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THE BLACK DAHLIA MURDER – JOB FOR A COWBOY – THE RED CHORD

Ort: Hamburg - Grünspan

Datum: 07.12.2007

Nachdem die Bands eigentlich auf dem „Fuck X-Mas“ Festival spielen sollten, das am heutigen Abend zeitgleich in der Markthalle statt fand, es aber durch einen Wechsel der Booking-Agentur dazu nicht kam, hatte dieses Killer-Package nun die Aufgabe, das Grünspan anständig zu füllen. So war die Location zwar keineswegs ausverkauft, dafür durfte man die Bands in einer entspannten und lockeren Atmosphäre beobachten. Trotzdem hätten z.B. THE OCEAN besser in dieses Billing gepasst, vor allen Dingen, da es unklug ist, Bands vom gleichen Label gegeneinander antreten zu lassen… Schließlich fand dieser Abend unter dem Banner des 25 jährigen Bestehens von Metal Blade Records statt. An einem anderen Tag wäre das Konzert sicherlich fast ausverkauft gewesen. Aber das sind nur kleine Nicklichkeiten, die einem tollen Konzert (Vor-) Abend nicht im Wege standen. Denn wegen anschließender Disco war das Live-Ereignis mal wieder vor 22 Uhr zu Ende. Langsam bekommen wir auch hier die Kultur der All-Ages Shows, die am Nachmittag stattfinden. Brr…. Da von dem angekündigten Special Guest auch weit und breit nichts zu sehen war, stürmten THE RED CHORD unvermittelt die Bühne.

THE RED CHORD

Ach Du meine Fresse! Wie gut ist denn diese Band bitte?! Da werden verquere Math-Metal Parts mit fieser Hardcore-Attitüde gepaart und dann rockt das Zeug auch noch wie Hulle. Shouter Guy Kozowyk macht sich lustig über das ewig gleiche „Kommt nach vorne, wir beißen nicht“ Spielchen, in dem er den Bereich vor der Bühne als Feuersicherheitszone ausweist. Deswegen, und wegen der Tollwutgefahr die von einigen Band-Mitgliedern ausgehen würde, sollte man sich der Bühne auf keinen Fall nähern. Das gibt schon mal einen Sympathie-Bonus. Aber wer möchte schon näher an die Bühne heran, wenn Bassist Greg Weeks abgeht wie ein Schmalhans-Gimli auf Acid? Seine Grimassen haben einen auf jeden Fall in den Bann gezogen. Da wurde gegniedelt und gebreakt, was das Zeug hielt und zum Dank wurde Guy aus dem Publikum eine Tüte Ahoi-Brause gereicht, welches er erst einmal eine Zeit lang fragend begutachtete. Wahrscheinlich dachte er, dass sich darin bewusstseinserweiternde Substanzen befinden würden. Letztendlich schluckte er das Zeug und verzog das Gesicht: “This was probably not a good idea!“. Sprach es und stürzte anschließend einen großen Schluck Wasser hinterher. Im Publikum war zwar nicht unmenschlich viel Bewegung, aber der anschließende T-Shirt Verkauf (in Sixties-Seventies-Kirmes-Optik gehalten) bewies, dass die Band das Publikum mehr als überzeugt hat. Wahrlich nicht von schlechten Eltern. Aber es muss unbedingt noch die Frage geklärt werden, ob der Drummer wirklich „Fickeisen“ mit Nachnamen heißt…

JOB FOR A COWBOY

JOB FOR A COWBOY sind eine gute Band. Dennoch ging es im Publikum nicht so ab, wie ich es erwartet hätte. Natürlich wurde gebangt und gemosht, aber irgendwie sprang der Funke nicht vollends über. Einen großen Teil trug die Tatsache dazu bei, dass die Band nicht richtig mit dem Publikum kommunizieren wollte. In den Songpausen drehte man den Besuchern den Rücken zu und Shouter Jonny Davy war damit beschäftigt, seine Haare mit Wasser zu benetzen. Obendrein waren die Zuschauer nach einiger Zeit doch etwas von den Zwischensamples genervt und forderten die Band auf, doch mal wieder Gas zu geben. Aber wenn JOB FOR A COWBOY dann loslegten, stand das Publikum auch sofort wieder parat. Und eines muss man wirklich sagen: Die Truppe schafft es, ihre Songs fast punktgenau zu reproduzieren. Zwar war der Sound nicht ganz austariert die linke PA gab zwischenzeitlich den ganzen Abend über den Geist auf) aber das musikalische Können war jederzeit bemerkenswert. Drummer Jon Rice haut den fiesesten Beat punktgenau heraus, während die beiden Gitarristen die vertrackten Tempo-Wechsel ohne größere Anstrengung aus den Seiten schütteln (Unnütze Anmerkung am Rande: Ravi Bhadriraju hat eine nicht zu verachtende Ähnlichkeit mit Said aus „Lost“). Im Mittelpunkt steht aber das Höllenorgan von Jonny. Es ist schlicht unglaublich, was für unmenschliche Töne er aus den Tiefen seiner Lunge hervorzaubert. Die „Bree“-Parts kommen wahrlich eins zu eins aus seinem Mund. Kaum zu glauben. Alles in allem ein überzeugender Auftritt. Nur an der Spannungskurve sollte die Band noch ein wenig schrauben.

THE BLACK DAHLIA MURDER

Wie man das Publikum sofort auf seine Seite zieht, haben THE BLACK DAHLIA MURDER im anschließenden Set gezeigt. Die Jungs kommen auf die Bühne und versprühen dabei ein Charisma, dass man gar nicht anders kann als sofort los zu bangen. Dachte ich zuerst, dass die Killerplauze mit Emo-Brille sicherlich der Merchandiser der Band wäre, steht dieser doch tatsächlich nun auf der Bühne und hat sich obendrauf sofort einen Platz in meinem Herzen als einer der 10 besten Metal-Frontmänner erkämpft. Aber wie viel Gerstensaft muss man zu sich nehmen, um sich trotz der allabendlichen Hampelei so einen schmucken Bierbauch zu erarbeiten? Trevor Strnad hat das Publikum jedenfalls sofort in seiner Tasche und seine „Raise Your Horns“ Aufrufe werden stante pede ausgeführt. Gitarrist John Kempainen gehört wohl zu einer derzeit besten Solisten, die ich in letzter Zeit beobachten durfte. Der Wahnsinn, was er aus seiner Charlie Brown Gitarre herausholt. Währenddessen grinst er über beide Backen und rockt manchmal sogar in Scott Ian Manier über die Bühne. In anderen Sphären trommelt ebenfalls Shannon Lucas. Andere Schlagzeuger würden sich bei der Geschwindigkeit und Präzision höchstens Arme und Beine verknoten. Neben mir wurde ebenfalls mehr „geairdrummt“ als Luftgitarre gespielt. Aber neben all der technischen Brillanz, macht die Band vor allen Dingen eins: Spaß ohne Ende! Man merkt die ungehemmte Freude, live spielen zu dürfen und die unheimliche Verbundenheit mit seinen Fans. So turnte Trevor schon im Publikum herum und hinterließ seinen Schweiß auf unzähligen Shirts der Fans, als die Band doch noch zu einer Zugabe bewegt werden konnte. Mann weiß zwar nie, ob die „Best Crowd so far“ Aussagen einer Band ernst zu nehmen sind, aber die Ansage ans Hamburger Publikum kam jedenfalls glaubhaft herüber.

Eine besondere Erwähnung sollten auch den perfekten Song-Sequenzen zuteil werden, die zwischendurch aus den Boxen erklungen: Alltime-Classics wie die Titelmelodie vom Familienduell (oder aber Jeopardy, da bin ich mir noch nicht schlüssig…), der Benny Hill Show sowie Snoop Dogg sorgten für Lockerungsübungen zwischen dem High-Speed Geknüppel. Nachdem also um 21:45 die letzten Takte verklungen, war die ganze Band im Gespräch mit den Fans zu finden, während ungeduldige Grünspan-Mitarbeiter darauf warteten, dass sie endlich in Ruhe abbauen durften. Solltet ihr irgendwann einmal die Möglichkeit haben sich die Band live anzuschauen, solltet ihr das unbedingt tun: Es gibt im Metal-Bereich nur wenige Bands, die dermaßen viel „Value for Money“ bieten! Great Show, Dudes!

Copyright Fotos: Niels Schnappauff

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