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THE BOLLOCK BROTHERS – DIE SPEZIALISTEN

Ort: Münster - Gleis 22

Datum: 13.09.2008

Im ausverkauften Gleis tummelt sich an diesem Samstag Abend ein Publikum, das dem dort üblichen Altersdurchschnitt nicht ganz entsprach. THE BOLLOCK BROTHERS hatten zum Tanz gebeten und eine überwiegend männliche Zuschauerschaft jenseits der 30 angezogen. Seit 29 Jahren sind die Briten ein Fels in der Punkrock- und New Wave-Brandung, auch wenn es in den letzten Jahren eher ruhig um die Herrschaften geworden ist. Immerhin ist es bereits zwölf Jahre her, dass das letzte Studioalbum „Blood, Sweat and Bears“ erschienen ist, während auf die schon lange angekündigte neue Scheibe „Last Will And Testament“ immer noch gewartet werden muss.

Den Anfang machten um 21.10 Uhr zunächst DIE SPEZIALISTEN, die mit flotten Pop-Punk starteten. Ganz in schwarz und mit pinkfarbenen Krawatten gekleidet, verstanden es die Lokalmatadoren hervorragend, die Meute auf Touren zu bringen. Dazu waren ihre eingängigen Songs auch bestens geeignet. Zwischendurch testeten Sänger und Gitarrist Önz, Bassist DJ Sven und Drummer Thäse die RAMONES-Kenntnisse des Auditoriums, was zwei Besuchern in den Genuss einer SPEZIALISTEN-CD brachte. 40 Minuten lang gab es die Songs der diesjährigen EP „Gut“ zu hören, daneben natürlich auch noch Stücke des 2006er Debüts „Du wirst geliebt“ und diverse bislang unveröffentlichte Nummern. Allen gemeinsam war, dass sie ordentlich Druck machten und gute Laune verbreiteten. Stellenweise ging es in Höchstgeschwindigkeit zur Sache (beispielweise „Deine Entscheidung“ und „Die Welt dreht sich (wenn ich bei dir bin)“, der Sound kam an im Gleis und entsprechend waren die Anwesenden gut präpariert, als es nach einer 15-minütigen Umbaupause mit dem Hauptact weiterging.

Setlist DIE SPEZIALISTEN
Der Berg
Heimatstadt
Sonntag Nachmittag
Bis der Tod uns scheidet
Deine Entscheidung
Diese eine Frage
Du wirst geliebt
Nur ein kleiner Augenblick
Gut
Das Gegenteil
Krankenschwester
Die Welt dreht sich… ich bleibe hier
Top of The List (wenn ich bei dir bin)

Meine Freundin

Währenddessen war es vor der Stage voll geworden. Von westfälischer Zurückhaltung war nicht viel zu spüren und nachdem sich auf der kleinen Bühne die BOLLOCK BROTHERS eingefunden hatten, ging es gleich in die Vollen. Neben Sänger und Celtic-Glasgow-Fan Jock McDonald, Bassist Richard Collins, Gitarrist Fré Landuyt, Drummer Patrick Pattyn und einem mir nicht bekannten Keyboarder, der den Job vom im März verstorbenen Mark Humphrey übernommen hat, kam an geeigneter Stelle auch Klaus Fiehe am Saxofon zum Einsatz. Dem ein oder anderen dürfte Fiehe als 1Live-Moderator ein Begriff sein, er gehörte aber auch zur Gründungsbesetzung der NDW-Kapelle GEIER STURZFLUG. Mit seinem Saxofon sorgte er u.a. beim genialen „Four Horsemen of The Apocalypse“ für den letzten Schliff, wohingegen McDonald in seiner speziellen trockenen und mimiklosen Art für den Gesang sorgte, sofern nicht Fré und Richard die Mikros übernahmen. Die Kollegen an den Saiteninstrumenten zeigten sich zudem bewegungsfreudig, was in gleicher Weise fürs Publikum galt. Es wurde ausgelassen gepogt und vermutlich auch mehr als eine Erinnerung an vergangene Jugendtage aufgefrischt, die mit den BOLLOCK BROTHERS in Verbindung stehen. Langsam aber sicher entwickelte sich das Gleis 22 in einen Hexenkessel, wozu natürlich alte Burner wie „Woke Up This Morning Found Myself Dead“ und „The Last Supper“ ihr Übriges taten. Mit „Jesus Lived Six Years Longer Than Kurt Cobain“ (ein Umstand über den ich noch nie nachgedacht habe) markierten die BOLLOCK BROTHERS nach einer knappen Stunde das Ende der regulären Spielzeit. Damit konnte der Gig natürlich noch nicht vorbei sein, schließlich fehlte noch der Song, der zur BB-Hymne geworden ist: Schon nach wenigen Klängen des ALEX HARVEY-Covers „Faith Healer“ brodelte die Stimmung erwartungsgemäß auf dem Höhepunkt. Der Track verursacht immer noch eine Ganzkörpergänsehaut und wurde in der gebotenen Ausführlichkeit zum Besten gegeben. Fast stand zu befürchten, dass es damit schon gewesen sein könnte, denn die Jungs machten sich, nachdem sie die Hände der Fans in der ersten Reihe abgeklatscht, wieder auf den Weg in ihre Garderobe. Aber da hatten sie die Rechnung ohne die Münsteraner gemacht, die lautstark nach einer Verlängerung riefen. Die sollten sie bekommen! Es gab noch einen weiterer Durchgang, der schlussendlich mit „Horror Movies“ kongenial beendet wurde.

Die Herrschaften sind eindeutig älter geworden, haben jedoch nichts verlernt. Wie es schien, schmeckt ihnen das Bier immer noch gut, ob nach dem Konzert auch noch Groupies vernascht werden, vermag ich allerdings nicht zu sagen. In jedem Fall war der BOLLOCK BROTHERS-Auftritt für die meisten Besucher ein schöner Ausflug in vergangene Jugendzeiten.

Setlist BOLLOCK BROTHERS (nicht ganz vollständig)
Four Horsemen of The Apocalypse
Woke Up This Morning Found Myself Dead
Pretty Vacant
Harley David
The Last Supper
Jesus Lived Six Years Longer Than Kurt Cobain

Faith Healer
Horror Movies

Copyright Fotos: Jan-Hendrik Kruse

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