, bevor „Follow Me“ ausgiebig mitgeklatscht wurde. An dieser Stelle verließ zudem Jan seinen Arbeitsplatz an den Tasten und stürzte sich todesmutig und crowdsurfend in die Massen, die den sympathischen Pianomann mit seinem auf einem Surfbrett befestigten Keyboard zusammenbrachten, das auf der anderen Seite der Bühne von Basti auf die Reise geschickt worden war. Von den Fans auf Händen getragen, bearbeitete Jan wenig später auf dem Bauch liegend auch schon seine Keys. Wieder auf der Bühne angekommen, kündigte sich umgehend der nächste musikalische Gast des Abends an: der „Volle-Kanne“-Moderator Ingo Nommsen wiederholte seinen Auftritt vom Herbst des letzten Jahres bei den BASEBALLS und gemeinsam brachten die Mucker mit „20 Flight Rock“ formidablen Oldschool Rockabilly zu Gehör. Nach „Tik Tok“ hatte bis auf Drummer Tomas die gesamte Mannschaft erst einmal Pause; dafür drosch Kollege Svensson allerdings mit aller Macht auf seine Felle ein und erntete den ihm zustehenden Beifall der Anwesenden, die kaum noch zu bremsen waren. Inzwischen folgte aber auch wirklich Schlag auf Schlag, denn mit „Chasing Cars“ stand der nächste Smasher auf der Setlist, bei dem nach dem ekstatischen Spiel von Jan sogar das Klavier in Flammen stand. Feurig ging’s auch bei „Hot N Cold“ zu, bei dem Digger selbst vorm „Ketchup Song“ nicht zurückschreckte, um die Damen in seinen Bann zu ziehen. Zwei Mädels durften am Ende sogar auf die Bühne kommen und mitsingen, bevor „I’m Yours“ das grandiose Finale einläutete. Wie im Fluge waren zu diesem Zeitpunkt zwei Stunden vergangen, doch weder Besucher noch Künstler hatten Lust, jetzt die Segel zu streichen und so kehrten die Instrumentalisten schon einmal auf ihre Plätze zurück.

Auf dem Backdrop gab’s jetzt ein kurzes Video zu sehen, dann kehrten auch die drei Hauptprotagonisten in ihrem dritten Outfit des Abends an ihre Wirkungsstätte zurück. Im Gepäck hatten Basti, Sam und Digger ihre Saxofone, mit denen es bei „Never Ever“ ordentlich rund ging. Dass die Herren an den Mikros sich nicht nur auf das besagte Blechinstrument verstehen, zeigten sie bei „Quit Playing Games“. Da wurden nämlich kurzerhand die Rollen getauscht und Digger übernahm den Sechssaiter, Sam den Tieftöner und Basti haute in die Tasten, während Jan, Lars und Klaas ihre Stimmen erhoben. Auch hier wollten die Begeisterungsstürme kaum enden, doch es sollte noch ein weiteres Highlight kommen: Welchen Song gab es wohl zu hören, wenn im Zuschauerraum vereinzelt Regenschirme aufgespannt wurden? Die Rede ist selbstverständlich vom mitreißenden „Umbrella“, das auf der Zielgeraden von „Born This Way“ abgelöst wurde. Hier kam der Gospelchor ein weiteres Mal zum Einsatz und auch das Auditorium war noch einmal gefragt. Die Anwesenden wurden in drei Gruppen aufgeteilt und hatten jeweils ein Wort des Songtitels zu skandieren, nachdem zuvor ein letztes Mal die Pyrotechnik zum Zuge kam. Zahlreiche Funken sprühten am Bühnerand als passende Untermalung der heißen Show des flotten Dreiers, der sich schließlich nach 2 ½ Stunden endgültig von seinen restlos begeisterten Fans verabschiedete.

Im November des letzten Jahres habe ich dem BASEBALL-Gig im Hamburger Docks den Titel „Konzert des Jahres“ in Aussicht gestellt. Diese Auszeichnung konnte ich dann tatsächlich vergeben und auch wenn 2012 noch vergleichsweise jung ist, bringt die Kölner Show bereits alles mit, um zumindest ganz oben im Jahres-Ranking mitzuspielen. Die Spielfreude der Rock’N’Roller, die sich in der Gemeinschaftsküche eines Berliner Proberaumkomplexes kennengelernt und 2007 THE BASEBALLS ins Leben gerufen haben, ist einfach ansteckend und die Arrangements der Lieder vortrefflich. Nicht wenige der bekannten Popsongs sind in der BASEBALLS-Aufbereitung um Klassen besser als das Original und auch die beiden Eigenkompositionen bewiesen einmal mehr ihren Charme. Dass der Kauf der DVD deshalb natürlich Pflicht ist, sei hier nur noch am Rande erwähnt.

Setlist
Intro
No Diggity (BLACKSTREET)
Hello (MARTIN SOLVEIG & DRAGONETTE)
Bitch (MEREDITH BROOKS)
Angels (ROBBIE WILLIAMS)
Don’t Feel Like Dancin’ (SCISSOR SISTERS)
I Do (COLBIE CAILLAT)
I’m Not A Girl, Not Yet A Woman (BRITNEY SPEARS)
Torn (NATALIE IMBRUGLIA)
Candy Shop (50 CENT)
The Look (ROXETTE)
Roll Thru The Night
Surfin’ Bee (Instrumental)
20 Flight Rock (EDDIE COCHRAN)
Hard Not To Cry
California Gurls (KATY PERRY)
Let’s Get Loud (JENNIFER LOPEZ)
Follow Me (Uncle Cracker)
Tik Tok (KESHA)
Drum Solo
Chasing Cars (SNOW PATROL)
Hot N Cold (KATY PERRY)
I’m Yours (JASON MRAZ)
Outro

Never Ever (ALL SAINTS)
Quit Playing Games (BACKSTREET BOYS)
Umbrella (RIHANNA)
Born This Way (LADY GAGA)

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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