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THE BASEBALLS – LE FLY

Ort: Hamburg – Freilichtbühne Stadtpark

Datum: 25.08.2012

Stets ein Garant für gute Laune ist ein Konzert der BASEBALLS. Da traf es sich gut, dass ich an diesem Wochenende eh geplant hatte, der Freien und Hansestadt Hamburg einen Besuch abzustatten und so Gelegenheit hatte, die Herrschaften erstmals open air zu erleben. Nun sind Freiluft-Veranstaltungen in unseren Breitengeraden ja immer so eine Sache (sonst hätte ich die Voc’n’Roller bereits im Mai in Münster im Freien gesehen) und auch für den heutigen Samstag waren die Wettervorhersagen sehr durchwachsen.

Bei den Lokalpatrioten von LE FLY, die auf dem Kiez beheimatet sind, sah es wettertechnisch noch recht viel versprechend aus und auch die Mucke des Sextetts ließ sich gut an. Serviert wurde „St. Pauli Tanzmusik“ und tatsächlich ging der Sound nach ersten Anlaufschwierigkeiten durchaus ins Bein. Beim Opener „Face On The Cover“ wollte der Funke zunächst nicht so recht überspringen, doch dann hatten die zahlreichen Besucher, von denen auch einige stilecht im Stil der Fifties gekleidet waren, Gefallen an der ska- und reggaegeprägten Gitarrenmusik der Herrschaften gefunden, die zudem noch einen mannsgroßen Gorilla mitgebracht hatten, der dem Publikum zusätzlich einheizte. Nur die Nummer mit dem Niederknien und Aufspringen verweigerte ein Großteil der Anwesenden. Da half auch der Affe nicht, wenngleich das Mitklatschen an anderer Stelle durchaus gut klappte. Insgesamt eine unterhaltsame erste halbe Stunde, die jedoch im Hinblick auf die noch folgenden knapp zwei Stunden eindeutig verblassen mussten. Und seien wir ehrlich: einen Einheizer brauchen die BASEBALLS nun wirklich nicht.

Bei Sam, Basti und Digger stehen die Zeichen üblicherweise ab der ersten Minute auf Sturm und so war es auch in diesem Abend in Hamburg, nachdem die vierköpfige Band angetan mit weißen Hemden, roten Krawatten und schwarzen Hosen die Stage geentert hatte und die drei Hauptpersonen in Karohemden und Blue Jeans hinzu stießen. Gleich der flotte Einstieg „No Diggity“ wurde abgefeiert und zu „Hello“ gab’s nicht nur ein großes Hallo, sondern auch den ersten Kreischalarm in den vorderen Reihen, weil Sam ausdauernd seine Hüften kreisen ließ. Für die Granate „Bitch“ schraubte Digger seine Stimme in schwindelerregende Höhen und mit dem fantastischen „Angels“ hatten die Herren ganz offensichtlich sogar den himmlischen Heerscharen ein paar Tränen entlockt. Gern hätte es bei diesen vereinzelten Tropfen bleiben können, doch zum umjubelten Schmachter „Torn“ nahm der Regen ganz entschieden zu und während die drei Jungs auf ihren Barhockern saßen, packten die Zuschauer ihre Schirme aus, die sie doch viel besser für „Umbrella“ gebrauchen konnten. Bis dieses Stück auf der Setlist dran wäre, war jedoch noch jede Menge Zeit und stand zunächst einmal der „Candy Shop“ auf dem Programm, zu dem die Bühne passend in kunterbuntes Licht getaucht wurde. Das blitzschnelle „The Look“ verwandelte die Hamburger alsbald in einen riesigen Gospelchor, der sich vom Wettergott nicht die Stimmung vermiesen ließ, bevor es dank „Rollin’ Thru The Night“ nahtlos mit einem Track aus der BASEBALLS-Feder weiterging. Für das großartige Instrumental „Surfin’ Bee“ verabschiedeten sich die drei Fronter ins Off, um im Anschluss ihre Kapelle um sich zu scharen, denn mit „Hard Not To Cry“ war allein die Sangeskraft des Septetts gefragt und die war einmal mehr sehr überzeugend. Man blieb gemeinsam am Bühnenrand versammelt, allerdings hatte Tomas Svensson sich eine kleine Trommel geschnappt, Klaas Wendling zupfte seinen Kontrabass und Lars Vegas griff in die Saiten seiner Akustikklampfe, um dem Rest bei „Follow Me“ die nötige Unterstützung angedeihen zu lassen. Das Auditorium klatschte ebenfalls kräftig mit und erfreute sich beim neu einstudierten „Call Me Maybe“ an der Imperativ-Show der BASEBALLS, bei der nicht um die Mitwirkung des Publikums gebeten wird – sie wird einfach befohlen. Zumindest, wenn Basti so wie heute einen strengen Tag hat. Vielleicht klappte das „Klatschen mit System“ deshalb erstmals auch so gut, weil die Hamburger beim Versagen schlimme Strafen fürchteten. Wie auch immer, gemeinsam wurde nach allen Regeln der Kunst das grandiose „Hot’N’Cold“ abgefeiert, auch wenn man es sich vermutlich aus Zeitgründen diesmal sparte, zwei Damen auf die Stage zu holen. Stattdessen begab sich Basti auf den ausladenden Steg in die Nähe seiner Fans und ein Mädel bekam auf diese Weise Gelegenheit, eine Zeile des KATY-PERRY-Hits zu singen, während im Hintergrund auf der Stage immer wieder Feuerzungen aufloderten. Der nächste Gast auf dem Steg war beim folgenden „Tik Tok“ Sam, der das Bad in der weiblichen Menge sichtlich genoss, bevor der Schwede Tomas im Alleingang und sehr zur Freude der Zuschauerschaft hinter seiner Schießbude alles kurz und klein zimmerte. Beim ebenfalls neu in die Setlist integrierten „A Big Hunk O’Love“ fing nicht nur das Publikum angesichts Sams Gitarrenspiel im Spagat Feuer, nein, Digger brannte im wahrsten Sinne des Wortes, denn er hatte das von Jan Miserre übernommene Klavier in Brand gesetzt und sich selbst gleich mit. Da er sich jedoch im Vorfeld eine Jacke übergezogen hatte, ist weiter nichts passiert und wahrscheinlich ist solcherlei nicht zum ersten Mal geschehen. Immer wieder ein ganz besonderes Vergnügen ist das ausgelassene „I’m Yours“, auch wenn damit die reguläre Setlist endet, doch auch in Hamburg wurde der Track ausführlich abgefeiert und natürlich war an dieser Stelle nach 90 Minuten ja auch noch nicht Schluss.

Für den Nachschlag trugen Basti, Sam und Digger Instrumentenkoffer bei sich, die am Ende von „Never Ever“ geöffnet wurden und denen die drei Jungs jeweils ein Saxofon entnahmen, um ihre Gebläse-Künste unter tosendem Applaus unter Beweis zu stellen. Derweil gingen auch die übrigen Musiker ziemlich steil, so Jan hockte bereits mit den Füßen auf seinem Klavierschemel, den er wenig später zu „Quit Playing Games“ an Basti abtrat, wohingegen Sam den Job am Kontrabass übernahm und Digger an den sechs Saiten aktiv wurde. Und siehe da: Die Jungs aus der zweiten Reihe machten auch als Fronter eine richtig gute Figur! Jetzt war die Zeit für „Umbrella“ gekommen und mit „Born This Way“ das letzte Sing- und Hüpfspielchen, mit dem der Abend dann um kurz vor 22 Uhr ausklang. Um Zehn ist Zapfensteich am Stadtpark, so wollen es die Anwohner; ich hätte die letzten Minuten gern noch für „Chasing Cars“ genutzt, das ich auf der Setlist vermisst habe, aber das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert und eigentlich habe ich nach diesem mal wieder phänomenalen Gig auch wirklich nichts zu meckern. Vielen Dank für zwei Stunden Spaß und gute Laune!

Setlist THE BASEBALLS
No Diggity (BLACKSTREET)
Hello (MARTIN SOLVEIG & DRAGONETTE)
Bitch (MEREDITH BROOKS)
Angels (ROBBIE WILLIAMS)
Don’t Feel Like Dancin’ (SCISSOR SISTERS)
Torn (NATALIE IMBRUGLIA)
Candy Shop (50 CENT)
The Look (ROXETTE)
Roll Thru The Night
Surfin’ Bee (Instrumental)
Hard Not To Cry
Follow Me (UNCLE CRACKER)
Call Me Maybe (CARLY RAE JESPER)
Hot N Cold (KATY PERRY)
Tik Tok (KESHA)
Drum Solo
A Big Hunk O’Love (ELVIS PRESLEY)
I’m Yours (JASON MRAZ)

Never Ever (ALL SAINTS)
Quit Playing Games (BACKSTREET BOYS)
Umbrella (RIHANNA)
Born This Way (LADY GAGA)

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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