Ort: Dortmund – FZW
Datum: 21.05.2025
Eigentlich hätten THE BASEBALLS ja schon im Oktober letzten Jahres im Dortmunder FZW spielen sollen, doch Basti (Sebastian Rätzel) hatte sich an der Schulter verletzt und so musste die gesamte „That’s Alright“-Tour verschoben werden. Ob das auch ein Grund für die eher mauen Plattenverkaufszahlen der sechsten Studioplatte waren, die Ende September veröffentlicht wurde, lässt sich wohl nicht mit Bestimmtheit sagen. Vielleicht vermissen die Fans auch Digger (Rüdiger Brans), der 2023 ausgestiegen ist. Oder die Leute stehen doch mehr auf die Rock‘n’Roll-Cover als auf die selbstgeschriebenen Fifties-Nummern, mit denen sich Basti und Sam (Sven Budja) ein wenig vom Coverband-Image lösen möchten. Wie auch immer: nach Platin für das 2009er Debüt „Strike“, Gold für den 2011er Nachfolger „Stings ’n‘ Stripes“ und hohe Platzierungen für die sich anschließenden Alben, hat es „That’s Alright“ nicht man in die Top 100 geschafft. Nichts desto trotz war das FZW an diesem lauschigen Mittwoch sehr gut gefüllt und viele hatten ihr Ticket auch bereits für die Oktober-Termin gekauft. Doch wie würde die Live-Performance ohne Digger aussehen?
Tatsächlich war es auf der Bühne nicht nur um einen Sänger leerer, auch die BASEBALLS-Band hat sich reduziert und bestand nur noch aus drei Personen. Till Kersting verantwortete weiterhin die elektrische Gitarre und Klaas Wendling zupfte den Kontrabass, während hinter der Schießbude ein neues Gesicht zu sehen war. Der Gute wurde als aus New York zugereist vorgestellt und hört wohl auf den Namen Dr. Henry. Offensichtlich war es den Jungs auf der Stage dann aber doch etwas zu leer, denn beim Song „Life Goes On“ vom aktuellen Silberling hatten sie sich Unterstützung von den CANDYLIKES geholt. Die drei Damen sind im westfälischen Dülmen zuhause und sahen in ihren bonbonfarbenen Petticoats aus, als seien sie direkt aus einem 50er-Jahre-Diner ins FZW gekommen. Stimmlich passte es auch und so bekamen die Mädels später noch einmal die Gelegenheit, ein Lied zu performen, während Sam und Basti im Off verschwanden. Wenig überraschend sind die beiden auch älter geworden, immerhin gibt es THE BASEBALLS nun schon seit 18 Jahren und so haben die beiden Hauptprotagonisten des Abends bereits die 40 überschritten. Da sitzt zwar noch der Hüftschwung, wie die smarten Boys etwa beim SUGARBABES-Track „Overload“ überzeugend unter Beweis gestellt haben, doch es schadet auch nicht, wenn man zwischenzeitlich mal im Sitzen arbeiten kann. So kam es, dass die gesamte Kapelle bis auf Klaas (sein Instrument war einfach zu groß) am Bühnenrand Platz nahm und gleich mal einen ganz besonders emotionalen Song zu Gehör brachte: „Angels“ von ROBBIE WILLIAMS war natürlich bestens für eine etwas intimere Performance geeignet, dennoch ließen es die Herren Musiker nicht am nötigen Drive fehlen und selbstredend zeigte sich das Auditorium auch an dieser Stelle absolut textsicher. Immerhin ist das Stück ein Welthit und zählt auch zu den erfolgreichsten Liedern der BASEBALLS-Discografie. Die HANSON-Brüder waren hierzulande mit ihrem „MMMBop“ eher ein One-Hit-Wonder, im R’n’R-Gewand macht sich der Song aber auch ganz hervorragend und wer hätte gedacht, dass es 2011 in den Niederlanden eine Coverband der BASEBALLS gegeben hat? Ob die Combo tatsächlich Sam, Basti und Digger gecovert oder einfach das erfolgreiche Konzept übernommen haben, lasse ich mal dahingestellt, der Bandname THE BITTERBALLS ist allerdings schon sehr nahe dran an unserem deutschen Exportschlager, der bei unseren westlichen Nachbarn, aber auch in der Schweiz und in Skandinavien sehr beliebt ist. Das liegt sicherlich auch an der Fannähe, die auch in Dortmund wieder zu spüren war. Sogar ein Geburtstagsständchen wurde für eine Dame im Publikum geträllert und selbstverständlich standen die Sänger auch in reger Interaktion mit der Crowd, die schnell lernte, bei jedem ‚Dortmund‘ das aus den Boxen schallte, lauthals zu kreischen und auch des Mitsingens, Klatschens und Armeschwenkens nicht müde wurde. Beim emotionalen „It’s Okay“ vom aktuellen Studio-Output kamen dann auch noch zahllose Handys dazu, mit deren Hilfe sich die Venue in ein Lichtermeer verwandelten. Auch die BASEBALLS hatten sich bei ihrer Lightshow nicht lumpen lassen und die Bühne während der gesamten Show stimmungsvoll illuminiert, zwischendurch aber auch mal das Saallicht angeknipst, um die Zuschauerschaft näher in Augenschein zu nehmen. Hier und da waren auch vergleichsweise stilecht gekleidete Personen zu sehen, das war in der Vergangenheit allerdings auch schon ausgeprägter, zudem wurden dieses Mal keine Regenschirme beim finalen „Umbrella“ (im Original von RIHANNA) aufgespannt. Vielleicht wurden derartige Accessoires auch schon am Eingang konfisziert. Zweifellos darf diese coole Nummer bei keinem BASEBALLS-Gig fehlen und auch in Dortmund sorgte das Lied nach 135 Minuten Spielzeit um 21:45 Uhr für ein fulminantes Ende.
Dafür war ganz klar auch die handwerklich versierte BASEBALLS-Band in ihren roten Paillettenhemden mitverantwortlich, die mit „Rock’n’Roll Queen“ von THE SUBWAYS auch einen Song ohne Basti und Sam sehr gekonnt und mit entsprechenden Soloeinlagen zum Besten gaben. Ein wenig habe ich zwar das Piano von Jan Miserre vermisst, dafür hat Sam verstärkt seine Akustikgitarre bearbeitet und überhaupt macht ein Konzert der BASEBALLS immer noch sehr viel Spaß. Mir gefallen die Eigenkompositionen ausgesprochen gut und auch die neuen Cover-Versionen wie „Unwritten“ (NATASHA BENINGFIELD) „As It Was“ (HARRY STYLES) und „Whole Again“ (ATOMIC KITTEN) sind im BASEBALLS-Style ein echter Hörgenuss. Wenn dann auch noch Nummern wie „(I’ve Had) The Time of My Life“ und „Footloose“ auf der Setlist stehen, fühle ich mich zwar nicht direkt in die fünfziger Jahre zurückversetzt, aber doch in die Eighties; schließlich habe ich die Filme, denen die Tracks entnommen wurden, auch im Kino gesehen. Wobei ich betonen möchte, dass ich „Dirty Dancing“ im Gegensatz zu vielen anderen nur einmal auf der großen Leinwand erlebt, während es seinerzeit viele Wiederholungstäter(innen) an der Kinokasse gab. Und sind wir mal ehrlich: die Fünfziger waren im Grunde so spießig, dass wir uns glücklich schätzen können, zwischendurch mit den BASEBALLS einen unterhaltsamen Ausflug in die Musik dieser Zeit machen zu können, gleichzeitig die Hits der letzten Jahrzehnte hören und die Vorteile des Hier und Jetzt genießen. Vielen Dank für den beschwingten und kurzweiligen Abend mit den gut aufgelegten BASEBALLS.
Setlist
- Sad On a Summer Day
- Hot n Cold (KATE PERRY)
- Unwritten (NATASHA BENINGFIELD))
- Overload (SUGARBABES)
- Life Goes On
- As It Was (HARRY STYLES)
- …Baby One More Time (BRITNEY SPEARS)
- The Sun Comes Up
- Whole Again (ATOMIC KITTEN)
- THE CANDYLIKES-Song
- Angels (ROBBIE WILLIAMS)
- I Don’t Feel Like Dancin‘ (SCISSOR SISTERS)
- Black Or White (MICHAEL JACKSON)
- MMMBop (HANSON)
- Suddenly I See (KT TUNSTALL)
- On My Way
- Geburtstagsständchen
- Wannabee (SPICE GIRLS)
- Rock’n’Roll Queen (THE SUBWAYS)
- I Believe I Can Fly (R. KELLY)
- Bleeding Love (JESSE McCARTNEY)
- (I’ve Had) The Time of My Life (BILL MEDLEY & JENNIFER WARNES)
- Wake Me Up Before You Go-Go (WHAM!)
- Candy Shop (50 CENT)
- Born This Way (LADY GAGA)
- It’s Okay
- C.C. Rider
- Can’t Help Falling In Love (ELVIS PRESLEY)
- Footloose (KENNY LOGGINS)
- Rock Me Amadeus (FALCO)
- Umbrella (RIHANNA)
Copyright Fotos: Daniela Vorndran

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